#theaterstream

Das war ganz großes Kino gestern Abend.

Böllstiftung: Schauspiel im Livestream – Fluch oder Segen?

Unerhörtes war geschehen. Ein leibhaftiger Kulturstaatsträger, ehemaliger Popakademiker aus Mannheims Hafenstraße im Jungbusch, nun auf dem Kreuzberg zu Berlin predigend, forderte Livestreams von den Theatern, um auch das niedere Volk am erhabenen Geschehen teilhaben zu lassen. Natürlich brüllte das „sogenannte Hochfeuilleton“ auf. Die FAZ, die Welt, das Deutschlandradio, wer weiß wer noch. Es ging wie üblich um das Abendland und Schiller, Goethe und Kleist töröteten wie dieser Elefant aus Neustadt. Aber wozu gibt es Stiftungen? Die Böllstiftung nahm sich des Falles an und #tätä, eine Podiumsdiskussion sollte das lösen. Podiumsdiskussionen lösen immer alles. Deshalb gibt es keinerlei Konflikte auf dieser Welt.
Um die Sache schön realistisch zu gestalten, ließ der Dortmunder Intendant ein Stück live streamen (aber huch aber auch ganz weit von Dortmund nach Berlin) aber nur den Hochwohlgeladenen , denn eigentlich dürfte das Stück laut Autorin gar nicht gestreamt werden, aber der Verlagsvertreter saß ja dabei und passte auf, dass kein Lichtschimmer ans gewöhnlich Volk geriet, wo doch Durs Grünbein in seiner Büchnerhaftigkeit selbst es übersetzt hätte. (Was für mich nun keine Einladung wäre das Stück zu sehen).
Aber die Diskussion wurde gestreamt. WELTWEIT ins Netz. MIT #Hashtag an der Wand.
Vom Moderator vorgestellt die Diskutanten, mit allen akademischen Titeln, bisherigen Arbeitsplätzen und wie Adelsbriefe die Ehrungen und Festivaleinladungen als Fahne vorher prozessionisiert. Schön, man hätte das auch auf ein Blögchen schreiben können oder so, aber dann hätte man ja eine URL unter den #Hashtag an die Wand projizieren müssen. Man sollte das mit dem Digitalen ja nicht gleich übertreiben.
Sogar die Kuratorin der re:publica (sic) erzählte, Honigkuchen grinsend, etwas von der Netzgemeinde und wie man streamte, denn nur die re:publica kann so etwas in Berlin. Hatte nicht schon der Doge der Netzgemeinde prophezeit, er würde die Bloggerie von der Subkultur in die Kultur hiefen. Hhm. Wäre ich im Bundesvorstand der Grünen, würde ich mir den Böll-Laden mal vornehmen und fragen, warum dorten niemand weiß, dass die BDK schon seit Jahren live gestreamt wird. Und gestern auf Arte der Fidelio aus der Scala live, mit youtube-backstage hatte auch niemand gesehen? Ja, ja, das konnte man in Deutschland nicht sehen, wegen der Rechte, dabei hat der 12 jährige Enkel der Oma Augen rollend das über ein Proxy aufs iPad gelegt. Herr @Bahrenboim, der ja auch twittert, wird viel Arbeit haben in Berlin!
Aber dann die Diskussion. Niemand wusste nix genaues nix und man müsste halt mal probieren, aber richtig und so ganz paritzipativ….Ich lächelte. Niemand las den #hashtag mit, auf Twitter tobte die #theaterstream Timeline, es gibt von http://nachtkritik.de hier ein Storify dazu. Wie gesagt. Das war ganz großes Kino.
Die Diskussion mit dem Publikum vor Ort wurde auch vom Moderator so geführt, dass doch der Herr Puppentheaterprofessor und die vom Thalia und der vom Ulmer Theater, etwas sagen sollten, die hätten doch so was schon gemacht. (Deshalb saßen sie ja auch nicht AUF dem Podium 🙂 ) Nur zum Schluss ein Herr, der dagegen war, weil es ihn ankotzt, dass im Kino Popkorn gefressen wird.
Am schönsten für mich die Szene, als Herr Intendant Kay Wuschek erzählte, dass jeder Berliner Jugendliche 3 Stunden auf sein Handy starre, mit den Achseln zuckte und sich fragte, wie er den ins Theater lotsen solle.
Nun: So ein Handy ist livestreamfähig in beide Richtungen. Die Faszination des Theaters ist doch, dass da leibhaftige Menschen agieren, vor leibhaftigen Menschen und beide Seiten könnten solche Livestreammaschinen haben und dann könnte man sich etwas erzählen, mit der Hand auf dem Touchscreen, dem Mund, mit allem, wie der Dönermann sagt. Wäre eigentlich gar nicht so schwer, oder doch, doch, aber lösbar. Es geht meines Erachtens nicht darum Kabale und Liebe live zu streamen, kann man machen, jo, aber warum?
Wenn man die große weite Welt des Netzes, samt seiner Möglichkeiten und Nutzer ins Theater laden will, an sich binden will, muss man das Netz interaktiv, partizipativ, in Augenhöhe AUF die Bühne lassen und wieder zurück. Manchmal, nicht immer. Mich würde interessieren, was Schauspieler davon halten, aber die sitzen ja nicht auf Podien, die spielen zu Hause das Geld in die Kasse.

