Noch mehr Thesen-Thesen und Gewesen.

Die Kulturfritzen schon wieder, lassen uns paradieren, blog, blog! #theaterimnetz

(Im Foyer gehäkelt, unsereinem wird da immer so, vom Sekt. Heimlich an die Fräcke von Wagnerianer geheftet. Übersetzer: Für Facebook auf Sinnpostkarten copypasteten! Die Theselein gelten natürlich nur in der Provinz. In Berlin theatert man ja neuestens auf Flughäfen. Ja, Flughafentheater, ohne Netz.)

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Geht gar nicht!
Der Kulturausschuss verlangt mehr Klassiker, Vollauslastung der Zuschauerräume und die Brecht-Familie untersagt Router auf der Bühne! Die Theaterfotografen kreischen nach ihrem digitalen Copyright. Die Verträge der Theatermenschen sagen nichts zum Internet!

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Apps – früher Programme genannt – sind Theaterstücke für einen oder zichmilliarden Chips. Von Millionen Programmierern geschaffen, in was weiß ich wie vielen Sprachen (sprechen sie Javascript?), heutzutage vernetzt in TrölfzigTerras Rechnern. Der Code ist das Theater, samt seinen Algorithmen. Wer inszeniert Hamlet in C++ oder doch besser php/css? Die Hardware vom Discounter und Apfelversand. Versteht niemand? Seit wann stört euch das? Das will niemand sehen? #hach
(Hinweis: Programmieren bedeutet hier nicht die Aneinanderreihung im Spielplan und dem Spielzeitheft.)

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Solange „das Netz“ nur als Spielwiese großer amerikanischer Firmen begriffen wird, samt deren Codern, Filterblasen und immer neuen Hypes, hat das Theater damit nichts zu tun. Theater bringt man nicht an die Börse. (Intendantinen müssen draußen bleiben.)

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Solange das Theater sich als elitäre Hochkultur begreift, kann es sich nicht mit dem gemeinen Volk auf den gleichen Servern tummeln. Igitt, da sitzt ja mein türkischer Gemüsemann.

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Entwickelt Klatschapps für das Volk. Das reicht. Wir Theatermacher genügen uns selbst.

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ceterum ceseo … Das Netz ist schlecht und Hass . … esse delendam.
(Endlich)

Ein Beitrag zur Blogparade der Kulturfritzen! #TheaterImNetz

Listenig to:

Sich selbst und Museen kuratieren mit #IamHere und #besuchermacht

Getweetet während dem Tweetup #Iamhere der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe am 13.11.2015 (siehe hier) und……….

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Lasset uns die Theater benetzen!

WeiweiWasser über die Theater gefuchtelt als Teil der Blogparade #theaterimnetz, ausgerufen von… Anne Aschenbrenner, Marc Lippuner, Michael Stacheder und Reinhard Widerin … im Blog der Kulturfritzen.

Ich bin nur ein kleines Theaterbesucherlein, kein Theatermacher, das als Rentner so seinen Senf dazu gibt, manchmal.
Foto von Alice Scheerer, der @bogenfenster (Danke!) vom #schiller2go Twittern von der Bühne des Schauspielhauses im Nationaltheater Mannheim.
mikel_twittert
Ich hatte hier kommentiert, beim Vorgängerpost der zur Blogparade führte, aber man solle dann doch den Blog paraden. Bitte schön.. Ich weiß also nix wirklich, denke halt so meinen Teil und lasse Gedanken schnellen. Wenn also alles ganz anders ist, ja nun… Also ich teile meine hohlen Bauchansichten. Wenn ihr was gebrauchen könnt…

Es tat sich schon was, früher… Vom Tweetup #relup im @Theat_Heilbronn

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Missionen, digitale…. Part II

stempel_pflaster
(Eine ausufernde Antwort auf den Kommentar zum Blogpost Missionen, digitale…. Das reicht auch für einen eigenen Beitrag, wenn schon, kostet nix und hält bei guter Laune!)

