Nachlesen

Phil vom murmeltiertag, der Kurator der Lesung, hat ja bereits fast alles gesagt. Mit tollen Bildern! Dieses Bild hier, hat der Pälzer mit meinem Handy gemacht, merci.
Das war eine gute Lesung, auch inhaltlich, gerade weil die Genres so unterschiedlich waren, aber alles auf Topniveau, auch sprachlich. Ich war überrascht, wie gut die „gelesenen“ Blogpost waren, die ich ja zum Teil bereits auf den respektiven Blogs gelesen hatte. Auch wenn der Geschichtenerzähler stark mit seiner Nervosität kämpfen musste, war ich erstaunt, wie gut das alles mit dem leicht sächselnden Akzent ‚rüber kam, das Interview mit Bin Laden z.B. birgt großes Potential. Da wächst ein spitzzüngiges Talent heran, wenn er denn weiter schreibt. Pulle (Pulsiv) vom Neubaublog kannte ich noch nicht, aber das Titten, Titten war zu köstlich, vor allem, weil rein altersbedingt ich dieser Vater hätte sein können und in Jena wachsen erstaunliche Leute heran, immer wieder, oder Uwe, denn auch BastiH kommt von dort, erinnerte mich stark an Silkes Stil, auch wenn ein junger Mann natürlich anderes erlebt, als eine Poesie-Therapeutin, aber da war ‚was.
Aber auch Berlin punktete. Die doch eher autobiografischen Dinge von Anke kamen gut, kamen auch gut an, sie literarisiert fast nicht, erzählt nur ungemein gekonnt, man hört einfach gerne zu. Fast haben mir ihre Texte „mündlich“ besser gefallen, als im Blog, vor allem der Paket-Post. Dass sie zum ersten Mal vor Publikum las mochte ich gar nicht glauben.
Der Taubenvergrämer ist schon eine Klasse für sich. Cool gelesen, aus diesem Buch, das ich mir auch besorgen würde, wenn da der McWinkel nicht mit drin wäre, aber er war das Sahnehäubchen der Lesung. Mit großen Augen verfolge ich, was da unterschiedliches in Fortsetzung da zu diesem Thema kommt, vor allem, weil der Mensch dahinter im Gegensatz zu dem „Blog-Ich“ sehr sympathisch daherkommt. Auch seine Tweets haben was!
Allgemein finde es erstaunlich, dass 70 Leute zu einer Lesung kommen. Sehr erstaunlich. Innerlich war ich leicht kribbelig, ob meiner Auswahl. Dialekt, lyrische Prosa und das in Konkurrenz zu jungen Leuten, die doch eher die satirischen Saiten des Bloggens spannen. Aber es wurde aufmerksam zugehört. Man sah das Verstehen wollen in den Augen.

Ich fühlte mich wohl in dieser Gruppe, gerade WEIL niemand mit literarischen Ambitionen herum wedelte und diese trotzdem vorhanden waren. Unaufgeregt war das alles und zwar nicht nur aprés Lesung, sonder auch während, auch wenn Aufregung im Spiel war. Und doch wächst da ein neues Genre heran. Sehr wohl. Da entsteht eigenständiges, plurales, kein Ersatz für irgendetwas. Blogs sind kein Ersatz für Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, sie sind etwas vollkommen eigenständiges, korrespondieren mit dem Gedruckten aller Art, online-Sachen, aber sie sind bereits jetzt in ihrer ganzen Vielfalt ein Genre, auch wenn es vielen nicht passt. Auch Strickblogger, Katzenblogger sind Teil dieses Neuen, banal bis hochliterarisch, informativ und nur Linkschleuder, alles gehört dazu, wie im Leben, wie im Leben.

Und demnächst will ich genau wissen, was eigentlich Phils Motivationen sind solche Lesungen zu veranstalten. Angesichts der unglaublichen Anzahl von Biergärten in Steinheim ist mir sowieso unklar, wann sich die ansässigen Menschen anderen Tätigkeiten hingeben können, als alt-zu-stadten. Das Interview ist geistig am wachsen. Die Fahrradwege am Main sind übrigens auch traumhaft und ob ihr es mir glaubt oder nicht, auch dort reiht sich Biergarten an Biergarten.

Nachtrag: @Phil Tipp: Ein Flyer (zettelchen) mit den URLS der Lesenden wäre nicht schlecht.

update: Der erste Pressebericht ist online: Offenbacher Post. Blogger-Senior ist eine hübsche Bezeichnung für mich! Klick hier: Finanzkrise im Sandkasten.