Gewissen im Reichstag und ein Golem im jüdischen Welterbe von Worms

Wandtext im Raschi-Museum in Worms. Ausstellung „SchUM am Rhein – Vom Mittelalter in die Moderne“

Ein sehr selbstbewusster Text. Heißt wohl auch: wir wollen wieder hier zu Hause sein. Ich fand ihn bemerkenswert und wohltuend.
Der Text ist Teil einer Trilogie :))

SchUM am Rhein und Reichstagszeit

Ich war in Worms. Die Ausstellungen zum Reichstag der Luther-Nicht-Widerufung lockte und mal gucken, was es zum SchUM Welterbe zu finden gab. Mit dem Bus, fürs Rad war es zu kalt. Natürlich, wie in Speyer zum Essen am Rhein, wie so oft. An der Rheinpromenade, hinter Scheiben. Auch hier keine jüdischen Gerichte. Schade. Kommt vielleicht noch. Es muss ja kein ungesäuertes Brot sein. Auf dem Weg zum Rhein überall diese Plakate.

Plakate in Worms zum Jubiläum „500 Jahre Reichstag“ und dem Welterbe SchUm.

Wie jetzt „Masel tov, wir sind Welterbe“? Über einem Bild von Luther. Ganz im Stil dieses, nun, Blattes, das sintemals Papst sein wollte. Hhhm. Ob es in der Ausstellung etwas dazu erklärt würde? Zum Judenhass Luthers? Spoiler: Nein. Kein böses Wort über Luther in Worms. In der jüdischen Ausstellung auch nicht. Hier ist das besser beschrieben, evangelischerseits. „Der fremde Luther – eine schmerliche Herausforderung für das Reformationsjubiläum“.

Die Synagoge war offen. Wie immer dieser Tage das Handy vorbereitet, Luca und Covpass, und in Gedanken die Mütze in den Rucksack verstaut. Die (private) Security wies mich freundlich darauf hin Kopfbedeckung zu tragen. Klar. Später im Dom dann Mütze ab. Irgendwann muss ich mal das mit dem Kopfbedecken, oder nicht, eruieren. Apropo Security, ich sah weder in Speyer, noch in Worms Polizei.

Synagoge Worms 2021
Klein und schlicht, aber symbolträchtig

Ich saß da und dachte wie so oft, wie alt diese Religion, dieses Volk  (?) ist, schon die Pyramiden sahen sie. Wie konnte Luther z.B. die Psalmen übersetzen und doch die Juden hassen?
Aus Psalm 45:
„Du liebest die Gerechtigkeit und hassest gottlos Wesen; darum hat dich Gott, dein Gott, gesalbt mit Freudenöl mehr denn deine Gesellen.“

Die Mikwe konnte ich nicht besuchen, aus technischen Gründen, sagte man mir.

Weiter im Raschi-Haus.

Jüdisches Museum und Stadtarchiv Worms. Klick zu Wiki.

Hhm. Ich habe versucht, schon länger her, zu ergründen, was es mit dem Werk Raschis auf sich hat, und verstand nichts, auf Anhieb. Da muss man wohl tiefer einsteigen. Dafür fehlt mir die Geduld und auch Hintergrundwissen. Sorry.
Ich habe aber den Eindruck, dass man die #SchUM-Städte nicht nur nur durch das Betrachten der alten Gemäuern erfassen kann. Vielleicht ergeben sich Gelegenheiten in einer Nach-Corona-Zeit in den Städten.
Ich war schon einmal in diesem Museum und es war eigentlich voller Judaeica, das hat sich geändert. Ein hochmodern kuratiertes Museum ist es geworden. Kluge Texte an den Wänden, siehe oben und hier.

Wandtext im Raschi-Haus Worms
Wandtext zur Frauenschul im Raschi-Haus Worms

Aber dann der Hammer: Der Golem, ein Kunstwerk von Isaac Abarbanel. Nicht Golum, Golem.  Golem, nicht die Coputer-Online-Seite, ich fand hier Kunst und information zu jüdischer Geschichte und deren Mythen.
Zitat aus der Wikipedia:
„Dabei handelt es sich um ein von Weisen mittels Buchstabenmystik aus Lehm gebildetes, stummes, menschenähnliches Wesen, das oft gewaltige Größe und Kraft besitzt und Aufträge ausführen kann.“

„Der Golem“ von Joshua Joshua Abarbanel. Klick ins Bild zu seinem Insta-Account.

Und Story-Telling! Mit einer Story!

Und zuerst in Worms beschrieben?


