Die großen Worte

Demokratie, Dialog, Freiheit, Respekt, Würde, Verantwortung.
Diese großen Worte.
Ein Präsident von allen für Alle und die Linkspartei saß gestern nicht mit am Tisch.
Nein, ich mag die Linken nicht, sehe sie sehr kritisch als Nachfolgeorganisation der unsäglichen SED, aber sie saß nicht mit am Tisch.
Die Spaltung geht weiter und Claudia Roth und Cem Özedmir sitzen fröhlich mit in der Runde, stolz darauf in der Mitte angekommen zu sein, nicht am Katzentisch sitzen zu müssen und sprechen große Worte.
Sie sind endlich Teil der Politikerklasse, diesem Gemenge in Berlin aus Herrschenden und deren Hofberichterstattern, die sich als Einheit fühlen und diese Hunderschaften als Volk ansehen. Alle. Sie haben den Draht verloren nach unten und lobpreisen einen Mann als Bundespräsidenten, der keinerlei grüne Poltik vertritt.
Ein honoriger, kluger Mann, gewiss, ein Pfarrer, aber keiner der eine besondere Nähe zu grünen Positionen hat, wenigstens sind mir keine bekannt. Alles nur, um in der Mitte zu sein, dabei zu sein, bald auch wieder herrschen zu können.
Diese großen Worte die dem Menschen Gauk da untergejubelt werden, ihn fast zum Heiligen stilisieren. Worte, die sich wahrscheinlich in Sonntagsreden auflösen werden, die nur dieser Klasse etwas bedeuten und dort brav bejubelt und sich gegenseitig vorgegaukelt werden, große Worte ohne wirkliche, konkrete Bedeutung, die außerhalb dieser Klasse nicht wirklich zur Kenntnis genommen werden, vielleicht bei den Lesern der Zeit oder des Spiegel, vielleicht und genauso schnell wieder vergessen.
Die Mitte eben, die sich da einen Präsidenten erkürt, dessen Kandidatur vorher der Presse durchgestochen wurde, so nennt man das dorten wohl, wie ich jetzt las, damit diese oder jene doch zustimmen mussten und das wiederum zurückgestochen wurde, in Telefonkonferenzen und Küchenkabinetten, bestimmt mit kleinen Worten und dann für die Galerie die großen Worte, die keiner wirklich alleine füllen kann, mit Taten, ein Bundespräsident schon gar nicht. Kann sich einer an die berühmte Weizäcker-Rede erinnern? Was da genau gesagt wurde? Eben, klar könnt ihr googlen.
Die großen Worte der politischen Klasse für die Kulisse, aus der Mitte für die Mitte, mit dabei Claudia Roth und Cem Özdemir. Die Vorsitzenden von Bündnis 90 / Die Grünen, deren Mitglied ich wohl bald nicht mehr sein werde.
Die Mitte braucht mich nicht, ich gehöre nicht dazu, aber Claudia & Cem und dem Rest gönne ich es, doch.
Was Herrn Gauck betrifft: Wahrscheinlich werde ich seine Reden weder hören, noch lesen. Sie werden Mitte sein. Berlin halt, dort drüben irgendwo, wo die Rößlers und die Seehofers hausen, die Özemirs und Rohths, die Merkels und die Gaucks. Es hat sehr wenig mit mir zu tun.
Es war übrigens der Fastnacht-Sonntag, den die Kanzelerin mit ihren Getreuen wählte um der Galerie die großen Worte mitzuteilen, in den Rosenmontag hinein.

Doch, ich mag Narren. Und Narr ist für mich ein postives Wort. Doch. Ganz leise singt Rio Reiser “König von Deutschland”

update: Ein großartiger Gastbeitrag auf SpOn von Helmut Däuble “Wir brauchen keinen Großprediger!” HA!

Präsidenterles, Würde würde noch ein Mal.

Aus gegebenem Anlass hochgezogen vom 17.6.2010..

