Es war einmal ein kleiner Rasenmäher.

Hab ich ja auch noch, vielleicht sucht doch noch jemand etwas zum vorlesen.
Es war einmal ein kleiner Rasenmäher. Beinahe-Märchen für nicht mehr ganz so kleine Leute.

Vorgestellt:In den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts, das auch im letzten Jahrtausend lag,führte ich eine Tradition fort, die ich bereits in den Achzigern kultiviert hatte: Geschichten erzählen zur guten Nacht und die kleinen Menschen durften das Thema frei wählen. Ich hätte sie aufschreiben sollen, aber zu-meist war ich froh dieser Pflicht entledigt wieder dichten zu können oder das eigen Bett rief, ja das auch. Genau das. In den Neunzigern nun hieß das Thema immer und immer wieder „vom kleinen Rasenmäher“.
Beispiel:
Der kleine Rasenmäher und rotes Gras
Es war einmal ein kleiner Rasenmäher und täglich half er mit seinen kleinen Messern brav seinem Papa das Gras nicht höher als vier Zentimeter wachsen zu lassen. „Gibt es eigentlich auch rotes Gras?“, fragte er unvermittelt. Papa rauchte langsam, nein, nicht wie Eurer, er rauchte wegen des leicht erhitzten, billigen Schmieröls im Tank. „Das ewige Grün im Sommer und das Ocker-Gelb im Winter ist sooooo langweilig“, quengelte der kleine Rasenmäher. Papa qualmte gemütlich noch ein düsteres Wölkchen und schipperte auf die hölzerne Gartenhütte zu. „Hier“, sagte er nur und überreichte dem staunenden Sohn Farbe und Pinsel, „streich’s doch“. Der kleine Rasenmäher war Feuer und Flamme.Er strich mit leichten Pinselschwüngen Halm für Halm rot an, aber er war ja wirklich noch ein kleiner Rasenmäher, der ohne seinen extra Schuss Hochoktan noch nicht so lange in der Sonne ackern konnte. Nur einen halben Quadratmeter hatte er gepackt, als er kläglich aufgab und unter den schattigen Kirschbaum fuhr. „Halme streichen ist schlimmer, als ich dachte“, seufzte er laut und schlummerte schon fast, als sich Papa bereits im Endspurt vor dem Häxler den Grasfang entheute. „E sgibt kein rotes Gras, mein Junge“, es sei denn Du willst das WIRKLICH, aber eigentlich ist das viel einfacher und schwerer zu gleich“. Der kleine Rasenmäher ahnte böses, gleich würde Papa philosophieren und das nur, weil er mal etwas Abwechslung wollte. „Eigentlic hist solch ein Rasen bunt, wenn das Gras höher wachsen dürfte und eine Wiese wäre“,flüsterte Papa. Er seufzte und blickte in den wolkenlosen Himmel. „Aber für eine Wiese mit bunten Blumen braucht man keine Rasenmäher.“ Der kleine Rasenmäher träumte trotzdem laut von bunten Wiesen, mit kleinen Rasen dazwischen für kleine Rasenmäher,sein Papa schluckte stolz und nahm zur Feier des Tages zwei Schluck Super mehr.
Weiter im PDF.

Risikogruppe, ach.

Barzahlung

ich zahle bar
sprach der Tod
und nahm mich mit
das Geld auf dem Tisch
reicht für die Zeche und
morgen

Das ZDF schreibt speziell für seine Zielgruppe (Wenn das denn stimmt), Göttin Corona huldigend:
Für Personen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren steigt das Risiko für einen schweren Verlauf stetig an. Senioren sind nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht empfänglicher für das Virus als andere Altersgruppen, haben aber ein höheres Risiko, schwerer zu erkranken.
Meint: Auch das Sterberisiko ist höher. Nun, das ist auch sonst so. Über Jahre hinweg schrieb ich:

Zumeist lyrische Texte zum älter werden der Zeit

Ich setze mich gerade damit auseinander, mir einzugestehen in Hirn und Bauch, dass ich alt bin. Punkt. 68 ist alt. Suche Kontakte zu meiner Zielgruppe vor Ort. Wie auch immer das ausgeht, ich werde berichten.
In der Zwischenzeit spielt Igor Levit, so lange Corona wütet, für uns alle jeden Abend ein Konzert.

Ich wollte auch etwas tun, nicht dass ich mich mit ihm vergleichen könnte, aber vielleicht macht Kleinvieh auch Mist.

Weil wir ja alle -meine Risikogruppe und viele andere- jetzt und hienieden, zurecht, örtlich eingeschränkt sind und vielleicht was zu lesen suchen, für daheim ‚rum, poste ich die Texte noch einmal hier im Blog. Und zum Schluss für Kindle, EpubReader zum Download und als PDF für die Anderslesenden zum Drucken. Für lau.

Michael Bauer
Zumeist lyrische Texte zum älter werden der Zeit

Restezeit

Millisekunden schreien
über den Falken der Zeit
reiten auf Strohlibellen
gärten fröhliche Attacken
Seelchen schmusen kreuzen
im Meer der zehn Minuten

Sei ein Mann

Lisa. Nichts sonst. Lisa. Keine Zwanzig mehr, nein, aber trotzdem 20 Jahre jünger, oder waren es nur 15, sagen wir 10? Lisa. Genügend Falten winden sich um das Kichern, deuten, führen, wollen, singen. Wissen sorgt sich um Lachkrähen, Linien schärfen sich am doppelten Kinn. Lisa, Augenblicke, Lisa. Blitzen, erinnern, röten, Händchen, schweissen, nässen, führen. In Hosentaschen zu zweit, spielen, daumen, schenkeln, die Hand. Läppchen ohren Küsse. Zungenspitz auf Fingerspitz.
Pflaster betreten, belaufen, erschreiten, ersohlen, berücken, begreifen, erblinzeln, ereilen. Pflaster, Hände, Augen, Münder. Lauer Wind haucht glatze Haut. Aufkeimende Arthritis im Spiegel der geprusteten Nebel. Lisa, einsilbergestreift, Lisa, mit einzig Leberfleck auf funkelnden Handrücken, mondlicht-gebräunt.
Alle Takte synkopen im ungedrillten Gleichschritt, rosa Atemzüge synchronisieren Wölkchen aus frisch gedampften Nebel. Straßennamen singen, Hausnummern tanzen, Treppen steigen zum Beat der Pumpen-Schläge mit heißem Blut. Brüste reiben, Schenkel treiben, Schuhe fallen, Knöpfe entlochen, Verschlüsse reißen. Worte, in Speichel gekocht, rinnen an Wimpern. Und die Zeit stillt sich am Moschus der angebeteten Ewigkeit.

