Das BLK, Indianer und das Elend mit dem Glanz.

tl:dr
Ich war in drei Ausstellungen in Frankfurt.

In der Schirn Kunsthalle:
„Glanz und Elend in der Weimarer Republik“
26.10.17 – 25.02.18
„Diorama – Erfindung einer Illusion“
06.10.17 – 21.01.18
Im Frankfurter Kunstverein:
„Perception is Reality: Über die Konstruktion von Wirklichkeit und virtuelle Welten.“
07.10.17 — 07.01.18
Und gewollt, wenn auch zwangsläufig, auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. (Näheres dazu auf #burger, dem Ausflugsblog.)

Das war ein entspannter Tag in Bankfort. Ich vergaß ganz, wie angenehm die Reise per Bahn ab Weinheim ist, jetzt da der Bahnhof einigermaßen wieder benutzbar ist. Und die Website der Schirn ist wie immer vorbildlich. Die Digitorials sind eine große Hilfe. Wenn ich auch nicht begreife, warum man das Wort „Digitorial“ schützen muss, nun ja. Doch guckt euch das Digitorial an. Es ist durchaus ein virtueller Ausstellungsbesuch mit Bonusgaben, Lieder, Texte. Ganz ohne App, aber die responsive Website macht das locker wett! Nein das Virtuelle ersetzt nicht den Besuch, lockt vielmehr, aber ist doch eine Chance hinein zu schnuppern, wer aus der ganzen Republik kann immer überall hinrennen?


Der Weihnachtsmarkt frisst sich beinahe in die Schirn hinein. Der meistbesuchte Glühweinstand betreibt die Weinschirn. Keine Chance dort zum Stand vorzudringen. Da treffen sich wohl nur die Frankfurter :)

#weihnachtsmarkt und die Kunst "Glanz und Elend" #passt

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Was soll ich zur Ausstellung sagen? @hoellenrose war einen Tag später dort. Mit freundlicher Genehmigung der Autorin binde ich ihren Tweet ein. Er passt genau zu meinen Empfindungen. Kurz, knapp, knackig!


Die Schirn hat einen Beitrag dazu auf Youtube geteilt. So könnte ich das gar nicht zeigen!

Die Kuratorin Dr. Ingrid Pfeiffer konzentriert sich auf die Richtung „Neue Sachlichkeit“, lässt Dada & Co außen vor. Zunächst irritierend; es gibt kein Rückblick in den Weltkrieg, samt Monarchie, kein Ausblick in den Nazistaat, per Bild. Kein großer Hinweis auf Entartete Kunst. Es wird nur ein Querschnitt durch die 15 Jahre gezeigt, wie sie Zeitgenossen sahen, in der Kunst, wo auch immer. Sehr Berlin zentriert, aber das liegt wohl an den Künstlern, die es alle (??) ins Zentrum zog, aber ist das heute nicht auch so? Ungut das ist. Nicht wegen Berlin, sondern … egal, gehört nicht hierher.
Es ist harte Kunst, oft abgehackt, keine „Schönheit“, nichts gefälliges. Die riesigen Augen der Dixschen Figuren, die aufgerissenen Münder. All diese Fräcke und Pagenköpfe. Keine „Roaring Twenties“, trotzdem. Die Verwirrung in den Selfies der Künster*innen. Der  Kampf gegen die marschierende braune Brut.
Ich lernte diese „Neue Sachlichkeit“ und die Berliner Umgebung dazu mit Erich Kästners „Fabian“ kennen. Es müssen traumatische Zeiten gewesen sein, wie die Kunst sie ausdrückt, gerade in dieser Ausstellung, die nicht chronologisch vorgeht, sondern in Sachgruppen wie Politik, Sport, Gender etc. organisiert ist. Faszinierend für mich dabei die Rolle der Frau als Malerin, aber auch Objekt, so ganz andere Geschichten, als die Bilder von meinen Großeltern erzählen. Das Leiden am Abtreibungsparagraphen, war neu für mich, so früh schon in der Kunst, wie auch die queeren Bilder, das war ja noch verboten.

Trotzdem.

Ein leichtes Frösteln erfasste mich immer mehr. Großartige Kunst, aber so eindringlich, so unschön-schön. Was wiederholt sich wirklich heutzutage?  So wie die Schirn es provokativ plakatierte?

Deutschland nach der Wahl, © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2017,
Foto: Norbert Miguletz (Klick zur Quelle auf Schirn.de)

Im Digitalen Newsroom der Ausstellung sind noch mehr Bilder angeboten, Mein Hirn raste, Namen kamen und gingen: Tucholsky, Brecht, Mann, Zuckmayer, Commedian Harmonists. Doch, es war eine gute Ausstellung, bereichernd, leicht zum Fürchten. Was bleibt? Das z.B.
Der Aufgang zur Ausstellung war dekoriert mit Wahlplakaten. Alten. Und ich dachte mir bei diesem Bild, dass ich auch zu den Sozen ginge, wenn sie wieder solche Plakate hängten und nicht so…, nun ja.

Plakat der SPD im Rahmen von „Glanz und Elend“ in der Schirn 2017.
„Faschismus droht! Wehr Dich! Werde Sozialdemokrat.

Wer noch nicht dort war, dem empfehle ich die Ausstellung. Die Weihnachtsmarktverächter können ja bis 2018 warten. :)
Die Schirn lockte noch mit mehr. „Diorama – Erfindung einer Illusion“
Auch hier ein Film der Schirn zur Einführung.

