Olympische Geister reiten auf Schnecken

gleiten mit Schlangen
in Wüsten und Ozeanen
pausen und lachen
trinken Weißwein und
der gleichen Farbe Bier
wie die Gespenster hinter
den Scheiben der TfTs
und digitalen TeVaus
scrollen die Sofas
die Betten und Sessel
nach Gold und versilbern
bronzene Löffel zu Pudding
Sie burgern und fritten
wie wir für uns samt
den heiligen Sponsoren
in Recordia Amen

Entgeigt


Abgehängt. Die Geigen.Vom Himmel. Der Himmel hing nie voller Geigen. Nie. Ich hänge sie trotzdem einzeln ab. Schließlich hatte ich sie auch nicht dort hin expeditiert. Ich bitte sie. Woher sollte ich 1245 Geigen hernehmen und wie an den Himmel hängen? Es sind immer 1245 Geigen, wenn das Gericht geht, dass wieder Geigen himmeln würden. Egal für wen, wo auch immer, sogar an den Nachthimmeln außerhalb von Atlantis, dort wo die Stadtbahnen auf Weichen küssen. Es wird schwierig nach der 456. Geige. Die Arme erlahmen, die Himmel schmelzen leicht und die Wolken beginnen zu murren. Mann beginnt mich Arschgeiger zu nennen, die Blitze wollen donnern. Verursacherprinzip. Man hängt keine Geigen. Schon gar nicht an deutsche Himmel. Haben sie überhaupt einen Hängungserlaubnis? Ist das Hagenauer Himmelsexportprotokoll mit dem freiwilligen Ruetli-Zusatz beachtet? Ach, machen sie sich doch nicht lächerlich, ab Zugspitzenhöhe darf die Gema nicht mehr zocken, dort oben spielt jede was er will. Außerdem gab es ja nie Geigen. Ich hänge sie nur ab. Die Luftgeigen. Ja, ich spiele Luftgeige, wie andere Luftgitarre, ja und?
Ich schwebe in den Wolken und geige. Vergeige. Dies und das.
Wenn niemand hinsieht auch halbnackt in rosa Wolken, selbst gemalte auf Acrylleimen. Wie wollen sie Luftgeigenmusik bewerten, Herr Gema, samt Gattin? Natürlich höre ich die Himmelsmusik, wenn ich in schwarzen Wolken geige, selbstverständlich, aber die komponierte mein großer Fußzeh auf dem obersten Blatt des Mammuts.
1245 Geigen hingen in der Luft und ich spielte sie alle, poly für poly morph.
Ich hänge. Sie ab. Geige für Geige, Saite für Saite, ich esse sie mit meinem Herzen, man isst nur mit den Herzen gut. Die Nachtkritik bläst mir Märsche, die 23. Geige im 67890 Takt, gespielt am kleinen Finger der mittleren Acht-Hand war unfrei, zu schwebend, dem Wolkengrau geschuldet, gewittergeil. Mir würde die Luft ausgehen, entgeigt. Karajan hat Urlaub.
Eigendirigate jubeln die Amazonen, Indievergeiger die Selfmusicanten. Nur Wolfgang lächelt und übt Luft-Orgel. Bald ist die letzte Geige vom Himmel, die es nie gab. Abgehängt.
Ich, abgehängt? Aber ja, von eigener Hand, von all dem Gerenne der 1245 Welten. Abgehängt. Entgeigt.

Der Sommer, der ein Dienstag war

Was heißt denn hier Krise
der Sommer kocht
uns kleines Gepäck
Haushalte löchern den Takt
Pleiten gebären rot lackiert
Minister wackeln durch Löcher
Hohe Schreie kitschen Strand
Im Takt verspechtet ein Ur-Laub
Spinnen aus Teerwachs an Äste
Ich halse den Kopf unter Gehirn
Bunte Vögel vögeln

Gelesen ist. Ein Protokoll.