Verbindung zu Youtube erst nach dem Klick.

Buchstabenmystik. Ich werde da noch öfter hingehen. Buchstabenmystik, mal sehen ob ich dazu etwas schreiben kann. Machen kann. Ich konnte mich nicht mehr auf die Ausstellung konzentrieren, war fokusiert.
In Worms war Mantelsonntag. Verkaufsoffener Sonntag. In der Fußgängerzone viel Volk, ohne Abstand und Maske, ich verschob meinen Besuch im Andreasstift.
Eigentlich hatte ich mich gefreut. Das Museum der Stadt Worms war so lane zu. Ich mag das Museum, gerade in der Dauerausstellung. Besonders nachhaltig berührte mich immer die römischen Glasexponate. Die Erzählungen von der keltisch-römischen Gesellschaft. Das Museum ist im Prinzip immer noch zu.
Im Untergeschoss eine Sonderausstellung. „Hier stehe ich – Gewissen und Konflikt“ zum 500-Jährigen der Nicht-Widerufung Luthers. Ich war da.

Museum der Stadt Worms im Andreastift. Klick ins Bild zur Homepage.

Zu allererst ein Riesenschild „Fotografieren und Filmen verboten“. Schön mit dem Logo versehen „Hier stehe ich …“ Das kann gute Gründe haben. Ich kenne sie nicht. Es wurde streng überwacht, schon der Griff zum Handy angemahnt. Ich verlor damit auch meine textliche Dokumentationsmöglichkeit.
Zum Ende der Ausstellung lagen Fragebogen aus, was denn erwartet würde, wenn denn das Museum wieder ganz eröffnet würde. Auch eine Frage zu Kommunikation nach außen. Also Zeitung, Radio etc. Blogs, Social Media etc. kamen nicht vor. Ich ergänzte das per Hand. Kulis lagen aus.
Fazit: Die wollen mich nicht. Auch gut.
Sonst? Man muss die Ausstellung nicht gesehen haben. Vor allem der „Gewissen“-Teil ist sehr oberlehrerhaft. Keine Hinterfragung Luthers. Eigene Gewissenentscheidungen sollten mit Punkten an die Wand gepappt werden. Aus Corona-Gründen durfte man nicht frei umherlaufen. Gut, machen wir doch. Normalerweise umrunde ich eine Ausstellung im Schnelldurchlauf, um dann noch einmal zu den Punkten zurückzukehren. Entfiel. Die letzte Station drehte sich um das Gewissen rund um KI. Als Großbild die Robotergesetze von Isaac Asimov. Hä?
Ich fraß die Bücher von Asimov, als sie in Deutscher Übersetzung auf den Markt kamen, ich halte sie immer noch für beste SF und meine Sammlung ist groß.
In seinem Foundation-Zyklus lässt er die „Foundation“ die planetare Umgebung durch „gefakten“ Religionszirkus erobern umd durch „Missionare“ verwalten und unter der Fuchtel zu halten. Und das zu einer Ausstellung zur Reformation? Ich las gar nicht erst weiter. Es gab auch noch Kurz-Gewissensprüfungen zur Sterbehilf und Schwangerschaftsabrüchen, wenn ich mich recht erinnere. Zur Person Luthers gab es auf alle Fälle nichts Negatives. Ich wollte gehen. Freundlich daraufhingewiesen gab es noch als Mitgabe eine Einkaufstüte mit Flyertüte. Nahm ich mit. Darin enthalten ein „Luther-Gutschein“ über 2€. Einlösbar für ein Lutherprodukt in allen teilnehmenden Geschäften in Worms.
Guckte ich mir später beim Essen an und lachte laut. War da nicht was? Weswegen Thesen an die Kirche genagel wurden?“
„Sobald der Gülden im Becken klingt im huy die Seel im Himmel springt“.
Vielleicht bin ich ungerecht und war nur schlecht gelaunt. Es herrschte ekliges Novemberwetter.
Geht selbst hin, wenn ihr wollt und wahrscheinlich bald bei 2G+.
Ich bemerkte auf jedenfall auf Instagram:

 

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Ich warte auch auf die Wieder-Eröffnung des ganzen Museums!

Tschüss Worms, bis zum Frühjahr, mit dem Rad. Ist ja die Nachbarstadt der Nachbarstadt. Der Weihnachtsmarkt fällt zu mindest für mich aus. Zum Golem und dann wieder zu den Drachen und Krimhild vor dem Dom und zum Essen an der Rheinpromenade. Falls wir nicht alle gestorben sind.