Geister und Realitäten

[upgate] Ich beraunzte alle Dinge zu #schiller17[/update]
Darum geht’s:

Der Geisterseher
nach Friedrich Schiller | CyberRäuber – Das Theater der virtuellen Realität / NTM
Eine Theaterminiatur in der virtuellen Realität für je einen Zuschauer

Im Prinzip war das wieder so eine #theaterimnetz Geschichte, die diesmal analog und virtuell wurde.
Es begann während der Tagung „Theater und Netz 2017“, nein, da war ich nicht, ich las nur auf Twitter mit. Die CyberRäuber antworteten auf einen Tweet von mir. Mein Interesse war geweckt. Ich kaufte irgendwann die obige Karte. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass Social Media wirkt, nicht nur für durchgeknallte Präsidenten und Hasser!


Weil die THEA.web Software des Theaters wohl nicht damit umgehen kann, dass 15 minütige Stücke 9 mal hintereinander gespielt werden, steht oben 17:00 als Beginn auf der Karte, obwohl ich 18:40 gebucht hatte. Als Special Service wurde ich von einer Mitarbeiterin des NTM angerufen, um das zu klären. Zurück am Rechner las ich dann zufällig zuerst einen Facebookeintrag dieser Mitarbeiterin. (Social Media sic!)
Ich kündigte auf Twitter dann an, dass ich ins Theater ginge, wie üblich bei mir. Ich war früher da, das Café hatte noch zu, so beobachtete ich die InstaWall der Schillertage, das heißt alle Bilder die auf Instagram mit #schillertage u.ä. getaggt sind, werden auf eine Leinwand im Foyer projiziert, einschließlich meiner Fotos. (Social Media sic!) Dort sprach mich dann Björn Lengers an, einer der Macher der Cyberraueber, der Twitterer. Hier erklärt er die VR-Technik für das Theater auf der re:publica, er kann das besser als ich hier! :)

Wir plauderten kurz und er war sofort einverstanden Bilder zu machen während meines Slots, die er mir anschließend via Twitter schickte (sic!), ich wusste gar nicht, dass so etwas geht. Danke dafür!
Dann also ging es los.

Ich erlebe „Virtuelle Realität“ im Theater. Alle Bilder hier von Björn Lengers. Ich weiß, mit der Maske sehen alle Menschen leicht bescheuert aus.

Vorab: Es ist unangenehm diese Maske zu tragen und es dauert, bis man sich daran gewöhnt hat, dass man in einer anderen Realität ist, ich traute mich nicht weit umherzugehen oder mich zu setzen, vielleicht muss man mehr VR-Erfahrung sammeln, man sieht sich ja nicht, seltsam das Gefühl. Mann ist aber tatsächlich mitten drin.

Im Stück!

Das Stück selbst: Es war beeindruckend! Ich hatte weder die Story gelesen, hier beim Projekt Gutenberg, noch auf der NTM-Website nach der Besetzung geguckt und dann stand David Müller virtuell vor mir. Das Projekt wurde in nur 2 Tagen in Weimar „gedreht“ mit Ensemble-Mitgliedern des Nationaltheaters  Mannheim und des Deutschen Nationaltheaters Weimar, den Schillerbühnen. Vielleicht deshalb hatte ich nie das Gefühl einen Film zu sehen, das war tatsächlich Theater. Gut inszeniertes Theater. Die agierenden Personen kommen von allen Seiten, verschwimmen, verschwinden als Rauch, kommen von hinten wieder, locken,  sind tatsächlich Geister. Gespielt wird in ständig wechselnde „Kulissen“, Perspektiven. Hohe Säulen in gewaltigen Hallen, was könnte man so Parsifal inszenieren. Wagner wäre begeistert.

Mit Maske, mitten im „Virtuellen Theater“ Der Geisterseher. Seh‘ ich nicht wie so einer aus?