Ein Vorschlag von mir steht hier. Jo, ich weiß ich nerve. Die Bürgerbühnen lassen die Bürger schon einmal auf die Bühnen, ohne Netz und doppelten Boden bisher, aber wer weiß. Das ist schon einmal ein Weg. Ich bin da gerade am Gucken….
Ganz zum Schluss dann der Oberknaller: Der Moderator verwunderte sich, dass die Theater das Marketing schickten, dort zum erhaben Orte der Live-Kommunikation. Jetzt lachte ich laut. Mache ich doch mit beim Marketing-Club der Bürgerbühne mit und auch in Mannheim, ist die Theaterwelt nur im Marketing digital.

Wie gesagt war ganz großes Kino.

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Spielschar,

oder die Sache mit den Amateuren, heute auch wieder gerne Laien genannt, wie einst die Laienbrüder in den Orden, die halt nicht die hören mythischen Weihen erhalten hatten. Das Kultische eben, uralt, archaisch, wie das Theater z.B. selbst auch.

tl;dr
Amateure und Theaterprofis arbeiten schon lange zusammen.

Ich berichtete bereits, dass ich im Marketingclub der Bürgerbühne mitarbeite. Im Blog des Nationaltheaters für dieses Festivals sind ja bereits zwei Artikel von hier nach dort exportiert worden. Bürgerbühne, in Karlsruhe und anderen Orts auch Volksbühne genannt, versteht sich in diesem Sinn als Teil eines Staats- oder Stadttheaters. Wie üblich erstellt das Theater in all seiner Intendanz einen Spielplan für diesen Teil des Theaters, in Mannheim auch Sparte genannt und castet dazu „Bürger“ um mit ihnen Stücke zu produzieren. Dazu gibt es Spielklubs, die jetzt Clubs heißen, die sich mit theatralischen Dingen auseinandersetzen, ja sogar tanzen, um diese Dinge ggfs. ebenfalls zu produzieren. Es ist also kein klassisches Amateurtheater, sondern Stadttheater mit anderen Mitteln, um das Potenzial der Stadt zu erschließen und das reine Zuschauer-Abonnentensein zu durchbrechen. So weit ganz spannend.

Für dieses Thaeterblog wollte ich eine ausgedehnte Web-Recherche zum Thema Bürgerbühne starten. Google lieferte dazu 37100 Links. Puuh. Vorne die Häuser aus Dresden und Mannheim. Lobpreiset die SEO-Künste der Agenturen. Langweilig. Also gibt es buergerbuene.de? Ja und das ist ein e.V. für niederdeutsches Theater. Auch interessant, aber nicht das, was ich suche. Ah da, zum 1. Bürgerbühnenfestival eine Promotionssendung des MDR für das Bürgerbühnenbuch von Hajo Kurzenberger. Vorläufer die freien Theater, Schlingensief etc. Schon interessanter, aber je mehr ich mich umgucke, schreiben die Onlinegazetten Ähnliches, vergessen Fluxus und die Soziale Skulptur. Sie tun so, als ob 2009 die Kooperation zwischen Theatermenschen und Laien im gemeinsamen Tun in Dresden vom Himmel gefallen wäre.
Im Prinz kennt das Thema jeder Gesangverein, jeder Kirchenchor; wenn Profis als Solisten gebraucht werden, guckt man mal im Theater, wenn der Dirigent gerade keine Ex-Studienkollegen zur Hand hat. Es gilt darüber zu berichten. Dazu brauche ich kein Web.
Die eigene Familiengeschichte reicht. Wir sind nämlich eine Theaterfamilie. Nicht weil wir seit Generationen eine Theaterloge unser eigen nennen würden. Nein, ab und an überfällt es uns und wir MACHEN Theater, Amateurtheater. Eine meiner ganz frühen Kindheitserinnerungen ist der Zorn, der mich beschlich, wenn mein Vater mit seinen Kumpels im Wohnzimmer Text paukte und ich nicht hinein durfte.
Und dann die Akten. Hier in der Handschrift meines Vaters. Herr Rippert vom Nationaltheater. Aha.

