Der Kapitalismus gibt einen aus.

Doch! Im Theatercafé. Er heißt nicht Mammon und die Buhlschaft gibt es nicht. Was für ein Glück!
Dafür den Tod, das, (der) Pech (mit Potential), die Scham und eine singende Vulva, mit eingebauter Vagina und noch allerhand Gesell*innen. Ein Ritter, der zur Gitarre säuselt: „Lasst uns Mauern bauen aus Liebe“.

Ich war in der Theater-Sneak im Nationaltheater Mannheim. Wie erwartet gab e eine Hauptprobe zu:

Findet uns das Glück?
Stefan Otteni & Ensemble Premiere: Sa, 01. Dezember 2018
Theaterabend über das Zusammenleben

Seit Tagen und Wochen wird für die öffentlichen Proben getrommelt. Ging ich halt auch hin. Mal sehen. Das Publikum sollte miteinbezogen werden. Das ist meist sehr peinlich, wenn die 4. Wand eingerissen wird. Die Publik*innen wissen nicht was tun, die Schauspieler sind verkrampft.
Außerdem ist Glück für mich ein großes Thema. Meine Leser wissen das. Ihr wollt nachsehen? Hier.

Screenshot von hier.

Ich wollte dann zur Pause gehen. Ggfs auf Twitter ablästern. Aber ich blieb. Aber nicht, weil ich mein Handy vergessen hatte. Gleich am Anfang fiel das Wort „Firlefanz“, wie konnte ich da gehen?

Das Publikum im Gestühl und auf der Bühne, dazwischen eine Laufstrecke, als ob es ein Cat-Walk wäre, Pavillons mit Rollvorhängen auf Podesten im Gestühl. Aufwändigens Unbühnenbild das. Keine Handlung, kein roter Faden, als wär’s ein Stück von mir, sintemals. Einfach eine Szene an der anderen. Rasant dargestellt, dann wieder Längen, wenn Teile des Publikums im Pavillon waren. Die Figuren redeten mit uns, sinnierten, ließen abstimmen. Die Scham ließ Zettel schreiben, über des Volkes eigene Peinlichkeiten und las sie dann vor. Das Problem war mehrheitlich das öffentliche Gepupse. Der Ritter, dessen Figurenname ich vergaß, baute ein Confession-Box auf, man(in) sollte dort etwas bekennen. Und das Theater würde ihm mit allem Publikumensemble vergeben. Ich hielt mich zurück, war ja eine Probe. Man sollte nämlich einen Kuli mitnehmen, für diese Zettel. Aber unbedingt wieder zurückgeben. Die Kosten, ihr wisst schon. Was wäre geschehen, wenn ich bekannt hätte den Kuli klauen zu wollen? Hätte mir das Theater vergeben? (Confiteor: Ich klaute nicht, Unrebell me.)

Zettel zu „Findet uns das Glück?“ Sneak am Nationaltheater Mannheim. Die Scham wollte meinen Zettel nicht. Zu was blogge ich? Man hatte uns die Scham pauschal genommen. :)

Ich bin gespannt, wie das Experiment ausgeht, ob die abendverkauften Vorstellungen ohne Flashmobs ausgehen, ob das Abo-Publikum so freudig auf die Spiele eingeht, wie wir.
Es war nämlich nichts peinlich. Niemand wurde gezwungen.Man spielte raten miteinander. Was ist falsch an meinen zwei Behauptungen.
Dann wieder die Schauspieler, mit eindeutig auch autobiografischen Texten bis hin zum Religionsbashing. Gott sei Dank machte der Chef halt, bevor er er die Bibel, Tora, den Koran verbrennen wollte und reflektierte, was er denn da um Himmels willen veranstaltete. Gebt mir ein Nein Mannheim, tönte es. Betraf mich ja nicht, wie auch die Ludwigshafener um die Ecke.

Ein kurzweiliger Abend. Manchmal fehlten mir mehr dieser tiefergelegten Texte, die durchaus da waren. Äh, also, wem das auch so geht, kann dann ja hier lesen, siehe oben. Es war auch nichts peinlich, niemand musste, jeder konnte.

Der Kapitalismus, in seinem Sack-und-Asche-Kostüm stand übrigens tatsächlich an der Theke und gab Biere aus. Ich bezahlte selbst. Von dem lasse ich mich nicht korrumpieren, damit er dann im Stück später auf mich zeigt?

Man sollte weiter experimentieren am Nationaltheater, nach Formen suchen, eigene Texte kreieren, anstatt Klassiker in die Pfanne hauen, wie die Räuber unlängst. O.K. die Räuber müssen sein in Mannheim, das haben wir dann davon. Ist verziehen.

Ich gewöhne mich übrigens an das neue Ensemble, bemerke die Stärken. Wie es ein Herr in der Nachbesprechung sagte. „Andere fahren nach Stuttgart, zu den Geflohenen, wir bleiben hier und lernen Neues“.

Es war übrigens nett zwischen zwei Damen des Alphbet-Chores zu sitzen, der verstreut im Publikum passende Weisen sang. Unerhört: Kooperation zwischen Oper und Schauspiel! Sie werden ihr Glück noch finden. :)

Zum Beitragsbild:
Zum Beweis. Alle Produktionen der neuen Intendanz, die ich sah benutzen intensiv Theaternebel. Dafür rauchte niemand auf der Bühne. Das war früher Gang und Gäbe, egal, wer inszenierte.
Nebel? Hat das was zu bedeuten?
Ich fahre jetzt nach Mannheim. Weihnachtsmarkt und Kunsthalle locken. Ob ich um 19:00 in die nächste Probe gehe. Für lau? Ihr etwa? Die Premiere ist ausverkauft.