Angeln drehen sich, die Abendnachrichten

Der Drehpunkt angelt, spuckt die Menschen aus den Fischen. Selbst Herr Battels quietscht den Rost unter den Zehennägeln hinaus. Der Angelpunkt dreht sich, jubeln die Schweine, die im Netz nach Schlämmen suhlen. Die Kinder der Oligarchen, Monarchen und anderen Archaikern spielen selbstvergessen in leeren Zementsäcken, die Klone der Kanzlerin für sie blasen. In den Windkammern unter den Bohnenstangen ficken Tornados streichelnde Tsunamis, die schon längst keine Tränen mehr treten. Judas hatte schon lange die Silberlinge zurückgebastelt, er handelt jetzt mit Gold für Zyklopenzähne. Die Riesen aus dem Münsterland verstecken sich unter den Röcken der Zwergenpriester des Kraichgaus und kauen die Bernsteine aus dem Jura weich, das sich in Kalk zurückstudiert. Prinzessinnen aus reiner Fastennacht kegeln mit den Hoden der Elfenräte, ratet mal, wer sich zu Kegeln richtet.
Das Wetter findet erst wieder in drei Wochen statt, wenn sich die Autobahnen aus der Reha rollen. Ich träume mir Pupillen in die Brust, jenseits der Warzen.

jenes land

(aus 9/2001)
in jenem land in dieser zeit
zittern menschenkinder
den nächsten gotteskriegern
verständnislos entgegen
noch ein neuer rachedurstiger gott
ihr gott ist schon lange
tägliches grauen
wie sollen sich
wie
menschen
lieben
in solchen zeiten
in jenem und unserem land ?

Rumpel ‚d Stilz, die alte Rampensau grölt Bachkantaten #nebel14

Es waren nur kleine Nebel heute, ich wäre gesehen worden aber bald. Zwei Meter Sicht und in warme Kapuzen eingepackt den Waldweg entlang, den ich seit Kindheit kenne. Schritt auf Schritt. Tippelgetappel und auf den Ohren Rascal Flatts. Kitsch unter Kiefern, die Nebelbläschen auf der Lunge, als ob ich den November rauchte. Mitten hinein in die Landschaft, die nach drei Kilometer an den ehemaligen Kasernen endet. Die Amis, abgezogen, als ob hier Berlin wäre. Verzogen nur nach Wiesbaden, in die Landeshauptstadt, es ist den Amis egal, dass es nicht mehr Baden-Württemberg ist, wie mir auch, wenn ich neble und nur alle 200 m die Nase putze, den Rotz laufen lasse, wie als 4 Jähriger . Es waren nur kleine Nebel heute, aber bald. Die Autos können nicht rasen, die Stille ist furchtbar, mitten in der Watte, die drei Autobahnen dröhnen so leise, als ob die stille Nacht, aber es ist Morgen und das Leben tanzt Nebel. Und dann der letzte bellende Hund verzogen, all die Nordisch Gewalkten zu Huas oder sonstwo, auf jeden Fall nicht hier und ich hohle mein Smartphone aus der Tasche und nein, ich twittere nicht.
Nur für mich in der Wolkensuppe in den Editor von Evernote. 140 Zeichen, die nicht nach Frisco reichen. Nur für mich in den Nebeln der Waldheimat, kurz vor dem Wasserwerk, fast kann man die Bisons vom Karlstern röhren hören, auch wenn sie das nie tun. Und da ist er, der Hashtag #nebel14. Und es läuft in Swiftkey, der Androide tanzt, es ist mir egal, ob ich Netz habe, ich bin meiner Nebelwolke, nur ich und der Geruch nach feuchtem Wald und Kiefern. Acht wie Nacht Hashtags sollt ihr sein, im Heid und auf der Walde.