Keuchend wandte er sich ab und wünschte er hätte nie aufgehört zu rauchen. Nichts und diese Tabletten, die es jetzt gab, könnte er sich nicht leisten und außerdem, bei seinem Blutdruck ginge das wohl gar nicht. Er hat noch nicht einmal danach gefragt. Überhaupt, fragt man eine Ärztin so etwas? Wenn er noch rauchte, könnte er auf den Balkon gehen, jetzt, mitten in der Nacht, ja um 23:24 war das mitten in der Nacht für ihn und er müsste nicht in die mitfühlenden Augen von Lisa blicken, die ohne Vorwurf fragten, ob sie denn noch etwas tun könne und sogar die Zunge über die Lippen bei geöffnetem Mund spielen ließ. Wenn er nur rauchen könnte, entschwinden könnte, sterben könnte. Seine Scham kam in Wellen, brandete an Leinen, schluchzte, hüstelte, ließ ihn nicht mehr frei. Gefangen in seinem Versagen versiegten die Worte, nur Lisa gluckste in kichernden Falten und zählte laut seine, küsste die Leberflecke und malte Herzchen auf seine Glatze.

Die Ewigkeit beschwor sie und schenkte ihm Zeit, entließ die Worte aus dem Speichel, kühlte sie zu Sätzen, riss an den Schlüssen, stopfte die Löcher, besohlte die Schuhe, trieb Schenkel aus Betten, brüstete ihn rieb. Heißes Blut ließ sie beateln, ebnete Treppen, ließ Hausnummern schrumpfen, prägte Schilder zu Straßen. Lisa, zweisilbergestreift, funkelte im Mondlicht kleine Flecken.

Während er schlief flocht sie Bänder für ihre Wohnungsschlüssel, schwitzte sie in Händchen, rötete. Entträumte ihn lautlos. Nahm Maß an den Läppchen, versank im Crescendo des Gaumenzäpfchens.

Ein Wort hing in der Luft, geformt aus dem Moschus der Zeit und der Morgen zitterte.
Bleib trommelte sie auf seine Brust mit großen Zehen. Sei ein Mann und bleib, trommelte sie, gerade deswegen.

Und dann gab es keine Worte mehr, keine Sätze, als ob es kein Ende gäbe, alles war Poesie, alles prosaisch, er war erreicht. Wer will schon Höhen wissen? Er war erreicht. Punkt.

Friedhof 2008

Gehäkelte Deckchen
auf dem Grabstein
für den Coffee to go
beim Grabcheck
Security bohrt
Löcher in Ohren
Best Age
Könnte man vielleicht
zur Probe nur einmal
auf Probe sterben
nur um zu sehen
wie das denn so ist
frührente
es tobt
es zuckt
das ego hämmert
die faust geballt in der tasche
der atem zischt
jeden tag
jeden werktag morgen
und lächelt
guten morgen mahlzeit feierabend
es tobt
es zuckt
das ego hämmert
ausgezuckt
frühverrentet
zwangsweise
es
Endlich
Ein Glas voller
Tücken
schlürft uns
durch die Türen der
Ewigkeit
solang die Hölzer hobeln

Maibaum

Mein Seele sägt Löcher in den Zement, mit dem der Mai für ewig neben dem Tannenbaum verewigt werden sollte. Nichts ist ewiger als die Ewigkeit, auch wenn die Bäume in den Himmel wachsen, der sich heute wie ein Chamäleon gebärdet und Wolken zwischen die Spatzenhirne spachtelt. Sind die Lieder, die wir niemals sangen nicht stimmig ? Sie zementieren schon wieder diesen Baum, unter dem doch die Freiheit tanzen sollte. Der Gott, der in der Kirche nebenan, einsam auf seinem Altar friert, speit sauren Regen auf den Beton, lässt Salzsäureblumen wachsen, die himmlisch die Steine durchranken. Jetzt steht der Mai in Baum gegossen, still und starr, seiner Äste beraubt, entgrünophyllt. Ich werde nicht unter ihm tanzen, das Quartal des Eintanzens ist noch nicht um. Und dann aber werden wir tanzen unter dem Grün, das wir unter grauem Himmel lieben, auch wenn ihn der Blätterschmied blau angesprayt. Jenseits des Sommer wie Winters, wir kletterten längstens von den Bäumen, Mai war’s, glaub ich.