Ich habe noch nie begriffen, zu was wir einen Bundespräsidenten brauchen. Er ist ein Unterschriftsleister, wenn man das Grundgesetz so durchliest, er ernennt, ach lassen wird das. So eine Art ungeadelter König-Kaiser, er darf auch begnadigen. Aber wozu das alles? Das könnte man auch anders gestalten. Ich weiß nicht, was Herrn Köhler umgetrieben hat, vorzeitig den Beddel hinzuwerfen, es ist mir auch reichlich egal, wie er mir die ganzen letzten Jahre herzlich egal war. Ich kenne ihn ja nicht. Weihnachts- Neujahrs- und sonstige Ansprachen sind auch alle Schall und Rauch und ohne Belang, da ein Präsident politisch ja nichts bewegen kann, er hat immer gut labern. Und damit meine ich auch diese berühmte Weizäcker-Rede. Schall und Rauch.
Und dann faseln sie alle von Würde des Amtes. Welche Würde und weswegen? Allergnädigste Majestät? Würde. Im Grundgesetz gibt es zu Recht die Menschenwürde, sonst aber keine. Irgendwie kommt mir dieser ganze Politzirkus aus Akteuren und den Hofberichterstattern (andere kann ich immer weniger in den Gazetten erkennen) völlig abgehoben vor. Eine Schreibe und ein Getöne für die Öffentlichkeit und was sich wirklich abspielt wird schön im Hintergrund gehalten, sonst ist ja die Demokratie in Gefahr, wenn wir alle wirklich etwas wüssten. Auch so eine Scharlatanerie, das mit der Gefahr für die Demokratie, eine Leerhülse, hingeworfen vor die Staatsfeinde, wer auch immer das ist, damit sie ausrutschen mögen, sowas in der Art. Und die Grünen mitten drin mit dabei, bei diesem dämlichen Spielchen, scheinbar in den Ämtern so abgehoben geworden, wie der Rest auch. Dosenpfand Trittin und Opferverbraucherin Künast heulen wohl innerlich immer noch ihren Ministerpfosten hinterher. Und in den Landtagen freut man sich auch einmal berlinisch mitzumischen.
Ihren Höhepunkt finden diese Feierlichkeiten an Hohlwörtern, Hülsen und aufgeschwemmten Majestätsbefindlichkeiten, wenn ein Mensch zum Bundespräsidenten verklärt werden soll. Da wird im Vorfeld getrickst und getrackts und gewürdet, schon immer, seit Adenauer, da werden die Spielchen der Macht und der hohen Koalitionsbeschreckung kokett in die Hofberichterstattung mit eingebunden, unbescholtene Bürgermeister und andere als Wahlvolk in den Bund versammelt und dann wird ein BP gewählt, der uns allen danach wieder zu Recht vollkommen egal ist. In aller Regel müssen wir uns überlegen, wer das denn gerade ist.
Würde nennt man sowas.
Man könnte schallend lachen, wenn man nicht weinen müsste. Die Ehrenurkunden für die Bundesjugendspiele konnten nicht ausgehändigt werden, weil der Bundespräsident nicht im Amt war. Könnte es ein besseren Anschauungsunterricht für die schülernde Sportjugend geben, welche Possen da in Berlin ausgetragen werden? Immer, scheinbar?

Sagte ich schon, dass mir persönlich herzlich egal ist, wer denn die nächsten Jahre die Ehrenurkunden unterschreiben darf? Doch, ich hatte auch welche, von Lübke und Heinemann unterschrieben. Jedes Jahr hatte ich sowas und lachte damals schon über die Unterschrift, schön aufgdruckt… Ehre, Würde, Urkunde…
Ob ich jetzt auch so ein Staatsfeind bin? Würdeloser?

Enttwitterung

[Nur fürs Protokoll]

Gestern abend, nach einem grandiosen Release-Konzert des Lehmler-Quintetts, auf die Straßenbahn wartend, twitterte ich, anstatt in meine Kladde zu schreiben, all die Gedanken zu Papier zu bringen. Statt dessen starrte ich in meinen timeline, wo die Menschen fern sahen. Das ist ihr gutes Recht, nur nicht mein Ding. Es war mein Fehler. Also entschloss ich mich zum ursprünglich gewählten Termin nochmals Twitter auszusetzen. Ich habe dieses Mal meinen Account @kurzdielyrik ausgesetzt. Es bleiben mir nun 30 Tage Zeit ihn wieder zu aktivieren.
Ob ich wieder @kurzdielyrik sein will weiß ich noch nicht, oder einen anderen Account aufbaue oder gar auf Twitter verzichte. Wer weiß? Ein Monat der Entscheidungen steht vor mir und Twitter würde dabei stören…….

