Rentner in U-Bahnen

Seit Wochen höre ich nichts mehr über verprügelte Rentner in U-Bahnen oder aggressiven jungen Männern und Kinderbanden, die ins Gefängnis müssen.

Aufwachen, Bildzeitung und anhängige Medien, wir müssen da am Ball bleiben, Flagge zeigen.
Hakt doch mal beim amtierenden hessischen Ministerpräsident nach, ob denn da nix anhängig ist. Es kann doch nicht sein, das urplötzlich nach der Wahl keine Rentner mehr verprügelt werden, oder sind das die Steuerflüchtlinge? Man hört auch aus Bayern nix mehr, ob die all ihr Geld der BayernLB in den Rachen geworfen haben, die Rentner, dass sie keine U-Bahn mehr fahren können?

Seltsam.

Ich weiß, keiner hat mehr Zeit für solche Dinge, seit wieder die Kommunisten gejagt werden müssen. Seufz. Es soll sogar wieder Trotzkisten geben. Respekt!

Ikuts-Interview

Dr. Silke Heimes, Autorin, Poesietherapeutin, Ärztin hat mich interviewt. Für den Newsletter ihres Ikuts-Instituts für Kreatives und Therapeutisches Schreiben in Mühltal/Nieder-Beerbach (dirket hinter Darmstadt im hessischen Odenwald gelegen, dort wo auch die Burg Frankenstein im Wald versteckt ist und die Brüder Grimm nach Märchen suchten und fanden, also einem hochliterarischen Ort ;-). In Absprache mit Silke veröffentliche hier das Interview auch. Den ganzen Newsletter (wie immer liebevoll gestaltet) findet sich auf der Homepage von Ikuts. Irgendwann muss ich doch einmal hin… :yes:

02 Interview Michael Bauer – Das Internet lebt
Heute reicht es nicht mehr, ein gutes Buch zu schreiben. Wichtiger denn je ist die Vermarktung, nicht nur des Buches, sondern zugleich des Autors. Immer wieder trifft man in diesem Zusammenhang auf die Ausdrücke Blog, Bloggen und Blogger. Michael Bauer, selbst Blogger und Spezialist rund um das Thema Blog, steht Rede und Antwort.

Michael Bauer, geb. 1952 in Viernheim, lebt und schreibt immer noch dort, in Standard-Deutsch und in seinem heimischen Idiom. Lyriker aus Passion neigt er dennoch crossover zu anderen Genres, dem Theater, der Musik und ist Webmaster des Webring Lyrik http://lyreley.de, weitere Informationen unter http://mikelbower.com

Blogs sind ein Stück Software – Jeder kann mitschreiben
Alleine in Deutschland gibt es geschätzte 300 000 Blogger

Redaktion: Im Herbst 2007 wanderten zahlreiche Blogger über die Frankfurter Buchmesse und gaben ihre Eindrücke wieder, einige davon im offiziellen Auftrag der Messegesellschaft. Wie wird man Blogger und was ist ein Blog?
M. Bauer: Zunächst sind Blogs nichts als ein Stück Software, das es den Autoren gestattet, ohne große technische Vorkenntnisse, ins Internet zu schreiben. Die großen Blogprovider stellen solche Zugänge meist kostenlos zu Verfügung, wie das österreichische Unternehmen Knallgrau mit twoday.net, das amerikanische wordpress.com oder blogger.com/de von google; auch Yahoo und MSN-Microsoft stellen Blogs zur Verfügung. Blogger wird man, indem man sich anmeldet, einrichtet, schreibt, liest und kommentiert – as easy as. Der Ausdruck stammt ursprünglich von Weblog, also einem Logbuch im Web. Die meisten Blogsysteme bieten so genannte RSS-Feeds an, standardisierte Extradateien, die man online oder offline mit entsprechender Software abfragen kann und über die man neue Artikel angezeigt bekommt, so dass man nicht jedes Blog einzeln ansurfen muss.

