Rosa glitzerndes Einhorn mit Öpve auf Blumenkübel #rgemöab

eine Tweihnachtsgeschichte
(wahrscheinlich nur für Twitterer verständlich, ich bitte die Andersgläubigen meiner Blogbesucher um Entschuldigung, aber es weihnachtet doch sehr)

Herr Hach saß auf dem einzigen Blumenkübel seines Ponyhofes, aß ein Mettbrötchen und streichelte sein rosa glitzerndes Einhorn unter der Öpve. Herr Hach war verliebt. „#hach“, seufzte er. „#hachhachhach“. Herr Hach hatte deutlich die 40 überschritten, wog bei einer Körpergröße von 192 cm 102 Kilogramm, fast ohne Fettgewebe, führte seinen Hof als Diplom-Landwirt effizient vollökonomisch mit reinstem Bio, fuhr eine 1300 Hayabusa und pflegte in früheren Jahren zu Boxen, als Amateur, fast wäre er einmal rheinhessischer Vizemeister geworden. In eine Großbauernfamilie geboren, die bereits zu Karl des Großen Zeiten Freie waren und hier siedelten. „#hachhachhach“ sang er und hüpfte auf einem Bein. Herr Hach war verliebt. Irrsinnig verliebt, nicht nur in eine Frau, nicht in einen Mann oder Mischformen davon. Er war in seine Timeline verliebt. Einer dieser streng blickenden Heroen seiner PR-Agentur hatte ihn überzeugt, für seinen Betrieb die Kunden mit Social Web zu beglücken. Transmedia Story Telling zu Ponyhof, Bio-Hand-Käse, Bio-Metzgerei samt dazugehörigem Vieh, Bio-Riesling, den nachhaltigen Pferdeboxen und Vollwertkarotten. Er bloggte also, zog das Ganze zu Facebook, managte die Fanpage und blieb am Ball, er war so gut, dass er bald auf den Präsis (er hatte die spezielle Beratersprech nach 5 Minuten schon verinnerlicht) der meinungsführenden Consulatanten im Ranking der landwirtschaftlichen SocialMedia Betriebe weit oben stand, er hatte sogar die ländlichen Schlosshoteliers von den Plätzen verdrängt, die Apfelweinschäfer und die PR-getrieben fastenesoterischen Saftläden und die nachbarlichen Weininstallateure sowieso. Herr Hach hatte es voll ‚drauf, bis man ihn auch auf Twitter trieb, wo er als @biohach phänomenal einstieg. Der erste Tweet hieß:

@biohach Ich besitze einen Bio-Hof / Ponyhof und empfehle als Erstes mein täglich frisches Bio-Mett zum Vollkornbrötchen aus 100% Bioroggen

So vielen Schlüsselwörtern konnten die wiedervereinigten deutschen Twitter-Timelines nicht widerstehen. Eine ReTweet-Orgie setzte ein und innerhalb von 2 Stunden hatte fast 10000 Follower. Er war sofort der Star der Twitter-Konsuler und nur die neidischen Berliner Großtwitterer vermissten die Postprivacy, denn Herr Hach gab keinerlei Privates von sich, folgte brav allen und lies sich auch liebevolle necken, ob er denn auch ein rosa glitzerndes weißes Einhorn hätte und nahm auch an den #bsf (Bauer sucht Frau) Disputen teil, aber als es ihm herausrutschte, dass er auch wieder ledig sei, aber nicht unbedingt suchte, stiegen die Direktnachrichten an ihn von weiblichen Tweeties ins unermessliche. Er beantwortete alle ganz höflich, aber distanziert, obwohl er so manches Mal stark in Versuchung kam. Alles war nur geschäftlich. Die #blumenkübel-Aktion vertrat er führend mit und auch #zensursula hatte er im Visier, beteiligte sich an fast jeder Online-Petition, nur die FAV-Szene betrat er nie, sie schien ihm dann doch zu pubertär.

Die PR-Agentur schlug eine ganz neue Strategie vor. Eine bekannte Künstlerin aus dem nahen Oppenheim gestaltete eine Holzskulptur „Rosa glitzerndes Einhorn mit Öpve auf Blumenkübel #rgemöab“. Die deutschen Twitter-Timelines überschlugen sich, die Tweets mit #hashtag #rgemöab bretterten im Sekundentakt durch die Server in Frisco, natürlich hatte er die #trendingtopics sogar weltweit erobert, es begann ein Twittertourismus in den verschlafenen Ort am Rhein zwischen Worms und Mainz. Sogar Abordnungen aus USA und russischen Twitterdissidenten tourten zum Hof, das Mett war täglich bereits um 7:00 von der Frühschicht-Timeline aufgekauft und weil das Kunstwerk ein Kunstwerk war und keine PR-Aktion, musste die Künstlerin sehr oft vor Ort weilen, Erklärungen abgeben, die Kunst-Presse befriedigen, die auch einmal Web 2.0 gehypt sein wollte, von den Konsulanten-Heerscharen, die sich auch einmal in Kunst suhlen wollten, statt in Gadgets für Apfelfernmeldegeräte, nicht zu reden, es wurde oft spät abends und so hatte sie im neu entstehenden Gästetrakt für das Wohnen auf dem „Einhornhof“ ein behelfsmäßiges Atelier samt Schlafgelegenheit und Bad. Herr Hach brachte ihr auch zunächst ganz geschäftlich das Twittern bei, nachdem er ihr ein Blog für ihr Daily Painting auf seinem Server installiert hatte, aber als die Tag kürzer wurden und Herr Hach das #hachen in allen Varianten lehrte, da funkte es.

Heute Morgen, als Herr Hach für den letzten Rest Mett Eigenbedarf für das gemeinsame Frühstück geltend machte, bei seinem demokratisch-gewerkschaftlich einwandfreien Gesinde sang er erstmals das große #hachhachhach. Schon nach der dritten gemeinsamen Hachnacht plante man das Atelier größer und nicht mehr behelfsmäßig und die Schlafgelegenheit wurde ins Haupthaus verlegt. Herr Hach war irrsinnig verliebt und diese Liebe wollte er seiner Timeline zurückgeben.

Also saß er auf dem Blumenkübel und hatte DIE Idee! Er würde sich ein weißes Kostüm schneidern lassen, mit rosa glitzerndem Tand und eine grüne Einhorn Zipfelmütze. Und wer auch immer im Twitterland zur Weihnachtszeit per Plancast eine Tweihnachtsmarkt plante und ihn einlud, wollte er Bio-Riesling-Glühwein kostenlos ausschenken und Mettbrötchen an die Hungernden verteilen, und wenn er noch etwas übrig hätte, in seinem rosa glitzernden Tweihnachstkarren einfach die Tweeties in den Tweihnachtsorten aufsuchen, er kannte ja ggfs die Geodaten aus den Bios seiner Timeline und sein Android hatte ja GPS.

So rauscht Herr Hach auch heute noch durch die Lande, natürlich begleitet #hach und wenn es nachher noch klingelt oder morgen bis in den späten Nachmittag, liebe Timeline, sehr verehrten Damen und Herren Twitter, dann ist es Herr #hach.