Winter im Februar

Meine Texte zur Spätlese #21

Winterlied 1

Weiß läuft
eine Straße
Schnur
gerade so als
ob zu Dir

Zungenspitzen
flocken
Empfängnisse
zu Schnee

Kalte Schöße
stöhnen
Eis
hitzen Glüh
 

 

Winterzauber

Stille Wasser hüpfen
über die Filets der Forellen
träge frieren meine Zehen
im eiskalten See
 

winter

schlitternde lemminge
durchfurchen die nacht
frierende lichter
durchbrechen die selbe
weihen sie
neu abgasgeprüft
heilige nacht
einsam friert eine
zigarette
zischt fröhlich im schnee


Päckchen (2010)

(Als Fake News noch Desinformation hieß, ein Vorschlag, auch wenn es so schwach erscheint)

In diesen dicken Regenwolken, die von Atlantik, Salz und frischem Wind erzählen, stecken meine Gedanken. Ich spende sie der Menschheit, nicht dass sie gebraucht würden. Nein, niemand muss sie annehmen, man kann sie getrösteten Mutes weiterleiten, in die Mülltonne kippen, ganz wie es dem werten Herrn und Frau Gehirn genehm. Gedankenspenden sind der Hit der Saison, niemand kann sich dagegen wehren, so wenig wie gegen die Sommerhits, die bestochene DJeis in den Radiostationen jahrjährlich generieren. Die Uno rief zunächst dazu auf, hoffte sie doch liberale und tolerante Gedanken allen Menschen zur Verfügung stellen zu können, auch und gerade in den Diktaturen dieser Welt. Wussten sie schon, dass reine Gedanken sprachlos sind? Bar einer herkömmlichen Menschensprache, die über die Zungen wandern müssen? Die Menschen machten sich Gedanken, in den Fernsehstationen gerannen die Spezials durch die Mattscheiben, die Zeitschriften gaben Anleitungen zum verpacken, sogar die Rolling Stones und das Orchester der Mailänder Skala, samt dem Fanclub von Che Guevarra machte mit, zeigte, wie man Gedanken packt und in der Luft frei setzt, an diesen magischen Punkten, die der Mufti von Kairo, der Oberrabiner von New York, der Papst und der Bischof von Canterbury zusammen mit Fidel Castro in die Wiesen und Haine der Welt gesprochen, gebetet und polemisiert hatten. Aus der Bevölkerung des Planeten streckten die Nachfahren der Schamanen ihre Nasen in den Wind und hielten sich bereit die Gedanken aufzufangen, zu entpacken und allen zur Verfügung zu stellen. Für drei Wochen standen die Kriege still, selbst die Lobbyisten in Brüssel, Washington, Paris, London und Berlin lächelten öfter und dann geriet der erste Geheimndienst in Panik. Er packte geköderte Gedanken aus der Desinformation und Agitation in manipulierte Gedankenpäckchen, alle anderen Agenturen, selbst die kleinste Geldwäscherei und Werbefuzzerei spielten nun mit. Nach weiteren drei Wochen hatten die Regierungen, Verbände und die üblichen Hintergrundfamilien die Sache wie üblich in der Hand, die Gedanken waren in nichts mehr zu unterscheiden von den Werbe- und Nachrichtenmanipulationen, die täglich in unsere Köpfe geblasen werden. Glücklich hauen sich die Soldaten wieder die Köpfe ein, die Fanatiker pflegen ihren Hass und den Rest hat die Melancholie der Resignation wieder ergriffen und sie pfeifen selbst im Winter noch den Sommerhit der Saison. Ich packe weiterhin fröhlich meine Gedanken und puste sie in die Luft, gebe sie frei zum kopieren, liege nur ganz wenig von den üblichen entfernt, nur so weit, dass man sie noch als meine erkennt und gebe sie frei zum kopieren und als eigene ausgeben. Es ist mir egal, ob das nutzlos ist und ich deshalb keinen Schekel, Euro, Dollar, Taler, Denar oder Lira verdiene. Ich kann nicht mehr aufhören, die Gedanken springen von selbst in die Päckchen, so wie in dieses. Gefällt es Euch, wollt ihr es weiter schicken, in die Wolken, die von Atlantik, Salz und nur leichter Freiheit beim Wein erzählen?
Die Geschichte dazu:
Es gab 2010 das Projekt „AdeventPodcast“. Autoren stellten Texte zur Verfügung, dieese wurden professionell gesprochen und als Werbung für Non-Profit-Projekte ins Netz gestellt. Hier Creative Commons.


Die ursprünglichen Links funktionieren nicht mehr. Deshalb hier der Screenshot von sintemals.

Der Link zu CC-Creative Commons und 8 Jahre später läuft das direkt im Blog. Sprecherin war Ruth Emminger

Diesen Text stelle ich daher unter die CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell-Keine Bearbeitungen 4.0 International

Mudda, Vadda, Bischbaschbroch

(Zum Tag der Muttersprache 2018)

Isch hebb koa Mudda
des is moi Mamma
Koan Vadda net
de Babba war des
Desweje hewwisch e
Mammababba-Schbrooch
Die Duden-Sprache
hewwisch vum Schullehra
gelernt sellemols
Des is die Schullehraschbroch
Englisch hewwisch vun de Amis
gelernt die vun newedroa
mit Jimbimm, Ice Cream un AFN
Des is moi Bob-Dylan-Schbroch
Un imma die Frog, wie
de Sigges un die Krimhild
in Worms driwwe
gebischbad hewwe
wura doch net vun do waa
sondern aus Xanten
jo, aa oam Rhoi
und was
wohl de Drache ghaße hod

Un du Herzbobblsche
Loss misch bischban
in moinere doinere
Mommababba-Schbroch.