Public! Wo Fakten im Biblioseum wuchern!

Achtung! Betriebslaie, Benutzer only! Traumtänzer!
Mein Beitrag zur „Blogparade Public“ der Münchner Stadtbibliothek.
Gefragt ist:

Wie kann, wie soll eine Bibliothek im 21. Jahrhundert aussehen? Welche Anforderungen stellen die Menschen in Großstädten an ihr kulturelles und soziales Umfeld? Wie können Bibliotheken mit ihnen gemeinsam neu gedacht und geplant werden? Und wie prägt die öffentliche Bibliothek als Kultur- und Bildungsinstitution die sie umgebende Stadtlandschaft?

Und mir ging nicht aus dem Sinn, was mir in Koblenz einfiel:


Aber bestimmt ist das eine ganz tolle Bibliothek, da. Sieht wenigstes so aus. Müsste man Koblenzer befragen, wie sich das anfühlt!
Meine Blogbeiträge dazu, was ich denn in Koblenz zu suchen hatte.. „Kastor, das Heer, die Mosel, der Rhein, Koblenz.“ und „Beautiful #Tweetupko“
Ich hatte ja schon über Bibliotheken in Blogparaden geschrieben oder in solchigen gelesen.

Das mit den Bibliotheken scheint ja einfach zu sein: Ein paar Regale, dort stehen Bücher, man kann sie leihen und muss sie wieder zurückbringen. Seit Jahren schon auch Musik oder Filme auf Datenträgern oder Noten.
Also eine Datenträgerverwahranstalt? Und Datenträger? Doch, ein gedrucktes Buch ist auch ein Datenträger. Nein, keine Debatte über Print oder anderes, es gibt wichtigeres zu besprechen.
Es gibt insgesamt eine Krise der Datenträger. Man braucht sie eigentlich nur mehr als Backup. Bücher, Musik, Film und Co gibt es längst digitalisiert und irgendwann wird Google auch die Bibliotheken durch haben.

Screenshot „Google Play Store“ 1/2017

Apple hat das ja quasi als erstes die Musik-Datenträger überflüssig gemacht, Netflix & Co sind dabei das Kino überflüssig zu machen, wie auch das Fernsehen. Wollen wir das alles nur den Großen überlassen?

Abhängig vom Kommerz? Überhaupt: Wie nachhaltig ist das alles? Von wegen das Netz vergisst nichts. Was, wenn all diese Dienste sterben, die Server ausgeleiert sind? Wenn der Spiegel im Printsterben mit untergeht und das Projekt Gutenberg mit ihm?

Screenshot „Projekt Gutenberg“ 1/2017

Ja, ja, die Onleihe, nutze ich gerne und viel, aber das kann doch nur ein Anfang sein.
Wer plant und bezahlt eine Weltbibliothek der digitalen Güter und stellt sie auch zur Verfügung? Das sprengt natürlich die Möglichkeiten jeder Stadtbibliothek, aber könnte man darüber nachdenken sich zu beteiligen, seinen Benutzern auch in ferner Zukunft Zugang zu gewähren? Zu katalogisieren, jenseits von Hashtags und Playlists. Nie mehr vergriffen, vergilbt, vergessen, verboten!
Screenshot „meiner“ Onleihe, der Metropolbib Rhein-Neckar.

Egal jetzt, es geht ja um die nahe Zukunft. Alle Welt trumpetet ja über dieese Welt der Unfakten und der Dochfakten. Ich hätte gerne einen Ort, an dem man den Fakten nachspüren kann. Recherche mit allen Sinnen. Ein klassischer Fall für Bibliotheken! Entweder im Bestand der Medien, oder in den Medienverbünden, doch gibt es heute schon oder eben im Netz. Webweiser inklusive. Elektronische, menschliche, von mir aus robotische. Ein Ort, der das Faktische darbietet, finden lässt, nicht gängelt, sonder einen Weg durch den medialen Dschungel erschleichen lässt. WegweiserIn, Webweise. Möglichkeiten sich erarbeiten. Zwischen den Regalen, in Extra-Räumen, vor der Tür, auf der Terrasse. Als ob es ein nicht-museales Museum wäre, mit allem und scharf! Das Biblioseum. Kann eine Bibliothek nicht wie ein Museum funktionieren, mit Archiv und Ausstellung(en) kuratiert? Wie in Speyer gerade?

