Beitragsbild: Screenshot aus der Website des NTM
Ich war im:
Nationaltheater Mannheim, z.Zt im Amikino Mannheim Franklin.
Hamlet, von William Shakespeare mit Texten von Nuran David Calis.
Hamlet, Shirin Ali / Claudius, Geist von Hamlets Vater Matthias Breitenbach / Gertrude Maria Munkert / Polonius Almut Henkel / Ophelia Maria Helena Bretschneider / Horatio, Reinhold, Schauspieler, / Fortinbras Patrick Schnicke / Laertes, Bernardo, Rosenkranz, Schauspieler Bruno Akkan / Güldenstern, Marcellus, Schauspieler Pablo Weller de la Torre Regie & Video Nuran David Calis / BühneIrina Schicketanz / Kostüm Anna Sünkel / Licht Robby Schumann / Musik Vivan Bhatti / Dramaturgie / Annabelle Leschke
Wie fast immer ganz hinten Reihe 21, Platz 1, als Rentner.
Achtung! Dies ist keine Rezension, nur Gedankenschinken.
Ich kann nicht mehr ganz tief eintauchen, wie einst bei Old Schatterhand, im Theater blitzen immer wieder Bilder zum Text, aus der Erinnerung, bilden Überschreibungen, wie schon bei der Regie und der Dramaturgie. Lächerlich den William alleine texten zu lassen. War trotzdem wohlgetan. Doch. Kaum waren Lücken zu bemerken. #hüstel.
Zur allererst: Wieder keine Totengräberszene. #achselzuck
Ich werde immer älter. Irgendwie lässt mich die Inszenierung von 2016 nicht los. Dauernd blitzen Bilder auf, durchbrechen die aktuelle Inszenierung. Guckt. Vom RNF, gibt es auch nicht mehr.
Verbindung zu Youtube erst nach dem Klick.
Mit Rockmusik und Hamlet backt Fischstäbchen für die Familie unterm Christbaum.
Sorry, alter Mann erzählt halt.
Diese Inszenierung 10 Jahre später gibt es vom SWR im Dampfradio.
Hört ihr die Stimme? Leicht angeraut, angenehm eckig, kein Gepiepse. Ich hatte mich ja schon aufgeregt. Über die Stimm-Kritik im MM. Gelle.
Merkt ihr, wie ich schon wieder schweife? Das alles auch während der Aufführung.
In Mitten der Kino-Bühne eine Riesenskulptur, dem Denker von Rodin nachgemacht. Ich sah das Werk in Straßburg. War nicht so gigantisch.

Die Kostüme fast nur Schwarz-Weiß, z.T. Gelackt, der Boden der Drehbühne glänzte im Schwarz der Politur. Weiße Masken tragend tanzte das Ensemble. Fast kam man sich vor wie in diesen Bildungs-Fernseh-Serien der 50iger oder der 60iger. Schwarz-Weiß im Kino, aber ohne Popcorn. Hamlet nutzte das Ungetüm als Klettergestell, kuschelte sich auch schonmal in seine Arme. Der Koloss konnte ganz “autonom” umherfahren, drehte manchmal die Kehrseite dem Publikum entgegen, das Ensemble spielte dann vor seinem Hinterteil. Zum Teil trugen die Schauspieler Gesichtsmasken, auch gerne am Hinterkopf, als ob es Griechen wären, dem Zeus opfernd. Alles und Alle waren immer in Bewegung, rund um den grauen Vorhang längs der Drehbühne. Spätestens da hatte mich das Stück gepackt. Schattenspiele auf dem Vorhang, durch den auch Polonius gemordet wurde. Kein Blut, nirgends, kein Degen-Gefummel. Güldenstern mit Boot als Schatten gen Engeland segelnd. Vorhang-Projektionen, als ob Kentridge sein Refusial of Time eingebracht hätte. (Ich muss mal wieder in die Kunsthalle, den Museumspass Gassi führen). Der Krieg aus Norwegen im Stück fast ausgeblendet, aber mein Hirn blendete die Kronprinzessin samt Epstein ein. Diese seltsamen Prinzen, Könige und Co gibt es ausch 2026 noch. Immer wieder denke ich: Was hätte Shakespeare für Themen, auch und gerade in England.
Als der Chor des Ensembles, auch wieder so griechisch archasich, besang, was denn da in Danmark (und wohl auch bei uns) faul sei, wurde intern, in meinem kleinen Hirn die rote Krawatte und die Redcap des neuen Pseudo-Tyrannen samt Fratze aktiv. Es ist 2026, die Kriege kullern. Man könnte gelbe Strümpfe tragen.
Ein angenehmer Theaterabend. Konnte was der Shakespeare, das Ensemble, Staff und Regie auch. Die Nachbesprechung offenbarte vor allem, wieviel die Dramaturgie für die Stücke bedeuten.
Mathias Breitenbach fragte mich speziell, was ich denn gesehen hätte, ich hätte ja nur berichtet, was ich nicht gesehen hätte. Was micht berührt hätte. Ich hoffe der Post erzählt genug. Was mich besonders anmachte sieht man im Beitragsbild: Hamlet trägt stellvertretend für uns Alten ihren Vater als Skelett durch die Gegend. Ich hatte im Sinn, dass auch wieder nach AKWs geschrien wird.
Ach. Nicht vergessen: Shirin Ali hat ihre Rolle excellent gemeistert. Man könnte aufhören sie als “Woman of color” zu bezeichnen. Ist doch egal.
Ich gehe jetzt Shakespeare-Sonette lesen.
Ob Schiller, Goethe oder hier William, dass sie excellente Lyriker waren, wird meist unterschlagen im Theater.
Mitten in Mannheim, im Obergeschoss der Thalia-Buchhandlung liest das ?Ensemble? Hamlet. Gute Idee PR am Paradeplatz zu machen. Ich guck vielleicht mal. Nach Kaffee und Kuchen in N1. Noch wer?
[update] Gerade bemerkt! Das ist nicht im Thalia C1, Paradeplatz, sondern die Planken entlang in P7.
Ja, das ist die Strecke, die der Verrückte am Rosenmontag letztes Jahr mit dem Auto entlang bretterte. Passt zu Hamlet, oder doch? Ich war da übrigens gerade weg, dort.
[Update2] Es gibt Leute, die eher anrufen, als kommentieren. :(( Ich wurde gefragt, warum ich denn so abgefahren wäre, bloß wegen “Schwarz-weiß”. Deshab. Weil ich das ’83 auch so machte
und das noch.
#seufz
