Museum, Aura, Algorithmen, Update, Fußball und ein Vorfall.

(Beitragbild oben: Screenshot aus dem Wikipedia Artikel „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, nach Walter Benjamin.)

(Achtung Fakenews! Diskurs mit üblem Ausgang in einer Museumskneipe, mit Rouge, Rieslingschorle ohne Cocktail und Perlenkette.)

„Rouge!“
„Hei, was ist?“
„Rouge!“
„Na ist die KI wieder einmal übergelaufen?“
„Aura.“
„Anna wieder? Esoterisch?“
„Nee C++ KI, Auftrag.“
„Cool, bringt Kohle!“
„Aber Aura.“
„Was für eine Aura?“
„Kunst Aura, Benjamin, Adorno. – Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“
„Ist doch eh nur philosophisch.“
„Rouge.“
„Sauf nicht so viel.“
„Ich soll einen Aura-Algorithmus programmieren. Für die Bildchen in den Datenbanken. Verstehst du? Für die Oggs und Mp3s, die jpgs und mp4s. Damit sie wieder Aura haben. Also irgendwie. Das ist doch Quatsch, reproduzierbar bleibt das doch immer, kannste machen, was du willst. Rouge.“
„Wer will denn so was? Rieslingschorle.“
„Staatssekretär, Kulturstaatssekretär. Man wirft ihm vor, dass durch die Digitalisierung seiner Museen die Aura der Kunst noch mehr schwinden würde. Das Thema wurde ihm dann vom Chef aus der Hand genommen und jetzt hat die Kultusministerkonferenz eine Arbeitsgruppe eingesetzt und die mich engagiert. Jede Menge Kohle. Problemlösung durch Softwareupdate. Das geht wohl nie mehr weg. Rouge! Was soll denn diese Scheißaura sein und wie bring ich das in eine Datenbank? Auch noch so eine beschissene Datenbank, warum nicht gleich MySQL? Rouge.“

Waldfriedhof transzendenter Kunstwerke nach dem Verfall.

„Hhhm, lass die OpenSource in Ruhe. Also die Wiki sagt, dass hätte was mit der Einmaligkeit zu tun.“
„Wiki ist Scheiße, jede Menge Erbsenzähler und Faker, versauen die Datenbanken auf den Servern.“
„Nur weil sie deinen Personeneintrag blockieren.“
„Ich bin halt der beste KI-Programmierer im Wahlkreis Süd! Muss gesagt werden, Rouge.“
„Eitler Narziss.“
„Schaf, Pr-Kasper.“
„Einmalig? Hhm, kennste Götze? Eigentlich alles ganz banal!“
„Banalisierung ist auch verboten, Götz George hatte so eine Aura?“
„Mario Götze, Fußballer.“
„Fußball ist scheiße, Gewaltkram, Millionärskacker. Rouge.“
„Aber poulär und mit Aura.“
„Hä, wie, wo, was, warum von for i =10 to 100 go. Heilger BillGates hilf“
„Dieser Mario Götze schoss bei der letzten Fußballweltmeisterschaft im Endspiel das entscheidende Tor, Millionen, Milliarden schauten zu. Das kannst du sooft reproduzieren, wie du willst, schon die Wiederholung war nicht das Original, der magische Augenblick, als der Ball ins Tor ging… das ist, das bildet die Aura. Wie im Theater, wie bei jedem Liveact, kannste reproduzieren wie du willst, das hier und jetzt, das macht die Aura. Rieslingschorle!“
„Rouge! Und wie bekomme ich das in die Datenbank? Hä?“
„Selfies, Kommentare, Erstlingslikes“
„Was?“
„Dein PR-Kasper macht Dir das Storytelling, die Community-Scheiße, das Likes sammeln, alles. Social Media. Mit #hashtag zu den Daten. Das fängst du mit KI ein und speicherst es in der Datenbank als Community-Co-Data. DAS macht dann die Aura, die KI Data.“
„Hä, warte, wir sind hier ja im Museum, da ein Rembrandt. Momentchen. Komm gleich wieder. Mache mal Beispiel. Danny Liebes, mach doch mal ein Selfie mit dem Typ hinter Dir. Danke.“
„Papa, guck mal ich hab in deinem Museum ein Selfie gemacht, vor einem Selbstbildnis, cool, oder? Was ist Papa? Welche Aura? Papa? PAPA! Mario hilf, Herr Minister! So helfen Sie doch.“
„Haste das im Kasten? Gleich ab zur Redaktion, ich texte. Achtung Headline!
Berühmter Kunsthistoriker erstickt an Rembrandts Aura. Tochter wird zu Selfie verführt. Teaser: Programmierer missbraucht Aura von Mario Götze! Minister spricht von KI-Terror. Werden Auren zu wenig geschützt? CR7 lässt seine Aura patentieren.“
„Rouge!“
„Rieslingschorle!!“
„Benjamin, Benjamin…“