Die wilde Jagd

Heute schon Wäsche aufgehängt? Nein, nicht das Fähnlein in den Wind, wie immer. Richtig, Wäsche gewaschen und zum Trocknen aufgehängt!
Heute ist der 31.12.2012 in der Bundesstadt Bonn und dies ist die heiligste Raunacht! Da darf man keine Wäsche waschen oder gar aufhängen! Kann man nachlesen, goggelt es gefälligst selbst! RAUNACHT! Nein, das hat nichts mit den Mayas zu tun oder anderen exotischen Volksmassen. Das ist von hier! Um Euch herum. In Salzburg wandeln sie sogar umher deswegen. Denn wenn ihr doch habt und ihr habt, wenigstens potenziell, dann wehe Euch! Wehe! Denn, wenn ihr gegen die Gesetze der Raunacht verstoßen habt, dann kommt Euch die wilde Jagd holen. Kann man auch wikipädieren.
Die wilde Jagd. Tausende von Geistern. Ermordete Seelen, gefallene Seelen. Angeführt vom Schimmelreiter und der Frau Holle. Sie reiten seit Tausenden von Jahren in den Wolken vom Sturmwind gepeitscht, erschrecken die Piloten von RainerAir und Konsorten, saufen die Kondensstreifen der Erzengel und Boing-Boings. Keine ist sicher vor ihnen, keiner.
Ich sehe Euer Grinsen, das überhebliche Lächeln. Gefasel, dümmliche Folklore, rechts-populistische. Wir doch nicht.
Ach? Unser germanisch-keltisches Erbe (wir haben Anspruch auf beides!) hat nix mit den Nazis zu tun. Das ist archaisch, damit kamen wir Indogermanen zu den Kelten hier. Das ist großes Kino. Die Edda, die Nibelungen. Die Raunächte, die wilde Jagd?
Ihr Kleingläubigen! Heute Nacht werdet ihr Unsummen an Tonnen von Schießpulver in die Luft jagen. Lichter in das Schwarz jagen, noch vor Kurzem habt ihr alles illuminiert und bekerzt, was das Zeug hält, sogar in die Kirchen seid ihr gerannt, obwohl Euch aller Glaube fehlt. Geister der Dunkelheit wollt ihr vertreiben, die Tag und Nachtgleiche feiern, weil bald wieder das Licht bis in die grillsten Nachtstunden von der Sonne kommt. Die Geister verrasseln, laut schießen, damit sie Euch nichts tun. Die wilde Jagd.
Die wilde Jagd gibt es nicht, hat es nie gegeben? Kommt mit!
Bonn. Bertha von Suttern Platz. Die Suttern kann nichts dafür. Die lassen wir ‚raus. Der Platz heißt halt so. Ein hässlicher Platz, wie es solche an den Rändern deutscher Fußgängerzonen überall gibt. Beton, Straßenbahnhaltestelle, als ob es die Moskauer Metro wäre, McDonalds, Dönnerbuden und der Durchgangsverkehr zur Kennedybrücke und sonst wohin. Ampeln. Hupen. Blaulicht. Es rauscht unentwegt, bremst, rauscht weiter. Motoren brüllen, aus den Lautsprecher wummern die Beats, hämmern in Hirne und immer weiter geht die Fahrt. Busse 529, 600, 601, in 2 Minuten in 5 Minuten, die 61, die 66. Straßenbahnen quietschen. Immer weiter immer schneller, wir jagen dahin, verbrennen das Öl der frühen Tage.
Studien, Studien. Burn-out, Burn-out. Wir brennen, wir brennen. Es brennt in uns, das Feuer nach Geld, nach Ruhm. Die Sehnsucht nach Ruhe treibt uns in entfernteste Winkel. Mein Buch „Entschleunigung“, kauft es kauft es, ich brauch Geld, Geld, Geld. Ein Workshop, ein Workshop in Kontemplation. Bucht, bucht, bucht. Ich brauch‘ Geld. Ich jage Geld, ich jage Euch, ich jage meinem Herzschlag nach. Es wummert, es brummt. Die Beats der späten Jahre ersaufen im Techno, das Adagio schon längst gestorben, nur der Blues nährt sich manchmal davon, die Depressionen, weil wir nichts mehr festhalten können.
Ihr sagt, ihr kennt sie nicht, die wilde Jagd? Nur weil keiner mehr auf Straßen reitet? Weil der Schimmelreiter in der Schule zerlesen wird und die Frau Holle von Disney verkitscht, in Watte in dämlichen Märchenhäusern der deutschen Weihnachtstempel sitzt und „kauft, kauft, kauft“ schreit?
Es donnert Raketen, die kleinen heute nur. Die wilde Jagd zu vertreiben.
Es ist Raunacht. In Bonn. 2012 auf 2013.