Matrizen

Die Matrix meiner Matratze
segelt nach Gefilden
Hauptbahnhof

Die Unendlichkeit
fällt der Ewigkeit
zum Opfer
in zwei Wochen
ziehen beide aus

Ich melke meine Probleme
zu Tode
bis der Schein der Stempel
nicht mehr aufersteht

Mein letztes Haar
im Ausfluss der Dusche
gefangen betet mich an
im Glanz des polierten Schädels
Danke Yves Rocher

Über den Wolken
scheint nur noch
die Sonne
der Tod
pflügt sich
an der Bar

Ich räume
über den Himmeln
Platz für meine Heiligkeit
das Volk glänzt
im Speck seiner Maden
Ziele
Sie drohen wieder
mit der Ewigkeit
wo soll das
nur enden

Ich werd alt

Von der Brücke
aus den Bruchstücken
ungebrauchter Träume
spucke ich
in den Fluss der
Zeit

Mittwoch 2

Rost bricht dein Blick
aus dem Dampf
feuchter Wiesen
Wir liegen auf
selbst gefickten
Deckchen

Jahr um Jahr

Im Gepäck
meiner Seele
grunzt ein
Kuckuck
Unter den Decken
Ich male Sekunden
in geteilte Brüche
unter Strichen
rülpst die Kunst
in frommen Schriften
Kataloge schlucken
dumpf

Dort hinten

Träger stahlen
Rost in Tresore
Asphalt blüht
in meinem Atem
Ich hauche Dich
zu Stein
reib Dich
Liebchen
an meiner Brust

Hinter den Gräben Mauern aus Fahnen

Die Leere aus fünf Jahrzehnten
in kleine Koffer gepackt
grast an mooslosen Säulen
Wir vögeln uns Kinder aus Reifen
schmelzen den Schwefel aus Profil
regeln die Wahrheit an
chromosphem Ventil
Ein Rest aus bauchfreier Liebe
bleibt in graues Pflaster gebacken
lacht Glocken ins große Gemüt
Zeit schlägt dem Kuckuck viertel
Stundenampeln Motoren zu Takt
Die Stille zerreißt eine Fliege zu Schall


Nur ein Gedicht

Der Rauch
den mein Sarg
im Kamin des Lebens
bläst
gerbt
kleine Worte
in
eine
meine
Ewigkeit

Aller Lieben

und solch ein Feiertag
gibt es nicht warum auch
sollten sie die Liebe feiern
nur der Tod pirscht noch
zu Ende


Wiedersehen

Ich rolle die Tüten im Damals der Sekunden, ringel die Stunden zu Locken und im rückwärtsrollenden Rhythmus der Wochen verbrennt mein Rasta die Jahre. Eine Wolke skalpiert das Eis aus frühen Jahren, wer kennt schon die Namen der Winde und mein keuchendes Ich.

Altersverwertung

Keine Zeit
so groß
verdampft
in den Uhren
oder Kalendern
Ich trage Manschetten
um den Ärmel
des Todes
wie lange
wird mich
die Rente
quälen

zeit banalitäten

3 stunden gekocht
10 minuten gegessen
2 wochen geschrieben
2 minuten gelesen
10 minuten extase
18 jahre erziehung
alles so banal
und :
auf keine sekunde verzicht ich
nie

Sonntag

Am Fluss liegt angeschwemmt die Zeit
wälzt sich im Kies
sandet in Gedanken

Blitze blühen im gemächlichen Fließen
schießen in graue Himmel
verglühen zu Funken
kaskaden zu pyrogenem Geläut

Lautere Sünden huschen durch Musik
lauschen den Tönen
die der Wind entsorgt

Flackernd stirbt die Zeit
Wachs in den Händen
Jäh bricht Stille durch die Mauern
hüllt all den Lärm
in Schlafes Kissen


Du hörst ja doch nicht

Hör auf
meinen Runzeln
zu schmeicheln
die Schuppen von der
Haut zu fegen
über den Altersflecken
Lust zwischen
die violett geränderten
Schenkeladern zu
blasen
Hör auf damit
Sommerwind
mein Liebling
hör doch
hör auf

mein gott, der nachwuchs

was jetzt junggott
diese ewigkeit ist dein
was jetzt gott
sprich dein gebot
was jetzt sternengott,
schrei, wenn du verglühst

Heimspiel

Deine Schulter reist zu meinem Kinn
Mein Finger geizt mit Haut
Zenti metern durch Poren
graue Haare takten im Wipp

Tages Buch, mein Karmann

Gelassen rülpst der Tod das Bier
zwei Tage Kalt wird dieses Jahr
der Stachel juckt die Hasen
Zwei Mandelkerzen reiben Glocken
Lämmer weiden Rosmarin
Feuer zischen ungeschminkte Kerzen
Ungelegte Eier rollen durch gespickte Lieder
Weihrauch seufzt zu harzgetränkten Särgen
Ein Kreuz blüht genverstärkte Tulpen
Schwarze Erde dreht am Rad

Fast nur Grauköpfe beim Jazz

Noch ist Fleisch
über den Knochen
wer friert schon wenn
Riffkaskaden
über Bässe tropfen
an den Hängen
der Drums entlang
Noch wippen die Zehen
über die Pflaster
Der Hebst haucht schnelle
Beats über das Hihat
zwei Augen verlieren sich
in Pianotasten
Noch verschmäht
die Sonne die Regen
Streusand fällt vom Himmel

unendlichkeit
( divison by zero )

die ewigkeit
ist nicht mehr

finanzierbar
die sponsoren pleite
gedankengebäude zerbröseln

in die unendlichkeit
der zeit
ursuppen kochend aus

tütentod
division by zero

Unter der Zeitdusche

fließen Sekunden
tropfen Minuten
meinen Stunden entlang
Im Wind meiner Gedanken
getrocknet gesalbt
lieb ich Deinen Augenblick

Spaziergang im Friedhof

Die Existenz
ist sich meiner
bewusst singt
blaue Himmel
über das Faul
der Särge

Zeitblüten

Zwischen den Jahrtausenden
blüht Schönheit für Jahrhunderte
an den Jahrzehnten vorbei
Ach, da lachen die Jahre
und kichern

Lippenbekenntnisse

Zähl meine Falten
wenn Du meinst
jede Dritte
Besing das Braun
der Leberflecke
aber dann
komm

Pläne

Unter dem Pflug
der leichten Salate
schreit das Fleisch
schmilzt das Fett
der frühen Jahre

Meine Feuer

rauchen noch
sind noch nicht entqualmt
stinken wärmen flackern
rote Schatten an die Wand
Wasserspiele rauschen
namen uns Versicherungen
aus den Feuern der Ewigkeit