Heinz Rippert ist gemeint.
Schauspieler, Regisseur, Oberspielleiter eben auch am Nationaltheater, Reinhardschüler, mit Gründgens gespielt, mit UFA-Filmografie. Er war Supervisor und wohl auch Regisseur für die Apostel-Spielschar in Viernheim, für die er sogar zur Glockenweihe das Stück „ Die Zwölf-Apostel-Glocke“ schrieb. 1948. Mitten im Chaos kroch als Erstes die Kultur hervor. Sie hatten fast nix zu essen, aber der geistige Hunger nach 12 Jahren Nazigehirnwäsche war groß. Na? Klingt doch schon eher nach der Bürgerbühnenidee.

Mein Vater im „Jedermann“

Mein Vater im „Verlorenen Sohn“

Ganz links meine Mutter in „Meier Helmbrecht“

Ach so ja: Von wegen neu:
Das Mission Statement der St. Apostel-Spielschar. Von 1950. Es hieß halt „Leitsätze“. 🙂

Dass ich auch Theater schrieb und machte erwähnte ich bereits, aber ich holte mir keine Hilfe. 🙂 Daher ist das in diesem Zusammenhang uninteressant.

Da war ich 13.

Ich war als Zuhörer auch dabei, in den 80iger, 90iger Jahren, als der ehemalige Chefdirigent der Nordwestdeutschen Philharmonie 8u.a.) Albert Grünes in der Schlosskirche zu Mannheim um die Kollegen seiner Frau vom Chor des Theaters die „Singakademie Mannheim“ aufgebaut hatte und vornehmlich in Mannheims Schlosskirche konzertant Kirchenmusik aufführte, ohne dass sie Teil der altkatholischen Gemeinde gewesen wäre. Meine Frau hatte zumeist die Alt-Soli, auch ohne im Chor des Theaters zu sein. 🙂 Ich habe es miterlebt, dass trotz sorgfältiger Planung eine Pause eingelegt wurde, weil der Tenor noch auf der Bühne des NTM stand und während des spielfreien zweiten Aktes in die Kirche hetzte, sang und wieder zurückeilte. Im Kostüm (der Frack passte ja) und geschminkt.

Solche Stories wird es noch viele geben. Überall auf dieser Welt. Das Theater und seine Zuschauer begegneten sich schon früh und machten gemeinsame Sache. Dazu brauchten die Menschen keinen Schlingensief, ohne das schmähen zu wollen.

Ich wollte das nur aufgeschrieben haben, damit es nicht vergessen wird. Neu ist die institutionalisierte Teilhabe innerhalb der Theater, das bewusste Miteinander und darüber freue ich mich, wo doch da draußen in der Welt heftige Kämpfe toben zwischen Amateuren und Profis, zwischen Verlagsautoren und Selfpublishern, zwischen Bloggern und Journalisten. Alles Quatsch. Das Theater ist schlauer. Es nimmt die Leute bei der Hand, schiebt sie auf die Bühne und tanzt mit ihnen. Im Alter von Facebook like ich das zutiefst.

Was der so treibt..

Ich soll also in 10 Minuten mein Blog vorstellen samt all den Digitalien, die ich so betreibe. Für den Marketingclub. Und wie macht man das? Mit Folien aus dem Beamer, wie in tausend Betriebsversammlungen auch? Nee, das machen wir stilecht im Blog. Transparenz ohne vollkommene Personalisierung. Oh je, was schreibe ich da so hochgestochen. Beginnen wir mit persönlichem. Wie das Bild links zeigt betrieb ich einst Amateurtheater. Einen Post zum 30 jährigen Jubiläum meines Musicals „Singe beim Babbln“ konnte ich mir nicht verkneifen, samt dem Verriss. 🙂 Das Blog ist vornehmlich Veröffentlichungsort für meine Lyrik und Kurzprosa, aber das ist hier nicht Thema, ihr könnt es euch ja zu Hause anschauen, wenn ihr wollt.
Es soll ja hier um Techniken gehen. Meine Blogbeiträge hat Stephanie ja schon auf das Theaterblog gestellt. Ich könnte mir ähnliche Artikel zu unserer Arbeit hier gut vorstellen, bis wir dann über das Festival selbst berichten. Gerne auch über die anderen Clubs. Alles im Vorgang zum Festival. Vielleicht hätten ja andere Bürgerbühnen Lust einen Gastbeitrag beizusteuern?. Ich winke jetzt ‚mal mit Zaunpfählen! Warum berichten Mitglieder des Clubs, die schon an einer Produktion beteiligt waren nicht über ihre Erfahrungen damit? Die Trailer dazu sind auf Youtube ja zu finden. 🙂 Oder von anderen Erfahrungen bei partizipativen Dingen mit dem NTM? Keine Angst vor dem Schreiben, das ist wichtig! Ruhig mit Meinung, Gefühl und persönlich, ohne privat zu werden. Wir machen PR, versuchen uns in Storytelling, wir sind keine Journalisten, die neutral berichten.
Ein ganz herausragendes Mittel der Kommunikation ist Twitter. (Rechts die Twitterwall im Foyer des Theaters Koblenz während des Tweetups dort.

