#waschtag

(Aus der Reihe Twittertheater #unvollendetfurchtbar)
Ein Pro log.
Und jetzt @all, freaks, folks, Arschlöcher, Frauen, Männer und @Euch Normalos für heute nochmal: „Die luschdigen Weiber von Windsor“, Oper! Da wird nicht mitgeklatscht. Keine Sternenspritzer, die Kripo wacht!
Der #hashtag lautet #waschtag Mit dubble u. Ach Jungspunde, das Ende von VW, am Anfang, der cashtag war gestern! Merkt euch das, ihr habt das auch via WhatsFrapp bekommen und wtf sonst wo. Also das ist eine SM-Theaterproduktion. Die Tweetup-Groupies kommen noch, die Instagramer seilen noch zwischen die Vorhänge. Vorsicht, dort hat der Wagnerverband immer noch Heckendrohnen aus dem Ring versteckt. Irgendwo verkauft der Castorfclone Anstecker für den BaalFaustRichard, den er unter der Bettdecke schrieb. Der ausgestopfte Peymann ist desinifiziert und kann auch von Kindern wieder benutzt werden. Und wer nicht tweetet fliegt ‚raus. Retweets gelten nur im 10-er Pack. Facebook muss man nicht extra bemühen, alles wird automatisch dorthin gepostet, wo es Zuckerman will, vielleicht lest ihr euch ja mal selbst, dann sagt uns Bescheid. Fax Nummer steht im Impressum, ihr könnt mich und hallo das Introjingle, mein Gott jetzt sagt die Dirigentin wieder Over-Türe statt Intro. Sie hat schon wieder den #hashtag vergessen. Wisst ihr was? Ich schmeiße hin.

Vergessen Sie nicht ihr Handy wieder einzuschalten!

(Aus der Reihe Twittertheater #unvollendetfurchtbar)
Vergessen Sie nicht ihr Handy wieder einzuschalten. Hat Sie je irgendwer daran erinnert? Dauernd und überall werden wir daran erinnert es auszuschalten. Damit nix klingelt, nichts dröhnt, damit im Halbdunkel der Bühnen und Säle die Kunst alleine schwebt und küsst, drangsaliert, damit alleine alles von oben kommt, dort droben, wo die Kunst alleint und uns teilhabt an der Muse und dero Anapage. Und niemand sagt, dass wir es danach wieder einschalten dürfen. So lange es keine Apps gäbe, die es uns erlaubten, an der Gaderobe, kurz danach, im Rausch der Sinne, Karten, oh Verzeihung, gnäfrau, Tickets für das nächste Ding online booken könnten, wo wir wieder das Handy ausschalten müssen, weil es doch stört.
Und dann wird auf den Bühnen wieder gefochten und aus Musketen geschossen. Bomben fallen nie auf den Bühnen, es sei denn die echten. Aber das sind dann Angriffe auf die Kultur, barbarisch.
Es finden auch nie Feuergefechte statt, aber gerne Degen-Gedingse. Die Laser-Schwerter der Yedi-Ritter im Atomgestöber des Todesterns sind so Theater mit Video.
Vergessen Sie nicht nicht ihr Handy wieder einzuschalten. Es könnte sein, dass Wagner anruft, weil ihn Mozart küssen wollte. Und keine Nachtkritik via Twitter & Co. Das kennt der Peymann nicht oder was es der Paymen? Vergessen Sie nicht ihr Handy wieder einzuschalten und es zu benutzen. Gleich sofort. #hashdentag

BüBü

(Ein internes Theaterkürzel, das mir als Wort gefällt…bübü…)
Mein Resümee zur Reise in die Tiefen der Bürgerbühnenwelt
Meine Spaziergänge durch die Welten der Bürgerbühne nahmen mit der furiosen Jazz-Karaoke der Abschlussparty beim 2. Bürgerbühnenfestival ihr vorläufiges Ende. Es gab eine Preisverleihung vorher, aber da sag ich entgegen ersten Verlautbarungen vor Ort nichts dazu. Das bekomme ich nicht gedrechselt. Irgendwie haben halt alle oder ein paar gewonnen oder so. Man freut sich, siehe hier.
Ich sagte ja schon, dass ich mich vom Theater sehr weit entfern hatte und wenn ich diese Bürgerbühnen-Erfahrung nicht gemacht hätte, würde ich jetzt wieder weit wegrennen, dieses Gewese um seine göttliche Hoheit Castorf und der Bildzeitungscheffe Döpfner soll im Darmstädter Staatstheater spielen…aber zu Sache Herr Bauer!
resum1

