Wahrheiten

Wo von lebst du eigentlich?

Jo Lendle, Lektor für deutsche Belletristik bei Dumont, sagt: Nur ein Prozent aller Autoren können vom Schreiben leben. „Und selbst die verdienen eher an Lesungen, Preisen, Artikeln und diesem ganzen Drumherum.“

SOLCHE Artikel (wie hier in der meist löblichen FR) bräuchte das Feuilleton jeden Monat einen. Damit man aufwacht und aufhört zu träumen und etwas macht. Bloggen zum Beispiel oder was weiß ich. Abstand gewinnen zu dem, was da Literaturbetrieb heißt. Die heiße Luft ablassen (für sich selbst) in den Reading-Rooms und dem hochtrabenden Gelaber von Kunst und Poetologie und Literatür. Zu erkennen, dass dieser Turn-Around aus Literaturfestivals, Besprechungen, Lobpreisungen, höchst-rezentiellem Gezänke und gegenseitigem Gepreise samt dem Satz „veröffentlicht in Anthologien und Literaturzeitschriften“ und „lebt als freier Autor und Journalist in“ nur Teil eines Zirkus ist, um das Spielchen am Leben zu erhalten.

Nicht weil ich anderen nicht finanziellen Erfolg gönnte oder ähnliches oder dem Profi die Existenzberechtigung abspräche, gar nicht. Aber wir könnten dann mit dem Getue aufhören und den Teilzeit-Autor oder non-commercial-Autor (respektive Musiker, Bildhauer, Maler, Videokünstler, freiem (sic!) Journalist, was auch immer) geistig und fäulletonistisch etablieren.
Einfach die Tatsachen so darstellen, wie sie sind und etwas tun. Und zwar nicht Pfeifen-Geträller und Kappenfahnenschingen, samt anhängigem Gepiense, sonder etwas tun. Bloggen zum Beispiel oder ghost-schreiben oder sich überlegen, wie man sich organisiert, um den Spass an der Kunst, den Kick, das wahnsinnige Tun darstellen und leben zu können. Den Spass bitte schön und nicht das Leiden an der Kunst, ich kann’s nicht mehr hören, das Geleide, ich bin es Leid.

Einfach mal erzählen, wie das so ist zwischen Brotberuf und ja, was ist das dann Hobby? (Es könnte ja mal einer ein Wort dazu erfinden). Vergessen wir, dass Literatur oder sonstiges ausschließlich gedruckt heißt und bezahlt (wie viel auch immer). Vielleicht könnte man auch daran arbeiten Verlage und Buchhandlungen als ganz gewöhnliche Unternehmen zu begreifen, wie Autobauer oder Metzger, die Dinge verkaufen und damit Geld verdienen wollen. Literaturtransportöre und Kunstkammern sind sie erst sekundär.

Wenn das dann geklärt ist, DANN können wir mal wieder über Poetologie reden oder so und keiner meint dann Poetologie als ganz private, wortverbrämte PR…

Bloggen könnte man halt, zum Beispiel. Und nein, man braucht dazu nicht notwendig eine Bloggologie, einfach ins Internet schreiben reicht schon. Was auch immer. Willkommen alle….