Nachtgesichter gewirbelt, nicht gemalt.

Dieser Beitrag ist Teil einer Trilogie mit Prolog!
Dies ist kein Menü!

Zum Prolog der Trilogie „Magritte“

1 Woher kannte Magritte Windows XP?
2 Nachtgesichter gewirbelt, nicht gemalt.
3 Dies ist kein Aufsatz, Herr Report! Kurz berichte!

Ach da…Bühnenluft. Geknipst beim NTM Tweetup.

tl;dr
Ich war in der Tanzproduktion „Gesicht der Nacht“ im Nationaltheater Mannheim, die von Magritte inspiriert ist, dessen Bilder ich morgens sah.

Gesicht der Nacht – Frank Fannar Pedersen und Stephan Thoss Premiere: Fr, 31. März 2017 Musik von Wojciech Kilar, Ludovico Einaudi, James Brown u.a.

Ordentliche! Rezensionen finden sich beim Mannheimer Morgen, SWR2, Mainzer Allgemeine und welche die heute schon nicht mehr online sind, da war was in der Frankfurter Rundschau…seltsam

Die Choreographie „Var“ von Fannar Pedersen lasse ich hier aus. Die Rezensenten verstehe ich übrigens nicht. In unserer Aufführung erhielt „Gesicht der Nacht“ wesentlich mehr Applaus.. (Für’s Protokoll)

Wie schreibt man über Ballett? Keine Ahnung, aber ich mache es trotzdem.

Über andere Theatersparten erfährt man ja so einiges in der Schule, also Schauspiel oder Oper. Aber Ballett? So geheimnisvoll. „Pas de deux“ hat man ja schon mal gehört, aber sonst? Zu Weihnachten gibt es den Nussknacker im Fernsehen und die Töchter haben ihre Tutu-Phase. Mit Spitzentanz. Mag ich eigentlich nicht so.  Wird in Koblenz praktiziert. Ich war da zu einem (Überraschung!) Tweetup einer Probe, da lernte ich einiges über Ballett.
– Unsereiner erfährt Ballett nicht via Verstand, sondern rein emotional. Eine Überebene, sozusagen, ähnlich, wie bei Musik, die uns gefällt oder nicht, Stimmungen erzeugt. Beim Ballett wirkt zusätzlich die Freude über die beweglichen Tänzer*innen, die durchtrainierten Körper, die Ästhetik der Bewegungen, die scheinbare Leichtigkeit der Hebefiguren, die Schwebeleichtigkeit. Meine Oma hätte gesagt: „Die wisse, was se gschafft hewwe“. Unsere Seelchen werden gestreichelt, zumeist.

In Mannheim gibt es einen neuen Tanz-Intendanten, Stephan Toss. Seine erste Arbeit sah ich in einer Sneak. Sommernachtstraum. Ich war erst verwirrt, sowas gab es bei Kevin O’Day nicht. Aber dann, in der Pause der Tweet:


Jetzt also „Gesicht der Nacht“.

Ich hatte es ja bereits im Entree zu den drei Blogposts beschrieben. „Magritte in Öl getanzt“

Inspiriert von den rätselhaften Bildern des belgischen Malers René Magritte lässt Thoss in Nightbook Bild, Tanz und Film ineinander übergehen.

Screenshot der NTM-Website „Gesicht der Nacht“

In der Schirn war ich morgens gewesen. Steht hier: „Woher kannte Magritte Windows XP?“

Jetzt also Magritte-Inspiration auf die Bühne getanzt. Im Opernhaus. Sah ungefähr so aus…(Trailer des NTM)

Ich nahm sogar an einer Kurzeinführung teil, mache ich sonst nie, von Ina Brütting locker, leicht und informativ aus der Lamäng ins Foyer gesprochen. (Das muss auch einmal gesagt werden, immer nur die Stars werden benannt. Ballettmanagment, was es heute alles gibt! 🙂 )

(Regieanweisung! Himmel Mikel, jetzt schreib endlich was zum Ballett!)

Der Orchestergraben ist nach oben gefahren, für das Büro der „Schriftstellerin“. Begleitet von ihrem Schatten erzeugt sie Träume, die auf eine durchsichtige Leinwand projiziert werden, als schwarz-weiß Video. Meist befindet sie sich also nahe beim Publikum. Die vierte Wand, die durchsichtige, teilt sie mit uns. Auf der großen Bühne des Opernhauses (Für die Älteren unter uns, das hieß ganz früher „Großes Haus“ und das war gut so.) tanzt das Ensemble dann die Alben, Stück für Stück, immer wieder neu, als ob Thoss nie die Einfälle ausgingen, die Gedankensprudel. Die Szenen sind fest im Gehirn, aber beschreiben? Wäre banal, hier. Die Träume wirbelen mit den Tänzer*innen in unser Gehirn, fast als wäre es ein Stummfilm, Szene an Szene, erzeugen neue im Gehirn, assoziieren mit eigenen Träumen, lassen uns wiedererkennen. Die Musik wechselt, als ob ein DJ ganz neue Zusammenhänge herstellen wolle von Bach bis James Brown. Jede Note wird durchtanzt, durchwirbelt.

Es war mir jetzt egal, wie all diese Bewegung auf tänzerisch heißen. Zweimal sah ich Magritte, eine Pfeife und einen Apfel. In einem Video, vielleicht glaubte ich auch es zu sehen. Die Magritte-Bilder im Kopf, eingesaugt morgens in der Schirn, wirbelten mit und ich lächelte innerlich: „Dies ist kein Tanztheater“. Ich kann mir nicht helfen, aber ganz alte, eigene Zeilen schossen hoch, schon ewig nicht mehr daran gedacht. Aus „Singe beim Babbln“

Wir sind die Nacht zur Nacht im Dunkeln,
Sonnenanbeter in Abwesenheit,
wir strahlen zur Nacht,
Wir leben der Nacht.
Nachts, wenn die Bürger träumen…..

Es war tatsächlich, als ob die Figuren Magrittes auf der Bühne mittanzten. Vielleicht auch nur, weil ich sie am gleichen Tag sah. Nein, da waren keine Bilder wirklich da, aber was ist schon die Wirklichkeit? Mein Kopf tanzte die Surreal, wer immer das ist. Es war tatsächlich der gleiche Eindruck. Gemächlich in der Schirn, gewirbelt im NTM. Nur die Wolken an Blau fehlten, aber wir waren ja auf einer Bühne. Gerne wäre ich mit der „Schriftstellerin“ hinter die 4. Wand geklettert, sie inspizierte dort manchmal ihre Traumgestalten, das Feuer für Platons Höhle entzünden, meine Träume in die Tänzer*innen pusten..
Meine Bilder im Kopf sind mit dem Tanz und der Ausstellung vermischt, haben neues entstehen lassen. Was kann man von Kunst besseres sagen?
Ein Kompliment an Stephan Thoss und sein Ensemble! Ich bin gespannt, was da noch alles auf uns zukommt, in diesem unseren Theater.

Aber auch in diesem Post, nebenbei, ein schnelles Tweetup im Casino des NTM-Werkhauses.

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