Versteigert ihn

Da die Bundesversammlung auch nur noch, äh, Bundespräsidenten, wählt wird diese abgeschafft. Das Amt, zu nix gut, außer zum Schwingen von Füllfederhaltern, wird versteigert, wie einst die Mobilfunk-Lizenzen. Ganz offiziell. Die Versteigerung leitet der Finanzminister des gerade Bundesrats-Vorsitzenden Ministerpräsidenten. Selbstverständlich erhält der Bundespräsident keine Anapage, wie Fastnachtsprinzen auch, nur mal so als Beispiel. Für das Schloss Bellevue ist Miete zu zahlen. Diese legt der deutsche Bundestag mit einfacher Mehrheit fest. Der Bundespräsident darf dafür Titel versteigern. Fürst, Baron, Graf etcetera, alles ohne jeglichen Rechte, aber was interessiert das den Boulevard. Die Bild-Zeitung wird zu kostenfreien Hofberichterstattung verpflichtet und ist angehalten den Rest des Boulevards entsprechend zu beteiligen. Hätten alle was davon. Wir Steuerzahler wären entlastet, die Klatscher hätten dauernd Stoff zum enthüllen und die Reichen und Mächtigen hätten Titel, Getöse und Skandalkram und sie wären beschäftigt. Müsste man nur noch über Hofknickse und sowas nachdenken. Ehrenjungfrauen(m/w) sind aber abgelehnt. Selbstverständlich kann es auch eine Präsidentin sein. Nur so am Rande. Das Thema wäre dann durch und die Wirtschaft würde blühen. Nein, erblich wäre das nicht, alle 5 Jahre wird versteigert und nur 2 mal darf man, es ist ja nicht alles schlecht, gell. Der gesteigerte Präsident, der darf dann auch ganz offiziell gesponort werden, gell und Urlaub machen mit wem und wo er will. Alles so easy. Endlich hätten wir dann auch ganz transparent unsere wahre Parallegesellschaft abgebildet. Nein, den Kanzler (m/w) wird weiter der deutsche Bundestag wählen und so weiter, keine Freiflüge für Abgeordnete, nein, aber der Präsidentenhof hätte was. Bauen wir nicht gerade ein Stadtschloss in Berlin? Genau. Und damit die Regierung nicht stört, verlegen wir die wieder nach Bonn. Quod erat demonstrantum :))

(Das hatte ich so ähnlich schon öfter gepostet, ich finde es nur ‘grad nicht)

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„Darf ich den Fisch in eine Geschichte einwickeln, Zeitungen sind aus?“ Fischstäbchen turteln mich, selbst gefangen in eisigen Gängen, wie sie einst die Disskaunter in die Truhen ritzten. „Bin ich ein Troll, Mama?“

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In Foren getrocknet, aufgehängt über weiß gepuderte Onleine, gestimmt, verloren in mysql. Die Geschichte trippelt, dribbeld über die Fußballfelder, ballert, ballt. Fische zu Stäbchen. Wir tanzen Gattungen in leichte Tags, zwischen den Kategorien die Grills für die Fliegen. Küsse kullern im Sand der Strände aus Zwischenmären. Einen hebe ich auf, schmecke ihn auf der großen Bleiche, wie dunne Mals. Die Kunst rennt 100 Meter bis zur Galerie, lacht sich ins Käuzchen. Greise Twitter quallen Räucher, ein Haus salmt grüne Saucen. „Heiße ich Gretchen, Mama?“

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Die Freiheit der braunen Sosen ist in Gefahr, die Jeff-Reaktionen strandeln, die Demögartie schwindet, Presidenten dissen, Ur, ach Ur, wir stenzen. Hackfressen hacken weiter. „Heiße ich Dot, Kom?“

