Pedale treten Betonweg

[Update] Ein Bericht des „Mannheimer Morgen“ in der Ausgabe „Neckarstadt Ost“ ist online..

„Als alter Hase wusste er sein Publikum zu unterhalten – unter anderem mit erotischen Fantasien zum Thema Fahrtwind“….

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Gewidmet allen tapferen Pedaltretern, die unentwegt über die Betonwege pesen, von Punkt A nach B. Im 200. Jahr des Drais am 08.Februar zu Mannheim. Siehe auch: „Radfahren, Theater und Literatur.“

Mein Beitrag bei der #spätlese13 im Theater des Felina-Areals.

Windliebe auf dem Rad, ich komme, ich komme

Lesung #spätlese13 Theaterareal Felina Foto: Angela Wendt (Man dankt!)
Ich streichle das Gesicht dieses Windes, wie er meines. Die Nase taut, während mein Rad gen Westen in seine Arme läuft, kaum ein Fortkommen, so heftig bläst er nur für mich, treibt die Wolken dort oben zu meinem Vergnügen, über mich, hinter mich, an die Hänge der Bergstraße, bis sie platzen und steigen, den Hochnebeln gleich, an dem Minarett vorbei, das heute Nacht wieder grün leuchten wird. Er küsst mich, nein mein Wind ist kein Mann, umfängt mich, spielt mit mir, küsst die Stirn. Nicht so heftig, mein Freund. Ich bin ein alter Mann, meine Knie ächzen, meine Fußgelenke stöhnen, nicht ganz so kräftig. Ja, so. Ich spüre dich durch die dicke Jacke unter der Kappe, auf den Schenkeln, langeunterhosenbedeckt. Ich gebe mich dir hin, erschaudere und dort, ich komme, ich komme. Ah, die Garage, ein Taschentuch und atmen, atmen, atmen. Der Wind, der Wind, das himmlische Kind.

Kamerafahrten

Seit Dienstag fahr‘ ich jetzt wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit. Morgens um 4:45 noch mit Handschuhen bewaffnet. Ich weiß nicht warum, aber dieses Jahr erlebe ich das viel bewusster. Innerlich ist alles eine konzentrierte Kamerafahrt. Nebenbei entstehen Kommentare dazu. Nicht unbedingt das unbewusste Füttern des lyrischen Ichs, wie sonst, sondern eher Klartext. Irgendwie hätte ich beständig Lust zu filmen und doch wieder nicht, will alles für mich behalten. Heute Morgen zum Beispiel der Feldhase, der fast 600 m (gefühlt) im Funzellicht des Trafo-driven Bike-light (eine tolle Satzkonstruktion, oder?) den sonst tief verdunkelten Betonweg vor mir her wirbelte, bevor er als Pseudo-Albino (gesehen-gefühlt) in das Erdbeerfeld nach rechts abdüste. Weiter vorn kommt dann der Komplex einer großen Spedition und jeden Morgen sehe ich in einem Fenster, wie dort, inzwischen ist es 4:58, jemand PowerPoints an die Leinwand drischt. Und dann das Kiosk am Westbahnhof (selbsternannt, Straßenbahnhaltestelle). Jeden Morgen kommt Rentner K. ( J? F.?) mit seinem Protzkarren direkt vor das Kiosk gefahren, käuft die Zeitung mit den vier Buchstaben und fährt die , (hhhm,) 8 m nicht etwa rückwärts zurück, sondern wendet mit viel Aufwand. Erst an der nächsten Ampel holt er mich ein, spielt mit seinen Scheinwerfern fangen, mit meinem Rucksack, zeichnet Schatten in das Stahlbad (so heißt die Haltestelle da). Und dann der Heimweg! Ich kann dank günstiger Lagen der Heim-, wie der Arbeitswelt zueinander, tatsächlich nur über „Feldwege“ nach Hause fahren. Trotz der zusammengelegt 70000 Einwohner unserer Städtchen und dem 300000er Klotz Mannheim im Anschluss daran, dessen Fußgängerzone, ähnlich „ländlich“ erweitert, erreichbar wäre, per Fahrrad natürlich. Die Heimfahrt ist dieser Tage eine Kakophonie in Weiß. Es blüht so sehr, dass es schon fast kitschig wirkt. Ein endloses Band weißer Blüten zeichnet mir was auf die Straße, den Weg? Ich weiß es noch nicht. Es wächst. Innerhalb, dort, wo die Kamerafahrten gespeichert werden, kommentiert, ausgewertet, geschnitten. Es wird Zeit die Handschuhe für morgen zu richten. Kamera ab, Action!

Regen auf dem Rad (8°+)

Wolkensamen in ultramarin wandeln über die Exkremente der Einhörner und Drachenprediger. Fahrradelfen kutschen unter den Zitterpalmen zu den Küssenschlachten zwischen die Quinten im Takt. Im Bonsai der Zwetschgentrolle prallen Pflaumen. Mein Ich pflügt das heimliche Meer der Katerstiller. Kleine Giganten tauschen Stühlchen, knutschen auf gebrauchten Karriereleitern. Entzwergt gellen Riesen in die Ewigkeiten der Kataloge der Necker, Ottos schnalzen Zungen. Hirne quetschen Kommoden. Hinterbrillchen schwanen zu Hals. Wolkensamen fallen. Heim.

Mein Rad fußt

Es läuft unter den schwarzen Tasten entlang. Zwei mal Pi. Der Durchmesser antwortet nicht. Ein Stamm fällt vom Apfel, weitet sich. Mein Schwein innert den Hund. Die frühen Menschen vögeln die Gallen zur Nacht. Ein Schiff pflügt durch die Gene, Mais van der Santa-Mons dringt Soda in der Fabrik der Baden, bis Anni. Lin entert Reis. Die Brandung applaust. Auf. Ich hacke Worte zu Mulch. Eine Tasse landet, ach der Flug. Birnen glühen Fäden. Nudeln taschen Maul. Esel tippen Lot. To. Mein Rat zu Fuße. Weiße spielen Moll. Ich taste.

Nach Westen zur Sonne : mein Rad

Betonweg von Heddesheim gen Mannheim in die Sonne, die in der Pfalz bald versinkt.

Unter Wolken
losen Grenzen
freien Sonnen
westen Grade

Räder treten
Ich von vorn
Kilo Meilen salzen
Mehr im Ozean

Dazwischen
Fließen & Rhein
Berge weinen Kerner
franco frei Chansons

Blaue Rauten weißen
Sehnsucht pfalzt
auf Nebenflüssen
weit weit West

Dort hin hinten
tritt tritt noch
zwei Kurbel weiter
weiter weiter weiter

Ein Bericht des „Mannheimer Morgen“ in der Ausgabe „Neckarstadt Ost“ ist online..

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