Krieg, Geliebter!

Wieder der Gang
zu den Maschinen
Gewehren und dem Tod
aus Millionen Gebeten
zertreten im Sand
gerotzter Worte
auf Straßen
Hass mein Hase
ist noch geiler
als Sex grölt
die Liebe und
schält Sonnenbrillen
aus dem Geblubber
der Agitprop und
den Gesängen
dummgeiler Götter
die es nicht gibt

Rattatatta rumms
holder Knabe
dein lockiges Haar

Living Chrismas

(Aus Dezemberliebe)

geht dieses Jahr Montag los. Langsam kommt die Truppe zusammen. Wir machen das jetzt schon seit 3 Jahren. Living Christmas. Wie Big Brother nur live, im Stall meines Bruders, der nach der letzten Schweinepest und diesen Super-GAU von BSE die Landwirtschaft aufgab und jetzt ein Landautorenschule führt. In 2 Wochen zum fertigen Landroman.
Dabei sah es nicht gut aus, bis zur letzten Minute war unklar, ob wir das Projekt auch dieses Jahr durchziehen sollten. Wir haben nämlich ein Forum. Sie wissen schon so ein Dings im Internet zum Diskutieren. Wie in jedem Forum, fast jedem, gab’s Knatsch. Gabriel wollte dieses Jahr als hl. Geist auftreten und mich real schwängern, das heißt nicht wirklich schwängern aber mit mir öffentlich schlafen. Sagte ich schon, dass ich Maria heiße und Maria spiele?
Ich wurde bissig. Spukte und trat. Ich dachte nicht daran jemals wieder mit Gabriel zu schlafen, ob als Engel oder Geist getarnt, das war vorbei, all over now baby blue. Ich liebe Josef und ich liebe ihn, wie ich will, so oft ich will, wann ich will, von mir aus auch im Stall, aber dann wäre doch die Story am Arsch, oder?
Sagte ich schon, dass mein Mann Josef heißt und Josef spielt? Ich musste sehr grob werden und Gabriel raten, er solle sich seine Flügel anziehen und Vöglein vögeln, wenn er denn könne. Er wurde abgelenkt, ich nehme an, eine der Hirtinnen hat ihn abgelenkt, wir haben keine Hirten, wir haben Hirtinnen im gleichen kurzen Gewand und bloßen Schultern und manchmal mehr, Sex sells.
Und dann geht es Montag wieder los. Wir versammeln uns im Stall und spielen die Weihnachtsstory bis zum 24. Live improvisiert. Verkündigung (das macht Gabriel sehr anzüglich und mit hämischen Gesichtsausdruck zu Josef hin, SUPER macht er das).
Diskussionen ob wir heiraten sollen oder nicht, Eifersuchtsszenen, die dämliche Volkszählung und der schwule Herold, dem sich Josef fast nicht erwehren konnte, die Reise nach Jerusalem, mit Stühlen, so als Gag, die Herbergssuche, die Geburt ohne Kreißsaal, die heiligen 3 Könige, samt Gefolge. Außer Gabriel, Josef und mir sind das alles Komparsen aus diesem unsäglichen Kaff hier und keine KINDERARBEIT, wir verwenden eine Christmas-Barbie aus Hongkong.
Und die Viecher stammen aus den Restbeständen meines Bruders. Living Christmas. Das bringt’s. Ernährt uns schon 3 Jahre lang. Nachts kostet der Eintritt sogar 35 €. Bezahlen die Spanner, die sehen wollen, was denn Josef mit Maria wirklich treibt.
Das ist hart, nix zu treiben 24 Tage lang. Aber wir haben ja auch 2 Stunden zu am Tag, zum Duschen und so. Von 11-13 Uhr pausiert living Christmas, bis zum 24. Kommt ihr auch? Dann singen wir auch, begleitet von Puremaff. Halleluja.
Es soll dieses Jahr Döner auf dem Felde geben. Von den Lämmern der Hirtinnen und am 22.12. Kamelbraten.

Weihnacht ist, Kinder herbei.

Die Sonne peitscht den Regen durch den Schnee, fährt ihre Krallen aus und verschluckt den Mond als Hauptgang, die Sterne hat sie schon. In dieser Menschenkälte, die selbst die Wölfe heullos lässt, schlittern die Strahlen durch gengetunte Eisblumen. Dein Hauch hat sich dem Kitsch ergeben, wie der Rest. Kristallkerzen auf den Ikeakränzen aus diesem asiatischen Teil von Schweden, den die Horden des Khan nie erreichten, rote Bäckchen auf den Skulpturen, die Beuyses Bäcker aus Senfgläsern schuf und Schleifchen auf dem Klo für Sie und Ihn. Düfte aus Backmischungen und Gelingen schleifen Dosen voller schöner Essen um Papierservietten im Stil von Panasonic oder war’s gar Sony? Moxzart trifft Maffei und nuschelt mit Grönchenmaier aus den Boxen, auf denen Putten sich streichelnd thronen. Auf den Zapfen, die ich meinem Baum stahl, der nach Australien wanderte, schlaf ich mit Nadeln, die verduften in den Himmel aus Erdbeerbrei. Weihnacht ist, Kinder herbei.