********** zeig mich, zeig mich, an **********
********** zeig dich, zeig dich, **********

Die Zerlaberung der Welt, Männertage

Und wieder steht ein Jahreskreislauf an. Nein, nicht den natürlichen, den liebe ich, den Wechsel der Jahreszeiten in Mitteleuropa, der noch stattfindet, wie man ihn kennt. Ich meine die jährlichen Feste und ähnlichen Dinge, die schon längst aus dem bäuerlichen und religiös-kulturellem Hintergrund entfremdet haben und unter großem medialen Rummel dem Gähnen geopfert werden.
Silvester, die Prinzessinnen-Fastnacht, die Erstürmung der Rathäuser, die Ce-Bit, die re:publica, der Füßeball, der Urlaub auf Malle, die Sommerbühne, die Abfolge der Geburtstage, dieser dämliche Eurovisions-Contest, die Muschelstars im Jungle, die Kastenshows, die Blogbars, die Klassentreffen. Das jährliche Wiederholungseinerlei. Feste, die einfach gefestet werden, TV-Dinge, die sich trashen und in den Text-Medien vervielfältigt werden und mich daran hindern sie negieren zu können. Gerade eben noch ein No-Go: Neujahrsempfänge. Überall Neujahrsempfänge, mit Presse, die Vervielfältigung medialen Schmolltalks, zu Nichts gut, oder doch?
Und bald die politischen Aschermittwoche. Diese Elendsveranstaltung des FJS in parteilicher Vielfalt der Einfältigkeiten, breitgetreten, gewalzter Populismus. Ich fürchte mich sehr. Weil ich meine Sinne nicht versteckken kann, weil mir die Schlagzeilen um die Ohren gehauen werden, bis sie mir aus den Ohren wieder heraus laufen und es gibt kein Entrinnen, will man sich nicht medial totl abschotten. Die Zerlaberung der Welt. Ein Text der noch fehlt. Zur Zeit verweigere ich mich so gar weitest gehend Twitter. Die unaufhörliche Wiederholung der Causa Wulff ging mir auf die Nüsse. Natürlich ist der Mann, nun ja, in die Reihe Koch, Öttinger, Merz einzuordnen, aber muss man das DAUERND wiederholen? Wen interessiert wirklich wer Bundespräsident ist? Die Zerlaberung der Welt. Die ewig währende Wiederholung der vorgekauten Titeln. Das Hinterhergalern der Leitmedien Bild und SpOn? Es ist wirklich furchtbar, habt ihr schon das gelesen? Http://// NEEEEEEEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNNNNNNNNN. Mea Culpa, mea Culpa, kennt ihr Culpa?

Ein Lachen rauscht um die Welt. Aber gesagt muss es sein. Dabei warte ich nur auf den März und das Licht und den Beginn des Jahres. Schon vorbei… Doch. Und irgendwann werde ich auch wieder twittern. Doch. Und labern und labern und labern….

Sag einer Männer hätten keine Tage.

Bohnern. Wichsen.

(1962)

Ich wollte dieses Wort in ebendieses Blog einbinden. Bohnern. Wichsen. Es klingt nach kalter Küche und Asche. Es riecht nach dem Ausguss in der Küche an dem Kind sich wusch, nachdem endlich im Ofen die Flamme anging, der Ofen entascht, neu bestückt mit Zeitungspapier, Span und erstem Holz, die Briketts lagen schon bereit. Ein Aufflackern erster Wärme, die sich ganz langsam ausbreitete, auf die Herdplatte sprang, den Radio erreichte, der erste Nachrichten ausspuckte. Das Wasser versprach im Schiffchen zu kochen, der Kessel dampfte früher, für den Malzkaffee zu den Brombermarmeladebroten, ohne die gute Butter. Heute Mittag wieder Holz spänen, spalten, hacken, Briketts holen im tiefen Keller und die runden Kohlen für das Wohnzimmer am Sonntag. Und bohnern. Erst das Bohnerwachs auftragen, nicht zu dick, das kostet Geld und dann blocken, bohnern. Den Bohner schwingen. Ich sehe meine Brüder auf dem Blocker sitzen, juchzend, während ich den Blocker den Gang entlang wirble, immer schneller, zu den Klängen der frühen Beatles, yeah, yeah, yeah, im Kopf nur, wo denkt ihr hin, ich hätte die Platten zu Hause und im Radio kam nur was weiß ich und AFN war so weit weg, daheim, dort, wo schon der Teppichboden wuchs.
In einer Januarnacht sitze ich hier und denke an bohnern. Und die Wärme jenseits der Kälte.
Ich würde jetzt gerne bohnern, wenn ich könnte und die Holzspreißel verfluchen, die sich Sohle einholte, beim barfuß tanzen zu den selbst fabrizierten Klängen der Melodica. Der Twist, der Twist….

Verweigerung

Hiermit verweigere ich die Nachrichtenverarbeitung zum Fall Wuff versus Büld. Ich mag noch nicht einmal mehr die richtigen Namen schreiben. Es ist unwichtig. Das Amt des Bundespräsidenten ist überflüssig, wie man gerade sieht. Man sollte die Verfassung im Rahmen von “Lean Politics” dahingehend ändern. Pöstchen kann man sonstwo finden, direkt bei den Autobauern oder Bänkchen. Es ist genug. Es gibt genug anderes zu tun. Wir leben immer noch in einer tiefen Krise des Hyänenkapitalismus, den es zu bändigen gilt, zum Beispiel, die Umbrüche der Medienlandschaften müssen neu beregelt werden und vieles andere mehr. Mögen sie den Zickenkrieg zwischen Boulevard und dem Schlösschenbewohner alleine austragen. Oder wie Dr. Karl das im Deutschunterricht immer sagte: “Macht das im Hof in der Pause aus”.