Diesen Text gibt es bis Mai in einer Sonderausgabe der Literaturzeitschrift Wortschau, präsentiert auch von den Autoren bei der Mainzer Minipressen-Messe. Siehe hier.

Jahreszeiten, neue

Ich sah ein Jahr, in freier Wildbahn. Es huschte und wuschte, lies sich nicht fangen, sprang über Mülltonnen, krabbelte auf SAT-Scheiben, sprang über meinen Schatten, küsste mein Ohrläppchen, zwickte meinen linken kleinen Zeh. Da waren es zwei, in freier Wildbahn, zwei Jahr kopulierte ein drittes Sie flogen zur Sonne, bräunten sich im Mondlicht, gebaren Worte aus Sonnenkorn, beglüht zwischen Alpha Centauri und den Ringen des Saturn. Sie ergaben sich mir, schliefen die Nächte zu Tage, verschwanden wieder in den Tiefen meiner Schwärze. Ich verstecke sie für Euch, falls ihr welche braucht. Sie leben und leben und leben. Morgen zieh ich ein neues aus den Löchern, die ich erschreiben werde. Ein Neues Jahr, für dich ganz allein. Es wird dich küssen und mit dir leben. Füll es doch selbst, es müssen keine Worte sein.

Ach, der Untergang

erklärt, ein faketives Fragment
..sagt es ihnen endlich? Du kannst es nicht aufhalten, sie werden es irgendwann erfahren. Hör auf mit dem Gegrinse, Michael. Wenn ich in diesem Raum noch einmal das Wort Erzengel höre war das Armageddon eine Milchparty. Es ist seit Jahrhunderttausenden vorbei. Und jetzt wieder dieses Maya-Geschwafel. Angst und Schrecken, auch für die Guten! Wie immer von den himmlischen Mächten verbreitet. Was seid ihr Helden! Es macht mich fertig. Ich bemühe mich um ein wenig Menschlichkeit in dieser unserer Hölle und dann kommt ihr immer und lacht uns noch auf ewig aus. Dieses dämliche Ewigkeit-Ihr-Sünder-Lächeln. Ich will gar keine zweite Chance, die mir Heilige immer verwehren werden, keine Sorge. Ich will nur, dass ihr Euch aus der Hölle heraus haltet mit Euren Heiligenscheinen. Hier kann niemand heilig werden, nie mehr, seit damals. Hier ist die Hölle, hier gibt es nichts zu heiligen. Bleibt endlich weg und sagt es meinen Leuten: Der Weltuntergang fand schon statt. Irreversibel. Das Paradies ist exklusiv, hat mit Euch nichts zu tun. Ich sage es ja dauernd, aber wer hört schon auf Luzifer? Ich will doch nur, dass sie menschlich sind, zueinander. Heilig geht doch gar nicht, wie ihr wisst. Warum sagt ihr es ihnen nicht? Was quält ihr mich mit Studien, die doch nur………

