Fenster zum Mensch, Skulpturen in Ingelheim

Ausstellung
Mensch! Skulptur, Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus
12. August bis 21. Oktober 2018
Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag
11.00 bis 19.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen
11.00 bis 18.00 Uhr

Seit Jahren wollte ich schon nach Ingelheim. Nach dem Kontakt zu „Böhringers Internationalen Tagen“ in Wiesbaden, als Ersatzort für die Noldeausstellung, hatte ich das fest vor. Ich hatte Angst mit dem ÖPNV schlecht hinzukommen, dabei ist das ganz einfach. Ingelheim liegt an der Rheintalstrecke Mainz-Koblenz und vom Bahnhof fährt der 611er Bus direkt vor die Haustür zum Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus, am Francois-Lachenal-Platz in Nieder-Ingelheim.
Der erste Star ist das runderneuerte „Alte Rathaus“, das zum Ausstellungsbeginn fertig wird. Gestern beim Rundgang waren noch Handwerker zu Gange, die letzte Arbeiten durchführten, sogar der Kurator griff zum Besen.
Google fördert jede Menge Bilder des Bauwerks aus den Servern der Welt. Guck!
Auffallend an dem Neu-Romanischen Bau sind die vielen Fenster. Ob das als Reminiszenz an die benachbarte Kaiserpfalz gedacht war? Ich assoziierte sofort eine Ausstellung der Kunsthalle in Karlsruhe. In Ingelheim wurden die Fenster für diese Ausstellung wieder geöffnet. Sie waren zugemauert, um Platz für Bilderhängungen zu schaffen.

Kunstforum Ingelheim mit Ausstellungsbanner „Mensch! [ Skulptur ]

Von innen sind die Fenster mit durchscheinenden Vliesen abgehängt, was für mich natürlich besonderes wirkt, siehe hier.
Das ergibt in der Ausstellung einen fast mythischen Effekt, wirkt als zusätzliche Raumgestaltung, umspielt die Objekte. Ausblicke sind erwünscht, der Ausblick, auch hinüber in den Rheingau. Die Außenwelt ist integrativer Bestandteil der Ausstellung. Wieder erinnerte mich mein Gehirn an die gleichen Effekte während der „Radiale“ auf dem Dilsberg.
Hier die „Verkrampfte Hand“ von Rodin.

„Die verkrampfte Hand“ von Auguste Rodin im Kunstforum Ingelheim

Auf Twitter fragte @clia nach einem Social Media Event und Stefan Hirz von Artefakt, der die Online-PR managt, startete eine Bloggerführung. Leider konnten, außer mir, dann nur Bärbel Klein (@farbenfreundin) und Kristin Heehler (@Rhhliebe). Trotzdem nahm sich der Kurator und Leiter der Internationalen Tage Dr. Ulrich Luckhardt die Zeit, begleitet von Stefan Hirtz , uns durch die Ausstellung zu führen.
Auf Instagram und Twitter verkündigte ich es bereits.
„Große Namen, klasse Architektur, beeindruckende Ausstellung. „Mensch! [ Skulptur ] #empfiehlt (Ich werde noch bloggen) „Internationale Tage“ von Böhringer Ingelheim. Danke, @artefakt_berlin.“
Ein interessantes und gelungenes Konzept der Ausstellung. Nicht kunsthistorisch oder nach Künstlern geordnet, sondern nach Motiven.
Stehende, Liegende & Kauernde, Köpfe, Hände, Tanzende.

Lageplan der Ausstellung

Erstaunlich: Unter dem Keller wurde ein weiterer Raum geschachtet, um Platz für die Werke zu schaffen. Speziell für diese Ausstellung wurde für jede Skulptur eigene, angemessene Sockel produziert, alles in weiß gehalten, wie die Wände. Kein Schlammgrau, wie heute in Museen üblich. Hell, lichtdurchflutet.
Die Skulpturen können von allen Seiten wirken. (Tipp: Nicht zu nah ‚rangehen, da piepst die Alarmanlage!)