AusdieMaus!!!!

Jahresrückblickwatch

Viernheim und die Sache mit dem Internetz, ein Jahresrückblickchen.

Die 3 Viernheimer Blogs ( ich berichtete ), die den Zeitungen das Fürchten lehren wollten, sind immer noch ohne Belang. Es war zu erwarten. Das Viernheimblog, dem ich es am ehesten zugetraut hätte, grantelt nur, weil es nichts auf die Reihe bekommt, pflegt das einzig wirkliche Thema des Herausgebers, nämlich sich selbst und seine Überlegenheit über alle andere Pressefirmen, Viernheimer.info ist still und leise in die ewigen Jagdgründe eingegangen und Viernheim24.de ist ein Bilderbuch mit 2, 3 angehängten Sätzen in immer neuen Software Inkarnationen ohne Archiv nur dem Tag gewidmet und treuer Party-Berichterstatter der Viernheimer Gastronomie. Erheiternd der Artikel nicht über “Kunst gegen Bares” auf der Sommerbühne berichten zu wollen, der Berichterstatter hatte die Veranstaltung nicht verstanden, sorry, aber ich kann keinen Link dazu finden, wahrscheinlich ist der Artikel bei einem Relaunch verschüttet gegangen. Ich konnte an dem Tag nicht, sonst hätte ich auch den amtierenden deutschen Poetry-Slam Meister Nektarios Vlachopoulos hören können. (Link zu 3sat :)) ).

Es ist sehr schade, aber so ist das halt, vielleicht folgt bald jemand, der das wirklich kann und will.

Aber:

Heute begab sich auch der Südhessen Morgen in die digitale Welt des Social Web und kürte den Tweet des Jahres!
Natürlich nur im Print! Ohne Link-URL oder wenigsten Screen-Shot, na ja, die Leser werden es dem Südhessen Morgen auch so glauben, wie so vieles. Print-Twitter eben. Hätte übrigens Jörn Ritterbusch es nicht getweetet, ich hätte es nicht gesehen, hatte es total überlesen ;-)). Doch ich lese die Zeitung, als pdf zwar, aber ich lese sie als zahlender Web-Kunde.

Das war im Juni und der Originaltweet ist hier nur noch im Google Cache zu finden.

Ja, genau das war eine Twitter-Conversation (das ist halt eine amerikanische Firma und es heißt halt so) zwischen Jörn Ritterbusch @joern_ribu und mir @kurzdielyrik, wir hatten uns dann sehr gepflegt über die Macht und die Ohnmacht der Presse unterhalten, der Qualität der Berichterstattung, Alternativen, zunächst auf Twitter, dann weiter auf Facebook, da war ich dort noch vertreten. Natürlich schreibt das der Südhessen Morgen nicht. Interessant ist lediglich, dass der Stadtverordnetenvorsteher und SPD-Mann Ritterbusch den Südhessen Morgen auf Twitter basht, anstatt anzurufen.

Man könnte jetzt schmunzeln oder lachen, auf Twitter Witze reißen über die armen alten Holzmedien, aber das geht tiefer.
Es ist nicht das erste Mal, dass dieser Redakteur des Südhessen Morgen verärgert über Berichterstattung außerhalb der Zeitung reagiert, tief getroffen. Ich kann mich an einen Nebensatz erinnern, als er erstaunt feststellte, dass die Stadt Viernheim einen Bericht als pdf-Datei auf ihre Homepage setzte, er hätte doch bereits berichtet. Das zeigt die Verunsicherung des journalistischen Profis, die man überall antreffen kann. Ein ganz weites politisches Feld tut sich auf, von nicht Netz-Affinen gar nicht so richtig wahrgenommen.

Netzpolitik!