Grufties

Erinnerungen
pflanzen Bäume
himmeln in den Spitzen
Enkel ritzen Herze
Blätter fallen
wir wurzeln uns
was heißt hier
begraben

zwischen den Zeiten

im Urwald der Zeiger
rasten Uhren
im Quellsumpf
der Sekundenbeißer
auf selbst geschwiegenem
Stroh

Wertung 9001

Am Geländer der Ewigkeit
hängen die Zertifikate
im gedopten Trockeneis
Ungelenkte Muscheln
sprühen Gelächter
auf die Werbetafeln
der Ewigkeit

Gardinenpredigt

Was suchen wir
hinter den Gardinen
der Friedhofsmauer
die sich doch nur
an der Zukunft gilben
einen Tango mit
Funken im Blues der Zeiten
wer will schon finden
wenn er suchen kann

Sie enden

Sie enden wieder
rief die Ewigkeit
schickt ihnen Anfang
aber schnell
Dieses ewige Enden
blies sie in die Backen
wie gut dass es
den Anschein gibt
von Anfang an
ach nee
Tod Anfänger
Du kamst zu spät

Regen bogt das Land

Noch nicht einmal mehr
das Gold glänzt beim Funkeln
Ich sprühe Regenbogen
in das geifernde Maul
der Sonneneruptionen
Atome splittern vom Faustkeil
Ich träume von Küssen
und flatternden Erektionen
bis wir wieder schlafen
Sing mir ein Lied
in meine zuckenden Schultern
bis die Regenbogen wachsen
hinter das Firmament
wer spricht von Horizonten

Rente

Ruhige Nächte
blühen auf den
Schiffschaukeln
des westlichen Mondes
wo all die Lieben rasten
Graue Haare
fließen

Nostalgie

simply overdressed
liege ich nackt
in Omas Bett

Friedhofswunsch

Manchmal wär ich gerne auf einem Friedhof begraben, meine Asche in die Erde gemengt. Einen Friedhof meine ich, auf dem Salat wächst, Erdbeeren und Spargel, von mir aus auch Kartoffeln oder Lauch, vor allem Hopfen und Wein. Ein Friedhof, der einen Grillplatz für das After-Funeral hat. Ein Bistro, in dem Dichter sitzen und Liebeslieder dichten, ein Biergarten für den Sommer mit Liederabenden und natürlich eine Disco, in der die Enkel der Toten einen abtanzen für die Opas und Omas.
Es sollte eine fröhliche Atmosphäre herrschen im Andenken an die ihr Leben lebten und liebten. Leben aus dem Tod zum Tod, ja, aber während dessen Trübsal blasen ? Warum denn ? Auf meinem Friedhof sollten Katzen streunen und Hunde kläffen, Kinder spielen und Teenies knutschen, wenn gar nachts Kinder gezeugt würden, welche Freude. Auf meinem Friedhof sollte sich das Leben lieben, die Toten sorgen als Asche schon für sich selbst. Dort wär ich gerne verstreut, als Asche vergraben und halt tot, während die Lebenden leben.

Ach ja, der Frühling schreit

Jahrgänge (1)
Auch diese grünen Blätter
von trillernden Vögeln geweißt
werden sich färben
für mein Gepresse
Jahrgänge ringen mich

Stranden (2)
Meine Runzeln
raunen Runen
in den Schorf
längst verheilter Wunden

Unzahl (3)
Eine Unzahl
addiert mich
wer dividiert sich schon
in diesem Rausch
aus Multiplikationen
zieh die Wurzel, zieh
Kataloge vielleicht (3)
Nein ich beachte nicht
das Design der neuen Särge
ein neues Bett vielleicht
und noch einmal
eine Truhe für die Spiele

Testament (4)
Einmal wollt ich
nützlich sein
Kann mich wer
zu Dünger malen

Umbau

Ich hab mir einen Sarg gekauft
zerlegt zersägt
d’raus einen Butterschrank gebaut
den brauchte ich
für das Brot der späten Jahre

Uhrbauch

Die Uhr
die dein Herz schlägt
ächzt in den Krähen
Deiner Augenfalten
den Tango den Dir
der Sambamann in
den Bauch signiert
noch sensen wir
selbst

Sarg

aus dem Holz der Särge
die uns Broker verkaufen
bau ich eine Bank
darauf wir vögeln
wenn die Klingelbeutel
läuten
sonntags morgens
vor Gottes
dreieinigem Sex

Leben baumeln

Auf der Friedhofsmauer
sitzen Leben bummeln Seelen
leicht im Sommerwind
die Toten ruhen lächelnd
Liebe regnet über Felder
die einst nur Hass gepflügt
auf der Friedhofsmauer
engeln Teufel
Glück

wortmutation

meine kindheit mutiert in worte
spielt fangen mit dem tod
lacht tränen in den alltag
rosa kratzer singt sie
auf edles silbergrau in schwarze löcher
ihre neugier sucht das nächste leben

Verweigerung einer Ewigkeit

Ich verweigere der Ewigkeit
mein Sterben
lebe meinen Tod
täglich in
lächelnden Seen
Gedanken spuk ich
auf mein Grab
Schatten zu zeugen
aus Lieb
wer weiß wie lange
Ewigkeiten dauern

wenn meine Zähne

im Glas liegen
Perlmutt vortäuschend
während ich Dich küsse
faltern sich unsere Falten
flatternd
wie die Hände
und in den Pupillen
hinter den Brillen
glimmt die Glut
ein Wort nur
über alle Gezeiten
und
alles glüht schäumt
wer deine Berge kennt
wer braucht da Meer

Opa Valentin

Feiert Valentinstag
groß im besten Restaurant
mit Opa
Er wird zahlen und lächeln
wenn ihr Enkel erwähnt
zwischen den Küssen

noch einmal

noch einmal trotzen wir
dem rheuma
bieten unsere blässe
fahlem mondlicht zum upload
vermischen den duft unserer säfte
mit dem tau grüner halme
unter gelächter von faunen und elfchen
bevor neugierige enkelaugen
uns hier großeltern sehn

eingefleischt

unter patina
unser bild
nicht gerostet
unmetallisch
eingefleischt
mit haut haaren
silbrig glänzend faltig gewellt
unser bild hat sich entwickelt

zeit 12

die straße ins nichts
zu bruder tod
wieder und wieder
zugestaut
jahrzehntelang
wandern wir zwei
am stau vorbei
fröhlich pfeifend
die straße ins nichts
bruder tod entgegen
noch manchen stau
begießend
bruder tod hat zeit

Ich habe meinen Tod vergammelt.