Das Bürgerbühnenfestival fand ich erfrischend, belebend, qualitativ besser, als ich erwartete. Aber das habe ich im einzelnen ja bereits besprochen. Da könnte auf Dauer wirklich etwas entstehen. Da wird Menschen Kreativität angeboten und letztlich das Theater geerdet, damit es im Nirwana der „Hochkultur“ nicht entschwebt, sich nicht in den Gefilden der walkürlichen Elysien verharrt, nicht dem Ego alter Männer verfällt, die ihr eigenen Egotrip-Denkmäler für das einzig wahrhaftige Theater halten und bekrawelen #hurz.
resum0Ich sah während der Vorstellungen ein waches Interesse der gesamten Theaterleitung, aufmerksame Verfolgung durch das Ensemble, das zahlreich bei den Vorstellungen die laientlichen Kollegen beobachtete. Da gärt etwas, so scheint mir. Ich bin gespannt, was sich entwickelt, wohin die Reise geht oder ob das Budget irgendwann nicht mehr reicht, wie sich die Politik dazu stellt, der Souverän, der das letztlich bezahlt.

Ich selbst habe aber keinerlei Bedürfnisse entwickelt, selbst spielen zu wollen. Das habe ich ausgelebt und außerdem, ob ich es schaffte mich willig einer Regie zu unterwerfen? :) Aber zusehen würde ich schon gerne. Ja, ich werde die Tickets lösen, wenn denn die nächsten Stücke in den Spielplan tickern.

Der Mouse-Clicker-Marketing-Club hat mir, trotz mancher zäher Momente, sehr gut gefallen. BüBü weiterlesen

Ich war mit in Santa Monica

Ich war in „Santa Monica“ von Akin E. Sipal. Inszeniert von Tarik Goetzke. Absolut neu für mich: Im Dezember war ich als Bürgerbühnler zu einer Autorenlesung des Stücks eingeladen, im Schwesterklub. Ich berichtete.
Zitat:

Und wie er las. Atemberaubend, nur mit 5 Minuten Unterbrechung, das ganze Stück. Als wäre es lyrische Prosa. Über eine Stunde und keine Sekunde war langweilig. Ich war schon in vielen Lesungen, aber derart spannend, intensiv, mitreißend und doch distanziert, als ob er seinen Worten nicht ganz trauen würde, so frisch verliebt in sie, habe ich schon lange nichts mehr von einem Autor gehört, vielleicht nur Raoul Schrott bei lesen.hören, vor Jahren.
Ich will vor der Premiere nicht viel zu dem Stück selbst sagen. Es muss erst auf die Bühne, dort wirken, beweisen, dass dieses Wortkaskaden mit den teuflisch guten Bildern, der fast schnoddrigen Sprache, die doch Schmerz beschreibt, Theater ergibt. Ich bin höllisch gespannt darauf, was da im März 2015 auf die Bühne kommt.

karte_monica

Und es war großes Theater! Der Drive dieser elementaren Sprache wurde fulminant umgesetzt, auch wenn ich mir manchmal noch mehr Zeit zum Atmen gewünscht hätte. Gerade die beiden Brüder spielten mit den Bildern, den Sprachattacken, beschwerten sich über die Vernachlässigung der angstbesessenen Alten. David Müller schaffte es als älterer Bruder sogar einen als Zitat kenntlichen medizinischen Wikipedia-Artikel in der Atemlosigkeit der lyrischen Prosa zu transformieren. Ich war mit in Santa Monica weiterlesen

Opa erzählt

Warum genau war ich so vehement offiziell gegen das Regie Theater? :)
(Ablaufplan Singe beim Babbln 1983. Das war reines Amateur.Theater…. Mann, mann aber das Schriftbild der Kugelkopf war gut, ne?)

reg_singe

Spielschar,

oder die Sache mit den Amateuren, heute auch wieder gerne Laien genannt, wie einst die Laienbrüder in den Orden, die halt nicht die hören mythischen Weihen erhalten hatten. Das Kultische eben, uralt, archaisch, wie das Theater z.B. selbst auch.

tl;dr
Amateure und Theaterprofis arbeiten schon lange zusammen.