Klein Schiff wird kommen, Nikolaus

Listening to: Nicole Jo „need to be funky“

Zweitausend Papierschiffchen segeln auf den Pfützen des Opernplatzes, ich ziehe keine Karte mehr. Kein Los. Schiffchen aus Geld. Die Bank ist nicht pleite, sie existiert nicht mehr. Das Geld segelt über die Pfützen, ein gütiger Wind pfeift Samba. Wir essen die Monopole an ausgelassenem Parteienspeck zu einer Suppe aus broschierten Multimedias. Wir falten, falten, falten. Schiffchen 10000er 2000er. Und morgen die Milliarden der Welt, für die Pfützen der zwanzig Kontinente. Unser Hunger ist groß, wir falten und falten. Billionen, Trillionen. Schiffchen aus Hüttenfeld und Sezuan, grüß dich Bert. All unser Geld gefaltet zu Schiffchen für das Korn aus Ägypten. Jeder Tollar zu Schiff mit einem Korn für dich. Am Ufer der Wehmut, im Sicilium aus enthaupteten Smartphones stehen die Kinder und beten mit Nikolaus. Der Chor der Ratings taktet im Bass. Klein Schiff wird kommen und das bringt uns Korn. Heissa, hopp sa sa. Korn, Korn, Korn. Klein Schiff und keine Buddl voll Rum. Korn, Korn, Korn. Zweitausend Papierschiffchen für den Hunger der Welt. Gefaltet, wie die Hände. Milliarden Hände. Schiffchen voll Geld. Klein Schiff wird kommen, heissa, bald ist Nikolaus Abend da. Schiffchen aus Tollars auf den Pfützen des Opernplatzes. Zweitausend Geiger sind umschlungen, ach ihr Millionen. Korn, Korn, Korn, heissa, hopp sa sa. Klein Schiff wird kommen, Nikolaus.

Meine Sehnsüchte spielen miteinander

(Listening to: Daves’s true Story. „Sex without bodies.“ von CD)

Meine Sehnsüchte spielen miteinander, sie brauchen mich nicht. In Goldpapier verpackt fliegen sie komplizierte Muster in den beginnenden Spätherbst. Grauweißschwarz die Wolken mit einem Hauch hell über den Hügeln des beginnenden Mittelgebirges. Kahle Äste träumen die Blätter des fernen Frühlings. Goldpapiere zischen leise Gebete nach Erfüllung.

Dort hinten, wo einzeln Braunblätter in Pfützen baden. Ich gebäre. Neues Sehnen. Hauche Sucht in ihre Nichthaut. Die Brüderschwestern entgolden sich für sie, streicheln, küssen sie ins Sein, weben neue Fäden aus Goldstaub, aus erfüllten Süchten, kleinen Seufzern, Schreien befreit von Lust. Sie saugen Buchstaben aus den Papiertonnen längst vergessener Nachrichtenberge. Sie vögeln, saugen, ach doch kein Sex, körperlos, füllen mich. Quatsch, doch nicht mein Herz, die alte Pumpe. Was weiß ich, wo dieses Seelchen icht. Nein, nicht im Hirn, dort hab ich keinen Platz für so was. Ich suchte das Sehnen rings um mich. Komm mir keiner mit Astral & Co. Keine Eso für die Terik. Schlichte Sucht. Sehnsüchte ohne Ziel, ohne Weg. Nur die Tanz in dem Grau der Wolken, Stücke aus Bruch. Nichts wird, es ist. Die große Sehnsucht, die keine Erfüllung braucht. Abfüllung in Tassen, Flaschen, Container, Tanks. Die Sehnsucht, die Sehnsucht bleibt. An einem Sonntag Morgen, als die Nacht sich wieder der Sonne auslieferte, die Träume versenkte, die Erfüllung lebten. Dumpf das Grau des Lieblingsmorgen, der Hunger bringt, Durst und diese neuen Sehnen, die Zeit der Sucht. Eine Tasse Kaffee pfeift. Ohne Seufzer, lautlos flattert das Goldpapier, wird wieder zu gelben Blättern. Die Älteste der Süchte, fast nicht mehr Existent führt alle Sehnen in das Nichts der Wolken.
Das Grauen hat ein Ende.
Mein Ich giert Nachrichten.
Das Wetter.