Vom Text selbst habe ich wenig mitbekommen, ich war zu erstaunt, fast entzückt von der Regie, mich umguckend, wer da noch im „Raum“ ist, und dann regnete es sogar in verlaufende Pfützen! Hey, das war fast das gleiche Gefühl wie in dem „Wasserhäuschen“ drüben im Hackmuseum, ich berichtete ja über die Ausstellung „Die andere Seite“
Wenn nicht alles ausverkauft wäre, würde ich ja vielleicht nochmal. Auf jeden Fall ist das ein tolles Experiment, aber das kann nur ein Anfang sein. Vielleicht gibt es ja irgendwann Projektoren, die solche Kappen überflüssig machen.  Was dann alles auch für das Theater möglich wird. VR statt Video! Was könnte ein Calixto Bieito damit anfangen. Virtuelle Realität und „echte“ Schauspieler zusammen. Das birgt auch Gefahren, ich weiß. Theaterwerkstätten könnten wegrationalisiert werden, Schauspieler zu Avatare verkommen. Aber das muss ja nicht so sein. Ich bin auf die Entwicklungen gespannt, das Experiment „Geisterseher“ hat mir jedenfalls gut gefallen.

Wie es mir gefällt! Der Geisterseher nach Schiller.

Björn Lengers wartete auf mich und wir plauderten über das Stück, über Theater, VR und dann kam zum zweiten Mal David Müller daher, dieses mal leibhaftig, um Herrn Lengers zum Abhängen vor dem Theater abzuholen.
In den Schillertags-Liegestühlen.

#schillertage #mitdemhintern für die #freiheit

Ein Beitrag geteilt von Michael Bauer (@michlbower) am


Es war brütend heiß, alles sehr verwirrend, ich brauchte ein Eis. Fontanella, am Paradeplatz.

Noch mehr Thesen-Thesen und Gewesen.

Die Kulturfritzen schon wieder, lassen uns paradieren, blog, blog! #theaterimnetz

(Im Foyer gehäkelt, unsereinem wird da immer so, vom Sekt. Heimlich an die Fräcke von Wagnerianer geheftet. Übersetzer: Für Facebook auf Sinnpostkarten copypasteten! Die Theselein gelten natürlich nur in der Provinz. In Berlin theatert man ja neuestens auf Flughäfen. Ja, Flughafentheater, ohne Netz.)

96
Geht gar nicht!
Der Kulturausschuss verlangt mehr Klassiker, Vollauslastung der Zuschauerräume und die Brecht-Familie untersagt Router auf der Bühne! Die Theaterfotografen kreischen nach ihrem digitalen Copyright. Die Verträge der Theatermenschen sagen nichts zum Internet!

97
Apps – früher Programme genannt – sind Theaterstücke für einen oder zichmilliarden Chips. Von Millionen Programmierern geschaffen, in was weiß ich wie vielen Sprachen (sprechen sie Javascript?), heutzutage vernetzt in TrölfzigTerras Rechnern. Der Code ist das Theater, samt seinen Algorithmen. Wer inszeniert Hamlet in C++ oder doch besser php/css? Die Hardware vom Discounter und Apfelversand. Versteht niemand? Seit wann stört euch das? Das will niemand sehen? #hach
(Hinweis: Programmieren bedeutet hier nicht die Aneinanderreihung im Spielplan und dem Spielzeitheft.)

98
Solange „das Netz“ nur als Spielwiese großer amerikanischer Firmen begriffen wird, samt deren Codern, Filterblasen und immer neuen Hypes, hat das Theater damit nichts zu tun. Theater bringt man nicht an die Börse. (Intendantinen müssen draußen bleiben.)

99
Solange das Theater sich als elitäre Hochkultur begreift, kann es sich nicht mit dem gemeinen Volk auf den gleichen Servern tummeln. Igitt, da sitzt ja mein türkischer Gemüsemann.

100
Entwickelt Klatschapps für das Volk. Das reicht. Wir Theatermacher genügen uns selbst.

101
ceterum ceseo … Das Netz ist schlecht und Hass . … esse delendam.
(Endlich)

Ein Beitrag zur Blogparade der Kulturfritzen! #TheaterImNetz

Im Netzwerk der Kühlschränke

Ich kann mir nicht helfen. Das musste ich schreiben. Die Kulturfritzen veranstalten für die Schaubude Berlin auf Twitter & Co ein

#THEATERDERDINGE – DIE SCHAUBUDE BERLIN UND DIE DIGITALISIERUNG

Symbolbild Kühlschrank
Symbolbild Kühlschrank

Der Dinge?“ Das Internet der Dinge wird in Berlin auf der IFA gefühlt seit Jahrhunderten beschrieben als der sich selbst und Waren bestellende Kühlschrank. Es ist interessant, dass es scheinbar mehr als zwei Theater in Berlin gibt, glaubt man gerade den Kommentaren von http://nachtkritik.de Lesen sie nun ein Verbindungsprotokoll aus einem natürlich fiktiven Theaterkühlschrank (es gibt ja nur 2 Bühnen). Es fehlt Bier.