Das hier ist mein Twitteraccount. Die Tweets sind auch im Blog eingebunden, was dort für Bewegung und „Content“ sorgt, ohne dass ein neuer Blogbeitrag erscheint. Ich war vorher bekannt als @kurzdielyrik, aber diesen Account habe ich aus Gründen gelöscht, obwohl ich da einen Preis einst gewann, aus Wien. Twitter nutzen jetzt schon viele Theater und Kultureinrichtunngen intensiv, das Resi hatte ich ja schon gemailt. Vor allem das Thema Tweetup wird zunehmend genutzt. Hier mein Bericht aus Heilbronn.

Ganz neu, gestern online gestellt, das Storify zum Tweetup #degasSKK Von den Kulturkonsorten, einem Netzwerk aus München, „Erfinder“ des Tweetups, engagiert von der Staatlichen Kunsthalle zur Retrospektive „Degas“. Für die Karlsruher Neuland!
Ob es auch für uns ein Thema wäre? Ich weiß es nicht. Das kommt darauf an, was genau da im März passieren wird. Vielleicht eine Theaterführung? Die Bühnenvorstellung für die Bürgerbühnen? Es ist auf jeden Fall eine PR-Maßnahme, siehe hier mein Bericht von letztem Mittwoch im Technoseum. Hier ist auch ein Storify eingebunden (auch leicht zu handhaben), das die Online-Reakteurin des Technoseum zusammengestellt hat. Storify ist schlicht eine Website, mit der Tweets, Facebookeinträge oder auch Blogbeiträge gesucht und in die „Story“ eingebunden werden können.

Ich habe das beim Theaterfest getestet. Da ist auch der Tweet von der Bürgerbühnenvorstellung d’rauf, wo ich erstmals von diesem unserem Club hier hörte. Ein Möglichkeit ganz einfach auch Guerillamarketing, Pressekonferenzen, was uns sonst noch einfällt zu dokumentieren und online zu stellen, ohne viel Aufwand. Einfach dabei sein, knipsen, twittern, den Hashtag nicht vergessen und zusammenfassen.
Nähern wir uns dem Ende. Eine weitere Möglichkeit einfach und schnell Informationen zu bekommen und zu veröffentlichen sind Tonaufnahmen, die sogar mit dem Smartphone in akzeptabler Qualität gelingen und über Dienste wie Soundcloud oder Audiboo verbreitet werden können. Ich bevorzuge Audioboo. Dann klammern wir das zum Abschied mit 2 persönlichen Dingen. Ich schreibe auch Dialektlyrik und -Lieder. Ein Beispiel der Audibooeinbindung im Blog.

Beherzt 1

Ich hatte ja Angst wir müssten Logos zeichnen und Flyer basteln. Jeder für sich und so was kann ich ja ohne mein Open Office sehr schlecht. Aber auch der Mouseclicker-Club der Bürgerbühne des Nationaltheaters Mannheim arbeitet nach dem Laien/Profi-Prinzip, gerade weil es ein Marketing-Club ist. Bürgerbühne bedeutet hier, dass Profis und Laien versuchen Theaterwege zusammen zu erkunden. Beim Marketing geht es ja nicht um Kunst, wie bei den Produktionen für die Bühnen, aber der Weg ist der gleiche. Wir Laien brainstormen, überlegen, weisen hin, fassen zusammen und die Profis setzen das um, leiten weiter an Agenturen und was es sonst zu tun gibt. Ach ja, es gibt natürlich auch Hierarchien, Intendanten und und, die entscheiden wollen, wie im richtigen Leben. Ihr kennt das ja.
Wir fließen mit im Marketing-Prozess des Theaters für das 2.Bürgerbühnen-Festival und spüren den Druck auf die Mitarbeiter. Die ewige Improvisation, denn das Festival ist nur grob umrissen, noch weiß niemand, wen die Jury auswählen wird, andere Abteilungen arbeiten am Gesamtkonzept, am Rahmenprogramm und doch muss das Marketing bereit sein, Vorarbeiten leisten und bald kommen ja auch die Schillertage und der Wolferl mit seinem Fest in Schwetzingen rumort auch schon, alles neben der Tagesarbeit. Aber so ist das wohl im Theater. Kulturmanagement ist eben anders. Den Spielplan legen ja auch die Sparten fest und das Marketing schnauft dann hinterher. Beherzt 1 weiterlesen

