Nationalbälle

zwiebelgehüllte bälle
plärren türhüter
zu bundesadlern als kroko
rollen den rasen rasend
löcher in netze
den ballermännern zum frasse

hupgebrülllust
stellvertritt mein sieg
jagt auf gelb-rot-grünen halmen
trostgeschmierte ecken
von außen nach innen
zum letzten mann

hurragedünstet
von elfen-männern beschossen
watscheln stolze nationen
vom sudden death
zu ungeahntem höheren orts
bierschaumgeboren

starke recken staksen
knietief watend in interviews
schnattern chatten stammeln
bälle in tausend zeiten
zu millionen toren
toren die

Ball der Füße

Sterne hauchen Fußballfelder
Elfen treten Meter
Bälle vögeln Grünparkett
Ein Tanz schwebt hinter
bleichgegrölten Netzen
Dicke Stollen treten nach

Diese zwei Gedichte sind mein Beitrag zum Blog-Carneval (=Gedichtewettbewerb zur Fußball-Wm von WolliW

Norwegisches Holz

Die Häuslichkeit nimmt zu im Kunsthaus. Norwegian Wood hielt Einzug und die Weitläufigkeit der Welt, a message in a bottle kam an. Passt doch. Sting wurde gerade zum Ehrendoktor ernannt und Sir Paul McCartney winkt von fern. towbeats spielte im Kunsthaus auf zum Gesang von Alena Möller. Für den Internetchronisten eine wahre Wohltat. Einmal googln und sofort fallen die Urls mit Bild ins Blog. Warum nur steht so was nicht in den Programmheftchen und in den Zetteln zur Musikwerkstatt von Holger Bläß und Alena Möller in der Kirschenstrasse? Der Thomas Bugert ist anderweitig engagiert, ja wo?

Ah, na. Hätte jeder vorher mal guggen können. Gilt übrigens für alle Künstler. Dann hat das die Presse einfacher, vom Blogger mal ganz zu schweigen. Vielleicht hätte auch tatsächlich der eine oder andere Bürger mal nachgesehen und gedacht, ach so: Der Bläß aus der Kirschenstrasse (hey, warum steht denn da Kirchenstrasse?): „Wu kädn dä hi? Was issen dem soi Mudda va e Geborni? Beim Hoffmonns Albert soinere MSC hodda gschbield?“ Dann wären bestimmt 20 Leute mehr da gewesen. Seufz.
Das klang alles ganz unaufgeregt, warmherzig, gekonnt, mit leisen Tönen, ohne Gedrön.
Das waren Standards aus Pop und Jazz vom Feinsten. guit, d-bass, voc. Sogar ein Song mit deutschem Text war dabei und man verstand jedes Wort! Kein Genuschel wie bei Grönemeyer immer oder Stahlhofen drüben in der Drehscheibe letzthin, als ob sie sich für die Sprache oder die Texte schämen müssten. Das fand Achtung und Anerkennung im Publikum, dem hingerissen lauschenden Auditorium. Weich gezupfte Beats auf der Gitarre zu glockenhellem Gesang mit Bassläufen, die (fast) die perc. vergessen ließen. Musik zum lauschen, sinnen, sinnieren, träumen.

Was mir träumte?

Heimspiel

Deine Schulter reist zu meinem Kinn
Mein Finger geizt mit Haut
Zenti metern durch Poren
graue Haare takten im Wipp

Ball der Füße

Sterne hauchen Fußballfelder
Elfen treten Meter
Bälle vögeln Grünparkett
Ein Tanz schwebt hinter
bleichgegrölten Netzen
Dicke Stollen treten nach