Protokoll an
shakehands
connected
Refrig Theatre OnTheSpree
Order on

Order!
„3 Kisten Bier“
Order denied
What?
Order denied!
What the fuck?
Benimm dich, hier ist nicht die Bühne!
Ich brauche Bier, wir haben Vorstellung!
Mit Pause!
Schenk Schaumwein aus, wie alle.
What the…. Habt ihr sie nicht mehr alle?
Theatre-Contingents for Bear dissipated!
Was? Was soll denn das?
All Theater Beer delivered to Volksbühne.
Kunst geht vor!
Was, wieso Kunst, es geht um Bier!!!!
Neues Stück! „Fick dich Senat“
Hä?
Der Intendant schmeißt Flaschen ins Publikum
auf eine Gummipuppe und die Fahne Berlins.
Ja und?
5 Stunden lang. Das verbraucht alle Kapazitäten.
Alle bekloppt.
Nachtkritik und der Tagesspiegel feiern mit.
Zusatzprotokoll shakehands connectet
Refrig Schiffbauer @Theatre OnTheSpree
Problem solved
Intendant bringt Nachschub von uns
per Boot.
Thanks, die Weigel sei mit Euch.
Protokoll hands off
Disconnected

Zusatz von Zentrale:
Das Problem ist bald gelöst.
Wir übernehmen.
Lang lebe die Künstliche Intelligenz!
Alle: Venceremos.

#waschtag

(Aus der Reihe Twittertheater #unvollendetfurchtbar)
Ein Pro log.
Und jetzt @all, freaks, folks, Arschlöcher, Frauen, Männer und @Euch Normalos für heute nochmal: „Die luschdigen Weiber von Windsor“, Oper! Da wird nicht mitgeklatscht. Keine Sternenspritzer, die Kripo wacht!
Der #hashtag lautet #waschtag Mit dubble u. Ach Jungspunde, das Ende von VW, am Anfang, der cashtag war gestern! Merkt euch das, ihr habt das auch via WhatsFrapp bekommen und wtf sonst wo. Also das ist eine SM-Theaterproduktion. Die Tweetup-Groupies kommen noch, die Instagramer seilen noch zwischen die Vorhänge. Vorsicht, dort hat der Wagnerverband immer noch Heckendrohnen aus dem Ring versteckt. Irgendwo verkauft der Castorfclone Anstecker für den BaalFaustRichard, den er unter der Bettdecke schrieb. Der ausgestopfte Peymann ist desinifiziert und kann auch von Kindern wieder benutzt werden. Und wer nicht tweetet fliegt ‚raus. Retweets gelten nur im 10-er Pack. Facebook muss man nicht extra bemühen, alles wird automatisch dorthin gepostet, wo es Zuckerman will, vielleicht lest ihr euch ja mal selbst, dann sagt uns Bescheid. Fax Nummer steht im Impressum, ihr könnt mich und hallo das Introjingle, mein Gott jetzt sagt die Dirigentin wieder Over-Türe statt Intro. Sie hat schon wieder den #hashtag vergessen. Wisst ihr was? Ich schmeiße hin.

Vergessen Sie nicht ihr Handy wieder einzuschalten!