„Schade, dass Sie in Ihrem Beitrag nicht auf Ihre Erfahrungen der Partizipation im Theater eingegangen sind, bestimmt hätte das die Diskussion und den Erfahrungsaustausch noch weiter angeregt. Vielleicht haben Sie bei Gelegenheit hierzu noch Ergänzungen für den Austausch zur #BesucherMacht.“

Schreibt das Blog „Marta Herfort“ an das Ende eines Kommentars zu meinem Beitrag der Blogparade #BesucherMacht aus gleichnamigen Museum. Siehe hier: Missionen, digitale…

Na dann! Als passiver Altersteilzeitler mit schleichendem Übergang in die Rente wollte ich meine alte Liebe zum Theater wieder aufnehmen und fand im Nationaltheater unserer Nachbarstadt Mannheim in 20 min Straßenbahnnähe interessante Dinge. Das Theater leistet sich eine ganze Sparte zur Partizipation: „Die Bürgerbühne.“ Man nimmt das wirklich ernst, als theatrale Komponente, nicht als sekundären Anhang, als pures Marketing-Objekt oder Pädagogik! Finde ich immer noch mutig. Siehe die Linkliste der Website!

Screenshot der Website des Nationaltheaters Mannheim.
Screenshot der Website des Nationaltheaters Mannheim.

Bürgerbühne bedeutet dort: Laie trifft auf Profi und sie machen etwas zusammen.
In Workshops, Spielclubs kann man tanzen, spielen, gemeinsam Stücke ansehen und besprechen, alles spartenübergreifend, auch für Kinder und Jugendliche. In den Inszenierungen der Bürgerbühne gibt das Theater ein Thema vor, man sucht dazu Menschen, castet und führt Regie. Nämlich: Die Story aus dem Leben der „Darsteller“, vom Regieteam in literarische Sprache gebracht, dramatisch umgesetzt und hier auch als Inszenierung im Spielplan des Schauspiels verankert und verkauft, wie den Schiller oder Verdi auch. Oder aber von der Oper & spartenübergreifend das Geräuschorchester. Der erste Versuch „Geräuschorchester #1″ – Mannheimer Bürgerbühne“ war durchaus beeindruckend siehe hier den Trailer auf Youtube. Das ergibt dann durchaus „Theater“, ich besuchte eben gerade die laufende Produktion „High-Voltage“, bei der ein „Kollege“ aus dem Marketing-Club mitmacht. Das ist sehr ordentlich gemacht! (Empfehlung!).
Das ist geerdetes Theater mit Anspruch! Community-Bildung, letztendlich auch Kundenbindung. Win-Win. Da gibt es keine postdramatischen Halbgötter, die Abonnenten durch die 4. Wand zerren um sie auf der Bühne mit Brecht zu Shakespeare remixen, es ist eine theatralische Annäherung von beiden Seiten der 4. Wand.
Worauf ich hinaus will! Das Besondere daran: Man macht etwas zusammen! Da gibt es keine „Besuchermacht und Kämpfe“, die Deutungshoheiten im Theater intern kann ich nur ahnen …
Das ist alles Top-Down, aber wer weiß, vielleicht gibt es auch einmal Bottom-up? Nein, über Aufführungspraxis würde ich mich ungern streiten oder im Museum über „Ist das Kunst, oder kann das weg?“. Nein, nein.
[Off topic: Um das einmal ironisch an die vielen medialen Sozialisten in meinen Timelines zu melden, die sich mühen müssen für ihre Kunden: Das Theater hat Contentmaschinen (man nannte sie früher Autoren) seit Jahrhunderten und Storytelling? Hahaha, Theater ist seit Jahrtausenden multimediales Storytelling, mal daran gedacht? Die Auszubildenden von DM machen irgendwie Theaterworkshops mit z.B. …Ähm, sorry, geht ja schon weiter.]
Deren Bürgerbühnen, Volksbühnen & Cie gibt es viele und also gab es in Mannheim das 2. Bürgerbühnenfestivalsiehe Nachtkrikik.de („Ermächtigung als ästhetische Praxis“ 🙂 . Konsequent lud die Marketingabteilung zu einem Marketing-Club (die Originallinks des Theaters sind wohl im Relaunch der Seite ertrunken), der da hieß: „Club der Mouseclicker- und Face-to-Face-Blicker“. Ja, das ist ein Name 🙂
Meine Erfahrungen habe ich direkt anschließend hier beschrieben. Gilt nachzutragen, dass für die Marketing-Profis das Gehetzte in das nächste Festival bereits begonnen hatte und doch zwei zauberhafte #schiller2go Walk & Music bereitstellte. Längst vor dem Städel hier bereits die Idee nicht nur Twitter, sondern auch Facebook, Instagramm & Co mit einzubeziehen. Ein Schillerfestival im Social Media, wenn das nix ist. Und ja, den Club, den ich für diese Spielzeit gebucht hatte, hier lyrisch verortet, verließ ich dramatisch wegen Inkompatibilitäten mit anderen Mitgliedern. Die Kritiken des Abgangs waren nicht immer gut. 🙂 Ich erwähne das nur, damit mir klar ist, dass solche Dinge gruppendynamisch nicht immer einfach sind. Also Warnung für das Kommende.
Ja, Tanja, der Hinweis auf den Link hätte genügt, aber ich hatte urplötzlich Ideen, als der Kommentar von „Marta Herford“ kam. Übrigens sehr gelächelt über die unkonventionelle Namensgebung. Das sind unangeforderte, selbstfahrende Ego-Brainstormings:)

