Banal eigentlich. Ich wollte nicht kochen, essen gehen. Ein lauer Sommertag. Mir war nach Wasser, Möwen, Rhein. Das Zollamt in Bingen. Da war ich schon oft. Eine Grübelfahrt sollte es werden. Diverse Texte spuckten durchs Hirn, sollten wachsen dürfen. Deshalb die längere Anfahrt. Quer durchs Land. Mit dem 644er Bus nach Worms, dann mit der RB 35 via Alzey nach Bingen (Stadt). Ich las nicht, schaute nur aus dem Fenster. Träumte von einst. Geht Euch nix an. Die Strecke kannte ich schon seit den späten 70igern, man nannte das Deutscher Herbst, nicht für mich.. Fahrten nach Bad Kreuznach, sellesmol. Nein nicht wg der, äh, dieser Fahnenverbieterin, es gab und gibt gibt dort sonst viele nette Frauen da in Rheinhessen, . In den Fenstern die sanften Hügel mit dem schier endlosen Rebenmeer, wie einst. Nur heute stehen die Rebstöcke wie die Soldaten genau in Reih und Glied, die Erntevollernter erwartend. Hügelauf, hügelab. Keine imposanten Steilhänge, keine Lagen für die gehobenen Verkostungslyriker. Meist für den Durst. Mein Gott, Gau-Algesheim. Ja, ich dachte gerade nicht an Wein.
Der Zug war sehr dünn besetzt, keine Schüler, in RP herrschten Sommerferien. Alle weg. Auf der anderen Seite die unzähligen Windräder, als ob sie den Wein da fönen würden.

Irgendwann dämmerte mir aber etwas, das ich nicht geknipst hatte. Nein, nicht das Rebhuhn auf den Gleisen. Nirgendwo war Graffiti, nirgendwo diese Rostabfälle hinter Industriebauten. Die Bahnhöfe, frisch sandgestrahlt, meist Gastronomie. Die Bahnsteige gefegt, sauber, keine Bierflaschen vor Mülleimern, fast Schweizer Verhältnisse. Es kann sein, dass hinter dem üppigen Bewuchs der Trassenrändern andere Dinge versteckt waren, aber so…. Ja langweilig, aber strange, das. Wie in einem anderen Land. Viel mir zum ersten mal auf. Erstaunlich. In Bingen angekommen auf Gleis 44, direkt neben Gleis 1. Extra gehalten neben den Gleisen der Süd-Nord-Strecke, auf der alle 10 Min die ratternden Güterzüge schleichen. Die Strecke aus dem anderen Land.
Dann Bingen. Kennt ihr ja. Hab ich schon oft drüber geschrieben.
Aber der Zoll!
Die aktuelle politische Lage. Ich hörte den Schwätzer aus Amerika. Mit der Roten Kappe. Zölle! Auch in einem anderen Land. ABER! wir sind ja am Rhein. Da gab es Zölle über Zölle, seit Jahrhunderten. Guckt nach, wenn ihr wollt. Klick hier.
Seltsam das alles. Nein, heute erzähle ich nix über Rheinromantik und Hildegart von Bingen. Drüben in Rüdesheim. Ist auch ein anderes Land.
Auf dem Rückweg holte mich dann dieses unsere Land ein. Verspätungen. Ich musste über Mannheim fahren. Dort waren die Gleise am HBF überfüllt, die ICEs waren verspätet, wie das Gesetz es befiehlt. Unmassen, die Straßenbahn auch überfüllt. Ich war daheim, in diesem Land und träume vom anderen.