Das war hübsch zu lesen im Überwald. In Wald-Michelbach war das ein wenig verplant und die Hinweise zu den Veranstaltungsorten sehr dünn gesät, trotzdem waren zum Schluss so um die 10 aufmerksame Zuhörer da. Eine Dame, die fast 20 min auf den Auftritt wartete, ging während der Lesung entrüstet weg. Sie hat an mir später noch sehr bewusst vorbeigeguckt, als ich schon zum Bus nach Hammelbach unterwegs war. Ich liebe so etwas, man hat etwas bewegt :)) Herzlichen Dank an Gundolf Reh für die Einladung!
In Hammelbach fühlte ich mich sofort wohl, hatte ich doch gerade den Sigges fertigt geschrieben, also eine Story, die am „Tatort“ erst-gelesen wurde. Alles war liebevoll vorbereitet, die Leseorte bestens beschrieben und beschildert, sogar eine Straßenkreide-Linie gab es von Ort zu Ort, eine exklusive Handy-Betreuung gab es Tags zuvor, Wein und Stückchen, fast könnte man zur Diva werden. Ein Kulturbüro haben sie in Hammelbach und der Chef hetzt von Veranstaltung zu Veranstaltung, wichtiges im Bollerwagen hinter sich her ziehend. #hach
Und dann las ich zu meiner freudigen Überraschung am Pranger, einer alten Einrichtung des Cent-Gerichts, zu Kerzenlicht, direkt neben einem Totenmann. Und es kamen bei 9° C um 22:00 tatsächlich an 20 Leute und hingen an meinen Lippen. Es ist schon toll, wenn man genau dort liest, wo das Denkmal steht, das man im vorletzten Satz erwähnt, dann die Heimfahrt mit dem Rad von 550 m nach 100m, sanft verteilt, genau an dem Bach entlang, den man gerade besungen hat. Die Hände immer entspannter, denn es wurde von negativem Höhenmeter zu Höhenmeter wärmer, fast bis auf 15°. Es war ja auch Juli… Danke an Raimund Bach & Team. Ach ja, die Museen waren toll, das Motorradmuseum hätte so manchen Freak gefallen :)) und dann die Eisenbahn-Museen. …Ach so ja, ich las zum ersten Mal von einem eReader. Kein Papiergeschaukel, keine Buchseiten, die der Wind weiter weht. Kommt gut. Doch. Kann man sich daran gewöhnen. Morgen ist Montag und ich bin wieder werktätig. Der Autor geht schlafen.

Regenkitsch

Ich tanze mit dem Kitsch durch den Regen und wir giggeln über die Sonne, die ihre Strahlen mal wieder in rot-gelb trägt, so kurz über der Wolkendecke, dass man fast ihre Orangenhaut sieht, in dieser unrasierten Eruptionszone und sie zornt uns, windet Sonnenstürme um den Mond und ich presse mich an ihn, den Kitsch, spüre seine Erektion an meinen Schenkeln und lasse sie zu. Scheiß auf die Kunst, das Bauhaus, die Postmoderne, samt der Scheußlichkeit der Billy-Bibliotheken und das Porschedesign. Ich tanze den Kitsch im Gelsenkirchner Barock und wälze mich im Jugendstil. Ich träume vom Kitsch rollender Meere, schneebedeckter Alpen und röhrenden Bierseideln. Ich ertrinke im Kitsch der frühen Woodstock-Batiken, samt Jimmy-Riffs. Ich schnitze mir Karoffelstempel für meine Domains. Ich kitsche dich, du kitschst mich. Unter dem Schirm tropft der Regen, regen, regen, regen, sich regen, regen, reggae yeah..