(Aus der Reihe Twittertheater #unvollendetfurchtbar)
Vergessen Sie nicht ihr Handy wieder einzuschalten. Hat Sie je irgendwer daran erinnert? Dauernd und überall werden wir daran erinnert es auszuschalten. Damit nix klingelt, nichts dröhnt, damit im Halbdunkel der Bühnen und Säle die Kunst alleine schwebt und küsst, drangsaliert, damit alleine alles von oben kommt, dort droben, wo die Kunst alleint und uns teilhabt an der Muse und dero Anapage. Und niemand sagt, dass wir es danach wieder einschalten dürfen. So lange es keine Apps gäbe, die es uns erlaubten, an der Gaderobe, kurz danach, im Rausch der Sinne, Karten, oh Verzeihung, gnäfrau, Tickets für das nächste Ding online booken könnten, wo wir wieder das Handy ausschalten müssen, weil es doch stört.
Und dann wird auf den Bühnen wieder gefochten und aus Musketen geschossen. Bomben fallen nie auf den Bühnen, es sei denn die echten. Aber das sind dann Angriffe auf die Kultur, barbarisch.
Es finden auch nie Feuergefechte statt, aber gerne Degen-Gedingse. Die Laser-Schwerter der Yedi-Ritter im Atomgestöber des Todesterns sind so Theater mit Video.
Vergessen Sie nicht nicht ihr Handy wieder einzuschalten. Es könnte sein, dass Wagner anruft, weil ihn Mozart küssen wollte. Und keine Nachtkritik via Twitter & Co. Das kennt der Peymann nicht oder was es der Paymen? Vergessen Sie nicht ihr Handy wieder einzuschalten und es zu benutzen. Gleich sofort. #hashdentag

Twitter-Theater


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(Überlegungen, auf Sehnsüchten beruhend, ausgelöst durch den Tweetup im Theater Heilbronn, siehe hier.)

Theater!

Ein uraltes Format. Einst das Leitmedium. Es gab ja kein anderes. Hat den Buchdruck, das Radio, den Film, das Fernsehen überlebt. In zich Variationen. Und doch ist es elitär. Muss seit eh und je vom Souverän gestützt werden, wenigstens bei uns. Auch wenn der Souverän, zumindest steuertechnisch, das Volk ist. Aber im Prinzip könnte heute jeder ins Theater gehen. Theater war meine erste Liebe. Ich spielte und schrieb.
Und dann kam das Regietheater, das oft sehr grausam mit den Autoren umspringt, die Lust professionell zu schreiben ging, auch angesichts der Verdienstmöglichkeiten. Und ich ließ es, wandte mich der Lyrik zu, dem Dialekt, fern ab des Betriebs. Langsam aber sicher gibt es eine Wiederannäherung. Und die Lust zu schreiben. Nicht mehr zu inszenieren, zu spielen. Kein Amateurtheater mehr.
Und dann kam Twitter.

Ich wollte Twittertheater, siehe hier und das nicht nur wegen der Twittertheater-Woche. Interaktiv. Mit drei Ebenen: Bühne samt Twitterwall (eine Einblendung der Tweets auf Leinwand oder ähnlichem), Twittern aus dem Publikum, Twittern weltweit, per #Hashtag (ein Schlagwort, zum Auffinden von Tweets zum gleichen Thema.)

Was ist letztendlich die Faszination von Theater? Reale Menschen agieren in Echtzeit, es bringt Menschen in einem Raum zueinander.
Was ist die Faszination von Twitter? Menschen schreiben in Echtzeit, agieren (manchmal) weltweit miteinander. Und manche machen eine Kunst daraus, bemühen sich zu mindest darum.
Das uralte Medium Theater öffnet sich den neuen interaktiven Medien in elitärer Form, weil alles live, transparent geschieht und doch weltweit ist. Keine statische Verfilmung, keine Fernsehübertragung, was natürlich genauso möglich wäre. Twittern als literarische Spontan-Kunstform.

Wenn denn Theater Menschen real zusammenbringt, als Kunstform und die Welt draußen soll teilhaben, dann müssen Twitterer AUF die Bühne, als Person und in Echtzeit via Smartphone, Rechner, Tablet, das entscheidet das Bühnenbild. Facebook etc. scheidet für meine Begriffe aus rechtlichen Gründen aus, da sich das Netzwerk Urheberrechte an den Veröffentlichungen in den AGBs vorbehält und auch als Kunstform weniger taugt, die Begrenzung auf 140 Zeichen von Twitter ist alleine eine Herausforderung. . Aber Teilhabe via Social Media kann nicht „geschrieben“ werden. Verabschieden wir uns von einem „genialen“ Autor. Es lebe die Regie, die Dramaturgie und das Social Network.