Ernsthaft. Irgendso ein Typ aus den heiligen Hallen hat mir diesen Scheck überbracht, den ich unbedingt die nächsten 10 Minuten hätte in einen Bon einlösen sollen, an der Kasse 3c, die für die eiligen Kunden, aber ich traf da den Geist einer so schönen Frau, wer könnte da widerstehen, nein ich verrate nicht, wessen Seele es war, HIER zumindest geht das niemanden mehr etwas an, schon gar nicht niemals DICH, ich meine nicht Dich, es weiß schon wer gemeint ist, gelle, es geht eh nur noch geistlich, was ja, tritt mich nicht, geistig meine ich.
Also ich geiste diese Frau und sie geistigt zurück, das ist cool, ej, echt. Naja, dann war halt die Kasse zu, die Halbengel wollen ja auch mal geisten und ich war eigentlich so todesmutig den lauen Abend noch nicht, aufgekratzt und doch müde, ihr kennt das ja. In der Südkurve, sehr schön gemacht hier, keine albernen Pappeln, sondern echte Palmen, pappeldiepapp, Palmen säusel ich, also gib Ruhe, wenn ein Kenner das konsterniert.

Also, das Altweizenpilsexport, das man hier über diese Sprenkler nektart hat was. Wir geisten, geistigten vergeistlichten uns in allen Einzelheiten, Details spielen keine Rolle, was wie, soll das hier ein Porno geben, also geisten ist ein gewaltiger Qualitätssprung zum Vögeln, au, aj, darf ich nicht mehr sagen, auf jeden Fall hab ich zwei Flügel zu viel und war ganz ürdisch mal kurz auspofen, als man mich hier rausschmiss und zu noch weiteren 5 Flegeln eh Jahren verdonnerte. Nur weil mein Bon abgelaufen war und der Erzengel wegen Jungteufelverderbnis den Flügelstutz alleine machen musste.

Auf jeden Fall komm ich morgen wieder arbeiten, denn ich habe meine Tod vergammelt.

Zeit 16

Wir kreisen
um die Wochen
hacken feuchte
Löcher in die Nacht
blasen Sekunden
zu Minuten
Urlaub von
kichernden Tagen
regnet ein
verfaultes Jahr
Wer braucht
Dächer in diesen Zeiten

Wäre, wem Wäre gebührt

Wenn sich Tage
auf Sekunden
stürzen
und hilflos
ticken wie
die Schläge
aus Herzen
als ob es
Metronome wären
Takten gleich
sieben viertel

in das Tick
Tack der wie
sagt man das
Existenz

Richtung

Ich verlor
meine Mitte
das Außen das
Innen in Deinem
Augenblick

Ich bin ein Kompass
für die Wege

Wir fälschen die
Enden und stöhnen
stillen, ruhen im Tod
der noch lange
den Urlaub küsst

Hört ihr nicht das nicht

tod dem sonnentag

meine verlorene ewigkeit
tötet die zukunft
gut freund mit dem tod
pfeif ich mein leben
fröhlich von den lippen

Im Tiefdruckgebiet

pflüg ich Wortwürmer
in den festgestampften Beton
aus Gelaber von Krankheit
und Todgeschrei
unfruchtbar geprügelt
von Kaffeetassen
Kuchen aus Gips
geil auf Unglück
und Drama light

wir dürfen kein Fett
dopen die Betablocker

Der Frühling wäscht sein blaues Band

All die Tage, die ich überlebte verspotten den Tod, der gemächlich Frühlingssonne tankt, draußen auf der Bank, die alle Eile schlachtet.

Jeden zweiten Donnerstag üben die Frauen des Laurachores Croft in Saal VI richtig trauern unter der bewährten Leitung von Adelheid Schmitt.

Der Duft dieser Melodie sprüht Stille durch die Blumen auf mein Bett

Und wieder blühen die Kirschen, schreien ihre Pracht in den blauen Himmel. Wie jedes Jahr werde ich erst die Früchte verstehen und die fallenden Blätter, die leise lächeln.

Gesänge aus Harddisks und Sticks grölen zwischen die Furchen, die Traktoren säten. Wer denkt schon an den Schweiß der Ernte und die Käfer.

Ich verlier mich im Safe der Versicherungen.

Die Kriege fliehen, werden von den Unternehmen in die Gazetten verlegt, wo man sie weiter verführt. Sieben Sonnen schmelzen das Gestern, wir hören den Schnee.

Drei Mal im Monat treib ich Tränen durch die Mäuler der Fische, als Meerschaum geboren, an Deinen Strand. Leise summt die Invasion.

Diese Weilen langen wir durch Dick und Dünn.

In Zeiten die nach Seife riechen, schweißlose Arbeit durch die After rauscht, schütteln wir Hände und Köpfe, stöhnen wir durch lange Nasen.

Hinter die Gedanken, die wie Pilze in leere Kohlenkellern auf Stroh gebettet schimmeln, feilen ungeweihte Schwingen Reden für den nächsten Wald.

Waschmaschinen für Flügel engel ich Dir im stromlosen Paradies. Wer kohlt den schwarzen Mann?

Schmale Grate schwingen sich entlang der Mittelstreifen durch die Gebirge, wachsen zwischen Himmelfahrten, wer kennt die Kommandos, Du, Bimberle?

Blasenfrei und schaumlos wachsen wir Kerzen, lichten uns.