Assoziation 1:
Meine erstmalige eigene, nicht verschulte Begegnung mit Kunst hatte ich überwältigend als Grundwehrdienstler in Kassel während der Dokumenta 5., siehe hier. Die Orangerie in der Kasseler Aue war damals ein selbstverwaltetes Jugendzentrum, wie es sie zu Tausenden in der alten Republik gab, mit Matratzen & @all. In einer dieser spontanen Diskussionen zur Dokumenta, ob sie denn revolutionär genug wäre oder doch nur eine Ausgeburt des reaktionären und imperialistischen über dreißigjährigen Establishments sagte ein Mädchen (11. Klasse sintemals). „Für mich sind Museen Wohnzimmer für alle, wo auch den Werktätigen, wie uns (ihr Vater war Prof. 🙂 ) Kunst zugänglich ist. Freier Eintritt für alle!“ … Wohnzimmer!

Assoziation 2:

Jacques Outin, begnadeter Lyriker und Mensch, mit dem ich im gleichen Verein auch schon las, vermacht seine Sammlung der Kunsthalle Mannheim (der medial gebeutelten, wg. Direktor, Loch und Neubau) und im Vorgriff darauf gab es eine doppelt kuratierte Ausstellung. Ein Teil Jacques, ein Teil der Kunsthallen-Moderator. Für mich eine faszinierende Ausstellung, weil eben auch die Distanz zum Privaten gebrochen war, ein nicht-bildender Künstler auch sein Ego mitkuratierte …. privat und museumskuratiert.

Assoziation 3:

Mir geht es dabei, wie so oft, vor allem um die Gespräche über Kunst und zu Kunst, mit Künstlern etc., auch von Nichtprofis. Das täte allen Premierenfeiern und Vernissagen gut, wo zu meist nur in den eigenen Kreisen geredet wird, kaum durchmischt wird. Was sagt man auch zum anwesenden Künstler, außer „Gefällt mir, #iLike“ oder gar zu einer noch ausgepumpten Schauspielerin? Das hat so oft den Geschmack von „Elternabend“ …#ächzt

Ihr wisst, was jetzt kommt. Mein Vorschlag und ich weiß noch nicht einmal, ob der neu ist. Das muss nicht Bürgermuseum heißen. #besuchermacht wäre für meine Begriffe dann ein ganz hervorragender Slogan. Einfach ‚mal machen, sich trauen. Ein Wohnzimmer in einer Ausstellung, ZUSAMMEN kuratiert, von gecasteten „Bürgern“ und den Profis. Wenn ich die Gesellschafterliste des Marta so durchlese, gäbe es ganz transparent auch die Möglichkeit das „Wohnzimmer“ mit zu designen. #zaunpfahl. Lokal und vor Ort. Theater und Museum eint, dass da Mensch hingehen muss, um das Original zu erleben. Keine digitale Sammlung, kein Livestream wird es wirklich wiedergeben können, was nicht heißt, man solle das nicht machen, das ist als Ergänzung bestimmt sehr nützlich. #besuchermacht als Prozess, einmalig zu einer bestimmten Ausstellung, als wandelnde Dauerausstellung und innerhalb des Museums als etablierte, budgetierte Abteilung, oder wie das da heißt.

Nur so mein Senf …

Und wegen der Digitalität: Warum gibt es keine Online-Abteilung eines etablierten Museums, das angekaufte Online-Kunst als Exponate im Netz und vielleicht im Museum zeigt? So viele Videokünstler und andere es gibt! Möge die Macht mit ihnen sein oder das Auftragswerk … :))

Missionen, digitale….

tl:dr

Blogparade des MartAMuseum Herford zu Partizipation im Museumsbetrieb #besuchermacht
und ich hab meine Probleme mit dem Hashtag und der Sprache des Aufrufs.
Vielleicht sollten ja auch nur andere Museen und studierte Kunstfachwerkler angesprochen sein. Dann bitte ich als nur potentieller Besucher um Entschuldigung. Lesen sie einfach nicht weiter, dann steht da nix für Sie :)))

[Off topic Vorab!

