Windliebe auf dem Rad, ich komme, ich komme

Ich streichle das Gesicht dieses Windes, wie er meines. Die Nase läuft, während mein Rad gen Westen in seine Arme läuft, kaum ein Fortkommen, so heftig bläst er nur für mich, treibt die Wolken dort oben zu meinem Vergnügen, über mich, hinter mich, an die Hänge der Bergstraße, bis sie platzen und steigen, den Hochnebeln gleich, an dem Minarett vorbei, das heute Nacht wieder grün leuchten wird. Er küsst mich, nein mein Wind ist kein Mann, umfängt mich, spielt mit mir. Nicht so heftig, mein Freund. Ich bin ein alter Mann, meine Knie ächzen, meine Fußgelenke stöhnen, nicht ganz so kräftig. Ja, so. Ich spüre dich durch die dicke Jacke unter der Kappe, auf den Schenkeln, langeunterhosenbedeckt. Ich gebe mich dir hin, erschaudere und dort, ich komme, ich komme. Ah, die Garage, ein Taschentuch und atmen, atmen, atmen. Der Wind, der Wind, das himmlische Kind.

4:45

Dieses Gedicht entstand Ende der 90iger und fand Einzug in das Bändchen „ich träume im krautland“, einem der ersten Lyrik-Book-on-demands.

Eine junge Frau fuhr allmorgendlich mit der gleichen Straßenbahn, wie ich. An der Haltestellen wartend und ich wusste nicht, wie ihre Ängste wegnehmen, die offensichtlich waren. Ansprechen? Ignorieren? Das geht so schlecht, morgens um die Uhrzeit. Irgendwann wurde Sommer und es war hell morgens. Ein leichtes Grüßen und bald saßen wir uns gegenüber. Die junge Frau hat das Gedichtbändchen irgenwann geschenkt bekommen.. :))
Nichtsdestotrotz: Es war schlimm da im Dunkeln. Ich als potentieller Täter, sie eine verängstigte junge Frau. Passt vielleicht zum Thema #aufschrei, das auf Twitter so viele Frauen bewegt.

Fenster

gemeiselt in Gletscher
oder auch Feueröfen
zu dem Nichts meiner Seelchen

Unendlichkeiten

  • ohne Belang
  • ungefleddert am Stück
  • kein Weinen
  • kein Lachen

nur ich und der Tod
der Zeiten vögelt
und
pfeift