Ein Geist äussert sich zu Halloween

Same procedure as every year, die Story ist uralt..

Seit einer Stunde schreibe ich jetzt schon mit weißem Stift auf weißes Papier und eigentlich dachte ich, es würde so bleiben, aber es will ans Schwarze. Stellen Sie sich vor : Ich hatte Besuch. Einen Geist. Einen sehr nachdenklichen Geist. Er fragte als geist@geistreichen.gs höflich per mail an, ob er mich besuchen dürfe. Ich gestattete es, obwohl ich weder an Geister glaube, noch bisher logischerweise Kontakt zu solchigen hatte, ich fragte auch nicht nach der physikalischen Art des Besuches. Es war, wie es sein sollte, ein Herr im blauen Nadelstreifen schellte und hatte Konfekt mitgebracht. Er nannte sich Goodhelf Deuscher, von Beruf Obergeistlicher der Geister der Geistheut Lich. Ich war schwer beeindruckt. Auf dem Sofa sitzend erzählte er mir, er sei im wörtlichsten Sinne über mein Blog gestolpert, da an der Stelle der Server einen Knick mache, er wolle mir das nicht näher beschreiben, Nichtgeister hätten diese n-Dimensionen nur oberflächlich implementiert, aber von daher hätte er meine @- und andere Adresse. Beim Fallen hätte er noch gelesen, dass ich Gedichte über Geister und Engelscher schrieb, die wahrer wären, als ich es wüsste. Ich nickte nur sprachlos zu allem, schauderte und wahr ganz abgedreht stolz auf das Lob, das ich nicht verstand. Herr Mikelbower, ich habe eine Bitte an Sie. Mein Hinweis, dass mein Netzname doch nicht meiner sei, wischte er bei Seite, wie er es nannte. „Sie sind als Mikel Bower im Geistreich gedatenbankt, also, bitte, darf ich jetzt mein Anliegen vortragen? Meine Zeit ist begrenzt. Geisterstunden sind übrigens nicht Nachts, sondern werktäglich zwischen 11:00 und 21:30, außer Mittwochs Nachmittags, sonst nach Vereinbarung, über Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Schamanen oder Dealer ! „.

Meinen immer verdutzeteren Gesichtsausdruck negierend, zog er aus einem lebenden Notebook ein Bettlaken, wicklete es in würdevollem Ritus um sich, die Hosen sichtbar lassend und sprach : „Oh Sterblicher, der Du nach Unsterblichkeit schweigst, höre unser Flehen“.
Jetzt zog er sein Bettlaken wieder aus und fragte, ob er auch sein Jackett und Krawatte ablegen dürfe, er könne zwar nicht schwitzen aber unbequemen. Er zog auf mein erschöpftes Nicken Hose, Jacke und Schlips aus, um mir sein etwas angegrautes Original-Bettlaken zu zeigen, und nahm einen tiefen Schluck aus einem Flachmann, aus dem aber nur Nebel zu wabern schien.
„Ich flehe Sie wirklich an“, hauchtrülpste er, „auch wenn Ihnen mein rituelles Flehen nichts sagen wird. Beenden Sie diesen Halloween-Terror hier in Europa. Dichten sie nicht mehr, schreiben sie keine lyrische Prosa, keine Short-Elfchen-Stories, keine Haiku-Novellen. Werden sie zu unserem Sprachrohr. Schreien sie folgendes in die Gazetten, Weblogs, Foren und E-Zines Europas :

