Die alte und die neue Messe

Ich wollte mich auch ‚mal outen.

Ich war ein Messe-Gestalter. Ein verdammt guter sogar. Dramaturg des Abendmahles, Texter, Gebete-Autor, Kirchenlied-Lyriker, Tänzer, Performance-Gestalter. Künstler dessen, zu mindest dem Anspruch nach, nicht ordiniert, nicht berufen, sondern aus innerer Überzeugung und der Erziehung nach.

Irgendwann begriff ich, dass ich die Mitmenschen damit überforderte und zog mich zurück und irgendwann zog sich dann auch die Grundlage des Ganzen zurück, der Glaube entschwand und damit auch die Notwendigkeit Messen samt anderen Inkarnationen eines öffentlichen, gemeinschaftlichen Gebetes zu gestalten. („Gammeln vor Gott“ war so eine Aktion. Lange ist’s her.) Ich wurde zum dem Agnostiker, der ich heute bin, gerne mit blasphemischer Ader (das kommt von der Beschäftigung mit Dingen, wie oben beschrieben). Gleichzeitig wurde es zunehmend schwieriger tatsächlich Dinge in den Gottesdiensten so unterzubringen, dass sie auch inhaltlich neu gewürdigt würden, Texte hervorgehoben durch Brüche (z.B.) neu bedeutet etcetcpp. Dramaturgische Dinge eben, die letztendlich Kultfragen als wandelbar (sic!) so umschrieben, dass sie denn als solche „erfühlbar“, „erlebbar“ machten. Denn, man war auf dem Wege wieder alle festzustampfen, vorzuschreiben in Missale zu pressen, herder-zu-verlegen, zu verschotten.

Und das alles hat nichts aber auch garnichts mit dieser elenden Pius-Bruderschaft zu tun, die im Augenblick so tut, als ob sie Opfer einer solchen Situation geworden wäre. Den Gläubigen sei die „alte Messe“ verboten worden. Stimmt fast. Aber auch nur bedingt. Wie bereits ausgeführt wurde eine neue Form als verbindlich vorgeschrieben, was Käse war, aber diese seltsame Bruderschaft (wohl nach Pius IV. gedeutet) (samt römisch konformeren Kreisen innerhalb der katholischen Kirchen) will keine Freiheit der Liturgie, sondern die AUSCHLIESSLICHE Rückkehr zur tritentinischen Form, was absurd ist. Sie will überhaupt die Rückkehr zu allem, samt repressiver Sexual-Moral und wohl dem Ausleben des latenten Antisemitismus aller christlichen Gemeinschaften, so scheint es zumindest.

Wollte ich nur einmal eher nur so für mich klargestellt haben!

Verdammt, ich könnte wieder einmal ein Gebet schreiben, nur zu was? Ich bete ja nie. Zu einem Gott, den es wahrscheinlich gar nicht gib? lol

Zumeist fingen sie so an: Hei Dschises, Joshua, Du bist heute wieder so unkonkret, sprich doch mal was….

*seufz. Ich muss unbedingt einmal schreiben, wie man beten kann, ohne an einen Gott zu glauben. Geht. Echt!

** mit GÖTTERN iim Plural fangen wir erst gar nicht an…