Bürgertheater

„Hoffnung auf größeres Wohlbehagen“ hieß das Stück der Bürgerbühne Mannheim, das wir gestern besuchten. Ich meine damit den „Club der Mouseclicker- und Face-to-Face-Blicker“. Klingt verwirrend? War es für mich auch. Zunächst. Inzwischen verstehe ich ein Stückchen mehr, was diese Bürgerbühne eigentlich soll. Über den Club werde ich noch berichten, wenn er wirklich Fahrt aufgenommen hat, noch tasten wir. Aber auch hier wird deutlich, dass Theater das ernst meint, mit der Partizipation. Gerade entwickeln wir zusammen ein „Mission Statement“ mit der Marketing-Abteilung des NTM und werden die Kampagne für das zweite Bürgerbühnenfestival zusammen mit einer Kommunikationsdesignerin entwickeln. (Off topic: O. k., die Welt ist klein, im März, als einer meiner ersten Rentneraktivitäten war ich zur Vernissage ihres Buches im Zeitraum Exit). Auch hier das Prinzip: Laien zusammen mit Profis. Alleine das Unterfangen finde ich erstaunlich. Das ist also nicht irgendwelcher VHS-Kram. Das Theater begreift das als ernsthafte Produktion. Spartenübergreifend. Für mich brechen Vorurteile gegen die „Arroganz“ des Regietheaters (unverbindliches Beispiel) auf. Welch ein Elend, ich muss mir neue suchen, ganz ohne geht es ja nicht, gell. 🙂
Das ist eine kluge Idee, die Bürgerbühne. Ich weiß nicht wer sich das, warum, ausgedacht hat, aber ich werde das noch herausfinden! Ich habe sehr den Verdacht, dass da die Idee der Sozialen Skulptur von Joseph Beuys zumindest unterbewusst Pate stand.
Wie gesagt, ich werde davon berichten, oder ihr werdet von dem Club hören, wenn er in der Öffentlichkeit angelangt ist.

Und nun zu dem Stück!
[update] Es gibt jetzt einen Kurztrailer des Nationaltheater Mannheims dazu, der muss natürlich eingebunden werden.[/update]

Elf Mannheimer Migranten erzählen Geschichten und lesen aus Büchern mit Briefen und Berichten von deutschen Migranten in den USA zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Klingt banal, ist es aber nicht.
Da wurde kein Zeigefinger erhoben, keine politischen Sonntagsreden gehalten, kein schlechtes Gewissen erzeugt, keine Ideologie verbreitet oder verteufelt. Ganz langsam, sacht wird die Migration selbst dargestellt, mit überblasenen Bügelflaschen die See erzeugt, die Länge der Fahrt simuliert. Sparsame Requisiten, langsame, bedächtige Laufwege und Bewegungen, effektiv minimalistisches Licht, die Umbauten von den Schauspielern selbst erledigt, aber offensichtlich nicht um zu sparen. Wer in die Texte gucken will, kann im Theatermagazin des NTM (ja, das Theater nimmt das wirklich ernst) mehr dazu lesen, etwas nach unten scrollen, das ist hier online. Es wurde und wird eine melancholische, anrührende Atmosphäre erzeugt, jenseits von Kitsch und Effekthascherei.
Und doch wird eindeutig Hoffnung gezeichnet, ganz vorsichtig, ohne präsidiales Pathos, ohne es genau auszusprechen.
Das war jetzt die zweite Regiearbeit von Dominic Friedel, die ich sah, ich berichtete. Er fand Formen, die passten, verknüpfte richtig, lies die Schauspieler sich selbst sein und brachte ihnen doch die nötige Distanz bei, die für die Bühne notwendig ist. Da wurde nicht vorgetäuscht, dass Schauspieler agierten. Die oft bei Laien zu beobachteten Seltsamkeiten des Schauspiels kamen nicht auf. Und doch, das war Kunst! Ich sagte ja schon, dass mich da vieles an Beuys erinnert, obwohl das alles KEIN Fluxus ist. Das werde ich anderenorts einmal machen. 🙂
Ich lernte jetzt auch die Arbeit einer zweiten Dramaturgin kennen. Und ich habe das Gefühl, dass da sauber und bis an den Anschlag gearbeitet wird. Mit Herz und Verstand, ich berichtete wie gesagt. Die Geschichten der Migranten aus Mitschnitten zu deskribieren und umzusetzen, in immer wieder andere Formen zu gießen, künstlerisch aufzuarbeiten, in doch recht kurzer Zeit, Respekt!
Und wirklich, diese angedeuteten Bilder der Regie! Den Bericht über die Nativisten mit echten Folien und einem Overheadprojektor als historische Powerpointpräsentation augenzuzwinkern, hatte etwas als Form. Die Sachlichkeit des Vortrags karikiert unser heutiges OpenData, die Balkendiagramme des Todes, aus Excel geboren, die Grausamkeiten versachtlichen. Doch, es war Kunst. Und der Regisseur war sich nicht zu schade einen der verhinderten Akteure zu vertreten. Die Laufwege darstellend. Doch.