Ich berichtete bereits, dass ich im Marketingclub der Bürgerbühne mitarbeite. Im Blog des Nationaltheaters für dieses Festivals sind ja bereits zwei Artikel von hier nach dort exportiert worden. Bürgerbühne, in Karlsruhe und anderen Orts auch Volksbühne genannt, versteht sich in diesem Sinn als Teil eines Staats- oder Stadttheaters. Wie üblich erstellt das Theater in all seiner Intendanz einen Spielplan für diesen Teil des Theaters, in Mannheim auch Sparte genannt und castet dazu „Bürger“ um mit ihnen Stücke zu produzieren. Dazu gibt es Spielklubs, die jetzt Clubs heißen, die sich mit theatralischen Dingen auseinandersetzen, ja sogar tanzen, um diese Dinge ggfs. ebenfalls zu produzieren. Es ist also kein klassisches Amateurtheater, sondern Stadttheater mit anderen Mitteln, um das Potenzial der Stadt zu erschließen und das reine Zuschauer-Abonnentensein zu durchbrechen. So weit ganz spannend.

Für dieses Thaeterblog wollte ich eine ausgedehnte Web-Recherche zum Thema Bürgerbühne starten. Google lieferte dazu 37100 Links. Puuh. Vorne die Häuser aus Dresden und Mannheim. Lobpreiset die SEO-Künste der Agenturen. Langweilig. Also gibt es buergerbuene.de? Ja und das ist ein e.V. für niederdeutsches Theater. Auch interessant, aber nicht das, was ich suche. Ah da, zum 1. Bürgerbühnenfestival eine Promotionssendung des MDR für das Bürgerbühnenbuch von Hajo Kurzenberger. Vorläufer die freien Theater, Schlingensief etc. Schon interessanter, aber je mehr ich mich umgucke, schreiben die Onlinegazetten Ähnliches, vergessen Fluxus und die Soziale Skulptur. Sie tun so, als ob 2009 die Kooperation zwischen Theatermenschen und Laien im gemeinsamen Tun in Dresden vom Himmel gefallen wäre.
Im Prinz kennt das Thema jeder Gesangverein, jeder Kirchenchor; wenn Profis als Solisten gebraucht werden, guckt man mal im Theater, wenn der Dirigent gerade keine Ex-Studienkollegen zur Hand hat. Es gilt darüber zu berichten. Dazu brauche ich kein Web.
Die eigene Familiengeschichte reicht. Wir sind nämlich eine Theaterfamilie. Nicht weil wir seit Generationen eine Theaterloge unser eigen nennen würden. Nein, ab und an überfällt es uns und wir MACHEN Theater, Amateurtheater. Eine meiner ganz frühen Kindheitserinnerungen ist der Zorn, der mich beschlich, wenn mein Vater mit seinen Kumpels im Wohnzimmer Text paukte und ich nicht hinein durfte.
Und dann die Akten. Hier in der Handschrift meines Vaters. Herr Rippert vom Nationaltheater. Aha.

Heinz Rippert ist gemeint.
Schauspieler, Regisseur, Oberspielleiter eben auch am Nationaltheater, Reinhardschüler, mit Gründgens gespielt, mit UFA-Filmografie. Er war Supervisor und wohl auch Regisseur für die Apostel-Spielschar in Viernheim, für die er sogar zur Glockenweihe das Stück „ Die Zwölf-Apostel-Glocke“ schrieb. 1948. Mitten im Chaos kroch als Erstes die Kultur hervor. Sie hatten fast nix zu essen, aber der geistige Hunger nach 12 Jahren Nazigehirnwäsche war groß. Na? Klingt doch schon eher nach der Bürgerbühnenidee.

Mein Vater im „Jedermann“

Mein Vater im „Verlorenen Sohn“

Ganz links meine Mutter in „Meier Helmbrecht“

Ach so ja: Von wegen neu:
Das Mission Statement der St. Apostel-Spielschar. Von 1950. Es hieß halt „Leitsätze“. :)

Dass ich auch Theater schrieb und machte erwähnte ich bereits, aber ich holte mir keine Hilfe. :) Daher ist das in diesem Zusammenhang uninteressant.

Da war ich 13.