„Wir Geister, die man aus den Hügeln Irlands ( unserem letzten Refugium ) ins transozeanische Eire rief, wanderten von dort wieder zurück, nur um diesem Treiben, das die Yankees Halloween nennen, zu entgehen, dieser Verhohnepiepelung unserer Existenz, unserer Kultur, unseres Glaubens an die menschliche Vernunft, unserem höchsten Gut, auch wenn die Menschlein es nicht verstehen. Wir sind über die Wasser zurückgeflohen, in deren Nebel noch immer soviele treiben. All diese Mühen, diese Tränen, unser Leiden, unsere Mühen waren umsonst. Lasst euch nicht anstecken, ihr Germanen, die ihr die Kelten vetriebt. Wir Geister wollen Fastnacht mit euch feiern, Beltane und Allerseelen, aber nicht dieses Halloween, ihr versteht es nicht, aber dem ist so, möge die menschliche Vernunft mit Euch sein, wie jener Saft „

5 minuten Stille brüllten in meine geöffnete Mikrowelle und er sprach weiter :
„Ich bin benebelt, müde, sie verstehen in Ihrem Herzen nur Ungut, wie ein Geist.“
Er zog sein rituelles Laken über, hinterließ mir für Beerdigungen und weiter Hochzeiten seinen Nadelstreifen und verschwand.
Ich muss gestehen, ich war beeindruckt. Ich konnte ihm nicht sagen, dass Halloween, just another Party sei, wie Fußballweltmeisterschaften oder der Weihnachtsmarkterotikquiz, aber ich kann Halloween auch nicht leiden, daher wurden die Buchstaben auch schwarz.

So jetzt schreib ich mit weißem Stift weiter, langsam ergrauend.
Geliebte, bei mir war endlich ein Geist, als ich ihn rief stell di….

3 Punkt

Texte zu einem Kunstbuch von Désirée Wickler. Vernissage am 14.10.2012 im Künstlerforum Bonn. „Arbeitstitel_ fading memories“. Bücher kann man bei Désirée Wickler bestellen.

…Nur die kleinen Nebel

aus der Maschine dürfen mit mir wabern. Es ist Sonntag, die Glocken seufzen unter den brutalen Schlägen der Hämmer. Es regnet Schafe auf die bräunenden Wiesen. Kontoauszüge blühen an den Straßenfegern der Staumelder, vergessene Spinnennetze stöhnen beim Versuch der Zeugung. Die Last, ein Mensch zu sein, schwebt über den Kondensstreifen der Maikäfer aus gebackenem Kerosin, zieht ihre Schwänze durch die Furchen in den Scharen der Pflügerinnen. Die Pusteln längst verjährter Pubertäten rauschen unter den Winden der seligen Erbsenastromaten. Büstenhalter streiken unter den Lastern der Hormone, weiser Wein fließt durch die Betten der Rheine zu den Vätern der Schmanden. Nobellen sprengen ihre Preise, preußen Propheten in das Ejakulat ihrer Träume. Gepolsterte Iche schwören Meine in das Blau der Himmelschäumer. Gemeine heiten lose Häute in den Skalp. Das Loch aus Unterschichten stülpt sich über Pfähle in das Ozon der frühen Jahre. Bomber aus schwarzer Milch sprühen tiefgekühlte Kunst durch die Quer deiner Wüste. Eine Brust melkt Gedanken unter Filme, Augenbrauen rüsten auf. Ein lustiges Heer aufgezäumter Zeigefinger reitet über die Sättel der Erde. Das dreigeplärrte Refugium zerknisterter Särge quillt in das Adagio des letzten Schwermetalls. Gegrillte Hoffnung tanzt in heißer Luft. Die Ahnen swingen Stille in die Splitter der Gedankennacht.

…mich geliebt.