Ich glaube das Theater bietet auch mir wieder Dinge. Jenseits der Klassiker und dem Geschrei ob dero Aufführungsformen. Da tut sich etwas. Danke.
Den Akteuren geht es wohl genauso. Das war auch ein richtig gutes Nachgespräch. Doch.

Ach und das Casino im Werkhaus hatte ich jahrzehntelang vergessen. Warum eigentlich? Da hingen wir doch früher auch immer ab. Und das Outfit ist geblieben. 🙂

#TweetupKo Besuch der alten Dame

Ballett, die geheimnisvolle Welt, fast in sich geschlossen. Dem Sport ähnlich ist es eine junge Welt. Tänzerinnen sind zu schnell für eine Galaxy Kamera, so kommt Bewegung ins Bild.

Tweetup beim Theater Koblenz zu der ersten Hauptprobe Probe von:

„Der Besuch der alten Dame“ Ballett von Steffen Fuchs nach Dürrenmatt.
Mit Musik von Frédéric Chopin, Camille Saint-Saëns, Paul Hindemith und Henryk Górecki.
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Mashup, Mr. Bill?

 
 

Workshop
»Über eine Aufführung sprechen«.
Bürgerbühne des Nationaltheaters Mannheim.
 
 
 
 
Dieser Workshop lädt dazu ein, sich darin zu üben, möglichst präzise über Theater zu sprechen.
Anhand von : Die Ehe der Maria Braun/Draußen vor der Tür von Rainer Werner Fassbinder/Wolfgang Borchert. Details siehe hier.
Seit Wochen tanze ich um das Theater herum und kann mich nicht entscheiden, einfach hinzugehen. (Siehe hier und hier und hier.) Einfach ans Kassenhäuschen gehen und fragen, ob ‚was für später frei ist. Wie früher. Aber ich kann mich nicht überwinden. Und dann auf Facebook der Hinweis auf diesen Workshop. Mein inneres Dauerthema! Wie spricht Amateur über Kunst, Kultur, eventuell gar mit Künstler, Macher?
Da steht zwar Bürgerbühne, normalerweise meide ich Dinge, auf denen Bürger steht. Meist will man dann etwas von mir. Geld, meine Stimme, mich hinter Burgmauern zwängen, aber im Werkhaus wird das wohl gehen.

Genau das war meine Stimmung. Mal gucken, was die Macherinnen so machen. Und es wurde ein sehr lehrreicher und amüsanter Workshop. Amüsant, weil die Dramaturgin und Workshopperin so herrlich intensiv überfloss in ihrer Liebe zum Theater, ihr Wissen teilte und sich dann immer wieder auf Kurs zwang, dass wir uns präzise über Details unterhalten, distanziert über Licht, Klamotten, Szenen zu sprechen und doch verfielen wir immer wieder ins große Ganze, der Theatergeschichte, der Gesamtmeinung, um zu merken, dass Theaterbesprechungen vor allem eines sind: Gedächtnisübungen. Kein Rückspulen, kein googeln und alle et ceteras.
Seltsam für mich, eine Veranstaltung zu besuchen, die im Social Web zwar angekündigt aber nicht besprochen war, ohne Twitterer, ohne Facebook.

Über „Mr. Bill“ wollten wir sprechen, zuförderst. Den amerikanischen Liebhaber der Maria Braun.
Ich staunte, wie weit die Meinungen auseinandergingen, was gut so war. Viellfältig in Ablehnung bis Begeisterung.
Kann ich jetzt besser über Theater sprechen? 🙂 Nein. Doch. Lust auf Fortsetzung hätte ich jetzt. Sprechen über Theater. Jawoll, jenseits des Smalltalks beim Sekt und nicht von der professionellen Kritik am Nasenring gezogen. Doch, hat Spass gemacht.