Eigentlich wollte ich da nicht mitmachen, dann wurde ich nachgefragt


aber jetzt hab‘ ich die Martas auf Twitter genervt, dann werde ich das mal auseinander bröseln. Ich begann mit Ironie und die wurde nicht verstanden, so was kommt vor. Ich wollte halt nicht Poggenpohl schreiben.

Und das endete damit.

Da gibt sich jemand Mühe zu kommunizieren und wir labern aneinander vorbei. Menschen helfen, weil ich alter Sack wohl nicht so recht weiß, wie man da so surft. Twitter halt..
Also:
Dieses Martamuseum sieht einfach geil aus, das lockt, nur würde ich gerne wissen, was es da zu sehen gibt. Da ist irgendetwas mit Design. Find‘ ich gut. Nur gibt es da eine Dauerausstellung, ist das thematisiert? Wie zeigt man im Kunstumfeld Architektur? Gibt es da eigene Räume? Überhaupt, wie sieht es da innen aus? Lohnt es sich hinzufahren? Leute das ist alles so verschwurbelt verschraubt erzählt auf Eurer Website. Es gibt wohl eine Dauerausstellung mit Bildern an der Wand. Gut, wie sonst auch. Man kann einige Werke ansehen, steht aber nicht dabei, von wem und was… Eine Liste der Künstler. Ohne Link oder Erklärung. Das meinte ich und keine Mission-Statements. Die sind für die Galerie, die Gremien, doch nicht für wissensdurstiges Volk. Das sind Absichtserklärungen, keine Infos für die Museumsplebs, die neugierig auf zeitgenössische Kunst ist. Und warum genau sind da so viele Lobby-Verbände im Haus? Interagieren die mit dem Museum? Aber ja weiter zur…]

Blogparadenaufruf #besuchermacht.
Erste Assoziation: „Möge die Macht mit Euch sein“
Zweite Assoziation: „Machtergreifung“
Dritte Assoziation: „Macht endlich auch mal was!“

O. k. Das ist gemein, bestimmt so nicht gedacht, aber genauso schoss es mir durchs Hirn. Weiter quer gelesen….

„Teile der auswählenden und deutenden Macht vom kuratorischen Team an die BesucherInnen abgegeben. Als ein adäquater Ort erschien das Digitale.“

„Das Digitale“. Hhmm. Also 001001, true, false, xor? „Die deutende Macht?“ Ist das Kuratorensprech? Rückstände alter preußischer Kunstvorschriften? Der 9. Dahn promovierter Kulturkämpfer? Man mag mir blutigem Laien verzeihen, das mag ich nicht.

Ah da, das Zauberwort! „Partizipation“. Ich weiß nicht. Da sind Bildchen, die ich nebeneinander ziehen soll. Ähm, wie groß bitte sind die im Original, in welchem Kontext und Raum sollen die da stehen, hängen, liegen, schweben?

Das also ist dieser Kulturmachtkampf?
Zurück zur Parade:

Und dieser Aufsatz dieses Posting hier wird dann vom Herrn Direktor kritisch beäugt und bewertet, wie in der Schule selig?

Ich hab mich letztes Jahr 6 Monate mit Partizipation im Theater durch Mitmachen beschäftigt, gehe diesen Monat zu zwei Social-Media-Acts von Museen. Bei der #selfierade bin ich auch beteiligt, wie das Marta-Blog auch. Aber Machtkämpfe brauche ich dazu nicht. Das ist für mich kein Ansatz. Kuratorenmacht…#schauder

Darf ich mal versuchen zu formulieren?

Also, liebe Besucher, heeres Volk minniglich! Wir hier im Museum reißen uns Jahr für Jahr den Arsch auf für Euch. Wir kuratieren und hängen und debattieren und und und. Dann kommt ihr und latscht durch die Ausstellung. Stars sind wie immer die Künstler und deren Genie oder auch nicht, aber ob euch die Ausstellung per se gefallen hat, ob unsere Arbeit euch geholfen hat die maximale Wirkung der Werke auf eure Seelchen zu entfalten, das erfahren wir nie. Wollt ihr Euch nicht mitteilen, uns helfen besser zu kuratieren, besser an Wünschen entlang. Wir debattieren so ewig im Kreis, immer im Kunstbetrieb gefangen, die Kunsthistorikerfähnchen schwenkend.
Wie könnten wir denn zusammenkommen? Jetzt helft uns doch mal. Ihr habt doch nicht nur die Macht der Füsse, die sich ins Museum bewegen, oder?

