Wein in Literatur und Film Teil 1

Das Weingut Steffens-Keß lädt zur Weinrallye 25.
(hier geht es zu den lyrischen Texten)

Zum Blog-Partner 25cl, siehe Bild links

Ich las die Ankündigung via @winzerblog auf Twitter und wusste sofort, was ich gerne machen wollte. Eine lyrische Weinprobe, bewundere ich doch sehr die Kunst der echten Weinverkoster in immer neuen Wortkreationen zu versuchen anderen Menschen mitzuteilen, was sie denn gerade schmecken. Für dieses Blog wollte ich aber versuchen meine Art Lyrik einzusetzen. Keine Beschreibung des Weines, sondern freie Assoziationen, die beim trinken entstehen, mehr mit zu tun haben als mit dem Produkt, der Umgebung, ähnlich wie ich es auch mit Gemälden oder Fotos mache. Und das in einer Stadt, die wie keine andere von Dichtern besungen ist und von ihnen bewohnt war und ist.
Heidelberg. Nein, nicht als Tourist. Heidelberg ist die Hauptstadt des Rhein-Neckar-Kreises, der 300 m von hier beginnt und in dem ich arbeite. Spontan fragte ich Thomas Lippert, den Initiator der Rallye, ob wir das zusammen machen. Ja, auch auf Twitter und so ward das.
Als Rucksacksäufer getarnt wandelten wir zunächst auf den Spuren der Großen und stehen hier als Blogger vor dem germanistischen Seminar, dort wo Herr Reuß thront, der Initiator des Heidelberger Appellchens, der Blogger auch gerne Unmenschen nennt (ich berichtete). Also hier stehen zwei Unmenschen vor dem germanistischen Seminar der Ruperto-Carola mit dem Rücken zur Tür. Nein, wir wollten sie nicht besuchen, die hochherrischen Professoren oder uns als Unmenschen vorstellen, dazu sind sie nicht wichtig genug, wir wollten nur hinüber sehen zum Palais Boisserée, wo Goethe ab und an bei Freunden wohnte und ggfs diese Zeilen zu Heidelberg schrieb. Ja, ja es kommt knüppeldicke, dies ist ein Link zu dem Teufel in Software-Gestalt, der google-Buchsuche, die da in diesem Seminar so heftig gegeißelt wird. (Für die Tipps zur verorteten kurpfälzer Literatur Dank an Werner Traschütz von szylla.net, auch via Twitter). Hätten wir also Goethe.

Im Hotel Ritter nachweislich Theodor Storm. Nein, das ist er nicht, das bin ich.
Und im Cave54, einst eines der angesagtesten Jazz-Domizile der Republik soll Henry Miller mit den Füßen gewippt haben.

Wir wollten eigentlich zum Philosophenweg hoch, wo die Denkmäler Eichendorffs und Hölderlins stehen, vielleicht sogar nach Rohrbach hinaus zum kühlen Grund, ja die Straße zum Lied, bzw es war ja umgekehrt und im Ochsen dem Eleusinischen Bund nachspüren.
Aber zuvorderst wollten wir ja Wein verkosten, beschreiben, bedichten. Also dachten wir: Wahrscheinlich gingen sie alle zum Schloss. Sogar Bukowski soll sich dort wenig beeindruckt nach Sixpacks gesehnt haben.
Also begaben wir uns samt Rucksäcken und geschobenem Rad, beschützt vom Kellerhund, bergan in die Ruinen des Schlosses der Pfalzgrafen zu Rhein, den Kurfürsten der Pfalz, den Wittelsbachern, die später nach Bayern desertierten (ja ich weiß, das war anders, aber so liest sich das besser).
Aufs Schloss geht man normalerweise nicht. Nur seufzend mit Besuch, aber wo könnte man Weinlyrik besser schreiben als vor dem großen Heidelberger Fass, das schon Heinrich Heine besang? Mitten in dieser Parallelwelt, die nur aus Touristen zu bestehen scheint, getreu dem Motto: „Wir sind nur Gast auf Erden“. Ich weiß nicht auf wie vielen Fotos wir weltweit gelandet sind. „Crazy german guys drinking wine in Heidelbörg Castle.“ Öffentlicher Alkohlgenuss ist für Amerikaner aus den „dry Countries“ so exotisch, wie für uns Hundefleisch in Korea und für die vielen Chinesen und Japaner auf dem Schloss stellen wir eh die Höchtsform der Exotik dar. Man setzte sich mit LV-Taschen, neben uns Tochter Mutter fotografierend und umgekehrt (die Frage ob man dürfe klang sehr nach Kentucky), als ob wir die leibhaftigen Dionysos-Anhänger wären. „No, its Riesling, no icewine at all. Ah, Riesling indeed“. Sie hätten welchen gekauft, wenn wir welchen angeboten hätten. Drüben im Restaurant gibt es ihn übrigens, den Heidelberger Riesling. Es ist wohl ein Gerücht, dass schon der Geheimrat diesen besungen hätte. Das war wohl „nur“ der bereits verlinkte Beitrag.

Es war ein sehr entspannter Nachmittag. Wein trinken an schönen Orten, mit angenehmer Begleitung , angeregten Gesprächen und das Schloss IST ein schöner Ort, sollte man öfter machen. Und so verkosteten wir 3 Weine. Einen Südafrikaner Rose aus 2007, und auf meinen Wunsch einen 1968 iger, Thoams brachte einen Badenweiler aus DEM Jahr mit. Neben Berlin und Frankfurt war Heidelberg eines der großen Zentren des studentischen Aufbruchs, des SDS, der APO in jenem Jahr
Ich weiß, dass Badenweiler gar nichts für diesen Führer-Marsch kann, den Goebbels angeblich nur aussuchte, weil man, mit seinem Gebrechen, auch darauf noch marschieren konnte und dieser Reichspropagandaminister hat in Heidelberg über irgend etwas romantisches promoviert, ja literarisch, ja. Nein, man sollte auch das nicht vergessen, so wenig wie die Rolle Heideggers 1933 bei seiner Rede in Heidelberg.
Aber die 68iger verlangten endlich Aufklärung von den Alten, was ihr größtes Verdienst war.
Aber leider war der Wein aus diesem Jahr schon sherrysiert, w.g. undichtem Korken. Trinkbar, aber ein Gewürztraminer war es nicht mehr.

Zum Schluss einen Riesling aus dem Hause Clauer, für das Thomas arbeitet. Es hat etwas. mit dem Kellermeister Wein zu trinken, den er mitgestaltet hat.
Leute, da ist das Etikett des Schlosses drauf und aus einem der Seitenfenster dieses Bauwerks kann man den Weinberg hoch über dem Neckar sehen, direkt im Anschluss an den Philosophenweg, dort wo all die Dichter…ihr wisst schon.
Ja, ganz in der Nähe steht auch die Bank der Heidelberger Königin, die über Schweden herrscht. Thoams wird in seinem Blog eine fachlich bessere Verkostung schreiben. Ich schreibe meine lyrischen Versuche in einen eigenen Beitrag, spartanischer, ohne all das Beiwerk. Heidelberg selbst habe ich trotz allerhöchster dichterfürstlicher Konkurrenz auch beschrieben. In unserem Dialekt, der 26 km entfernt in Nuancen schon anders klingt, dennoch kurpfälzisch ist. Dialekte scheren sich nicht darum, wie die Herren Kurfürsten aus Heidelberg und Mainz ihre Leibeigenen tauschten. Vertont und besungen von Uhne Ferz. Moi Herz (mp3).