Im Köpfe-Saal

Verblüffend für mich: Die Skulpturen von Degas hat er in nicht gebranntem Ton geformt, weil er nicht mehr richtig sah. Sie wurden nach seinem Tod gegossen. Siehe hier. Max Beckmann als Bildhauer war mir nicht bewusst. Picassos Figuren hatte ich noch nie live gesehen. Giacometti kannte ich von der Schirn. Rodins Eva steht ja sonst im Städel. Unbekanntes mischte sich im Hirn mit Bekanntem. Auch Georg Kolbe war mir nicht bewusst. Auch hier sehr schön: Das Zusammenwirken mit den Fenstern.

„Betende Hände“ von Georg Kolbe im Kunstforum Ingelheim

Eine kluge Inszenierung ist diese Skulpturenschau, ein Gesamtkunstwerk. Die Figuren, von winzig bis lebensgroß, beziehen sich zueinander, obwohl zu verschiedenen Zeiten gefertigt, von unterschiedlichen Künstlern aus vieler Herren Länder. Ja, nur Männer.
Alexander Archipenko, Max Beckmann, Rudolf Belling, Edgar Degas, Alberto Giacometti, Georg Kolbe, Henri Laurens, Wilhelm Lehmbruck, Aristide Maillol, Henry Moore, Pablo Picasso, Auguste Rodin.
Wahrhaftig große Namen, mit großer Kunst. Die Namen sind verlinkt zu den Wikipedia-Einträgen der Künstler. Das Begleitheft mit den Biografien wollte ich hier ja nicht einscannen. :)

Die ausgestellten Künstler auf dem Banner am Kunstforum Ingelheim

Ich genoss diese Führung, vor der Ausstellungseröffnung in einem leeren Museum. Herr Luckhardt führte kompetent und spannend. Voller Enthusiasmus berichtete er von der Renovierung, erläuterte das Konzept und die Grundzüge seiner Kuration, kurz, knapp und doch ausführlich, ließ Bemerkungen einfließen, wie mühsam die Zusammenstellung war. Einige Werke waren noch nie ausgeliehen worden. Eine 3/4 Stunde, die er für uns abknapste. Danke schön! Auch für die Einladung von Stefan Hirz. Wir wanderten noch einmal durch die Ausstellung, versuchten die Erinnerung fest im Hirn zu verankern. Wie immer zum Abschied von SoMe-Menschen: „Man liest sich.“
Ich besuchte noch kurz die Kaiserpfalz. Das ist eine sehr ausführliche Website, erspart den Besuch des Museums, wird ja auch demnächst neu installiert, hört man. Aber dort röhrte Musik, die Anlage zum Altstadtfest wurde installiert. In der Saalkirche fand ein Konzert statt.

Vor dem Eingang eine ganz erstaunliche Version einer analogen Datenschutzerklärung des Stadtmarketings Ingelheim.
…. „Wenn Sie dieses Schild passieren, zeigen Sie sich einverstanden.“

Analoge Datenschutzbestimmung vor der Saalkirche in Ingelheim.

Ob so was bald vor allen Konzertsälen hängt? Dieser EU-Irrsinn der DSGVO.
Ich hatte Hunger und ich wollte am Rhein sitzen. Vielleicht kann man das in Ingelheim auch, aber ich hatte keine Lust zu suchen. Ich musste sowieso in Mainz umsteigen, also lief ich zur Rheingold-Halle und twitterte:
Screenshot Twitter

Auf dem Rhein ließ mein Hirn die Tänzerinnen von Degas tanzen, den Narr von Picasso…..
Ich träumte vom Rheingau gegenüber und plante heimlich die Radtour nach Eltville, mit dem Umweg über Ingelheim. Mal sehen.

Die Ausstellung in der ARD-Mediathek.

Als Audio in SWR2

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