Speyer – Kreuzug, Mikwe, Protestation

Der Text ist Teil einer Trilogie :))

SchUM am Rhein und Reichstagszeit

Speyer. Aus einem meiner ersten Blogbeiträge von meinen Radtouren, 2005:

Und dann der Tiefschlag auf das Gemüt: Edith Stein lebte hier, bevor sie in Auschwitz ermordet wurde. Geschichte, Geschichte. Die Dominikanerinnen dort besuche ich immer, sie beten in ewiger Anbetung dort für den Weltfrieden. Ich knie und bin still, Ich weiß nicht warum. Es passt dort. Beten kann man immer, auch wenn man an keinen Gott glaubt, wenigstens nicht an den Gott der Schwestern. Beten ist mehr, ist Meditation jenseits aller Religionen, aber das ist eine andere Geschichte, die ich irgendwann auch einmal schreiben werde, irgendwann.

Edith Stein, eine konvertierte Jüdin, in Auschwitz ermordet, von der katholischen Kirche zur Heiligen erhoben. Ich habe beim Besuch zu den Welterben verabsäumt ins Kloster St. Magdalena zu gehen. Dabei wäre das angebrachter gewesen. Ihre 100 jährige Taufe wird im Januar gefeiert. Auch ein Jubiläum.
Das Kirchlein der Dominikanerinnen.
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Ich wollte diesen Post mit etwas anderem beginnen, als dem Welterbe und den gerade überall berichteten eventuellen sexuellen Missbrauchs einer Ordensschwester aus Speyer.

Speyer und das Judentum. Im 20. Jahrhundert. Umgebrachte Jüdin, heilig gesprochen als Teresia Benedicta a Cruce, Patronin Europas. Die Website des Klosters gibt es hier. Könnte man zu dem Welterbe dazuzählen, neben dem Dom und der Mikwe. Btw. Ob Edith Stein eine Feministin war?

Ich war letzthin neu in der Mikwe, in angenehmer Begleitung, auch noch einmal Essen im Freien am Rhein, am Helmut-Kohl-Ufer. Naja.

In der Stadt selbst gib es kaum Hinweise auf die neue Welterbeerhöhung, der Dom ist ja schon lange Welterbe. Im Web schon. Aber ich war faul, zu Hause, ich copy&paste lieber aus einem Blogpost aus 2018.

Ich war ja nur eine halbe Stunde im Dom, ich wollte ja zum Museum SchPIRA im Judenhof.
Worum es geht (aus 2013):


Verbindung zu Youtube erst nach dem Klick.

Mauern der mittelalterlichen Männersynagoge in Speyer mit Wandfotomontagen.

Ich bin froh, dass diese Gemäuer den Nazis 38 entgangen sind und Zeugnis ablegen, dass die Juden zu uns gehörten und gehören. Und das ist unstrittig.
Erstaunlich die Mikwe, das Ritualbad und ich fror. :)

Daneben eine Zeittafel. Immer wieder taucht das das Wort Progrom auf. 1096 das erste Mal. Das Kreuzzugsprogrom. Es starben 12 Juden, obwohl sie der Bischof schützte, Kirchenasyl gewährte, desgleichen kaum später in Worms. 1096. Kreuzzug, siehe oben. Und heute wieder? Ich schenke den Neu-Nazis keine Links und Erwähnung.

Im Inneren des Museums das wenige, was man noch fand, vor allem Grabsteine des Friedhofs, der einfach mit der jüdischen Gemeinde verschwand, man weiß nicht warum… Es gibt wieder jüdische Gemeinden in den Schum-Städten. Ich muss irgendwann herausfinden, wie die neuen Gemeinden denn zu diesen „alten“ Gemeinden stehen….

Grabstein im SchPIRA Museum Speyer.


Einige Zeit später: Bernhard von Clairvaux predigt in Speyer an Weihnachten 1146, im Dom vor König Konrad III und Volk, belatscherte ihn zur Teilname am zweiten Kreuzug an der Seite des Französischen Königs. Es lebe die Deutsch-Französische Zusammenarbeit. Dabei soll das Volk „Salve Regina“ angestimmt haben und Bernhard in einer Art Vierfachsprung der „Marianischen Antiphon“ eine neue Zeile angehängt haben. „O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria.“ Im Mittelgang des Domes sind die Sprünge mit Bodenplatten dokumentiert.

Bodenplatte im Speyrer Dom

Bernhard war vor allem beauftragt worden dem Treiben Einhalt zu gebieten, zugleich mit der Kreuzzugsidee Progrome gegen die Juden zu predigen, was ihm wohl gelang. Aber immer wieder kam es zu Progromen, Ausschreitungen, in Speyer, wie überall in Europa. In Speyer, Worms und Mainz, den drei Städten mit den Kaiserdomen befand sich im Mittelalter ein reiches jüdisches Gemeindeleben. Heute bemühen sich die Städte dieses Andenken, auch nach der Shoa, um die Anerkennung zum Weltkulturerbe. Das freut mich, ich mag ShUm.

Ich recherchierte auch in der Stadtbibliothek Speyer und fand:

„Schriftenreihe der Stadt Speyer“ Ohne ISBN und Datum. In der Bücherei katalogisiert als 466/83.
Ein Vortrag von Prof. Dr. Carl Schneider (1976), Kulturreferent der Stadt Speyer. Ich war begeistert. Ist sonst vergriffen.
Und dann das: (Sein Wikipedia-Eintrag) „Seit seiner Gründung im Jahr 1939 war er Mitarbeiter des Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben in Eisenach,[6] das durch Protagonisten der Deutschen Christen ins Leben gerufen worden war.“ Daraus zitiere ich jetzt nix.
Deutsche Christen. Die Sünde der Evangelischen Kirche, die DEK. #schüttel. Irgendwie schafften es die Nazis immer wieder sich einzuschleichen, nicht nur in Speyer. Die von mir hochgeschätzte Lilo Beil hat die Deutschen Christen in ihrem Krimi aus der Pfalz „Eine feste Burg“ bitterst beschrieben.

Ich hoffe, dass es noch viel zu positives zu berichten gibt, jetzt, da das jüdische Welterbe verkündet ist.
Und Luther? In Speyer? Aber Hallo! Es gab selbstverständlich auch in Speyer einen Reformationsreichstag. 1529. Da wurde die „Protestation“ verkündet.
Langsam lief das alles auf den 30-Jährigen Krieg zu. Nichtsdestotrotz baute man zur Erinnerung die Gedächniskirche. Eingeweiht auch im 20.Jahrhundert. Man liebt es protzig in der Pfalz

Gedächtniskirche in Speyer. Klick zur Wiki

War schon was los in der Pfalz, auch nach dem Gang nach Canossa. Zum Wohl, die Pfalz.
Mit Lutherstandbild.

Lutherstandbild in Speyer in der Gedächtnishalle.

Ich werde wohl 2029 darüber bloggen. Zum 500-hundersten. Ich habe jetzt keine Lust mich mit der Transubstantion auseinanderzusetzen, 1529 war da auch was mit Luther und Zwingli. #seufz

Es lebe das Welterbe! Doch.