Ich hätte es wissen sollen! Meine Seelchen waren immer noch bei Dix & Co. Eigentlich eine interessante Sache. Old-School-3 D. Glaskästen mit Puppen vor Hintergrund. Gefährliche Raubkatzen, sonstiges Getier, Bibelgeschichten. Alles eher Richtung Naturkundemuseum. Bis auf die Indianerin. Auf einem Motorrad. Mitten in der Prärie, mit einem „Picasso-Stier“, aufgespießt am Boden. Das musste ich eine Weile betrachten. (Im Film ab 4:34). oder hier ein Link zum Bild auf Schirn.de!
Von Kent Monkman, einem Kanadier mit Cree-Abstammung. Geil, was der sonst so macht… Guckt.
An der Wand der Text dazu…

„Die sexuell ambivalente Figur der Miss Chief – ein Alter Ego des Künstlers – „ist ein aufgeklärtes Gegenmittel gegen eine kolonisierte Sexualität und steht für die Gendervarianz, die in den traditionellen indigenen Kulturen Nordamerikas zur Zeit der Ankunft der ersten Siedler existierte“

Hmm, Gendervarianz. Mein Karl May war doch sehr unwissend. Muss ich mal erforschen. Wie gesagt, lasst euch nicht aufhalten hinzugehen. Ich war nicht bei der Sache!
ABER! Wie so oft in der Schirn gibt es zu Diorama eine Installation in der Rotunde. [Dis]Connect. Auch hier ein Film, in dem Philipp Frühofer, der Schöpfer der Installation, sein Werk vorstellt.

Kann man übrigens vong Weihnachtsmarkt her frei besichtigen. Die Rotunde ist ja ein öffentlicher Durchgang. Wenn das nicht so zugig wäre und die Temperaturen nicht gegen Null gegangen wären säße ich heute noch dort und starrte nach oben. Absolut fazinierend.

Selfie in der Rotunde im Spiegel von [Dis]Connect in der Schirn im Rahmen von „Diorama“.

[Dis]Connect von oben aus einem Rotunde Rundgang.

Ich hungerte dürstend.
Aber da lockte doch noch der Frankfurter Kunstverein. „Perception is Reality“. VR und Kunst. Eigentlich wollte ich Jutta fragen, wann sie mal im Büro ist. Ihr erinnert Euch? Aber das sah ich beim #kunstwandeln , dass am 7.1.18 Schluss ist. Alla hopp, es war ja auch noch nicht dunkel. Langsam steht die Website samt SoMe des FKV den Großen um die Ecke in nichts nach. Kompliment! Genau! Sieht man schon beim Eingang.

Eingang Frankfurter Kunstverein

Auch hier der Trailer.

Die VR erobert langsam die Kunst! Das ist noch alles sehr unbeholfen. Diese Datenbrillen wirken, als ob man einen Commodore C 64 bedienen würde, lassen aber die Terrabyte-Rechner ahnen. Mir wird da immer schwindelig. Das hatte ich ja schon bei den CyberRäubern bei den Schillertagen erläutert. Gleitsichtbrille und das Alter! Na ja. Ich probierte die Schaukel und das Brett. Dann entdeckte ich, dass an den Stationen auf Monitoren die Aktionen der VR-Helden angezeigt wurde. Also piepte ich da. Ich bin gespannt, wie die Künste die VR noch mehr befüllen werden. In Dortmund gibt es ja bald eine Akademie für digitales Theater, z.B. Der alterwürdige FKV geht mit voran! Stark!
Was lese ich gerade auf Twitter? Noch mehr VR. In der Medizin!


Wie interessant: Unter Künstler*innen registriert das „Bayrische Landeskriminalamt.“ „….Die entwickelten Applikationen ermöglichen es, digital erfasste Tatorte zu begehen, um sie orts- und zeitunabhängig zu untersuchen und dabei jede erdenkliche Position – von Nahansichten zu Panoramaeinstellungen – einzunehmen. Die Bilder entstehen, indem bildgebende Techniken und Methoden kombiniert werden. Sie dienen dem Zweck einer genauen Mess- und Nachvollziehbarkeit.“ Da müssen sich die Verbrecher warm anziehen! Was wohl die alte Tante ARD in ihren Tatorten machen wird, um VR darzustellen?
Dann entdeckte ich zwei Installationen für mit ohne Brille!
„Everything“ von David Oreilly. Ein fantastische Spiel auf einer Playstation. Auch hier ließ ich zunächst spielen und instgrammte mit.

"Everyhing" von David Oreilly #frankfurterkunstverein

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Später dann musste ich texten, da spielte ich selbst!


(Die Wurstfinger! Verzeiht die Vertipper.)

Dann „The Garden Room“ von Hans Op de Beeck.

Hans op de Beek "Garden Room" #frankfurterkunstverein Fantastisch. Alleine diese Arbeit lohnt den Eintritt!

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Ich war geflasht. Egal, ob das jetzt Kitsch ist, ich war geflasht und saß und staunte, wackelte mit dem Hany zwischen den zwei Spiegeln. Die Maske ist übrigens nur eine Hygiene-Maßname für die Brillen, sieht aber cool aus, oder?

Hier setzte ich ein gutes altes #twly..


Ein inspirierender Tag in den Frankfurter Museen, rechts des Mains. Ein Teil von mir ist noch dort und wiegt das alles in den Gehirnlappen. Schluss mit Frankfurt in 2017. Aber im Frühjahr kommt Rubens….
Jetzt aber war Weinachtsmarkt! Ohne h.
Bis zu meinem Kühlschrank..