Redaktion: Der Brite Harper Collins (harpercollins.com) plant in Großbritannien, Autoren die Möglichkeit zu geben, ihre Manuskripte über das Internet den Lesern zu präsentieren und von diesen bewerten, empfehlen und diskutieren zu lassen. Gibt es in Deutschland ein vergleichbares Projekt und wie schätzen Sie es ein?
M. Bauer: Amazone macht das doch schon lange, auch in Deutschland. Ich kenne die Szene im UK nicht ganz so gut, aber mir scheint, hier versucht jemand Amazone Konkurrenz zu machen. Wahrscheinlich ohne nachhaltigen Erfolg. Ich halte sehr wenig davon, so wenig wie von den Rezensionen bei Amazone, die oft genug vom Autor selbst stammen oder von Gefälligkeitsjublern. Sie kennen niemanden, der mal eben eine Rezension über Ihr Buch bei Amazone postet? lol – laugh out loud!

Redaktion: Bei MeetTheAuthor können Autoren per Videobotschaft (Pitches) versuchen, ihre Manuskripte an Agenten und Verlage zu bringen. Für wie Erfolg versprechend halten Sie ein solches Projekt?
M. Bauer: Können Sie sich chronisch überlastete Verlagsangestellte und Verleger vorstellen, die nach neuen Autoren im Netz scouten und sich Videos ansehen? Ich nicht! Die lesen nicht einmal eingesandte Manuskripte. Außerdem ist die Technik für Videoproduktion teuer, wenn es nach etwas aussehen soll. Das scheint mir eine typische Web 2.0 Site zu sein: aal – andere arbeiten lassen. Wesentlich interessanter sind künstlerische Versuche, Video und Text zu verschmelzen, zum Beispiel Lyrik zu verfilmen, das Medium Internet für neue Genres zu nutzen. MeetTheAuthor scheint mir nach kurzem durchforsten ein ähnliches Projekt zu sein wie poetry.com oder der deutsche Klon dazu: Deutsche Nationale Bibliothek des deutschen Gedichtes: Abzocke pur!

Redaktion: Die Community der Blogger wird immer größer. Können Sie uns sagen, welche Aktionen sinnvoll sind und von welchen Sie abraten.
M. Bauer: Die Community der Blogger, auch Blogsphäre genannt, gibt es nicht, es gibt nur zahlreiche Sphären. Man schätzt 100000 – 300000 Blogger in Deutschland, noch mehr in Frankreich und den USA und weit über 30 Millionen in China. Die vorherrschenden Sprachen sind Mandarin, Spanisch und Russisch – erst dann folgt Englisch. Eine völlig neue Schreibkultur, die sich jeder Deutungshoheit und fäulletonistscher Gängelung widersetzt, sich jeden Tag neu erfindet und in immer neuen Blogs Auferstehung feiert, wenn andere geschlossen werden. Es ist schlecht zu beschreiben, man muss mitlesen. Unter ikutsinterview.mikelbower.de finden Sie eine Link-Liste mit Anlaufstellen für literarische Blogs. Einfach lesen, schreiben und kommentieren.

Redaktion: Unterhalten Sie selbst einen Blog und wie findet man diesen?
M. Bauer: Ich unterhalte und publiziere unter mikelbower.de, schreibe in dem Blog wortsetzung.de/weblog, bin Webmaster der Linkliste Webring Lyrik unter lyreley.de und der Schwesterseite Weblog Lyrik unter lyreley.de/weblog. Ein ganz neues Projekt ist die Dokumentation der Veranstaltungen der Autorenvereinigung Räuber 77 in Mannheim unter raeuber77.de/blog. In Summa erhalte ich etwa 700-800 Klicks täglich.

Redaktion: Ein anderer oft benutzter Begriff ist BoD. Was versteht man darunter?
M. Bauer: BoD – Book on Demand (auch BaB – Buch auf Bestellung – genannt) ist die Fortsetzung des Copy-Shops mit größeren Maschinen. Der Digital-Druck erlaubte auf einmal Kleinstauflagen von Büchern zu annehmbaren Preisen herstellen zu können. Zunächst als Methode Print on Demand eingesetzt, um Restauflagen von Handbüchern, Sachbüchern und wissenschaftlichen Texten auf Wunsch liefern zu können. In der Folge wurden Produktlinien für Privatpersonen hochgezogen, die es jedem ermöglichen, mit VLB, ISBN, Online-Shop und Eintrag bei Amazone im Print zu publizieren. BoD macht keinen Sinn für Leute, die damit Geld verdienen oder vom Schreiben leben wollen. Dazu braucht man Vertreter mit Buchkoffern, die Buchhandlungen beknien und dafür sorgen, dass die Großen der Branche ein Buch in ihr Sortiment nehmen. Großen Sinn macht BoD hingegen für Anthologien von Autorengruppen, da dem Herausgeber die Abwicklung des Buchversandes erspart bleibt. Zudem macht es Sinn für Nischenprodukte wie die Lyrik, die in aller Regel heutzutage nur noch in Zeitschriften verlegt wird. Ich zum Beispiel verschenke meine BoDs zumeist: Das macht Sinn. Es sind einfach gebundene Kopien meiner Werke, bestens geeignet als Mitbringsel für Tante Liesel, die keinen Computer hat. Außerdem erhält es die gute Laune, wenn eigene Werke im Bücherschrank stehen.