Zurzeit finden gigantische Kämpfe um die Deutungshoheit im Netz statt und wer wo Geschäfte damit macht. Die Giganten Facebook, Google und Amazon, am Rande auch Twitter, übernehmen mehr und mehr die Kontrolle über den Informationsfluss, an den “Gatekeepern” vorbei. Das nächste Jahr wird noch mehr Umbrüche bringen, wenn die Abermillionen von eBook-Readern (damit kann man auch Zeitung lesen, doch), Smartphones und Tablets wie das iPad, die unter den Weihnachtsbäumen lagen, in Betrieb gehen. Nach Futter suchen. Die deutschen Zeitungsverleger fordern weiterhin unter Führung der Springerpresse, die Haasgruppe -Eigener des Südhessen Morgen- übrigens auch, ihr (völlig überzogenes) Leistungsschutzrecht, um Google&Co ein paar Dollar abpressen zu können und wettern gegen die Tagesschau-App und alles, was vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Netz steht, was ich als abstrus empfinde, aber offensichtlich auch von der schwarz-gelben Bundesregierung mitgetragen wird, es wird sie neben anderem die nächste Wahl kosten.
Amazon wird wohl nicht länger nur Versender, sondern auch Verleger sein, hat bereits seine Server für das kindle-Selfpublishing geöffnet, aufmerksame Leser kennen meine Amazon-Autoren-Seite ;-) und die (Buch-)Verlagsgemeinde hat nichts weiter im Sinn, als nach Vorratsdatenspeicherung zu schreien und die Buchpreisbindung mit Klauen und Zähnen zu verteidigen, derweil die futterhungrigen Lesegeräte mangels Masse zu den freien Quellen gehen (meine kostenlose eBooks laufen großartig ;-) ) oder Raubkopien suchen. Das wird noch grausamer als bei der Film und/oder der Musikindustrie.
Das ist alles nicht wichtig? Oh, doch, auch für nicht Netz-Affine.
Beispiel Kulturpolitik, Schule? Welch Geschrei erhoben die Lehrer, weil man einen Schulbuchtrojaner auf die Schulcomputer jagen wollte und nächstes Jahr wohl auch jagen wird! Da steckt auch die große Angst dahinter, dass der geldleidende Kultusminister sich dem Beispiel Kaliforniens anschließen könnte und allen Kinder Computer/Pads übergeben und die “Schulbücher” in den Ministerien selbst schreiben und in der Cloud vorhalten könnte. Lernmittelfreiheit galore, tatsächlich für alle.

Es wird spannend sein zu beobachten, was geschieht. Ein Neuzugang ist über die deutsche Polit-Landschaft gekommen, die Piraten, mit oft extremen Forderungen, gerade in der Netzpolitik, aber mit dem Gefühl für die Generation der 30-Jährigen, die wie selbstverständlich das Netz nutzen und sich verraten fühlen von den etablierten Parteien, in jeder Hinsicht. Die Grünen wanken noch ein wenig, haben aber doch bereits eine Leitlinie auf ihrer BDK beschlossen, gegen den heftigen Widerstand ihrer “Kreativ”-Mitglieder, die zu Recht um das tägliche Brot all der Künstler und Medienschaffenden fürchten. Und doch sind auch weite Teile der Grünen unsicher, was die Internet-Kommunikation und Transparenz betrifft. Unschöner Beweis ist die Grünen Fraktion im Main-Kinzig-Kreis, die ihren “Twitter-Rebell” vertrieb, warum auch immer, mir erschließt sich das nicht vollständig. Der Rest der Parteien ist indifferent, nicht griffig zu fassen, gerade die zwei noch großen Parteien CDU und SPD eiern umher, wirken wie bei Vielem sehr inkompetent. Ob die Linkspartei dazu eine Meinung hat weiß ich nicht, aber nach deren innerparteilicher Demokratie zu schließen, und der Vergangenheit als SED, eher nichts Gutes. Die FDP? Welche FDP?

Die Frage wird sein, wie in Zeiten des Breitband-Netzes (wenn vorhanden, was ein weiters Politikfeld ist, wirtschaftspolitisch), das alles transportieren kann ein wirklich fairer pekuniärer Ausgleich gesetzlich verankert und auch in der Realität durchgesetzt werden kann, oder ob weiterhin blutige Abmahnkämpfe stattfinden, die Lobby überforderte Politiker vor sich her bläst. Nein, ich habe kein Patentrezept, aber diskutieren sollte man das, innerhalb und außerhalb der Parteien, am besten MIT ALLEN Beteiligten, auch wenn das den Verlagen & Co nicht gefällt, lieber wie eh und je lobbyieren wollen.

Es weder sich doch Formen finden lassen, so etwas zu tun, ohne beleidigte Printkommentare.

Und jetzt träume ich davon, dass jemand lokal hier macht. Mal über so etwas spricht, die Gelegenheit ist da. Siehe oben. Nein, ich komme gerne, aber machen müssen das andere ;-)….. Dichter sind ungeeignet für so etwas, doch…