Da vorn, ach der Erlkönig. Er hat Pause, das steht ihm zu, seit Jahrhunderten reitet er für uns #nebel14

Schneewittchen hängt an meinem Hals, singt und saugt, aber ich darf nicht küssen, verschwommen die Gestalt #nebel14

Rumpel ‚d Stilz, die alte Rampensau grölt Bachkantaten lautlos in die Nebel der Rapper, als Kiefern verkleidet #nebel14

Hänsel da Grêtöl spucken Pinien, kernen bleiche Wölkchen zu Seienden. Ein Adorno spechtet im Baum #nebel14

Märchen sägen sich Sagen aus dem Gehölz, das einst Siegfried scheute. Drachen aus Moosgarn säumen sich #nebel14

Klirrende Schwerter aus Sarazenenstahl rosten zu Zwiebelkuchenfarmen. Von Fern ragen Lebkuchen aus den Kochen der Volxmusikstars #nebel14

Dreißig Atem losen um die Mäntel der Martinis, ungerührt, geschüttelt vom Frost, der bald kommen soll. #nebel14

Tropfen schwimmen im Stroh der frühen Krippen, grippen sich zu Biotika, drüben in Walhalls Odin. Saft aus Netzen läuft rot zu Magenta #nebel14

Keine Ohrenzapfen wuchsen mir unter lichtem Haar. Keine Kristalle schollten zu Eis. Lichter winken. Der Zauber schraubt sich aus dem Stativ. Ich bette meine Füße. Das Haus seufzt und sehnt, aber freudlich lächelt der Wald.

Spielschar,

oder die Sache mit den Amateuren, heute auch wieder gerne Laien genannt, wie einst die Laienbrüder in den Orden, die halt nicht die hören mythischen Weihen erhalten hatten. Das Kultische eben, uralt, archaisch, wie das Theater z.B. selbst auch.

tl;dr
Amateure und Theaterprofis arbeiten schon lange zusammen.

Ich berichtete bereits, dass ich im Marketingclub der Bürgerbühne mitarbeite. Im Blog des Nationaltheaters für dieses Festivals sind ja bereits zwei Artikel von hier nach dort exportiert worden. Bürgerbühne, in Karlsruhe und anderen Orts auch Volksbühne genannt, versteht sich in diesem Sinn als Teil eines Staats- oder Stadttheaters. Wie üblich erstellt das Theater in all seiner Intendanz einen Spielplan für diesen Teil des Theaters, in Mannheim auch Sparte genannt und castet dazu „Bürger“ um mit ihnen Stücke zu produzieren. Dazu gibt es Spielklubs, die jetzt Clubs heißen, die sich mit theatralischen Dingen auseinandersetzen, ja sogar tanzen, um diese Dinge ggfs. ebenfalls zu produzieren. Es ist also kein klassisches Amateurtheater, sondern Stadttheater mit anderen Mitteln, um das Potenzial der Stadt zu erschließen und das reine Zuschauer-Abonnentensein zu durchbrechen. So weit ganz spannend.

Für dieses Thaeterblog wollte ich eine ausgedehnte Web-Recherche zum Thema Bürgerbühne starten. Google lieferte dazu 37100 Links. Puuh. Vorne die Häuser aus Dresden und Mannheim. Lobpreiset die SEO-Künste der Agenturen. Langweilig. Also gibt es buergerbuene.de? Ja und das ist ein e.V. für niederdeutsches Theater. Auch interessant, aber nicht das, was ich suche. Ah da, zum 1. Bürgerbühnenfestival eine Promotionssendung des MDR für das Bürgerbühnenbuch von Hajo Kurzenberger. Vorläufer die freien Theater, Schlingensief etc. Schon interessanter, aber je mehr ich mich umgucke, schreiben die Onlinegazetten Ähnliches, vergessen Fluxus und die Soziale Skulptur. Sie tun so, als ob 2009 die Kooperation zwischen Theatermenschen und Laien im gemeinsamen Tun in Dresden vom Himmel gefallen wäre.
Im Prinz kennt das Thema jeder Gesangverein, jeder Kirchenchor; wenn Profis als Solisten gebraucht werden, guckt man mal im Theater, wenn der Dirigent gerade keine Ex-Studienkollegen zur Hand hat. Es gilt darüber zu berichten. Dazu brauche ich kein Web.
Die eigene Familiengeschichte reicht. Wir sind nämlich eine Theaterfamilie. Nicht weil wir seit Generationen eine Theaterloge unser eigen nennen würden. Nein, ab und an überfällt es uns und wir MACHEN Theater, Amateurtheater. Eine meiner ganz frühen Kindheitserinnerungen ist der Zorn, der mich beschlich, wenn mein Vater mit seinen Kumpels im Wohnzimmer Text paukte und ich nicht hinein durfte.
Und dann die Akten. Hier in der Handschrift meines Vaters. Herr Rippert vom Nationaltheater. Aha.