Redaktion: Was braucht es Ihrer Meinung nach heute für einen Autor, der sich gut und zeitgemäß vermarkten möchte?
M. Bauer: Leute, die das für ihn machen, damit er Zeit fürs Schreiben und Bloggen hat!

Die Redaktion bedankt sich bei dem Autor und Blogger Michael Bauer für das Interview.

Dazu habe ich meine alte Linkliste neu gestaltet, die Blogroll rechts ist ja html pur included.

Die findet man hier: mikels Links

Und wie gut Silke als Lektorin ist kann man erahnen, wenn man mein abgeliefertes Original (es ist ein Mail-Interview) liest das ich in den Tiefen des Blogs hier ins Weiter befördere.
(Vom Hundersten in Tausendstel gekommen, der mikel, muss mit allem protzen :oops:) Silke hat das kurz, knapp, korrekt und völlig ausreichend zurecht lektoriert. Chapeau!
Das unbearbeitete Interview: :oops:;D

Heute reicht es nicht mehr, ein gutes Buch zu schreiben. Wichtiger denn je ist die Vermarktung, nicht nur die Vermarktung des Produktes, im diesem Fall des Buches, sondern zugleich auch die Vermarktung der Person, also des Autors. Überall geistern Ausdrücke wie Blog, Bloggen und Blogger herum, und ich bin froh, einen Spezialisten dazu befragen zu können. Michael Bauer, selbst „Blogger“, steht Rede und Antwort.

(Ich weiß, dies ist keine Frage, aber Blogger scheuen keinerlei Konflikte, daher gleich eine Replik: Wir Autoren schreiben keine Bücher, wir schreiben Texte, die dann vielleicht als Buch publiziert werden und ja, Blogs SIND eine Publikationsmöglichkeit und erst in zweiter Linie PR-Werkzeug, wenn überhaupt)

Michael Bauer, geb. 1952 in Viernheim, lebt und schreibt immer noch dort, in Standard-Deutsch und in seinem heimischen Idiom. Lyriker aus Passion neigt er dennoch crossover zu anderen Genres, dem Theater, der Musik und ist Webmaster des Webring Lyrik http://lyreley.de, weitere Informationen unter http://mikelbower.com

Redaktion: Im Herbst 2007 wanderten zahlreiche „Blogger“ über die Frankfurter Buchmesse gaben ihre Eindrücke wieder, einige davon im offiziellen Auftrag der Messegesellschaft. Wie wird man zum „Blogger“? Was ist überhaupt ein „Blog“?

mikel: 2007? Wieso 2007, ich war doch das letzte Mal 2006 da?
Als Besucher bin ich damals in Roberts Blog (einem der meist verlinkten in Deutschland) hier zu sehen, die Bloggerdinge besprochen habe ich hier, hier und hier. Die diesjährige 2007-Blogger-Aktion ist hier vermanscht, man beachte die bissigen Kommentare! (zu den 2007-Bloggern, die in Mehrheit in Darmstadt Online-Journalismus studieren, könnte man auch mal was schreiben, warum gibt es nur immer mehr Themen als Zeit dazu?)
Nein, mich leitet nicht übelste Hybris, ich wollte nur Frage 2 beantwortet haben, in dem ich 4 Blogs vorstelle, samt der Vernetzung, auch ins reale Leben hinein -ohne vorherige Absprache mit der Fragestellerin, gell – und damit ein für mich charakteristisches Merkmal eines (meines Erachtens) guten Blogs herausgearbeitet: Es ist persönlich, subjektiv und authentisch, selbst wenn Pseudonyme im Spiel sind und die angesprochenen Themen „literalisiert“ sind.