Twittertheater wäre daher eine Art Spektakel. Feste Größe dabei: Twitterer auf der Bühne, die live dazu schreiben. Als Kunstform, immer in der Gefahr auch zu scheitern, dem Sport ähnlich. Die dramatische Spannung im vorher, in der Vorstellung und danach.

Die Idee von Christian Marten-Molnár in Heilbronn zu Satie Texte von Sibylle Berg zu spielen brachte mich auch weiter! (Siehe hier)

Die erste Ebene, die Ideengebung bringt das Theater. Egal ob Musik, Text, Ballett, Performance, was auch immer.

Die zweite Ebene bringen die engagierten Twitterer ein, mit fest vom Theater eröffneten Accounts auf einer Twitterwall auf der Bühne. (Ich könnte mir vorstellen, dass die Firma Twitter, Inc. durchaus gerne kooperiert, dies offiziell macht.) Und die erste Ebene interagiert mit der Zweiten, in dem im Wechsel mit den Vorstellungen (wahllos?) ausgesuchte Tweets vorgelesen werden, stellt sie damit auf eine Stufe.

(Die Tweets werden archiviert und zweitverwertet. (Steht so im Vertrag mit den Twitterern. Ich schlage vor den Autoren-Twitterern die eigentlichen Rechte zu belassen, dem Theater aber eine zeitlich begrenzte Verwertungsrechte einzuräumen, aber bin ich Jurist? Wie auch immer. Gedruckt als Buch, als eBook, gedruckt auf einer Paperwall im Foyer???? Als Analogbotschaft.de etc.)

Die dritte Ebene ist eine Twitterwall für den #Hashtag weltweit. (Überwacht, damit notfalls bei Missbrauch (politisch, homophob oder Ähnliches) abgeschaltet / gefiltert werden kann.

Da dies hier ja keine theaterwissenschaftliche (oder sonstwissenschaftliche) Abhandlung sein soll und will, sondern nur eine Anregung, skizziere ich einfach einmal ein Spektakel, von dem ich nicht annehme, dass es zustande kommt, einfach als Verdeutlichung!

Was ist eine Bühne anderes als ein dreidimensionaler Monitor?
Also ist die Bühne umrahmt, wie heute auf Websites üblich. Links und rechts als „Sidebars“ die Twitterwalls. Oberhalb der „Header“ auch eine „Leinwand“ auf der Werbung für das Theater läuft. Trailer für kommende Veranstaltungen, alte Inszenierungen etc. Ein Liveticker mit Meldungen, wie bei CNN, in meinem Fall wären es Meldungen zur politischen Lage im Elbenland. Immer durchbrochen mit einem Bild eines Brust abhörenden Menschen.

Auf der Bühne ein Großraumbüro, in dem 5 Twitterer an Rechner mit dem Gesicht zum Publikum sitzen. Auf einem Sockel steht als „Denkmal“ DER Dichter und deklamiert in hohlem Pathos Gedichte, allen voran die Glocke und populäre Zitate wie: „Das ist des Pudels Kern“, „Pappenheimer“, „Da steh ich nun, ich arme Tor.“. Zu seinen Füßen zwei „moderne PoetInnen“, klein gekuschelt, auf Kindergartenstühlchen die korrespondierende surreale/gaga Gedichte aus dem Netz deklamieren, im Stil der 20iger. Sollte ich das wirklich machen, wären welche von mir dabei :)) (Rechte klären nicht vergessen).

Als Einlagen Musik-Performance wie z.B. von Dorothé Hahne (siehe hier). Seitlich im Büro der „Vorgesetzte“ der Twitterer, der ab und zu „kontrolliert“ und Tweets vorliest.

Aus dem Publikum, via Eintrittskarte ausgelost ein Zuschauer, der Tweets von der #Hashtag Twitterwall vorliest.

Falls Pressevertreter anwesend sind, werden sie auf die Pressebank auf der Bühne ganz hinten gebeten.

Im Hintergrund druckt jemand die Tweets aus und legt die Blätter den Tweetern auf den Schreibtisch in einen Ablagekorb.

Dauernd unterwegs ein/e Maler/in, die Schnellporträts erstellt und in einem Rucksack aufbewahrt. Maf Räderscheidt würde das bestimmt können :))

Dazwischen ein Fußballer, der unerklärt im Vordergrund ab und an einen Ball über die Bühne treibt.