Heinz Rippert ist gemeint.
Schauspieler, Regisseur, Oberspielleiter eben auch am Nationaltheater, Reinhardschüler, mit Gründgens gespielt, mit UFA-Filmografie. Er war Supervisor und wohl auch Regisseur für die Apostel-Spielschar in Viernheim, für die er sogar zur Glockenweihe das Stück „ Die Zwölf-Apostel-Glocke“ schrieb. 1948. Mitten im Chaos kroch als Erstes die Kultur hervor. Sie hatten fast nix zu essen, aber der geistige Hunger nach 12 Jahren Nazigehirnwäsche war groß. Na? Klingt doch schon eher nach der Bürgerbühnenidee.

Mein Vater im „Jedermann“

Mein Vater im „Verlorenen Sohn“

Ganz links meine Mutter in „Meier Helmbrecht“

Ach so ja: Von wegen neu:
Das Mission Statement der St. Apostel-Spielschar. Von 1950. Es hieß halt „Leitsätze“. :)

Dass ich auch Theater schrieb und machte erwähnte ich bereits, aber ich holte mir keine Hilfe. :) Daher ist das in diesem Zusammenhang uninteressant.

Da war ich 13.

Ich war als Zuhörer auch dabei, in den 80iger, 90iger Jahren, als der ehemalige Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie 8u.a.) Albert Grünes in der Schlosskirche zu Mannheim um die Kollegen seiner Frau vom Chor des Theaters die „Singakademie Mannheim“ aufgebaut hatte und vornehmlich in Mannheims Schlosskirche konzertant Kirchenmusik aufführte, ohne dass sie Teil der altkatholischen Gemeinde gewesen wäre. Meine Frau hatte zumeist die Alt-Soli, auch ohne im Chor des Theaters zu sein. :) Ich habe es miterlebt, dass trotz sorgfältiger Planung eine Pause eingelegt wurde, weil der Tenor noch auf der Bühne des NTM stand und während des spielfreien zweiten Aktes in die Kirche hetzte, sang und wieder zurückeilte. Im Kostüm (der Frack passte ja) und geschminkt.

Solche Stories wird es noch viele geben. Überall auf dieser Welt. Das Theater und seine Zuschauer begegneten sich schon früh und machten gemeinsame Sache. Dazu brauchten die Menschen keinen Schlingensief, ohne das schmähen zu wollen.

Ich wollte das nur aufgeschrieben haben, damit es nicht vergessen wird. Neu ist die institutionalisierte Teilhabe innerhalb der Theater, das bewusste Miteinander und darüber freue ich mich, wo doch da draußen in der Welt heftige Kämpfe toben zwischen Amateuren und Profis, zwischen Verlagsautoren und Selfpublishern, zwischen Bloggern und Journalisten. Alles Quatsch. Das Theater ist schlauer. Es nimmt die Leute bei der Hand, schiebt sie auf die Bühne und tanzt mit ihnen. Im Alter von Facebook like ich das zutiefst.