Zu Frage eins, (oder zu bloggisch: @1): Blogs sind zunächst nichts weiter als ein Stück Software, das es Menschlein gestattet ohne große technische Vorkenntnisse ins Internet zu schreiben. Die großen Blogprovider stellen solche Zugänge zumeist kostenlos zu Verfügung, wie das österreichische Unternehmen Knallgrau mit twoday.net (werbefrei), das amerikanische WordPress.com oder gar Blogger.com/de von google. Auch Yahoo und MSN-Microsoft stellen solche „Blogs“ zur Verfügung. Die oben vorgestellten Blogs sind allerdings selbst aufgestellte Software im eigenen Webspace. Und wie man das wird? Anmelden, einrichten, schreiben, bei anderen lesen, und kommentieren. As easy as.
Der Name kommt übrigens ursprünglich von „Weblog“, also einem „Logbuch“ das Autor führte beim wandern durch das Web und schrieb: Guckt mal da und da. Daher bevorzugen langjährige Blogger auch die Bezeichnung „das Blog“, obwohl der Duden in seinem neuesten Werk auch die maskuline Form zulässt. Später kamen dann Tagebuchschreiber hinzu und heute kann kein Mensch mehr genau sagen, was ein Blog nun definitiv ist. Halt eine Software, die sehr einfach zu bedienen ist und Einträge (Text, Bilder, Videos, Audio-Dateien, Hyperlinks) chronologisch darstellt und in aller Regel auch mit einer Kommentarfunktion ausgestattet ist, damit Leser mit Autor kommunizieren kann. Die allermeisten Blogsysteme bieten auch wie die großen Online-Magazine wie Spiegel Online so genannte RSS-Feeds an (auch XML genannt) .
Das sind standardisierte Extradateien, die man online oder offline mit entsprechender Software abfragen kann (der neue Firefox und Internet Explorer können da von hause aus). Man bekommt schlicht einen neuen Artikeln angezeigt, wenn die Software angestoßen wird und braucht nicht jedes Blog einzeln anzusurfen, nur um festzustellen, dass es nix Neues gibt.

Redaktion: Der Brite Harper Collins plant in Großbritannien, Autoren die Möglichkeit zu geben, ihre Manuskripte über das Internet direkt den Lesern zu präsentieren und von diesen bewerten, empfehlen und diskutieren zu lassen. Gibt es in Deutschland ein vergleichbares Projekt? Wie schätzen Sie ein solches Projekt ein?

mikel: Meinen Sie das: http://www.harpercollins.com? Amazone macht das doch schon lange, auch in Deutschland. Ich kenne die Szene im UK nicht ganz so gut, aber mir scheint, hier versucht jemand Amazone Konkurrenz zu machen. Wahrscheinlich ohne nachhaltigen Erfolg. Das ist pure PR für „just another Online-Shop“. Ich halte sehr wenig davon, so wenig wie von den Rezensionen bei Amazone, die oft genug vom Autor selbst stammen oder (bezahlten?) Gefälligkeitsjublern. Hilfreiche Interaktionen zwischen Autor und Leser sehen anders aus. Und auch die Faz greift das Thema auf. „Vom Kult der Amateure.“ Sie kennen niemand, der mal schnell eine Rezension über Ihr Buch bei Amazone postete, wenn es opportun wäre? Nein? lol( = laugh out loud).

Redaktion: Eine schon länger existierende Website wurde um eine interessante Funktion erweitert: Bei MeetTheAuthor können Autoren per Videobotschaft (”Pitches”) versuchen, ihre bisher unveröffentlichten Manuskripte an Agenten und Verlage zu bringen. Für wie realistisch und Erfolg versprechend halten Sie ein solches Projekt?

mikel: Können Sie sich chronisch überlastete Verlagsangestellte oder gar Verleger vorstellen, die nach neuen Autoren im Netz scouten und sich VIDEOS ansehen? Ich nicht, die LESEN noch nicht einmal mehr eingesandte Manuskripte. Außerdem ist die Technik für Videoproduktion teuer, wenn es denn noch etwas aussehen soll. Das scheint mir eine typische Web 2.0 Site zu sein. AAL. Andere arbeiten lassen. Wesentlich interessanter sind künstlerische Versuche Video und Text zu verschmelzen, zum Beispiel Lyrik zu „verfilmen“. Das Medium Internet für neue Genres zu nutzen. MeetTheAuthor scheint mir nach kurzem durchforsten ein ähnliches Projekt zu sein wie poetry.com oder der deutsche Clone dazu: Deutsch National Bibliothek des deutschen Gedichtes(brrrr): Abzocke pur. Das Thema Video und Audio ist zu komplex für EIN Interview. In Bloggersdorf übrigens Vlog genannt oder Podcast.