Also doch

Das Leben
hat zurückgebissen
vögelt mein
Grinsen
und lacht

Der Tod
tanzt
durch wabernde
Beats

Danach

Zwischen die Zeit
geschoben pfeift ein
Gedanke

sag nicht
Ewigkeit zu

casa nigra
bis dass der tod uns scheidet
und die hälfte ist vielleicht schon um
bis dass der tod uns scheidet
komm her, s’wird zeit
sam, play it again

Domani

Was passiert eigentlich, wenn ein Domainbesitzer stirbt, fragt sich jeder anständige Internette im November und ihm schwant Böses. Irgendwann wird dessen reales Konto gekündigt von den Erben und der Provider bekommt kein Geld mehr. Ja, dann wird der Herr über den Traffic irgendwann die Domain löschen samt allen Daten, die gehostet sind. Die Webloggemeinde wird die Links vermissen, die jetzt auch tot sind. Je nach Beliebtheit werden tausende von anderen Pages leere Hinweise in den Listen halten und war der Domainbetreiber gar ein Philanthrop, der die Daten anderer in Banken aufbewahrte, dann sind auch die weg.
Ein Wehklagen wird durch den virtuellen Äther rauschen, nicht wegen dessen Verdiensten zu Lebzeiten oder seiner vergangenen Jugend. Nein, es wird ein Wehgeschrei nach den eigenen Daten herrschen, die der Tote mit ins Grab nahm. Wie konnte er auch nur sterben, ohne vorher eine mail zu versenden, damit mannfrau die sicher gewähnten Daten notgedrungen selbst backupte. Zu Schade, die Erben sind offline-Freaks, man kann ihnen keine mail zusenden mit bitteren Worten der Trauer und der Wut um die Daten. Aber bald herrscht wieder eitel Sonnenschein. Noch im Schatten des Friedhofes bildete sich eine Interessensgemeinschaft der ehemaligen User. Sie wollten ja schon immer selbst, aber leider hat man ja keine Zeit, aber man wollte sich demnächst per mail mal vielleicht verständigen was selbst zu machen. Auf jeden Fall sollte dann derjenige welche folgende Punkte GENAU beachten : 28 genau aufgelistete Punkte, die für die Zukunft der Community zu beachten wären. Man ging auseinander, nur ein leises Murmeln drang von Ferne an den rotierenden Grabstein mit dem Zeichen des at : «Was muss der Idiot auch sterben, bevor er das letzte Backup zog. An dieser Krankheit MUSS keiner mehr sterben. Er hätte sich besser pflegen sollen, meine gesamte literarische Arbeit ist am Arsch, zum Himmel Donnerwetter, was mach ich denn jetzt, überall nur Inkompetenz und Dummpfusch, hätt‘ ich doch nur auf meine Mutter gehöhrt und hätte in mein altes Schulheft geschrieben». Leise rotiert eine Leiche und freut sich, dass sich das Etwas bewegt. Dezember im Netz halt. Amen.

Rostige Gezeiten

Rostige Gezeiten ruhen im Müll Deiner Mundwinkel, die Du täglich neu einschiefst, auf dass kein Lächeln Dir entspringe.
Du treibst im Ozean Deiner unerfüllten Wünsche und schießt auf Piraten, die Dir auch nur einen entwenden wollen in die Erfüllung. Mit den Kanonen Deines angebrannten Herzens zielst Du auf die Sonne, den Mond und die Kerzen, die im Maibaum brennen; kein Licht soll Deine Dunkelheiten hellen.
Unbeweglich rennen Deine Füsse in die Erstarrung, keine Bewegung soll Deine Vorurteile kasteien. In den Ecken der Litfaßsäulen klebt Deine öffentliche Pein, die Du über allen ausschüttest, die sich Dir nähern. In der Einsamkeit der Massenbäder himmelst Du Deiner Kindheit und schämst Dir den Tod herbei, in den Rost Deiner Gezeiten.

Downloads:
Restezeit (eReader) ResteZeit (Kindle) Restezeit (PDF)

Auf Socken ins Museum im Digital

(Nein, nicht schon wieder ins Städel. Das Plakat gefällt mir eben. „Making Van Gogh“ hatte ich ja gebloggt.)
Ich will hier nicht über Corona bloggen. Das Netz ist voll davon. Aber gestern Abend spielte Igor Levit, einer der großen Pianisten, via Twitter die Waldsteinsonate. Gestreamt aus seinem Wohnzimmer. Als Akt der Solidarität mit uns und sich, die wir auch aus Solidarität zu Hause bleiben, #coronaAura sozusagen . Er hätte auf seine CD verlinken können, aber er wollte uns nahe sein, wir waren nahe bei ihm daheim. Das berührte mich sehr. Kann man noch nachhören.


(Klick ins Bild, um zu hören, im Augenblick klickten das mehr als 200000 Menschen.)
Auf Spotify kann man die gesamte Einspielung anhören.
Zu meiner Verblüffung und Erheiterung spielte er in Socken. Schließlich war er ja zu Hause.
Heute morgen dann sah ich ein Reetweet von @sufloese. Anne, die Kulturfritzin, sie ist ja keine Unbekannte im Blog, aktuell für die Online-Aktivitäten des Burgtheaters zuständig (#theaterimnetz wirkt) twittert von der vertanen Zeit von Kulturinstitutionen in Sachen Digitalisierung. Man könnte das jetzt gebrauchen, um sich zu zeigen, wenn alles geschlossen ist. Wie immer muss frau sich verteidigen, dabei hatte es Igor bereits vorgemacht.


Ich will das jetzt nicht ausbauen. Hab mich schon genug ereifert.

Ich bin ja so banal, ich bin die Unkunst.

Weil es geht? Ok. Was ich aus meinem Wohnzimmer, in grauen Socken so Kautsche.
Wir gehen ins Museum! Da wollte ich schon lange ‚mal hin. Das Metropolitan Museum in New York. Ist geschlossen, der Präsident (ich sag mal §$%??&) lässt mich erst gar nicht ins Land?