Zu feig in Rente zu gehen

(eine Hommage zur goldenen Hochzeit der Stones)

Ich lasse los. Seit ich weiß, dass irgendwann tatsächlich die Rente wirklich zu mir kommt, lasse ich so vieles los. Es ist mir so vieles egal. Ich kratze die Probleme der Menschheit von den Seiten der Gazetten, aus den Pixeln der Monitoren, wische sie von den Apps der Smartphones, baue daraus Burgen mit eingebauten Sandschleiern. Ich muss nicht mehr da hoch zum Gipfel. Die Aussicht hier ist gerade so gut und nachher rutsche ich diesen Berg auf dem Hintern hinunter. Nein, nicht kindisch, aber kindlich. Als der fürchterliche Kindergarten zu Ende ging und endlich die Schule kam, war mir genauso. Eigentlich sollte etwas fürchterliches beginnen und etwas wunderschönes enden, aber ich lies es los und es wurde besser. Wenn meine Gelenke nicht schon so ausgeleiert wären, würde ich manchmal am liebsten hüpfen. Ach, sollen sie doch machen. Der Euro geht baden? Ach. Die Urheber schreien, die Lobby macht Betriebsausflug? Nein, ich zucke keine Schultern. Ich nicht. Aber eines regt mich auf. Nein, auch das nicht, oder doch? Ok. Ich sags. Doch. Noch einmal raffe ich mich auf.
Wenn man 50 Jahre auf Tour war und eine der raffgierigsten Bands aller Zeiten, sollte man zwangsverrentet und nicht weltweit in den Fäuletons gefeiert werden. Aber meine Renterkollegen werden ihnen auch beim nächsten Konzert die Millionen in die Taschen spülen, wenn sich Mick zum hunderttausendsten Mal in den Schritt greifen wird und brüllen, dass er keine Satisfaction bekommt. Ok. Ich lasse los. Auch das. Und wenn dann mein Roman endlich fertig sein wird, werde ich auch in den Stadien der Welt. Quatsch. Loslassen, mikel, loslassen. Ommm. Ok. Es gab so viele Bands, die besser waren. LOSLASSEN! Ich hüpfe, ich springe, tanze den Mozart. Und Paul bekommt auch noch sein Fett weg, die sind alle viel älter als ich. LOSLASSEN.
Zu feig in Rente zu gehen, wartet nur. LOSLASSEN… und heimlich unter der Bettdecke schreibe ich weiter und grinse.

Widerungen

Wieder
zu wider
was interessiert
mich Ministerin
küss die Präsident
per und Hand

Wieder
zu wider
immer wieder
immer wieder
immer wieder
auf du Nieder
nieder Mieter

1234
123

immer wider
hoch’n nieder

Lasset uns sommern

Lasset uns Sommern. Unbekannte Wellen trinken den Wind in den Ähren, Blätter rascheln wie seit Jahrtausenden, der Sommer lebt, täuscht unsere Zeit. Es ist der Gleiche, wie letztes Jahr, als alles besser war, sogar die Wolken aus leicht eingegrautem Weiß, atlantik-gestählt. Mein Sonntags-Seelchen raucht Buxtehute direkt aus dem Bluetooth der Ohrwürmer. Edle Tannen schlafen mit den Tauben, die sie bescheißen, wie schon immer weißen. Mein Sommerlein braucht keinen Schnee. Die Trauben an den Rieslinghängen drüben, wachsen der Kelter entgegen, reifen zu Öchslen und Volumenprozent, die Gerste giert dem Hopfen entgegen, sich zu vermalzen. Über dem Rhein produzieren die 4 Vitamine dazu CO2, damit es bitzelt. Aus den Hügeln rollen die Handkäsvernichter zurück in die Gerüche der Stadt, träumen von den Äpfeln, die schon runden und ihrem vergorenen Saft. Die Träume aus Herbst und vergangenen Spargeln und Erdbeerkuchen versprechen schon langsam knackende Nüsse zwischen den Pflaumen des Landes. Herr Urlaub schmiert weiße Fahnen an die Himmel, hechelt Sonnenbränden entgegen. Ich sitze auf immergleichen Balkonsesseln mein Gemüt zur Ruhe. Lasset uns sommern in Ewigkeit.

Agnostikergebet #24