Redaktion: Die Community der „Blogger“ wird immer größer. Können Sie uns sagen, welche Aktionen Sie für sinnvoll halten, und von welchen Sie eher abraten würden.

mikel: Je nun, DIE Community der Blogger, im allgemeinen Blogsphäre genannt, gibt es nicht, es gibt nur viele, viele Sphären. Das liegt auch an der Größe. Man schätz 100000 – 300000 Blogger in Deutschland, viel viel mehr in Frankreich, noch mehr in den USA und weit über 30 Millionen in China. Die vorherrschenden Sprachen sollen sein: Mandarin, Spanisch, Russisch und dann vielleicht erst englisch in all seinen Inkarnationen. Aber für uns als Autoren am wichtigsten: (nein, nicht die Vermarktung von totem Holz ;-)) Dort entsteht trotz allem Mist, der auch anfällt, beträchtlich viel Mist, eine völlig neue Schreibkultur, die sich jeder Deutungshoheit und fäulletonistscher Gängelung widersetzt und sich jeden Tag neu erfindet und in immer neuen Blogs Auferstehung feiert, wenn andere geschlossen werden. Es ist sehr schlecht zu beschreiben. Man muss mitlesen. Ich werde im Anschluss an das Interview, sozusagen als Zugabe unter http://ikutsinterview.mikelbower.de eine Link-Liste erstellen mit den ersten Anlaufstellen für literarische Blogs. Ja, die die gibt es massenweise, sehr gute sogar! Einfach ‚mal ‚reinlesen und entscheiden, ob man sich da einreihen will. Und dann publizieren, schreiben, kommentieren.

Nicht sinnvoll ist reine PR. Also die ewige Lobpreisung der eigenen Person, des eigenen Werks. Die beständige Zermürbung durch Hinweis auf eigene Werke ohne zumindest Textproben,Verdienste. Kann man immer ‚mal einflechten, aber nicht penetrant ins Blog husten.

Sinnvoll:
Für Profis: Durch Zusatznutzen den Leser an sich binden, nennt man so etwas.
Pull don’t push!
Wie wäre es mit Bildern von der Recherche für einen Krimi? Google-Maps-Urls zu Handlungsorten, samt zugehöriger offizieller Seiten? Eine eigene Poetik? Eine Liste der Bücher, die Autor von Kollegen liest, samt Beurteilung. Welche Musik hört Autor gerne? Wo geht Autor gerne ins Theater, welches Museum, welche Ausstellung hat er besucht. Solche Sachen. Ein künstlerisches Umfeld darstellen das eben weiter ist als „nur“ Literatur. Wer sich traut auch gerne Meinungen zu aktuellen Themen, politische Sachen. Gerade die! Berichte von Lesungen aus der Sicht des Lesenden. Sowas halt. Wer sich traut kann auch ein „making of“ eines Textes ins Netz stellen. Keine Angst, das machen sogar Nobelpreisträger, wie Jelinek.

Ach so, die Community. Darf ich explizit zwei sehr populäre Blogs vorstellen?
http://www.hillaryclinton.com/blog/ und http://my.barackobama.com/page/community/group/ObamaHQ/. Ja, der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf 2008 findet zu einem großen Teil in Blogs statt, noch mehr als der letzte, wie der letzte französische auch. Man kann hier vor allem die Einbindung von Bildern und Videos sehr schön sehen. Und keine Angst: Diese Technik ist JEDEM zugänglich, ohne große Verrenkungen! (Etwas Arbeit macht das erstellen von Videos, wie ich es schon erwähnte). Warum in Blogs? Weil es einfach, populär und BILLIG ist. Kandidat braucht keine Pressemenschen beschleimen bitten, seine neuesten Einlassungen zu Wahlkampfthemen zu senden oder zu schreiben, Kandidat schreibt selbst (lässt die Schreibknechte schreiben) in seinen Blog, bestimmt so die Agenda und in den USA wenigstens folgt die Presse den Blogs der Kandidaten.

