Macken im Paradies?

Ach nee, Macke ohne n.
Ich geh‘ ja schon mal gerne ins Museum. Zur Zeit eben online, alleine..
Dieses mal gab es eine Einladung dies gemeinsam zu tun. Das (Hessische Landes-) Museum Wiesbaden startete seine „ComMuWity“ zur Ausstellung :

Screenshot der Website des Museums Wiesbaden. (Klick zur Site)

Ich hatte sowieso vor dorthin zu fahren, auch um Wiesbaden wieder einmal zu erleben, besonders unten am Rhein in den Vorstädten, bei den Nassauern. Nur Museum ist langweilig, oder? (Mikel, zur Sache!)
Es ist faszinierend diese Zeit vor der dem 1. Weltkrieg und darüber hinaus, aus der Sicht der Kunst nachzuvollziehen, aber bitte nicht verklären, schließlich gibt es auch andere Zeiten, z.B. geht die Gründung des Museums auf eine Anregung Goethes zurück, nicht wahr?
Man muss uns immer erzählen, wie schockierend Bilder, wie die von Macke, auf seine Zeitgenossen waren, na gut DaDa wird heute oft auch noch nicht verstanden, z.B.

Dabei ist Macke omnipräsent.
Googelt doch mal nach seinen Bildern, er behauptet sich gut in der Kunstdruck-Industrie und das meine ich nicht ironisch, populär zu sein heißt nicht populistisch und damit dumm, und …

Screenshot einer Google-Suche nach Bilder von August Macke vom 4.2.2021

Lieber mitleiden, wie sich dieser Krieg auswirkte, alles unterbrach, natürlich nicht nur die Kunst. Mich treibt immer die Wut, wenn ich die Frechheit der Kriegstreiber höre, die heute wieder Ansprüche stellen. Nein, kein Preußen-Bashing heute, es sind ja nur die Hohenzollern. (Bleib beim Thema Mikel!)

Intensiv erlebt hatte ich Macke und Co schon öfter, besonders sintemals im Hack-Museum. „Stimme des Lichts“, zu der ich im Museum Wiesbaden während eines Tweetups eingeladen wurde. Community-Meetups lohnen! Auch für Teilnehmer :).

Orphismus, Lyra, Laterne und eine Disc [Update I, II, III]


Mit den Farbkreisen dort, ich arbeitete Jahrzehte mit dem CIE-Farbraum.
Daher fazinierte mich auch der Farbkreis von Macke in der Ausstellung. Ich finde das Bild gerade nicht. Laura Krautkrämer (war auch gestern dabei, wie auf vielen Meetups) hat ihn auf Instagram gepostet, ja, sie weiß es.


Von wegen, er hat nicht abstrakt gemalt:)
Es war ein sehr schöner Abend, mit vielen Teilnehmern, die ich schon kannte, aus dem Netz und daraus abgeleitet im indigitalen Leben, mit einer warmherzigen, kompetenten, aufmerksamen, unaufgeregten und sich selbst nicht in den Vordergrund drängenden Anke von Hyle, der @kulturtussi. Ich habe den Eindruck, sie beginnt zu einer der führenden Persönlichkeiten der digitalen Museums- und Vermittlungsszene zu werden! #weitersagen!
Ich traf sie letzthin in Persona in Mannheim und heute quasi bei ihr daheim. :)

Anke von Heyl ein Zoom-Meeting moderierend, Screenshot.

So ein Gezoome kann tatsächlich sehr anheimelnd sein. Ungehackt. (Ich war da bei Dingen dabei. tss) Die verantworlichen Damen des Museums immer in der Nähe, nicht im Vordergrund. Im übrigen waren sie überrascht über den Ansturm zur Online-Führung und dass ihr Server in die Knie ging. Allerdings mit glänzenden Augen, das bedeutet ja Aufmerksamkeit, Besucherzahlen. Die URL direkt zu Youtube kam schnell. Google (die Mutter von Youtube) hat mehr Platz auf seinen Servern, die meist direkt an Kraftwerken liegen. Nicht vergessen: Die Digitalität hat auch dunkle Seiten. Bitte nicht verdrängen!
Screenshot der Führung zu „Paradies! Paradies? des Museums Wiesbaden. Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger vor Mackes „Paradies“ Man beachte die Teilernehemerzahl, die bald noch höher wurde. Rechts der Chat.

Roman Zieglgänsberger konnte mitchatten, da die Führung aufgezeichnet war, also nicht interaktiv, was manche der Damen bedauerten, aber was wäre das für ein Geqassel geworden bei über 900 Begeisterten. Das war eine angenehme Führung. Kurz und knackig, alles bedenkend, in einem Stück aufgenommen, kompetend und nicht protzend. Eingestreut Nahaufnahmen der Bilder, siehe Beitragsbild. Ich guckte gerne zu. Oft sind ja Kuratorenführungen bemüht, als ob sie selbst gemalt hätten. Nicht hier, gut gemacht, auch die anschließende Q&A Sitzung war angenehm ruhig und nie langweilig. Auch wir Teilnehmer, finde ich.
Zoom Screenshot mit Roman Zieglgänsberger vom Museum Wiesbaden.

Dann kam der Bastelwebshop, den ich sogut wie nicht mitmachte. Sorry, aber ich mag das nicht. Ich freute mich, still vor mich hinlächelnd, an den Aufnahmen der Teilnehmer oben im Bild. Nur die Köpfe gesenkt, was sie da werkelten sah man nicht, wie auch? Da waren ja keine Handkameras zu Gange. Zuvor gab es ein Brainstorming zum Thema „Mein Paradies“. Wo ist mein Paradies? Ich hatte eine irre Assoziation. Ich fühlte mich wohl, in meinem Wohnzimmer, mit all den Leuten auf dem Schirm, aber wo waren die Leute wirklich? Youtube und Zoom sind amerikanische Firmen, also wahrscheinlich auf einer US-Serverfarm, die zu irgend einer cloud gehört. Blitzschnell sah ich vor einem Macke’schen Hintergrund mit einer Blumentür eine Serverfarm, wie von Macke gemalt. Wie bitte sollte ich das basteln, mit meinen zwei linkischen Händen? Ok. Ich hatte kurz etwas gezeigt, damit man mich nicht des Platzes verwies.

Aber natürlich hatte ich das „Paradies“ schon geschrieben, to whom it may concern. 2011. Im Zoom-Chat hatte ich das auch. Diese Chats sind übrigens schlimm programmiert. Kann aber das Museum nix für. Danke für die Einladung Museum Wiesbaden und @kulturtussi. Ihr sagtest es schon: Aus der Nummer kommt ihr nicht mehr ‚raus. :) Wir lesen uns!

Paradies

Die Tage
eingemacht
eingefroren
gepökelt
gesalzen
eingeschweißt
genäht
halten
nicht
nie
nur die
eingebrannten
geräucherten
zerbombten
ich küsse
dich
jetzt
nur das

[update]
Wibke bloggte auch: Sehnsucht nach Kunst, Begegnung mit Kunst
Dagmar bloggte auch, mit interessanten, kritischen Randbemerkungen:
„Während Kulturbürger-Erinnerungen an die liebsten Macke-Gemälde ausgetauscht wurden … )
„Doch eine Frage beschäftigt mich seit diesem Abend: Wie wäre die Veranstaltung verlaufen, wenn nicht mindestens zwei Drittel der Teilnehmer:innen in der Kunst- und Kulturbranche arbeiten würden? Ich mag es gerne herausfinden.“ Und! Sie dichtete auch! Ich sollte sie inspiriert haben. Welch Ehre!
Kulturtussi: „Das Paradies vor Augen“.