Ich war als Zuhörer auch dabei, in den 80iger, 90iger Jahren, als der ehemalige Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie 8u.a.) Albert Grünes in der Schlosskirche zu Mannheim um die Kollegen seiner Frau vom Chor des Theaters die „Singakademie Mannheim“ aufgebaut hatte und vornehmlich in Mannheims Schlosskirche konzertant Kirchenmusik aufführte, ohne dass sie Teil der altkatholischen Gemeinde gewesen wäre. Meine Frau hatte zumeist die Alt-Soli, auch ohne im Chor des Theaters zu sein. :) Ich habe es miterlebt, dass trotz sorgfältiger Planung eine Pause eingelegt wurde, weil der Tenor noch auf der Bühne des NTM stand und während des spielfreien zweiten Aktes in die Kirche hetzte, sang und wieder zurückeilte. Im Kostüm (der Frack passte ja) und geschminkt.

Solche Stories wird es noch viele geben. Überall auf dieser Welt. Das Theater und seine Zuschauer begegneten sich schon früh und machten gemeinsame Sache. Dazu brauchten die Menschen keinen Schlingensief, ohne das schmähen zu wollen.

Ich wollte das nur aufgeschrieben haben, damit es nicht vergessen wird. Neu ist die institutionalisierte Teilhabe innerhalb der Theater, das bewusste Miteinander und darüber freue ich mich, wo doch da draußen in der Welt heftige Kämpfe toben zwischen Amateuren und Profis, zwischen Verlagsautoren und Selfpublishern, zwischen Bloggern und Journalisten. Alles Quatsch. Das Theater ist schlauer. Es nimmt die Leute bei der Hand, schiebt sie auf die Bühne und tanzt mit ihnen. Im Alter von Facebook like ich das zutiefst.

Beherzt 1

Ich hatte ja Angst wir müssten Logos zeichnen und Flyer basteln. Jeder für sich und so was kann ich ja ohne mein Open Office sehr schlecht. Aber auch der Mouseclicker-Club der Bürgerbühne des Nationaltheaters Mannheim arbeitet nach dem Laien/Profi-Prinzip, gerade weil es ein Marketing-Club ist. Bürgerbühne bedeutet hier, dass Profis und Laien versuchen Theaterwege zusammen zu erkunden. Beim Marketing geht es ja nicht um Kunst, wie bei den Produktionen für die Bühnen, aber der Weg ist der gleiche. Wir Laien brainstormen, überlegen, weisen hin, fassen zusammen und die Profis setzen das um, leiten weiter an Agenturen und was es sonst zu tun gibt. Ach ja, es gibt natürlich auch Hierarchien, Intendanten und und, die entscheiden wollen, wie im richtigen Leben. Ihr kennt das ja.
Wir fließen mit im Marketing-Prozess des Theaters für das 2.Bürgerbühnen-Festival und spüren den Druck auf die Mitarbeiter. Die ewige Improvisation, denn das Festival ist nur grob umrissen, noch weiß niemand, wen die Jury auswählen wird, andere Abteilungen arbeiten am Gesamtkonzept, am Rahmenprogramm und doch muss das Marketing bereit sein, Vorarbeiten leisten und bald kommen ja auch die Schillertage und der Wolferl mit seinem Fest in Schwetzingen rumort auch schon, alles neben der Tagesarbeit. Aber so ist das wohl im Theater. Kulturmanagement ist eben anders. Den Spielplan legen ja auch die Sparten fest und das Marketing schnauft dann hinterher. Beherzt 1 weiterlesen

Bürgertheater

„Hoffnung auf größeres Wohlbehagen“ hieß das Stück der Bürgerbühne Mannheim, das wir gestern besuchten. Ich meine damit den „Club der Mouseclicker- und Face-to-Face-Blicker“. Klingt verwirrend? War es für mich auch. Zunächst. Inzwischen verstehe ich ein Stückchen mehr, was diese Bürgerbühne eigentlich soll. Über den Club werde ich noch berichten, wenn er wirklich Fahrt aufgenommen hat, noch tasten wir. Aber auch hier wird deutlich, dass Theater das ernst meint, mit der Partizipation. Gerade entwickeln wir zusammen ein „Mission Statement“ mit der Marketing-Abteilung des NTM und werden die Kampagne für das zweite Bürgerbühnenfestival zusammen mit einer Kommunikationsdesignerin entwickeln. (Off topic: O. k., die Welt ist klein, im März, als einer meiner ersten Rentneraktivitäten war ich zur Vernissage ihres Buches im Zeitraum Exit). Auch hier das Prinzip: Laien zusammen mit Profis. Alleine das Unterfangen finde ich erstaunlich. Das ist also nicht irgendwelcher VHS-Kram. Das Theater begreift das als ernsthafte Produktion. Spartenübergreifend. Für mich brechen Vorurteile gegen die „Arroganz“ des Regietheaters (unverbindliches Beispiel) auf. Welch ein Elend, ich muss mir neue suchen, ganz ohne geht es ja nicht, gell. :)
Das ist eine kluge Idee, die Bürgerbühne. Ich weiß nicht wer sich das, warum, ausgedacht hat, aber ich werde das noch herausfinden! Ich habe sehr den Verdacht, dass da die Idee der Sozialen Skulptur von Joseph Beuys zumindest unterbewusst Pate stand.
Wie gesagt, ich werde davon berichten, oder ihr werdet von dem Club hören, wenn er in der Öffentlichkeit angelangt ist.