Redaktion: Unterhalten Sie selbst einen „Blog“? Wie findet der Leser diesen „Blog“?

mikel: Ich unterhalte! Hat man wohl schon gemerkt, oder? Ich publiziere auf http://mikelbower.de, schreibe in den Gemeinschaftsblogs http://wortsetzung.de/weblog und http://wortsetzung.de/blog99/, schrieb auf dem leider etwas entschlafenen RegionalBlog http:kurpfalznotizen.de. (Dort eher gonzo-journalistisch angehaucht) Ich bin Webmaster der Linkliste „Webring Lyrik“ unter http://lyreley.de und der Schwesterseite Weblog Lyrik unter http://lyreley.de/weblog. Ein ganz neues Projekt ist die Dokumentation der Veranstaltungen der Autorenvereinigung „Räuber 77“ in Mannheim unter http://raeuber77.de/blog. Wieder nicht um mich zu beriehmen, sondern um ein Beispiel für den weiteren literarischen Einsatz solcher Blogs zu demonstrieren, meine „Weihnachtshasserblogs“ unter dem pseudonym Daniel M. Cornelius hier http://kurpfalznotizen.de/autor/dmc/ und dem Weihnachtsmann von Fegidia Süd, samt xmas…hier: http://mikelbower.de/blog/index.php/xmasblog. In Summa erhalte ich (wir) täglich so in etwa 700-800 Klicks täglich, davon kommen 90% von google, sind Laufkunden, der Rest Stammleser.

Blogs findet Leser, wie fast alles im Netz, durch Suchmaschinen oder Eintragslisten und /oder durch Verlinkung-Vernetzung untereinander.

Redaktion: Was versteht man unter BOD? Für wen macht es Sinn, sein Buch auf diese Weise zu publizieren?

mikel: BoD-Book on Demand-, gerne auch -BaB-Buch auf Bestellung- genannt ist die Fortsetzung des Copy-Shops mit größeren Maschinen. Der Digital-Druck (im Prinzip mit einer Art überdimensioniertem Kopierer) erlaubte auf einmal auch Kleinstauflagen von Büchern zu annehmbaren Preisen schnell herstellen zu können. Zunächst als Methode Print on Demand eingesetzt, um auch „Restauflagen“ auf Wunsch schnell wieder liefern zu können, für Handbücher, Sachbücher, wissenschaftliche Texte etc., wurden auch schnell Produktlinien für Privatpersonen hochgezogen, die es jedem ermöglichen auch im Print zu publizieren mit VLB, ISBN, Online-Shop und Eintrag bei Amazone.
Text schreiben, (selbst?) lektorieren, (selbst?) setzen, (selbst?) Umschlag gestalten, Alles zu PS oder PDF verarbeiten (geht umsonst z.B. mit Open Office, Zusatzprogrammen für die Microsoft-Office-Reihe oder LaTex), Dateien an die Produktion-Firma senden (im weiteren Verlauf auch Verlag genannt), die dann auch den Vertrieb übernimmt. Die Kosten halten sich im Gegensatz zu Druckkostenzuschuss/Haifischverlagen in schmalen Grenzen. Ohne ISBN bietet Monsenstein und Vannderdat ZB. gerade eine Variante an, bei der gar keine Grundkosten mehr anfallen, nur die Buchpreise sind relativ hoch, nicht für den Autor, der fast 50% Rabatt erhält, aber seine Werke wegen der Buchpreisbindung nur zum offiziellen Preis verkaufen darf. In der bereist erwähnte Linkliste werde ich auch darauf eingehen.

Es macht KEINEN Sinn für Leute, die damit (viel) Geld verdienen wollen, über eine wohlproportionierte Amortisation hinaus, vom Schreiben leben wollen. Dazu braucht man die Vertreter mit den Buchkoffern, die Buchhandlungen beknien, die dafür sorgen, dass die Großen der Branche ein Buch in ihr Sortiment nehmen, etc., etc., schlicht einen Verlag, der weiß wie das geht und hoffentlich Profis dafür beschäftigt.