Was war denn dann lehrreich? Nicht der Faßbenderfilm. Obwohl ich schon staunte, dass der Skandal um den „Mr. Bill“-Darsteller Günther Kaufmann schon soweit vergessen war. Kurioserweise ging er ja (wahrscheinlich) für seine Frau ins Gefängnis, wie Herrmann Braun im Film.
Aber dann die Aufführung! Ich lernte etwas über das Theater. Theater als selbstständige Kunstform, die sich von der literarischen Vorlage emanzipiert hat. Ein dauerndes Mashup. Und ich konnte das sogar genießen. Obwohl mich genau das einst aus den Theatern trieb. Ich kann das auf einmal genießen. Manchmal bestaune ich mich von innen schon…

Und da waren:
(Ich möchte nicht zu viel spoilern, das Stück läuft auch noch in der nächsten Spielzeit.)
Die offene Drehbühne als Filmersatz, grandios. Ein Haus, das gebaut wurde, wortwörtlich, die Filmvorlage eingedampft zu einer Stunde, was der Story sehr gut tat. Der Mord fand nicht statt und die Radioeinlagen von dem Wunderbern war auch weg. Eine neue Geschichte, mit Liebe zum Detail. Für mich wurde das Nachkriegsgefühl besser dargestellt als im Film. Faßbender erzählt aus der Sicht des deutschen Herbstes, eher eine Tirade über die Ehe als solche und die Verfehlungen der Politik im kalten Krieg des Jahres 1979.
Das Theater machte aus einem Film Theater und aus einem Theaterstück ein Film.
Bei Maria Braun kokettiert die Regie eindeutig mit dem Film, in der Projektorszene zitiert sie ihn sogar direkt, deutet an, spielt und das mit „in die Kiste steigen und mit dem Deckel Sex dasrtellen“ war unnötig, platt, doch, sonst aber fast alles vom Feinsten. Die Szene zum Beispiel, als Maria Braun ihren ersten Vertragsabschluss erschläft, als Porno-Parodie fast gerappt, bis sie das „Fuck me“ brüllt, war eine große Idee.
Schauspieler, die Hand anlegen beim Szenenumbau, Techniker live auf der Bühne, zu erkennen an den Sicherheitsschuhen :). Transparente Bühne, wie ich das liebe.

Draußen vor der Tür als Fake-Nico-Hofmann-Film, auch eingedampft zu erträglicher Monologlänge, unexistentialistisch, zu einem großen Teil als Film auf die Bühne projeziert, als unechtes Playback, Chöre, Schlagwerknummern und doch alles mit Respekt vor dem großen Text von Borchert.
Ein Beitrag der Mannheimer Traditionsbühne zur gesellschaftlichen Diskussion über die Darstellung von „Aufarbeitung“, eine klare Absage an die seichten, geschichtsverschönenderen Peinlichkeiten des Mannheimers Nico Hofmann.

Theater kann doch noch etwas. Doch. Es ist entmystifiziert, ohne die Empathie zu verlieren, im Gegenteil. Der Autor ist nicht mehr einsames Genie, sondern Teil einer Arbeitsgemeinschaft, die Kunst auf die Bühne bringt, Theater. Obwohl just an diesem Sonntag die FAZ/FAS (hier online) das Theater als „den himmlischen Abhub der „unbegreiflich hohen Werke“ “ fordert, kann sie behalten. Dann doch lieber Bürgertheater. Was heißt doch? Doch, eben.

Und wer dieses Blog kennt, weiß was jetzt kommt. Sprechen über Kunst, Kultur, hier Theater, heißt für mich sprechen über das, was in mir ausgelöst wird, ob es mich erreicht, wie es mich erreicht. Es ist mir zunächst vollkommen egal WIE Kunst das macht, welche Pinsel da welche Technik ölt, wie der Schauspieler mein inneres Lächeln erzeugt. Ersiees haben es gelernt, ich nicht, das pinseln und tänzeln.

(Nächtens in die Hitze geschrieben, das Theater war schon vewaist)

Mashup

Wie ich es hasste
wenn sie vom Spieß
grölten nach dem 3. Bier
auf den Nierentisch
hieben und was sie
für tolle Hirsche waren
beim Adolf und die Toten
weinten auf ihren Feldern
die vom Verein pflegen sie
doch Es roch nach Scheibletten
und stramm war der Max
auf Käseigeln zu Eierlikör
und damals in Bern
sangen wir aus Trotz
aus Trotz weil wir uns
nicht trampeln lassen
laut die erste Strophe

Zuhören hätten wir
sollen und nicht wegrennen
zu Elvis und AFN
Zuhören und nicht selber
vom Spieß erzählen
in den gleichen Kasernen
bei unserem kalten Krieg

(Zu Borchert schrieb ich ja gestern schon.)