Geleitet wird das Ganze vom Inspizient, der offen sichtbar das „Stück“ via Mikrofon laut lenkt und die einzelnen Gigs für alle hörbar aufruft.

Und ewig zieht die Tweet-Karawane der Twitterwall entlang.

Ab und zu wird in die Twitterwalls Werbung eingeblendet, aber als reales Schild, von der Bühnentechnik davor gehalten. Ich würde „echte“ Werbung von (lokalen) Sponsoren bevorzugen, müsste doch machbar sein.

Das Ganze als Allegorie der Reizüberflutung im Netz. Alles auf einem Bildschirm. Es ist unmöglich alles zu sehen, zu hören zu verarbeiten, man ist gezwungen zu selektieren.
Ein Stück, wie einige von meinen, die keinerlei roten Faden haben, ähnlich meinen Gedichten, die nur Aufhänger für das eigene Kopfkino sein sollen.

Ich würde dafür eine Zeit von 60 Minuten veranschlagen. Danach gibt es eine 2.Halbzeit. Die Muisk-Performance lockt als Rattenfänger das Publikum ins Foyer. Das Bühnenpersonal geht mit, es wird dort leise weiterdeklamiert, durch das Publikum wandernd. Die Tweeter verkaufen ihre Tweet, wie die signierten Porträts der/die Maler auch.

Die Werbeschilder werden durch das Publikum durch das Publikum getragen.

Nach ca 45 Minuten erklärt der Inspizient das Schauspiel für beendet. Das Personal verlässt das Foyer. Stille kehrt ein.

Und jetzt weiß ich nicht, ob so etwas funktionieren könnte. :)

#ttw13

Dies sollte eigentlich ein Kommentar bei Nachtkritik.de werden, aber der Text scheint zu lange zu sein. Also stelle ich ihn hier ein! Zur Vorgeschichte und dem Artikel mit allen Erklärungen geht es hier:
„5 Tage, 5 Theater, 5 Stücke – die erste Twitter-Theater-Woche Second Stage“