Es macht großen Sinn für Anthologien von Autorengruppen, da die Abwicklung des Buchversandes z.B., dem Herausgeber erspart bleibt. Bei den Verlagen, in denen ich bei Anthologien vertreten bin, gewähren die BoD-Verlage gerne JEDEM der vertretenen Autoren (m/w) die Autorenrabatte.

Es macht Sinn für alle Nischenprodukte, wie z.B. Doktor-Arbeiten, oder auch Lyrik, die in aller Regel heutzutage nur in Zeitschriften verlegt wird.

Ich verschenke meine BoDs zumeist, das macht SINN. Es sind einfach gebundene Kopien meiner Werke, bestens geeignet als Mitbringsel, als Weihnachtsgeschenk etzeterapepe, als Zusatzangebot für meine Website, für Tante Liesel, die keinen Computer hat. So was halt. Außerdem erhält es die gute Laune, wenn man eigene Werke auch im Bücherschrank stehen hat, die wahrscheinlich eh niemand verlegen würde ob ihrer wenig massenhaften Verwendungsmöglichkeit oder in Kleinstauflagen, die pekuniär auch nicht anders zu bewerten wären.

(Meine Lebensentscheidung als junger Mensch war: NICHT am Literaturbetrieb auf Gedeih und Verderb teilhaben zu wollen, aber das ist eine andere Geschichte siehe auch den Link hier zu einem Artikel des Hamburger Abendblatts „Geldnot: Freie Schauspieler, Autoren und Maler verdienen im Schnitt nur 823 Euro“.)

Wichtig dabei erschien mir der Lernprozess bei der Produktion. Es stellt sich dabei eine ungemein entmystifizierende Wirkung zu dem Produkt „Buch“ ein. Bücher sind heutzutage auch bei Verlagen technisch nichts anderes als der Ausdruck von PDF oder PS Dateien. Der Text liegt digital vor und wird auch so aufbewahrt. Aber Autor lernt viel über die Herstellung der Massenware „Buch“. Erlernt den Umgang damit. Lernt setzen, lektorieren etc. Er weiß, wie man PDF’s erstellt, gestaltet. Warum das so wichtig ist?

Weil BoD und Konsorten nur der Vorläufer einer Sache sind, die im Augenblick als „Elektronisches Papier“ oder „e-Book-Reader“ durch die Landschaft geistert. Amazone hat gerade einen solchen „Reader“ in den USA vorgestellt, der noch keine technische Glanzleistung darstellt und zu teuer ist, aber funktioniert. Irgendwann in den nächsten (paar?) Jahren wird es billige, auch für den Schüler erschwingliche „Lesegeräte“ geben, ganz einfach zu bedienen, auch nicht schwerer als ein „Harry Potter Wälzer“, die man wie Bücher/Zeitschriften überall mit sich hin transportieren kann und unfassbar viele Texte/Bücher/Zeitungen „gespeichert“ haben oder direkt aus dem Netz holen.
Das wird sich NIE durchsetzen? Das sagte man zu den mp3-Playern auch und heute ist der klassische Weg des Musikvertriebes via CD quasi am Ende angelangt, Kinos droht der Exit.
Die Musikindustrie wie die Filmindustrie schluckt schwer an illegalen downlaods, weil sie es verabsäumt hat, rechtzeitig diesen Vertriebsweg zu gehen und so wird es den Verlagen blühen, die außer Wehgeschrei und juristische Drohungen keinerlei Maßnahmen zeigen. Ich weiß nicht, was das alles geben wird, aber der Autor ist fein heraus, der rechtzeitig gelernt hat, wie man solche Dateien selbst herstellen und zum Verkauf / freien download bereit stellen kann. Die großen Popgruppen wie Motörhead gehen bereits diesen Weg, andere werden folgen und das alles wird es auf dem Text-Sektor auch geben, da werden zwar die Schirrmachers, Walsers, Reinikis und Grasse heulen und zetern ob dem drohenden Untergang des Abendlandes und der Lüteratür, aber es wird so kommen und wer sich rechtzeitig darauf einstellt ist gut beraten und wenn er bloggt kann er seine Maßnahmen auch der Welt kund tun.

