Meerkatze, Corona und Albino Christkind. Advent im Museum I.

Sound auf den Ohren beim bloggen: Weihnachts Jazz Café.
Zum Titelbild: (Der deutsche Meister, Plakat zur Dürerausstellung mit Kerzchen, eingebaut). Huch! Das ist ja unbezahlte, nicht verlangte Werbung. Dies ist keine #digkv, nur einfach ein kommentierter Amateur-Besuch!

Tweetup #duerer im @staedelmuseum

Es weihnachtet sehr. Es wird gestritten, wieviele Menschlein nun dürfen oder auch nicht, oder ob überhaupt. ManFrau kann sich dem kaum entziehen, selbst die Kanzlerin warnt, zu recht, wie mir scheint. Aber wohin mit dem gelockten Hintern? Der Kitsch rinnt in breiten Strömen aus den Christmas-Filmelein der Streamer, kübelt tonnenweise Deko ins Hirn. Wie immer schert sich niemand* um den eigentlichen Sinn des ganzen. Geflüchte gibt es nicht. Weltweit, sag ich euch, weltweit. Alles ist zu, einsam grinst der Grinch in die Ruh. Mir kam da eine Idee beim Bloggen. Hier fügte ich Bilder aus der Online-Ausstellung der Pinakotheken ein:

Fußball, Tussis, Angelus


Warum also nicht auch andere Online-Sammlungen besuchen, die viele ihrer Bilder unter CC BY-SA 4.0 lizensieren, damit ich sie Euch hier zeigen kann. Es gibt viel zu sehen, dort, auch die Werke, die gerade nicht ausgestellt sind oder ausgeliehen. Keine Sorge, die Aura geht nicht kaputt und ihr dürft alles ganz alleine betrachten. Lasst den Kunstvermittler*innen ihren Feierabend. Also fürchtet Euch nicht.
Die Digitale Sammlung des Städelmuseums:

Screenshot von der Webside des Städel. Click ins Bild zur Sammlung

Dieser Dürer kann unsereinen noch nach über 500 Jahren noch irritieren!

Albrecht Dürer
Maria mit der Meerkatze, ca. 1498
monogrammierter Kupferstich auf geripptem Büttenpapier
Städel Museum, Frankfurt am Main
Bildrechte CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/werk/maria-mit-der-meerkatze

Eine Meerkatze. Eine Meerkatze beim Jesuskind? Ein Jesuskind, das einen Vogel anlockt. Eine gelangweilte Maria, eingenickt! Das ist DAS Corona-Langeweile Bild. Doch, ein Genie, wie Dürer konnte das ahnen. Wait, natürlich nicht, kein Verschwörungsgebembel hier.
Ein Bild nach meinem Geschmack! Mysteriös und tief drin doch verständlich, wie ein Foto auf Instagram aus dem Urlaub. „Maria ist müde und der Lauser macht Unsinn. Seht ihr unser Leih-Tier? Das Logo nicht übersehen. Extra für uns.“ Ich kann mir vorstellen neben Albrecht zu stehen, uns ansehen und zwinkern, ist sie nicht … unsere Mary? Nein, ich bin nicht der Hl. Geist. Religiöse Inhalte ohne Pompom erzählt, in unser irdisches Leben integriert. Keine Theologen anwesend, niemand interpretiert.
Bleibt die Frage: Was liest Maria beim Kinderhüten? Das nächste ist einfacher.
Albrecht Dürer
Maria auf der Rasenbank, das Kind stillend, 1503
Kupferstich auf Büttenpapier
Städel Museum, Frankfurt am Main
Bildrechte CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/werk/maria-auf-der-rasenbank

Das Kind hat Hunger? Dann wird es gestillt. Auf der Rasenbank 1503. Wieder im Urlaub. Es ist kühl, also ‚raus mit dem Schleier. Dieses ultrawarme Kleid, sorry, Maria friert leicht. Nächstes Jahr fahrn wir wieder nach Italien. Übrigens das mit der Rasenbank werde ich Opa erzählen, sieht nach einem tollem Garten aus. Auf Facebook oder Insta poste ich das nicht. Ist wahrscheinlich unzüchtig, oder? Es gibt zichzich Bilder von säugenden Frauen in der Kunst. War halt normal. Heute hebt sich in Kneipen Protest. Will man nicht wahrhaben, dass wir Säugetiere sind. Ja natürlich ist dieser Faltenwurf genial gestochen, Dürer halt. Aber das seht ihr ja selbst. Der Deutsche Meister, wieder mit integrierter Logo-PR, story-getellt.