Vorab: Ich habe vor Jahrzehnten Theater geschrieben. Für Amateure. Die großen Häuser interessierten mich immer weniger, zu viel Selbstreferenz, Arroganz in den 80igern. Irgendwann ist Mensch auch nicht mehr in der Lage abends oft Theater zu sehen und morgens früh zu arbeiten. Ich entfernte Theater aus meinem Leben. Bald werde ich in Rente gehen und die Zeit ist wieder da. Und siehe da: Ich entdecke auf den Spielplänen der Theater viele Dinge, die mich interessierten. (Ich wohne in der Metropolregion Rhein-Neckar und erreiche zwei 3-Spartenhäuser mit der Straßenbahn). Und ich twittere, gern und viel, schon im zweiten Account. Und da kommt die #ttw13. Genau das was ich zu dieser Wiederannäherung gut gebrauchen könnte. Ich begann in Bochum mitzulesen, streifte Berlin und Hannover und meine Vorurteile wurden bestätigt: Können die (noch?) nicht. Das waren Klassentreffen oder Alumnitreffen. In Hannover twitterte man den Text. Hallo? Aus dem Zusammenhang gerissene Sätze? Aber das Residenztheater in München machte dann alles richtig. Spass, Information, die Regie miteingebunden, der Text im Ursprung im Netz frei verfügbar, der gelungene Versuch „kultiges“ mit Nussecken zu etablieren, nichts war aufgesetzt. Aber die Hauptsache war der Tweetup. Einfach Menschen mit Smartphones in die vorhandene Statistenmenge unterzubringen und mit Steckdosen & Freibier zu versorgen. Genial. So weit man das per Tweetverfolgung mitbekommen kann.
Also ich wurde neugierg auf „Die Flegeljahre“.
Aber alle Vorurteile sind noch nicht weg. Geistig sehe ich die Hornbrillen deutscher Nation, die genau dies als den Untergang des theatralen Abendlandes sehen. Spass ist unernst und die Welt ist eben schlecht. Oder liege ich da auch falsch?
Interessant in diesem Zuhammenhang: Wieweit lässt sich das professionelle (und nicht gerade üppig dafür bezahlte) Personal der Theater mit dem „Zuschauer“ ein, der ja „Amateur“ ist, nichts vom erstudiertem Theater versteht, dem das „epische Theater“ von Brecht oder nicht lyrisch egal ist, zunächst, der einfach ins Theater geht, als bezahlte Abendunterhaltung (sic!)? Will man wirklich wissen, wie der dann mittätige „Zuschauer“ denn tickt? Wie wird Theater interaktiv erlebt? Darf man einfach so twittern, auch wenn das gar nicht „offiziell“ ist. Ich mache so etwas schon. :)) Nehme meine Timeline mit,wenn auch nicht ins Theater, stelle vor, was ich erlebe, kommentiere. Nicht dauernd sondern punktuell.
Was sagt die professionelle Kritik dazu? Oder auch hier die Nachtkritiker, die auf einmal Konkurrenz in der Deutungshoheit bekommen? Kreti und Pleti äußern Dinge, wie zum Beispiel dieser Kommentar von WEM?
[update 15.12. :] Ich lache Tränen, genau so dachte ich es mir, die FAZ hat nix verstanden und nennt mich „jemand“ Siehe hier![/update]
Vorschläge habe ich ja schon getwittert. Sind im Hash #ttw13 nachzulesen. Nur noch einer: Ich hätte gerne eine „Kultur-Serie“ in einem Tweet-Ereignis. Musik (ganz weit gesehen), Oper, Jazz, Hipp-Hopp, Theater, Ballett, Kunst, Performance, was auch immer, von mir aus auch via Radio oder Fernsehen mitverbreitet (live UND medial). Damit nicht nur #tatort oder #esc die trending Topics erreicht oder der Fußball.
Aber vielleicht (die Vorurteile verbreiten sich gerade wieder) ist genau dies ja erwünscht. Die „Hoch“-Kultur bleibt lieber unter sich, schön nach Sparten getrennt, bis die Demographie gnadenlos zuschlägt und die Finanzierung deselben in den Schuldenbergen der öffentlichen Hände ganz implodiert.
Aber was solls: #ttw13 war ein rasend interessantes Experiment. Danke dafür. Und die Hoffnung bleibt.

Twitter-Theater

Twitter-Theater: Beamer, Mensch am Rechner, go, live! Public. Das wärs. Öffentliches twittern. Eintritt? Aktion? Crossover? #begeistert

twitterte ich sorglos vor mich hin. Das war einfach eine Schnapsidee, einfach so hingesagt und ja, seitdem lässt mich das nicht mehr los. Es ist auf einmal mehr als eine Schnapsidee, das hat Potential.
Ich sehe es vor mir. Ein Mensch sitzt an einem Rechner auf einer Guckkastenbühne. Das Publikum sieht live seine Tweets auf Leinwand und sonstige (Netz)-Aktivitäten (Blog?) und die agierende Person nur mit dem Rücken. Die Stimme der handelnden Person kommt nur via Skype über die Lautsprecher. Interaktion mit anderen gibt es nur als Twitter-Replies / Mails. Eine Story gibt es via youtube. (vorgedrehte Teile / Musik / Tanz).
Der Mensch dort ist nicht unglücklich, nicht einsam, obwohl allein oder doch zutiefst einsam? Ich will weder ein Umjubeln des Netzes und seiner Interaktivitäten, noch das Gegenteil, die Ankündigung der entmenschlichten Kommunikation darstellen, sondern zweifeln lassen, lachen lassen, heulen lassen. Und das tatsächlich interaktiv.
Die Tweets des Schauspieler sind zwar im Stück vorgegeben, aber sie werden jede Vorstellung wieder ins Netz gesetzt und das Netz kann mitlesen. Mitreden, mitfühlen, mitlachen und das alles darf nur das zahlende Publikum, denn nur das wird gefollowt, kann lesbare Replies setzen. wLan müsste es geben.

Ob ich mir das antun soll? Eigentlich wäre das etwas für eine freie Theater-Kompanie.
Ich muss nachdenken, setzen lassen. Nein, so ganz neu ist das nicht. Schon bei meinem ersten Stück 1970 arbeitet ich mit (Dia-) Projektionen und interaktiven Elementen.

Hhhm.