Freie Geister

Ich staune immer wieder über die Vitalität der Köln/Bonner Szene. Chrizz B. Reuer hat das Streetview-Team (ich berichtete) mit + Musik und Überraschungsgast zu einer Winterreise als „Freie Geister“ eingeladen zu lesen. Ich freue mich darauf und staune. Bei uns hier käme da kein Aas… Die Einladung gibt es im Original auf Facebook.
Die Daten hier auch noch einmal außerfazebuchlich:
Freitag, 5.12.2014 20:00 im Hinterhofsalon zu Kölle.

Mit: Mit: Wolfgang Allinger, Peter Reuter, Eva Wal, Mikel Bower, Adrienne Brehmer, Marina Linares, Monika Stolzenberg und Chrizz B. Reuer. Gitarre: Dierk Lorentz.

Chrizz textet das auf FB so:

Auf höchst poetische Weise werden wir dieses Mal in einem FREIE-GEISTER-SPECIAL als LESE-FESTIVAL R E I S E — W I N TER in die weiße Jahreszeit entführt. Mit allem, was dazu gehört… die kühlenden ästhetischen Schneeflocken, die (hoffentlich) wärmende Stube und der Lebkuchenduft, aber auch der Frost und der Frust, die Winter-Gedanken und die Winter-Stiefel, die sich die Stadt ganz anders als im Sommer erwandern… in einer STREET VIEW bei NEUMOND beispielweise?
So lautet nämlich der Titel der Aktion, unter dem sich sieben der acht Autoren regelmäßig, initiiert durch Eva Wal, zusammen fanden: „Neumond Street View“…
…hierüber wird zu berichten sein, die Straßenbeschau der Poeten und deren Ergebnisse, gepaart und kontrastiert durch eine weitere Wortkünstlerin und einen Gitarristen, die intervallartig dazwischen Lyrik-, Prosa- und Klangkaskaden hinzufügen.
Wenn EINES klar ist im Literarischen Mix, diesem außergewöhnlichen Special der „Freien Geister“, dann:
Es wird A B G E F A H R E N…!

Einlass 19.30 Uhr. Beginn 20.00 Uhr.
Eintritt: 10,- Euro

Beherzt 1

Ich hatte ja Angst wir müssten Logos zeichnen und Flyer basteln. Jeder für sich und so was kann ich ja ohne mein Open Office sehr schlecht. Aber auch der Mouseclicker-Club der Bürgerbühne des Nationaltheaters Mannheim arbeitet nach dem Laien/Profi-Prinzip, gerade weil es ein Marketing-Club ist. Bürgerbühne bedeutet hier, dass Profis und Laien versuchen Theaterwege zusammen zu erkunden. Beim Marketing geht es ja nicht um Kunst, wie bei den Produktionen für die Bühnen, aber der Weg ist der gleiche. Wir Laien brainstormen, überlegen, weisen hin, fassen zusammen und die Profis setzen das um, leiten weiter an Agenturen und was es sonst zu tun gibt. Ach ja, es gibt natürlich auch Hierarchien, Intendanten und und, die entscheiden wollen, wie im richtigen Leben. Ihr kennt das ja.
Wir fließen mit im Marketing-Prozess des Theaters für das 2.Bürgerbühnen-Festival und spüren den Druck auf die Mitarbeiter. Die ewige Improvisation, denn das Festival ist nur grob umrissen, noch weiß niemand, wen die Jury auswählen wird, andere Abteilungen arbeiten am Gesamtkonzept, am Rahmenprogramm und doch muss das Marketing bereit sein, Vorarbeiten leisten und bald kommen ja auch die Schillertage und der Wolferl mit seinem Fest in Schwetzingen rumort auch schon, alles neben der Tagesarbeit. Aber so ist das wohl im Theater. Kulturmanagement ist eben anders. Den Spielplan legen ja auch die Sparten fest und das Marketing schnauft dann hinterher. Beherzt 1 weiterlesen