Das kann gar nicht sein? Nein? Nun google ist dabei die literarische Welt zu digitalisieren, die EU will auch so etwas machen, ALLE neueren Bücher stehen sowieso in den Tresoren der Verlage bereit und das Projekt Gutenberg des Spiegel gibt es für die Klassik eh schon lange. Alles was fehlt sind praktikable und akzeptierte Endgeräte und die WIRD es geben. Ich SEHE sie schon in den Angeboten der Discounter, im Bundle mit dem nächsten Harry Potter. Oder als Zugabe ALLE alten Harry Potter alles für 39.99 €.

Für den illegalen Bereich: Ein Buch zu scannen dauert auch nicht länger als es zu kopieren. Eine Stunde vielleicht? Selbst mit den Handy-Digis kann man da in dunklen Ecken der Buchhandlungen arbeiten und in studentischen Kreisen wird dies bei Fachbüchern durchaus bereits jetzt praktiziert. Bitte kein moralisieren, ich hätte mein Geld auch lieber versoffen, als Bücher vom Prof dafür gekauft ;-).

Redaktion: Was braucht es Ihrer Meinung nach heute für einen Autor, der sich gut und zeitgemäß vermarkten möchte?

mikel: Leute, die das für ihn machen, damit er Zeit fürs Schreiben und Bloggen und sonstigen Dingen hat, die sowas als Nebeneffekt mit erledigen.

Bis weit nach Mitternacht

Auf «Hannovers Reeperbahn» liegen Clubs mit Feiergarantie bis weit nach Mitternacht. Das Nachleben ist nicht so trübe, wie es immer heißt.

Was es nicht alles gibt, bis weit nach Mitternacht. Die Netzeitung wird auch immer unlesbarer.
Bis weit nach Mitternacht, oder sach mal, sind die dorten immer noch so pietistisch ‚drauf? Mussten die Jungs aus Wolfsburg von daher nach Brasilien.

Bis weit nach Mitternacht, meine Damen, meine Herren, weit nach Mitternacht.

Abendgebet für einen Morgen

Wir bauen Fleischberge singe ich
während Du
Pflanzen rasierst
Blasen aus Bartstoppeln blubbern
in hochgebrezelte Morgen

Ich bin ein Köder koche Netze
Frische Schuhe trällern
ihr eigenes Lied
Wasser zischt
durch die Thermometer

Kleine Schluchzer
tränen von Kondomen
Augenschläge
küssen
das Licht

Der Hochliteraten Reading Room

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: (Zitat aus diesem FAZ-Artikel)

Der F.A.Z. Reading Room, ursprünglich entwickelt, um ein hochpolitisches literarisches Werk zur Diskussion zu stellen, wird auf Wunsch von Lesern, auch Studierenden, Lehrern und Schülern, fortgeführt, wozu wir umso mehr Grund haben, als der neue Fortsetzungsroman den Geist der Goethezeit aufruft.

Goethe im Reading-Room, Little und Walser als Vertreter des neuen Fortsetzungsromans. Hä?
Ich finde die Idee ja durchaus gut, Literatur interaktiv mit den Lesern zu teilen, nur, wissen die Redakteure was sie da schreiben und wie? Ich habe nicht den Eindruck, dass da sonderlich hohe Sprachkompetenz zu Tage tritt, an den Ufern des Mains.

Der Geist Goethes im „Reading-Room“ mit Walser, ich fass es nicht.

Nein, ich werde zu beiden Romanen keinen Kommentar abgegeben. Ich habe sie nicht gelesen und vorerst auch nicht die Absicht es zu tun. Das Thema schwuler Nazi-Sadsist und das (wahrscheinlich) verwalsert-übliche Alt-Männer-Geschwurbel über das Thema „Alter Mann – Junge Frau“ machen mich nicht an. Zur Zeit wenigstens. Ich lese gerade Robert Harris Ghost, na ja, ich lese es halt fertig. Und dann denke ich werde ich nochmals einen meiner absoluten Lieblinge lesen. Liebe in Zeiten der Cholera und dann ins Kino gehen, um mir wahrscheinlich bestätigen zu lassen, dass es so gut wie keine Literaturverfilmungen gibt, die sich lohnen angeschaut zu werden, aber die man trotzdem gesehen haben muss. :yes::yes:

Was brauch ich Reading Rooms von dieser Krawallnudel Schirrmacher.