Screenshot der Website des Metropolitan Museums Newyork. 13.03.20120. (Click zum Original)

Macht nix.
Das Met hat seine Schätze digitalisiert. Haben andere auch, ich weiß, aber!
„As of today, all images of public-domain works in The Met collection are available under Creative Commons Zero (CC0). So whether you’re an artist or a designer, an educator or a student, a professional or a hobbyist, you now have more than 375,000 images of artworks from our collection to use, share, and remix—without restriction.“ Alles steht unter Creative Commons Zero. Das heißt, ich darf Bilder herunterladen und hier ausstellen.
Steht hier! Guckt. „Introducing Open Access at The Met“. Also los:

Screenshot Met-Museum Suche
(Klick zum Original)

Ihr könnt jetzt selbst suchen.

Ich gucke jetzt aber auch, stelle drei Werke vor und werde in gewohnter Manie meine Impressionen dazu schreiben. Nein, keine Rezessionen, das überlasse ich den Profis, einfach, was das Werk mit mir macht. (Die Sonaten mit Igor im Ohr) Ich wollte nur zeigen, was Museen können, auch wenn sie geschlossen sind, wenn sie vorbereitet sind. Hätte ich auch mit vielen deutschen Museen machen können, aber freien Down and Upload ins Blog kenne ich da nicht. Ich will gar nicht darüber dischbediern, ob, warum und wenn. Nur machen. Heute nur machen.

Albrecht Dürer 1504
Adam und Eva
Public Domain
Met New York
(Klick zum Original)

@mikelbower:
Ich brauche keine Schlange, Bitch. Den Apfel ess ich hinterher. Nun komm, Paradiese sind langweilig. Komm näher, wir entblättern. Nein, doch nicht die Wälder. Komm!

Sitzendes Paar
18.–frühes 19. Jhd.
Dogon-Völker
Met New York, Public Domain
(Klick zum Original)

@mikelbower Den Klaus laden wir nicht zur silbernen Hochzeit ein. Mir eagl, was es sonst gibt, aber Spätzle muss sein.Und jetzt komm.

Stained Glass Fragment
1200–1215
Cathedral of Saint-Étienne in Bourges
Met New York, Public Domain
(Klick zum Original)

@mikelbower Die Ewigkeit ist lang. Mann geht auf Brustwarzen. Augen will ich rollen, für Dich, mein Schatz.

Geht doch, gell?

250. Geburtstage 2020

Je nach Zustand meines Rückens und der Wetterlage will ich die 250. Geburtstage am Philosophenweg in Heidelberg zelebrieren. In der Hölderlinanlage.


(Dicke Finger beim tippen, sorry)
Stammt aus diesem Beitrag auf #burger.

Moi Herz, moi Herz, in Heidelberg, moi Herz

Dies hier von Hölderlin lesen:

Heidelberg

Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust,
Mutter nennen und dir schenken ein kunstlos Lied,
Du, der Vaterlandsstädte
Ländlichschönste, so viel ich sah.

Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt,
Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt,
Leicht und kräftig die Brücke,
Die von Wagen und Menschen tönt.

Wie von Göttern gesandt, fesselt‘ ein Zauber einst
Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging
Und herein in die Berge
Mir die reizende Ferne schien,

Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog,
Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön,
Liebend unterzugehen,
In die Fluten der Zeit sich wirft.

Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen
Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn
All’ ihm nach, und es bebte
Aus den Wellen ihr lieblich Bild.

Aber schwer in das Tal hing die gigantische,
Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund,
Von den Wettern zerrissen;
Doch die ewige Sonne goß

Ihr verjüngendes Licht über das alternde
Riesenbild, und umher grünte lebendiger
Efeu; freundliche Wälder
Rauschten über die Burg herab.

Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal,
An den Hügel gelehnt oder dem Ufer hold,
Deine fröhlichen Gassen
Unter duftenden Gärten ruh’n.

Dazu Beethoven auf den Ohren. Weiß noch nicht was. Je nach Laune will ich dort auch schreiben.
Twitter feiert jetzt schon #beethoven250

So ganz privat. Was brauch ich große Feiern.
Obwohl. Nach Bonn fahren und am Rhein Hölderlin lesen hätte auch was. Das Neckarwasser ist da ja auch dabei. :)

Zum Teufel damit, hör auf zu piensen.

Damit ihr es wisst!
Nur für das Protokoll, eigentlich eher intern. Aber ich wollte das für mich aufschreiben.
Seit Juli letzten Jahres plagen mich Zipperlein. Ok. Nach Arthrose im Knie, dann Bandscheiben-Kram und Rippenprellung, kann ich mich nicht recht bewegen, aber das wird wieder. Hörst du? das WIRD. Ich werde das schon packen. Laut Statistischem Bundesamt habe ich noch 17 Jahre zu leben. Sagt die Zeit.
Also, es gibt reichlich Zeit etwas zu tun. Und wenn mir morgen ein Blumentopf auf den Kopf fällt? Nun denn, dann ist das so.
Eigentlich wollte ich dieses Blog löschen, meine SoMe Accounts auflösen. Zum Teufel damit. Da waren doch noch Theaterprojekte und eine Hexameter Challenge und sell und jenes.
Und irgendwann werde ich auch wieder Rad fahren! Jawoll. Und wenn es ein Dreirad wäre. Scheißegal, wie das aussieht. Ja, ich werde eine Wohnung im Betreuten Wohnen ansteuern. Also eigene Wohnung in einer Community. Die Dialekt-Sonette, weißt Du, Mikel? Und die Museen? #yepp