Und nun zu dem Stück!
[update] Es gibt jetzt einen Kurztrailer des Nationaltheater Mannheims dazu, der muss natürlich eingebunden werden.[/update]

Elf Mannheimer Migranten erzählen Geschichten und lesen aus Büchern mit Briefen und Berichten von deutschen Migranten in den USA zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Klingt banal, ist es aber nicht.
Da wurde kein Zeigefinger erhoben, keine politischen Sonntagsreden gehalten, kein schlechtes Gewissen erzeugt, keine Ideologie verbreitet oder verteufelt. Ganz langsam, sacht wird die Migration selbst dargestellt, mit überblasenen Bügelflaschen die See erzeugt, die Länge der Fahrt simuliert. Sparsame Requisiten, langsame, bedächtige Laufwege und Bewegungen, effektiv minimalistisches Licht, die Umbauten von den Schauspielern selbst erledigt, aber offensichtlich nicht um zu sparen. Wer in die Texte gucken will, kann im Theatermagazin des NTM (ja, das Theater nimmt das wirklich ernst) mehr dazu lesen, etwas nach unten scrollen, das ist hier online. Es wurde und wird eine melancholische, anrührende Atmosphäre erzeugt, jenseits von Kitsch und Effekthascherei.
Und doch wird eindeutig Hoffnung gezeichnet, ganz vorsichtig, ohne präsidiales Pathos, ohne es genau auszusprechen.
Das war jetzt die zweite Regiearbeit von Dominic Friedel, die ich sah, ich berichtete. Er fand Formen, die passten, verknüpfte richtig, lies die Schauspieler sich selbst sein und brachte ihnen doch die nötige Distanz bei, die für die Bühne notwendig ist. Da wurde nicht vorgetäuscht, dass Schauspieler agierten. Die oft bei Laien zu beobachteten Seltsamkeiten des Schauspiels kamen nicht auf. Und doch, das war Kunst! Ich sagte ja schon, dass mich da vieles an Beuys erinnert, obwohl das alles KEIN Fluxus ist. Das werde ich anderenorts einmal machen. :)
Ich lernte jetzt auch die Arbeit einer zweiten Dramaturgin kennen. Und ich habe das Gefühl, dass da sauber und bis an den Anschlag gearbeitet wird. Mit Herz und Verstand, ich berichtete wie gesagt. Die Geschichten der Migranten aus Mitschnitten zu deskribieren und umzusetzen, in immer wieder andere Formen zu gießen, künstlerisch aufzuarbeiten, in doch recht kurzer Zeit, Respekt!
Und wirklich, diese angedeuteten Bilder der Regie! Den Bericht über die Nativisten mit echten Folien und einem Overheadprojektor als historische Powerpointpräsentation augenzuzwinkern, hatte etwas als Form. Die Sachlichkeit des Vortrags karikiert unser heutiges OpenData, die Balkendiagramme des Todes, aus Excel geboren, die Grausamkeiten versachtlichen. Doch, es war Kunst. Und der Regisseur war sich nicht zu schade einen der verhinderten Akteure zu vertreten. Die Laufwege darstellend. Doch.

Ich glaube das Theater bietet auch mir wieder Dinge. Jenseits der Klassiker und dem Geschrei ob dero Aufführungsformen. Da tut sich etwas. Danke.
Den Akteuren geht es wohl genauso. Das war auch ein richtig gutes Nachgespräch. Doch.

Ach und das Casino im Werkhaus hatte ich jahrzehntelang vergessen. Warum eigentlich? Da hingen wir doch früher auch immer ab. Und das Outfit ist geblieben. :)