Sein Schüler:

Hans Baldung Grien
Die Geburt Christi, ca. 1525 – 1530
Städel Museum, Frankfurt am Main
Mischtechnik auf Lindenholz
Bildrechte CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de

Das Bild hing wohl in seiner Austellung „heilig |unheilig“ in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe in die ich es nicht schaffte, mein Gehufe und Corona ließen es nicht. Aber hier ist es ja, zuhause, wie wir alle zur Zeit.
Wurde auf Artlog besprochen. „wo das grellweiss gemalte Jesuskind so sehr zum Licht der Welt wird, dass Josef schützend seine Hand vor die Augen hält.“
Nun, ich sah sofort ein Alien, frisch gelandet. Gottes Sohn eben. Sein Cousin, der Johannesknabe, ist natürlich gleich dabei. Josef rennt und fensterlt. Was geht da vor? War dieser Geist schon wieder da? Bub, was hast du angestellt? Maria, warum hast du Zöpfe, trägst das Hochzeitskleid?
Josef wie immer im Hintergrund. Ist wohl auch besser so. Kunstmäßig. Die Frauen sind ja sonst immer im Hintergrund. #seufz Ein genial-unheiliges Bild, der Dürer war stolz.

Das Städel hat natürlich mehr als Deutsche Meister!

Vittore Carpaccio
Städel Museum, Frankfurt am Main
Madonna mit Kind und Johannesknaben, vor 1500
Mischtechnik auf Holz, auf Seide übertragen
Bildrechte CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/werk/madonna-mit-kind-und-johannesknaben-3

Der Johannesknabe wieder. Das ist der dem man später das Haupt entfernt.
Ich sah wieder unheiliges! Johannesknabe petzt, zeigt. Guck Maria, was der liest und das als Sohn Gottes. Sie schließt blinzelnd die Augen, betet, dass es niemand sieht. Anstrengend diese Knaben.
Ich kann nicht mehr heilig. Sorry.

Flüchtlinge gab es schon immer. Dieser Herodes aber auch. Wenigstens sind da nicht all die ermordeten Knaben abgebildet.

Jan Brueghel d. J. Nachfolge
Waldlandschaft mit der Flucht nach Ägypten, ca. 1620 – 1650
Städel Museum, Frankfurt am Main
Öl auf Kupfer
Bildrechte CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/werk/waldlandschaft-mit-der-flucht-nach-aegypten

Fast impressionistisch kommt das daher. Hat sich da ein früher Van Gogh versteckt? Kann nicht sein. Aber warum sind die Flüchtlinge so klein? Ah, sie verstecken sich in den Wäldern. Eilig haben sie es. Maria stillt sogar auf dem laufenden Esel. Fast strahlt das Ruhe aus. Fast. Die Flüchtlinge stören die Niedlichkeit, die Waldesruh. Stark gemacht. Auch hier ist es unheilig. Von wegen „die Natur hilft“
Kann man lange anschauen. Aber es gibt so vieles noch zu sehen.

Burnham-Meister
Thronende Madonna mit Kind und musizierenden Engeln, ca. 1430
Städel Museum, Frankfurt am Main
Fichtenholz
Bildrechte CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main.de
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/werk/thronende-madonna-mit-kind-und-musizierenden-engeln

Eigentlich „Bonanal Zaortiga“.
Weihnachtsmusik für die Madonna. Das ist nicht mehr die Flüchtende, die Säugende. Eine Königin für Kardinäle. Was die Engel wohl musizieren? „Driving home for Christmas“ wäre zynisch. Was ist „home“ für Engel? Wissend grinst der Knabe, unsymphatisch. Maria scheint genervt. Immer das Ave Maria. Sie sehnt sich nach Lady Madonna, John und Paul. Was einem so einfällt im Museum, aber das ist ja Homeoffice. Da geht auch das, hört ja niemand
„Lady Madonna
Lying on the bed
Listen to the music playing in your head“

Verbindung zu Youtube erst nach dem Klick.

Zum Abschluss: Die drei Könige. Ohne People of Color. Geht doch.

Mittelrheinischer Meister um 1400
Anbetung der Könige, ca. 1400
Städel Museum, Frankfurt am Main
Mischtechnik auf Eichenholz
Bildrechte CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de

Maria mit Krone, das Jesuskind mit güldenem Heiligenschein. Hüpft fast vom Schoß und greift nach den Geschenken. Josef wie immer im Eck, glanzlos, kronenlos, noch nicht mal ein Heiligenschein. Josef, der Arbeiter. Am Rand Engel mit gezackten Flügeln, sind es Drachen? Na, SF- und Fantasy-Schreiber? Könnte man eine Story von tellen. Werden gar die Schafe gefressen?
Es wird Zeit das Museum zu verlasen. Danke für die Online-Sache. Doch. Lasst Euch nicht von den Auristen stören. Ich freu mich, wenn ihr wieder öffnet. Bis dann.
Aber erst gehen wir anderswo onlinen! Demnächst, vielleicht.