Ich weine nicht. Interessant, nichts mehr. Liebe und Hoffnung sind in diesen rosarosten Nebeln verschwunden. Niemand konnte von Anfang an genau sagen, woher sie kamen. Manche behaupten, sie entstanden, als die Server von Google implodierten, aber das war eine Hoax, als das Internet noch klebte. Und dann begann die Sahara zu blühen, der Sand mutierte zu Silicon-Blumen in Vasen aus rostigen Floppies. Sie hatte mich geliebt. Ich stelle mir vor, wie sich unsere Körper verrenken, versenken, flechten, schweißen, ob wir Kinder hätten? Tief inhaliere ich die rosarosten Nebel, die nach Suchanfragen schmecken. 20 Millionen Porno-Anfragen, wie lächerlich wir doch sind und frei. Noch ein Zug und ich übersetzte das nach spätbabylonisch. Sie liebte mich.Ein post-it Zettel auf einem geplatzten Monitor. Sie liebte mich. Die Schatten triefen aus den leeren Schächten der Computer-Racks, von Elben gelenkt. Es gab keine Elben, keine Zwerge, keine Drachen. Es gibt immer noch keine außerhalb der rosarosten Nebel. Die Schatten elben und in der verschollenen Cloud tanzen die Drachen Flamengo und fressen die Milliarden Playlists. Sie liebte mich. Ich hatte mein Laserschwert verloren. Es gibt keine Laserschwerter und damit bekämpfte ich die Augenaufschläge der Megabits. Sie hatte mich geliebt. Sie liebte mich. Am Rande eines Monitors, was mag er einst angezeigt haben? Mein Zwischengeist küsst ausgeglühte Festplatten im Stammland der katholischen Seligen. Sie liebte mich.

Dreißig tausend Illusionen / fegen über Rasthausplätze / singen das Lied der Sterne / dem Mond entrissen / lichterloh regenklatsch / übermoost / weiche / Flaumen schütteln mich.

Ein Spielzeugpanzer glüht Atome über Salsafeuern. Saugt gierig rosa Nebel. Liebt sich mit einem Flugzeugträger, zeugt sich neu aus zuckertrögen Kolaschrägen. Eine Zeitung schüttelt Buchstaben in das lächerliche Meer, die dort Bücher drucken. Sie liebte mich, hatte mich geliebt. Pausen dieseln Werbeschaum aus ungelösten Spots, das Kokain der Agenturen klebt noch an den Sat-Schüsseln, die im Nebel rotieren. Sie liebte mich. Lie-lie-lie liebte mich.

… 2012 / Protokoll / Vergnügungswart-Notenwart: Personalunion

Dreißig Sterne taumeln in Geldbeuteln unter den Mänteln. Wir reiten auf toten Motoren. Elfen rosten. Drachen singen im Kirchenchor. Dünste frieren in den Tiefkühltruhen ohne Strom. Den Kuss, den ich dir 1968 schenkte, in Gold verpackt, nobelpreis. Schwiegern, wir zwei. Vätermütter. Im Bauch der Schmetterlinge drei Menschen. Gestöpselt. Durch und durch. Lass mich lecken, briefen, Sondermarken. Stempelschutt. Kanzeln bunzeln. Die Minysterien der Zeit vertreten durch das Saatsekretariat. Gestrichen, das Voll. Morgen: Abwrackprämie für Facebookreste.

Verfassungsdichter

(zum Feiertag aus Gründen)

Stellen sie sich vor unsere Verfassung wäre gedichtet. Ich meine keine Grass-Verse oder anders nobiliertes. Keineswegs grundgesätzliches. Einfach. Klar und deutlich. Eine Verfassung für alle in Vielfalt. Gedichtet. Also nichts läuft. Jedem seine eigene Verfassung. Einheit ohne -lichkeit. Und dann fragen wir uns am Tag der deutschen Einheit: In welcher Verfassung bist du denn heute? Sind sie?
Was hätten die Dichter zu tun, würden verdienen, gutes Geld. Für den Feiertag ihre eigene Verfassung. Mit Gemüt! Dieses Jahr soll es sehr viele melancholische Verfassungen geben, die Regierung hat zu viele verfasste Fröhlichkeit gefälscht. Kein Verfassungsgericht kann entscheiden, jeder ist seiner Fassung verschmiedet.
Aber ich warne sie! Die großen Boulevard-Zeitungen zwingen uns in frecher Medienmanier durch die Dschungel samt Show unauthentische Verfassungen in das Herzschmerz. Im Internet grassieren gefälschte Verfassungen mit Drachenblut geschrieben, die Discounter verbreiten billigste Verfassungen aus asiatischen Zwangsgemüten mit unkontrolliertem Dauerlächeln.
Lassen sie ihre Verfassung zum Nationalfeiertag AUSSCHLIESSLICH von zertifizierten (DIN/ISO) Verfassungsdichtern fertigen, sie werden für jede Gemütslage selbige finden, auch in ihrer Nähe!
Verfassungen NUR vom Dichter! Die mit dem roten Musenstuhl!