Aus Dezemberliebe.

Namen, oder wie heißt der Feind?

Mir gefällt der Rechtsruck, der dieses unser Land erfasst gar nicht. Er überrascht mich aber nicht. Dieses dumpfe Gefühl beschissen zu werden ist allgegenwärtig. Die Bankenkrise, die Zocker an der Börse, der Staat der „die da oben“ immer rettet. Die Verschwörungstheorien sind alt, überall hörbar. Das feine Gespür dafür manipuliert zu werden im immer engeren Geflecht von Lobby, Staat und Journalismus. Ich kenne das schon lange. Die Filterbubble der Fernsehanstalten und der Presseorgane verheimlichten dies immer. Die „Talkshow-Demokratie“ ist und war eine Farce.

Aber! Hilft es denn diese Dinge, die sich aus dem Sumpf auf die Straße brechen beständig mit „Nazi“, „Faschismus“ zu vergleichen? Zu benennen? Es ist etwas Neues. Natürlich gibt es Parallelen. Aber es ist neu. AFD, die Dresdner Marschierer und all die Typen in den „regulären Parteien. Allen. Von Grün bis Rot und natürlich schwarz. In Frankreich schon lange Le Pen. In der Schweiz die SVP mit dem Griltex-Milliadär, in Österreich kann man sich die Namen schon nicht mehr merken und wie heißt der Typ in den Niederlanden?

Es ist etwas Neues. Und wenn wir intelligent … äh, ich meine wir (wer sind wir überhaupt) etwas dagegen tun wollen sollten uns zunächst einen Namen für dieses Phänomen überlegen. Und nein, all das Gedümpel über Antifaschismus und anders Mus und die Gegendemos ist nicht zielführend.

Mein Opa erzählte mir immer über die Straßenschlachten der KPD vs NSDAP …

Wie heißt der Feind und wie heißen wir?

Nicht zu bestimmen? Eben! Es ist kompliziert.

Dischbediern

Und weil es im Dezember andere sind, die demonstrieren, mein ’96iger Text wieder und wieder…
Weil heute in Berlin wieder eine Demo gegen Judenhass ist. Weil das wieder und wieder notwendig ist und eigentlich nichts nutzt. Weil in Darmstadt ein Fußballtrainer der 2. Bundeslige seine Spieler bestraft, indem sie ein rosa Trikot, mit der Aufschrift „Tussi“ tragen müssen und die ganzen Antihomophobie-Sprüche des DFB nichts nützen, weil die heuchlerische Springerpresse das getreulich missachtet. Und weil, weil, weil ich die Erinnerung auch brauche.
„Hört nicht fort, lauft nicht fort, disputiert halt mit“. Aus dem Jahr 1996 ein Text von mir für die Gruppe „Uhne Ferz“. Im Viernheimer Dialekt. Auch zum anhören.

Dischbediern

Un wonn se wia dischbediern
daß beim Adolf alles bessa wa

Un wonn se wia dischbediern
daß alle Schwule ufg’henkt kän

Un wonn se wia dischbediern
daß die Waiwa in die Kisch kän

R E F R A I N:

Hä net fort, laaf net fort
Dischpedier halt mit
Saach laut was de dengscht
wonn’s soi muß , donn kreisch laut
no, no, no…

Un wonn se wia dischbediern
daß die Polacke all vagaast kän
Un wonn se wia dischbediern
daß die Bimbos doch im Busch bleiwe solle
Un wonn se wia dischbediern
daß alle Tirke hom gschafft kän

R E F R A I N

Un wonn se wia dischbediern
daß Autofahrn dem Wald nix mescht
Un wonn se wia dischbediern
daß Mill sortiern was fa Dumme is
Un wonn se wia dischbediern
daß noch kona ’sOzonloch g’sehe hot

R E F R A I N

Un wonn se wia dischbediern
daß Auslänna vabrenne sou vakährt net wä
Un wonn se wia dischbediern
daß Poltitik blouß was fa die onnan wä
Un wonn se wia dischbediern
daß alle Arbeitslose faul wän

R E F R A I N

Un wonn se wia dischbediern
daß Kinna un Waiwa ab un zu Priggl brauche
Un wonn se wia dischbediern
daß es des beim Adolf net gewwe hät
Un wonn se wia dischbediern
daß Sie alles bezahle meeste

R E F R A I N

Pseudoreligiöses

Ursprünglich am 5.9.2010 geschrieben und nichts hat sich für mich geändert. Bin ich auch so ein böser (Dingens)-Phob?