Also dazu könnte ich mir ggfs etwas einfallen lassen!

Nichts für ungut. Ich finde es toll, dass ihr Euch auf diesen Weg begebt, aber das ist alles so steif. Wenn wir denn partizpieren wollten nehmen wir doch keinem die Deutungshoheit und/oder den Job weg, wir würden auch die Kunst nicht banalisieren oder kaputt kuratieren.. Ich persönlich mag es lieber lockerer. Aber das ist Geschmackssache. Anyone else?

[update: Die Ergänzung zur Partzipation im Theater, die „Marta Herford“ gerne lesen würde wurde zum eigenen Posting „Missionen, digitales Part II“

Was ist ein #selfie?

Ein Beitrag zur Blogparade „#Selfierade“ für die Ausstellung #Ichbinhier der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.
(Sehr selfische, selbstzentrierte Gedanken, sogar nicht selbstverständlich, #hust)
Was ein Selfie ist weiß doch jeder; das bildliche Selbst, festgehalten via Smartphone & Co, getwittert, gefazebucht, instagrammiert, getumblert, gesonstnochwot! Zum Dokumentieren, zum Angeben, zum Winken, zum Teilen… Wirklich?self_5Eigentlich wollte ich hier eine Satire schreiben. Über gefakte Selfies, über Selfies aus Museen zur Angabe, was wir doch so als Hechte tollen, wir Kunstbekenner. Selfies als Ersatz zum Dia-Abend mit Käseigeln, für die Twitterer heutzutage gerne mit Nutella und Mett. Lästern. Mich erheben. Ich nahm neue Selfies auf, wollte schabernakieren. Selfies faken ohne Fotoshop…wolfgang_staedel (Quelle: Screenshot vom Google Art Project, Städelmuseum Frankfurt)

Das klappte noch nicht wirklich, aber es klickte! Ich mache so gut wie nie Selfies auch nicht für meinen Twitteraccount @mikelbower. 5 oder zehn gegen die anderen 54000 Tweets. Mein Gesicht ist mir nicht wichtig dabei. Für mich ist viel wichtiger, was ich denke, fühle, beobachte, was Umgebung, was Kunst, was Mensch mit mir macht. Innerlich. Im Hirn, ob ich das wieder von mir geben kann. Verwursteln. Zu Text. Text zum Bild, zum Weg, zum Park, zu Stadt, zu Land, Fluss. Ein Ozean aus Gedankenfluten, verkürzt zu einem #twly vielleicht.

Ich mache das schon Jahre lang. Aber auf die Idee, dass sowas Selfies sind kam ich noch nie. Sogar gedruckt ist das schon. In der Wortschau. Bilanziergang hieß die Ausgabe. Seit letztem Jahr nutze ich meine Domain mikelbower.com um meine Ausflüge zu dokumentiere, mein #lustparken, mein co- #lustwandeln meine Lyrik zum Park in Schwetzingen.
schwetz_mosch

Meine Selfies sind aus Text! Hier beim Tweetup #duerer im Städelmuseum

fugger_duerer

Dazu passen auch meine Gedanken zu „Amateurlaie“.(Man kann als „Laie“ über Kunst, Theater, Musik & co schreiben ohne studiert zu haben, man muss nicht, aber man kann) Das ist keine Konkurrenz zum Profi, sondern eine Ergänzung. Schreiben, malen, singen, schauspielern und, und, und die Großen der Zunft nur für die Kritik, oder auch für uns, die wir zusehen, hören, Eintritt zahlen, kaufen?

Deshalb liebe ich wohl Tweetups. Und: Was würde ich gerne andere Text-Selfies lesen. Keine Wiedergabe der Führung, nein aus dem eigenen Hirn gequollen, kein Bericht, was zu sehen ist. Das, was die Kunst mit euch macht, mit uns macht. Live und in Echtzeit. Vielleicht irgendwann einmal oder, oder? 🙂

Ja und dann! In Museen kann ich das meist nicht. Zu viel Volk um mich herum, misstrauische Security und: Meist bin ich da zur schreibenden Unzeit, also vor 18:00 Uhr oder so. Aber es gibt ja immer mehr ganz hervorragende Online-Archive der Museen, die ich zum Schabernack benutzen wollte. Hier also der Versuch einer lyrischen Annäherung an ein Onlinebild der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe im Google-Art-Projekt! rembrandt (Auf den Ohren Diana Krall „Glad Rag Doll“ via Spotify)
Ja, das hat mehr mit mir zu tun, als mit dem, was der Künstler vielleicht sagen wollte. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Kunsthistoriker. 🙂
#tl;dr
Ein Selfie kann Text sein!