Wir alle leben downgeloadet in der Garage von Karl und twittern

Die Welt ist längst untergegangen. Mindestens. Sie tut es fünfmal täglich. Seit Bach starb, gab es keine Musik mehr, wussten sie das nicht? Und diese Schreiberlinge nach Thoams Mann? Gibt es Menschen, die in einer Welt leben möchten, in der Kafka frei verfügbar ist? Adenauer starb, keiner tat etwas dagegen, wie Hendrix, Willi, Loriot und Hermann Schmidt jun. Im Augenblick stirbt das Abendland durch das Internet, das wir nur mit fernöstlicher Magie durch die Smartphones und Rechner durchschauen. Kennen Sie eine bedeutende HardwareFabrik in Deutschland, na, na? Aber den Google, den kriegen wir. Wir in Deutschland, wir die Springers und Holtzbrinks, äh, wie heißt der Rest nochmal? Dabei geht die Welt gerade wieder unter. Ihr merkt das nicht? #warmduscher, ihr? Karl lädt Euch down, uns, die Welt, die Milchstrasse, die Galaxyen, die Universen, samt allen Parallelwelten. Er lädt uns down und lacht. Alles in die Garage gesperrt. Nur der Urheber zappelt noch im Netz der Kreuzspinne und zetert. Wir alle leben downgeloadet in der Garage von Karl und twittern. Das Abendland gibt es nicht mehr, das Internet ist Schuld und irgendwie ich auch. Und fünfmal täglich…. pflanze ich eine mp3 in teutschen Poden. Doch. Und ein ePub. Daraus wachsen, äh, dingens, die das Abendland dann. Im Morgenland wächst ein neues Eierfon, das dann das Abendland. Aber die Welt ist doch schon längst. Bring mir ein Bier mit ‚rauf. Ja, BITTE.

Worte backen

Worte backen aus dem Teig blau blühender Gedankenhülsen, zu Halbsätzen frieren. Ein Unacht brandet über
Kommata zu blank zerwienerten Stiefeln aus Armeebeständen. Ein HabtAcht. Krabbeln unter den Rinnen der meiner Säuglingträume. Vaterland, Mutterhimmel. Gefriergetrocknete Bildzeitungen, gemahlen, zerbröselt, dem Wind anheim gegeben, zum wirbeln, zwirbeln. Ich habe keine Koffer in Berlin. Meine Koffer stehen zu Hause. Worte backen. Aus den Koffern. Ich schleppe nicht mehr. Das Nichts schleppt nicht mehr. Nur noch backen. Worte zu Wörtern. Nichts pflügt, die Reisen reisen zu sich. Meine Reise zu mir scheint beendet, ich komme. An. Das auch. Ich kommkomm kommuniziere. Im Intercom der gefühlsblanken Schleußen ein Lächln aus Semnikolons. Augenblicke. Augenteilung. Kein Blinzeln, nie. Ein Kuss in den Flaschenhals. Haargestrichen, taschendurchspült. Zwischenwinde lachen. Worte backen sich selbst. Sag nicht Facebook zu mir. Stehle meine Worte. Ich backe. Neue. Für mich. Worte aus dem Teig grauhaariger Verdanken. Gebacken.