So ein Theater

(Ein Freitag Abend in Mannheim)

Kreischend herrliches Licht gestern Abend, für mich unknipsbar, die widerspiegelnden Wellen auf dem Neckar, ein Schwan, der in die Wellensonne tanzt, vor den Schornsteinen der in Mannheim allgegenwärtigen Industrie, kraftstrotzend im Hintergrund. Es riecht nicht mehr nach Schokolade zur großen Moschee hin, schade.

Die Straßenbahnen umgeleitet, ein Spaziergang den Fluss entlang, der bald münden wird. Ein Lieblingsort in Mannheim: Strümpfe im Jungbusch, der Supperart Club. Eric lässt mich mit einem Bier alleine die Videos von Ruth Hutter ansehen, die Fotos. Eine drei viertel Stunde alleine in einer Galerie mit zwei absolut faszinierenden Videos. Diese kurzen Momente, zu bedauern kein reicher Mann zu sein, diese Videos im Wohnzimmer, aber was soll das. Durch die Basare in den G&H Quadraten, vorbei an überfüllten türkischen Friseursalons zum Stadtfest und den diesjährig-freitaglich schaurigen Coverbands. Keine großen Namen diesmal. Das Geld wird wohl klamm, wie lange wird es das Fest noch geben? Geboren, weil die Fastnacht ausfiel, als Busch den Irak bombte.

Rotweiße Fähnlein überall. Erst auf den sechsten Blick kann man das Wort „teater“ lesen. Die Welt feiert Theater in Mannheim. Man schämt sich wohl Werbung dafür machen zu müssen. Für dieses Festival. Die Stars des ersten Abends, in Außenwirkung? Der Kurator, ein Journalist. Der Journalist will seinen Nannenpreis einschmelzen, weil Herr Nannen ein Nazi war? In den Online-Gazetten ganz kleine Meldungen, die Nannenschüler und die gerne-es-gewesenen, schämen sich wohl, ein wenig. Abgeschlagen ein Regisseur. Entschuldigung ein Starregisseur. Darum herum tanzt die Politik alle Couleur, man will sich sonnen, für das Wahlvolk am Sonntag.

Um das Theater die nächsten Stars des Theater-Festivals: Architekten aus Berlin, die um das Theater eine Wagenburg bauten, die sie Hotel nennen. Wo die Tweeties sitzen. Den Hashtag #TdW14 verwendet kaum jemand, warum auch, das ist ein abgeschottetes Universum. Ich habe den Twitteraccount entfolgt, da wird nicht kommuniziert, wie der Twitteraccount des Nationaltheaters sonst auch nur ein Facebook-Bot ist, der PR betreibt.

Das Theateruniversum. Dort, wo man unter sich bleiben will, wo der Pöpel vom Stadtfest nicht in die Kultursuppe spucken darf. Theater-Hotels zum Besichtigen nur via Eintritt. Es gibt auf der Website des „teater“ ein Kartentelefon, ein Kartenfax, eine Karten-Email, Online-Karten nur über die Java-Katastrophen-Ticket-Bestellerei des Nationaltheaters.

Eine Uraufführung einer Nobelpreisträgerin, eigentlich Nebensache. SchauspielerInnen-Namen im öffentlichen Raum? Ah, na, es reicht der Starregiesseur und der Kuratorname. Der OB und die grüne Ministerin mit ebensolchfarbenem Hofstaat, man will ja kulturell, nicht wahr.

Das Theater ist verkommen in der öffentlichen Wahrnehmung. Es ist kein Leitmedium mehr, schon lange und hat seine Nische nicht gefunden. Im öffentlichen Raum. Reduziert auf die Etats der öffentlichen Hände. Hochsubventioniert für eine Minderheit, der ich ihr Theater ja gönne und doch unfähig seine Angestellten würdig zu bezahlen.
Aber was geht mich das an?
Ich werde heute nicht nach Mannheim fahren, aber bald wieder, dann ist gewählt und das Theater bleibt eben links liegen.
Ob ich doch einmal gucke, ob da auch Theater gespielt wird? Von AutorInnen geschrieben, inszeniert, wie die sich das dachten?
Eigentlich habe ich keine Lust nach diesem Theater.
Aber mal gucken, wo Ruth Hutter demnächst ausstellt? Aber ja!

(Dieses Theaterbashing nur geschrieben wegen einer Nachtkritik, die fast zum selben Schluss kommt aus anderen Gründen)