Vliese und chemische Erotik

(Achtung! Alter Mann und Rentner erzählt vom Krieg!)
(Eine minimalistische Poetik der Arbeitswelt, oder so und das ist jetzt schon ein Beitrag einer Blogparade, die es noch gar nicht gibt #kultdef von Tanja Praske. Yodeli! :))
Das SWR-Fernsehen hat eine Sendung über meinen fast ehemaligen Arbeitgeber gedreht mit Kollege Holger Drexler als Hauptdarsteller. Er hat es oft in Nachtschichten erzählt, dass seine komplette Familie mit der Familie Freudenberg irgendwie patriarchalisch verknüpft ist, wie fast der ganze Ort, samt angeschlossener Odenwaldhölle, außer den SAPs, den Wursthäutlern, der Nudel, den Verlagen et und cetera PP. Und doch, da gibt es durchaus rebellischere Betriebsräte und die sammeln nicht nur Geld, nein, nein, da herrscht nicht nur Harmonie. Sehenswert auch mein Lieblingsort, der Hermannshof. Ihr kennt das ja! Aber trotz alle dem…..Endlich eine Sendung, die klar und deutlich erarbeitet, was denn da Vliesstoffe sind.
Und das mit dem Helia verschweigen wir gerne auch weiterhin, gell?
vlies_swr
Aber! Irgendwie hat das Unternehmen was. Oder kennt ihr noch eine Firmenzeitung, die Gedichte zu ihren Produkten veröffentlicht? Mit meiner chemischen Erotik? Die auch schon mal animiert bei T-Online hing.. Da waren nicht alle amused. (Winkt den ehemaligen Cheffes…) Glaubt mir das! :))
Aber man tat es. Man tat es wirklich!
vliese
Samt einem Portät von mir. Nein, es ist mir nicht peinlich. „Der Wortmischer…Michael Bauer, Poet“ war eine geile Headline.
wortmischer

Ich hör‘ ja schon auf! 🙂

Metropole, Bücher und Bibliotheken

Ich habe diesen Post auch in der „#Blogparade: Bibliotheken und Bücher – zeitlose Faszination“ der Rheinland-Pfalz-Blogger eingetragen.

Jana Stahl, Radio-Moderatorin, freie Journalistin, Bücherfrau und mehr, auf Twitter als @WortRatgeberin bekannt wollte für einen Artikel zur Metropolcard und metropolbib.de meine Erfahrungen einbringen. Nach der Pressekonferenz kurze Anfrage bei mir, via Twitter-DM um 15:30, sie hatte dort meine Bibliothekstweets gelesen. Ich schrieb das kurz auf und die Deadline um 17:45 konnte lässig gehalten werden, so wie ich so etwas mag. Der Artikel stand dann auch heute im Bereich „Metropolregion“, das heißt in allen Ausgaben, des Mannheimer Morgen auch online. Hier der Link, der irgendwann nur noch Abonennten zugänglich sein wird. Und jetzt fällt mir ein, dass ich noch nie über die Metropolcard bloggte. Nun denn!
Die Metropolcard ist ein gemeinsamer Nutzerausweis für, im Augenblick 22, Bibliotheken in der Metropol Rhein-Neckar. Für 20 € Jahresbeitrag kann man die Medien der Büchereien leihen und hat auch Zugang zu der Onleihe metropolbib.de. Eine gigantische Auswahl, mit dem Rechercheportal Opac und für Android-Handys auch mit WebOpac. Im Web oder unterwegs Bestände recherchieren, vormerken, verlängern. Und auch eBooks, Hörbücher und Zeitschriften downloaden via Onleihe-App oder der Adobe Digital Edition.