Nur ein kleiner Hinweis, ein Gedanken winden, ein glossen zur tabulosen Debatte der Kandesbunzlerin…

Ich denke, all das Geschwafel über Migration, Integration, Leitkultur und all die anderen Hilflosigkeiten, hängen eng mit unserer säkularen Gesellschaft zusammen, dem kultischen schlechthin, der Religion.
Ein überwiegender Teil der Menschen hier hat mit den „alten“ Vorgaben der einst mächtigen Kirchen nichts mehr am Hut, hat sie sich abgeschminkt, bleibt fern oder ist ausgetreten wie ich, war nie Teil davon, wie der Osten mehrheitlich.
Ich spreche vom Muff dieser Institutionen, der Spießigkeit ihrer Erscheinungsformen, ihren eifersüchtigen Göttern, die bis ins Detail, gerade im sexuellen Bereich alles deuten und beherrschen wollten, sich gegenseitig abgrenzten, gegen andere Sekten aufhetzen, und dazu rechne ich inzwischen sowohl die evangelische wie auch die katholische Kirche in der BRD. Das alles hat man in weiten Teilen abgelegt, oder glaubt jemand ernsthaft, die Mehrheit selbst katholischer Kirchgänger hält sich tatsächlich an die perversen Verbote von Pille und Kondomen? Da können sich die Hassprediger in den „kath. Netzen“ oder die selbst ernannten bigotten katholischen Blogs noch so abgeifern (nein, keine Links für diese Szene), wir leben in einer säkularen Welt, die sich langsam aber sicher beginnt, eigene Werte zu schaffen, alte zu integrieren, neue auszuprobieren und das hat alles zunächst nichts mit Atheismus zu tun, sondern mit dem frei schaufeln, emanzipieren, Kopf lüften.

Ich will auch niemanden seinen Glauben vermiesen,

es ist so viel Wahres und Gutes in diesen alten Kirchen, ich war lange genug aktives Teil davon, aber den Muff, die Spießigkeit der pietistisch-schwäbischen Pfarrerstochtermentalität, das onklehaft-verschämte Unvermögen über Sex auch nur zu sprechen vieler katholischer Amtsträger (und ich habe Freunde darunter, doch) wollen wir nicht zurück.
Und jetzt kommen aus anderen Ländern anders sozialisierte Menschen, mit den eifersüchtigen und aggressiven Gottheiten ihrer Kulte, verbunden mit einem extremen Macho-Gehabe, die sich oft in der Fremde an genau diese Kulte klammern und sie Wort für Wort leben wollen, bar jeder Toleranz, wie es noch nicht lange her, auch hier so war.
Durch die Hintertür des Orient kommen wieder diese ekelhaften Zwänge der monotheistischen Religionen, die doch eigentlich innere Freiheit lehren, mit Vorschriften, sogar für das Essen. Von fern droht das westlich-puritanische Amerika mit seinem ewigen „God bless“ und dem Kreationismus, dahinter die fern-asiatischen Kulturen, die man gar nicht kennt.

Es ist die Angst wieder genauso werden zu sollen. Nicht islamisch oder sonst wie, es ist die Angst sonntags wieder die alten Lieder singen zu müssen, Andacht heucheln und dem Herrn Pastor die Hand (oder sonst etwas) küssen zu müssen. Diese Angst vor der Inquistion, dem Imprimatur, der Zensur, der Unfreiheit, dem pietistisch-kehrwochenartigen Gequäle, dieser Art der kollektiven Unfreiheit. Wir können mit den zurückgedrängten Kirchen leben, die sich in ihren Sakristeien beweihräuchern, aber nicht mit der aggressiven Kirche vergangener Tage und auch nicht mit einem aggressiven Islam, der alles und jedes verurteilt und verachtet, der nicht ist wie er.

Möge jeder nach seiner Facon selig werden, aber auch ohne Anspruch darauf, dass die eigene Facon die einzig Wahre sei und auf Gedeih und Gebenedeit durchgesetzt werden muss.

Und das alles hat nichts mit Genen zu tun oder ähnlichem dummem Zeug der Pseudo-Sozial-Darwinisten, es ist in die Köpfe genagelt, auch bei vielen von uns.

Es gibt keinen Weg zurück in den Fundamentalismus, gleich welcher Art. Das ist die Botschaft. Wir verteidigen unsere Freiheit, mit Worten und mit Locken, gegen die Hassprediger jedweder Couleur. Und doch, ich kenne genügend türkische Kollegen, mit denen man bei einem Bier und Schnitzel genüsslich darüber palavern kann.