Van Gogh einmal ganz nah sein

versprach das Städelmuseum.
Stilgerecht im Blog. Doch, das ist eine echter WordPressblog, wie dieser hier auch, erzählt der Seitenquelltext.Ganz nah zu sein, ja, wie immer bei solchen Socials, das Museum ist ja leer,aber diese Ausstellung rückt ihm auf den Pelz. Als Mensch. War er verrückt? Ja. Was stimmt an den Geschichten um ihn, was ist Marketing? Warum war ausgerechnet Deutschland bahnbrechend für seinen Ruhm, obwohl das militarisierte Kaiserreich ihn ablehnte, das konservative Bürgertum als „Franzosen“ ablehnten? Nehmen wir das Bild „„Bildnis des Dr. Gachet“. Es gehörte dem Städel. Der fette Nazi-Göring stahl es und verkaufte es, wie so viele andere. Irgendwie verschwand es. Keiner* weiß wo es ist. Dem Hype folgend macht das Städel jetzt auch Podcasts. Podcast Finding Van Gogh Auf der Suche nach dem legendären „Bildnis des Dr. Gachet“. Man sieht: Kunst ist in gewissen Kreisen nur Geld. Wir besprachen auch seine seltsame Darstellungen von Bauern, die Verniedlichung der Natur. Natürlich sind das trotzdem hervorragende Bilder, aber was zeigen sie? Man könnte meinen, er wäre in englischen Gärten unterwegs. Nein, nein, nicht nur Gemecker. Diese Farben und die Pinselstriche, die sich beim ganz nahe ansehen in Pixel auflösen, fantastisch. Monika Fritsch zeigt die Bauern, wie sie von Anna erläutert werden.

Screenshot Twitter / Monika Fritsch / Anna und Van Gogh im Städel.
Van Gogh einmal ganz nah sein weiterlesen

Annel

Wer warst du
in deinem Kopf
67 gemeinsame Jahre
verbracht von deinen 91
Als dich die Ewigkeit holte
und ich dich ansah ganz nah
von weit her da liegend
wie Milliarden vor dir
am Ende, wie ich irgendwann
auch.

Wer war ich in deinem Kopf
in dir empfangen und
in die Welt gesetzt und dann?
Ich kannte dich dachte ich
aber was war ich in deinem
Kopf wenn niemand hinsah,
noch nicht einmal du?

Kannte ich dich?
Kanntest du mich?
Kenne ich mich?
Wer sind wir in unseren Köpfen?

Wer warst du?

Du.

Mein Tier, mein Wildtier, mein Einhorn

Die Wortschau Nr. 34 ist erschienen.
Herausgeber und Redaktion: Johanna Hansen und Wolfgang Allinger
Wortschauverlag Neustadt/Weinstraße
Hauptauotor: Sascha Kokot (Leipzig)
Bildende Künstlerin: Angelika Freitag, Düsseldorf.
Bestellen in der Buchhandlung ISBN 978-3-944286-27-3
Bestellen beim Verlag: wolfgang.allinger@wortschau.com, johanna.hansen@wortschau.com
Mein Beitrag:

Der Beitrag im Blog.

Träume aus Kategorien, Code und die Kunst #fbm19 2

Das letzte Laufband für dieses Jahr durchmessen, kurz vor dem Ausgang Torhaus zur S-Bahn. Nicht U-Bahn, gell, S-Bahn-Messe kann man bei der DB durchbuchen. Dort auf dem langen Weg zur Frischluft wusste ich wie ich den zweiten Tag anbloggen wollte. Anbloggen! Ha!
Ich war kurz eingenickt. Im Frankfurt Pavillon kurz vor der Vergabe des Bubla. Er wurde in 4 Kategorien vergeben 2019. Ich hatte einen heftigen, ganz kurzen Traum.
Ich saß ganz weit oben in der ehemaligen Commerzbank-Arena, die längst Goethe-Wald-Stadion hieß. Unten eine See aus Ebblwoi, auf den Nominierungs-Schüsseln umherschwammen, gefüllt mit Griener Sos, auf den Rändern sitzend fröhliche Menschen, sogenannte „Nominierte*“, die auf Ihren Blogger-Award-Richtung warteten. Buchblogs, Kinderbuchblogs, Gemüsebuchblogs, Theaterblogs, Jazzbuchblogs, Wanderblogs, Radblogs, Blogsblogsblosgs. Moderiert von Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein, die aber lieber die Juries interviewten oder Pele. Denis Scheck schwamm im Ebblwoi und winkte. Ich erwachte, sah Dagmar in der hinteren Reihe und wechselte den Platz.

Ich kannte keines der Blogs, nun ja, ich bin halt ein alter Mann, schnaufte kurz, als Suhrkamps Blog nominiert war. Das wird wohl alles Mainstream. Sagte ich doch schon in Teil 1. Gewonnen hat das Blog „Nacht und Tag.“ Die restlichen Gewinner*innen kann man hier nachlesen. Das dauerte eine halbe Stunde, bis das verliehen wurde. Ob ich da je wieder hin will?
Aber ich traf da Leut*innen. Es war alles gut.

Die Buchmesse wandelt sich. Neben den klassischen Ständen der Verlage mit ihren Büchern greift die Messe mehr und mehr auch nach anderen Themen. Dieses Jahr mit B3 / THE ARTS+ 2019 auch Film. Ich streifte nur kurz über die Ausstellungen.
Der Freitag setzte auf bewusste Begegnungen. Tatsächlich zuerst im Art+ – Bereich. Desiree hatte genewslettert, wir kennen uns seit 2012. Ihr Buch zu der Ausstellung „Eldorao“ wurde von ihr am Stand von John Gerard präsentiert. John Gerard hat das Papier geschöpft, auch für das Cover, das Desiree bedruckte. Zu sehen von oben auf der Website von Desiree.

Künstlerbuch zur Ausstellung „Eldorado“ von Desiree Wickler, gezeigt auf der #fbm19

Entgegen der Wucht der Totentänze hat Desiree die 12 Figuren der Ausstellung filigran in Papier gesetzt, die man im Gegenlicht bewundert. Sehr. Träume aus Kategorien, Code und die Kunst #fbm19 2 weiterlesen