Anfangs wollte ich nur die Möglichkeit nutzen meinen eReader zu füttern, aber dann kam meine zweite Metropol-Card hinzu. Die „Karte ab 60“ des Verkehrs Verbund Rhein Neckar. Das ist eine Jahreskarte für Senioren für 35,90 / Monat für alle Bahnen, Busse, Straßenbahnen des VRN. Von Wissemburg bis anch Würzburg, durch Übergangsregelungen. Also stand Dauerfahrten zu den Bibliotheken in Mannheim und Heidelberg nichts mehr im Wege, mit den Haltestellen direkt vor der Haustür. Übrigens verbindet diese beiden Büchereien die selbe Linie, die 5, früher auch OEG genannt. Auch mit der 5 erreichbar, die Bibliothek in Weinheim, die seit gestern auch diesen Service mitanbiete, in der Stadt, in der ich seit 37 Jahren arbeite. Ich werde mich dort nächste Woche registrieren. Wenn meine passive Altersteilzeit im April anläuft sicherlich auch in Ludwigshafen. Nur einmal umsteigen von der 5 in die 4….

Soweit so gut. Hervorragend. Ich liebe diese Möglichkeit. Die Stadt Viernheim macht leider nicht mit. Schade. Nun ja.

Aber manchmal denkt man weiter. Das kann eigentlich nur der Anfang sein. Natürlich ist die Onleihe eigentlich leicht hahnebüchend. Aus rechtlichen Gründen dürfen nur x-Exempalre einer Datei ausgeliehen werden, als ob es körperliche Medien wären. Normalerweise könnte der Downlaod natürlich unbegrenzt sein. Aber dies scheint letztlich der einzig korrekte Weg zu sein, im Augenblick. Im Augenblick. Aber!

Überall herrscht Empörung und Abscheu gegen die Internetriesen, die alles beherrschen wollen, den Buchmarkt, digital oder nicht, allem voran die Amanzone. Amazon und Google sind dicht davor auch Leihmodelle zu entwickeln, die wohl irgendwann zu Flatrates werden.

Warum nutzt niemand die Gelegenheit ein solchen Weg der Metropol-Büchereien zu professionalisieren und bundesweit zu managen? Mit einer Software, die unabhängig auch von Adobe ist (für das DRM), in der statt auf Amazon zum Kauf auf den örtlichen Buchhandel gelinkt wird, samt Bildchen und Beschreibung des Mediums. Einer der Partner der Metropolbib ist die SAP. Hallo! SAP? Genau! Die öffentlichen Bibliotheken (auch die der Schulen und Hochschulen), als Träger des Wissensmanagements auf Flatbasis. Mit Veröffentlichungs-Service für Selfpublisher (Selbstverleger darf man ja nicht mehr sagen :)) ) zum Beispiel. Für Indie-Bands, für Filmemacher, für… Alles ganz legal und mit der Möglichkeiten für die Urheber genug Geld zum Leben zu verdienen. Bibliotheken, diese ururalte Institution für das Wissen der Zukunft. Hätte was! Im Verbund! Keine Konzerne, auch keine Verlagskonzerne. Bibliotheken mit bestausgebildeten Bibliotheken. Bewahrer, wie seit eh und je!

HA!

Suntne Angeli?

Bianca Garde plant ein eBook. Bianca ist regelmäßigen Besuchern dieses Blogs als Veranstalterin des Adventspodcast bekannt. Sie veranstaltet jetzt eine Blogparade über den Arbeitsplatz der Zukunft für Wissensarbeiter. Hatte ich gelesen, bin ich nicht, abgehakt, bis Bianca den Link zu Uwe’s Blogpost twitterte und ich erschrak. Zutiefst. Ich las (Zitat) „Damit wird es meinem Arbeitgeber möglich, zu atmen“. Und ich schluckte. Und dann wurde ich von Bianca und Uwe auf Twitter aufgefordert doch etwas zu schreiben und also beschloss ich zu paradieren.

Vor fast einem Jahr postete ich dieses Gedicht

Atme Fabrik, atme,

atme mich ein
atme mich aus
aus aus aus
und noch mal
ein ein ein
was gibt es
mehr als dein
Fabrikchen zu
sein HERR!

freudenberg

Ein lyrischer Kommentar zur Zumutung einer totalen, nicht selbst verantwortlichten Verfügbarkeit.

Sag nicht human zu Resources!

(Der Einfachheit halber noch einmal hier eingestellt)

Einer der wenigen Male, da ich meinen Job ins Blog brachte. Die Sache ist auch noch nicht ausgestanden, das mit der atmenden Fabrik, vielleicht ist es die Zukunft, ich befürchte es sogar. Ich bin Schichtarbeiter in der Produktion, mit dem Blick zur doch schon nahen Rente, es wird einem vieles egal, es trifft nur noch für ein paar Jährchen zu, wenn überhaupt. Und doch. Das regte mich auf.