Tablets für die App zur Ausstellung für Kinder. Historisches Museum Speyer.

Nur wenige Medien präsentiert, oder in Multimedien aufgezeigt. Gerne geführt (Webweise, sic). Und via Touch oder Scan andere Medien in Ausgaben zum mitnehmen oder die Links aufs Handy. Einen Ort hätte ich gern die Welt zu besuchen. „You never walk alone“ in den Ohren, das ganze partizipativ, also wir Nutzer dürfen auch mitmachen, natürlich, wir haben ja 2017. Mit Treffpunkt! Auch in Speyer, da war ich halt gerade!
Immer wieder fein: Das Café im Historischen Museum Speyer

Na, BibliothkerInnen ist das Stoff zum Träumen? Nein, ich habe keine Ahnung, wie genau man sowas gestalten könnte, wie man dafür Geld und Menschen an Land ziehen könnte, wo ihr Architekten findet, die sowas bauen, es muss ja nicht so außerirdisch schön sein, wie in Koblenz! Träumt sich hübsch, oder?

[Update] Inzwischen hat mich ein Hinweis zu einem Youtube-Film erreicht. (Ratet mal woher 🙂 ) Die jungen FaMIs (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, welch ein deutsches Wort!) sind für genau das offensichtlich bestens gerüstet!

Ich bin FaMI!

Produktion: Juliana Kornmayer, Saskia Kunert, Monique Linstädt und Marie-Theres Bauer. Gedreht in der Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin, in der Stadtbibliothek Ludwigsfelde sowie im Hause einer Protagonistin. Entstanden im Rahmen eines Berufsschul-Marketingprojekts im 3. Ausbildungsjahr. #iLike

Auf eine zusätzliche Idee gebracht hat mich meine Anordnung der Browser-Lesezeichen, wie sie sich so eher zufällig ergeben hat: Unter dem Hauptordner „Biblio“ kommt „Kunst und Theater“!

Teil meiner Lesezeichenleiste unter Chrome.

Und jetzt noch unrealistischer. Praktische Informationsarbeit! Neutral, auch geschmacksneutral. Etwas für die local Heroes. Ein Ort, wo ich herausfinden kann, was in dieser Stadt, dieser Region zu finden ist, was läuft, wer spielt, wer singt, wer tanzt, wer schreibt, wer malt. (Region: Ich kann lässig mit 2 Straßenbahnlinien 3 Stadtbibliotheken anfahren in 2 Bundesländern, aus einem 3. heraus, z.B.). Nein, keine Touristeninformation, sondern Einwohnerinformation. Eine Art Litfaßsäule 5.0. Endlich ein Ort, wo keine Marketinger sich in Stadtzeitungen die Hälse trocken schreien, sondern Gelegenheit für diese still und sich einordnend in die große Gemeinde der Kulturverursacher. Stände, Altäre, Linklisten, Playlists, wie auch immer präsentiert, gerne mit Menschen vor Ort. Gleich mit Ticketshop oder Link zum Onlineshop, der Verkehrsverbund mit eingebunden, gleich zum mitbuchen. Theater, Museen, Galerien, Bühnen, Großkunst, Mittelkunst, Kleinkunst. Kneipen, was weiß ich was alles. Einfach alles. Und wieder kuratiert, präsentiert. Partizipativ? Verabredung zum Konzert, zum Museumsbesuch, zu…

Ich hör‘ ja schon auf. Aber ihr habt gefragt!
(Geht ab lesen)

2 Gedanken zu „Public! Wo Fakten im Biblioseum wuchern!“

  1. Ein toller, schöner Text – bin noch ganz stumm vor Glück und hätte sehr gerne noch ein paar Absätze länger gelesen 🙂
    Was sich bei mir verhakt hat: die Krise der Datenträger, natürlich das Biblioseum sowie das Recherchieren mit allen Sinnen. Darüber muss ich jetzt mal in Ruhe nachdenken, deshalb danke dafür!

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