Und was noch? Geht Euch nix an

Schneewittchen

Freudenberg, Drei Glocken, Beltz und Stilbruch las ich, als der Zug langsam in den Bahnhof einlief, ich hätte Elfriede mitbringen sollen. Meine Tante schwärmt für die Fensterlederclones von Vileda und wäre über eine Nudelfabrik in Entzückung verfallen, vor allem weil der Lieblingsverlag ihres verstorbenen Gatten daneben lag. Paul war Sozialpädagoge und er hätte bestimmt gesagt: “Machen wir ein Problem daraus und dann reden wir darüber“. Stilbrüche eben, scheinbar sind sie hier alle in einem Bistro zusammengefasst.
Seufzend stieg ich aus und fragte mich nicht das erste Mal, welcher Teufel mich denn ritt, überstürzt in Weinheim auszusteigen. Die Bahnhofsgaststätte verschlossen, „schunn iwwa e Joar“, erzählte mir der örtliche Wachtturmverkäufer, was immer er damit auch sagen wollte. Meine Koffeinsucht drängte mich Richtung Innenstadt, denn Stilbrüche trug ich bereits genügend in mir. Zwei Burgen sah ich an den Hügeln kleben, die sich hier Berge nennen. Ich kam geradewegs aus Kärnten, da bleiben solche Vergleiche nicht aus. Eine Burg sei erst 1920 oder so entstanden, von Burschenschaftern erbaut, was es nicht alles gibt. Burschenschafter, na ja, das wird der Gastronomie sehr entgegen kommen, ich sah die Füchse mit den Kappen wackeln und auf Humpen deuten. Ich war sehr unpolitische diesen Herbst, selbst in Kärnten, Sie wissen schon warum.
Am Kiosk hatte mich mir eine Lokalzeitung gekauft. Weinheimer Nachrichten, Odenwälder Zeitung und Mannheimer Morgen teilten sich wohl den allgemeinen Teil, ich blieb beim Lokalkolorit. Sollte ich mir noch ein Buch kaufen, für die Rückfahrt? Bei Braunbarth waren zu viele Leute, ah schon wieder Beltz, die Buchhandlung zum Verlag. Magisch zog es mich hinein, schließlich hatte ich Urlaub. Ein Mann in einem Parka zog mich in eine Gespräch über die Jelinek, was mich Vertrauen fassen ließ. Ich zeigte ihm die Visitenkarte mit den handschriftlichen Notizen. Die Adresse war durchgestrichen. Nur Weinheim/Bergstr. war noch gedruckt zu lesen, darunter stand:

Schneewittchen erwartet des Knaben Wunderhorn in der Straße 17.

Ich errötete und erklärte mich: „Ich traf die junge Dame im Bahnhof von Spital/Drau und wir teilten uns das Abteil bei der Fahrt nach Salzburg. Die grandiose Natur ließ mich wohl sentimental werden, ich nannte sie wegen der fehlenden Urlaubsbräune und ihren schwarz gefärbten Haaren Schneewittchen und fragte sie beim Abschied nach ihrer Telefonnummer. Sie schob mir wortlos diese Karte in die Hände und küsste mich auf die Wange. Nach zwei Tagen in München packte mich doch die Neugier und auf meinem Heimweg stieg hier aus.“ Der Mann grinste kumpelhaft und erklärte: „Schneewittchen wurde von einem Weinheimer Bürgermeister geschrieben, Namen habe ich vergessen, aber drüben am Amtsplatz gibt es eine Vitrine mit Informationen“. Im „Museum der Stadt Weinheim“ war die Vitrine zur Zeit nicht zu besichtigen, wegen Renovierungsarbeiten. Aber ich erfuhr wenigstens den Namen des Autors: Albert Ludwig Grimm. Ach deswegen des „Knaben Wunderhorn“, jetzt hatte es geklingelt, das war DER Grimm. Aber warum 17? Ich wollte nun endlich Kaffee trinken, aber ich verlief mich in den kleinen Gassen und stand urplötzlich in der Albert-Ludwig-Grimm-Strasse. Meine Hände wurden feucht als ich entlang einer Parkmauer entlang ging. Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof, aha der ehemalige Stammsitz der Viledaner. Da die Nummer 17. Evangelischer Kindergarten „Sonne“. Da stand auch Schneewittchen mit ihrer Tochter in der Hand und lachte mit ihr. „Papa abholen“, hörte ich nur noch, bevor sie um die Ecke verschwanden.

Geschah mir Recht. Alter Esel. Was wollte ich auch mit einer solch jungen Frau? Ich lachte laut über mich selbst und fand am Marktplatz ein spanisches Café, dort sollte ich vor deutschen Märchen und Sagen sicher sein. Beim zweiten Cappuccino begann ich ein Gespräch mit der Dame vom Nachbartisch, als sie endlich aufhörte über Windows, Web und Usiblity-Fritzen via Handy zu tönen. Sie sei aus „Linnefels“, erzählte sie, „net vun Wold-Mischlboch“, wie ich meinte herausgehört zu haben, man braucht ja immer Gesprächsbeginner. „Lindenfels an der Nibelungenstrasse, sehr romantisch, mit vielen Siegfriedsbrunnen in der Umgebung. Alles voller Sagen und Märchen“, säuselte sie nun im besten Standarddeutsch. Ich bezahlte überstürzt, trank aus und flüchtete.

Im IC nach Frankfurt las ich die Weinheimer Nachrichten, ich hatte mir ja kein Buch gekauft. Scheinbar hatte die Pisa-Studie auch dort Gegenmaßnahmen provoziert. Es gab eine Vorleseaktion. Die Zeitung schrieb sogar einen Kurzgeschichten-Wettbewerb aus. Ein Grinsen hüpfte über meine labello-losen Lippen und ich packte mein Notebook aus.