Und da gibt es Menschen, gewiss symphatische, die Solches freiwillig tun wollen, sich möglichereise in die Spirale der Selbstausbeutung bewegen wollen, ohne Tarifverträge, ohne einen Hauch von Solidarität gemeinsam Handelnder? Der totale Verzicht auf irgendwelche organisierte Kollegialität? Alles alleine aushandeln, ohne zu bedenken vielleicht über den Tisch gezogen zu werden? Für mich läuft das alles auf eine negative Versteigerung hinaus, wie sie in den frühkapitalistischen englischen Bergwerken üblich war. Der Patron versteigerte die Berechtigung zur Arbeit im Schacht, Flöz für Flöz an konkurrierende Steigergruppen, die sich unterbieten mussten, damit das Unternehmen atmen konnte. Nein, so schlimm will das niemand mehr, ich weiß, obwohl wenn man so manche US-republikanische Stimmen hört……

Ich denke es wird einige Kämpfe geben,

bis das alles in Tarifverträge gegossen ist, Rückzugskämpfe aus paradiesischen Zeiten von heute, als man noch halbwegs sein Privatleben planen konnte, jenseits des Zwangs Geld verdienen zu müssen. Reden wir nicht von den Sklaven mancher Zeitarbeitsfirmen, den Menschen, für die es eigentlich Mindestlöhne geben müsste. Dem unteren Rand der Gesellschaft, der Schattenwirtschaft, dort wo die ach so gepriesenen Mini-Jobs … und dann lese ich da, wieder bei Uwe, „Zugleich gibt es in Zukunft Plattformen, auf denen ich meine Skills für sogenannte Microjobs anbieten kann“… und es schüttelte mich.

Ich denke auch an viele Texter, Künstler, Musiker, die ich kenne, immer an der Armutsgrenze, immer alleine vor sich hinwurschtelnd, Galeristen ausgeliefert, Sponsoren, öffentlichen Auftraggebern. Bohème ist selten lustig, auch wenn sie digital daherkommt, vor allem im Alter, wenn die Kraft nachlässt. Ich denke da an den 78 jährigen Designer um die Ecke, der nicht aufhören kann zu arbeiten, rentenlos, nach Herzinfarkt..

Nein, ich will jetzt mit keinem sozialistisch-gewerkschaftlichen Zeigefinger wackeln, nur Nachdenklichkeit einfordern, wenn es denn beliebt. nachdenken über die Geschichte der Arbeit, die Geschichte der Arbeitenden. Und nicht nur der Wissensarbeiter. Die Zusammenhänge größer sehen, weiter…

Vielleicht gilt das ja aber alles in der „Wissensarbeiterökonomie“ nicht und doch mir kam der Satz „Suntne Angeli?“ in den Sinn, aus einem uralten Theologenwitz. (Sunte Angeli? Sind es Engel? , stand lapidar auf einem eingereichten Bauplan eines neuen Priesterseminars. Man hatte die Toiletten vergessen…)

Bei all diesem solistischen Arbeiten der Cloud-Gläubigen, den fröhlich wechselnden Co-Workern ( „Coworkern“ ließt sich immer so nach Cow ;-)) der Leistungsfanatiker jenseits der Anwesenheit… sind das Engel, Geistwesen, die keine menschliche Interaktion brauchen? Blicke? Gesten? Gerüche? Vertrauen durch langjährige Arbeitsbeziehungen? Was passiert mit all dem Social Media, wenn ein solches Wesen krank wird, nicht mehr so kann, wenn die Micro-Jobs ausbleiben, wenn das erworbene Wissen wegen neuer Entwicklungen nichts mehr Wert ist, nicht mehr gebraucht wird?

Wie gesagt, ich bewege mich sanft auf das Ende meines Berufslebens zu, ich denke nicht mehr über „meinen“ zukünftigen Arbeitsplatz nach, der wird irgendwann auf der Wiese mit einem Netbook auf der Decke sein, ganz wie beschrieben, Gedichte schreiben, aber eben als Rentner 😉

Ich möchte nur Anstöße geben in dieser Parade, Gedankenwinden von mir geben…. nachzudenken, nicht alles begierig aufzusaugen, ja gesellschaftspolitische Naivität nicht aufkommen zu lassen und erdverbunden zu denken, den Kopf nicht in der Cloud zu verlieren…und nach den „Sunte Angeli?“ auch zu fragen „Cui bono?“ „Wem nutzt das?“ Wirklich mir, meiner Familie, meinem Umfeld, uns allen, oder doch nur den Wenigen, wie immer?