KrokoKakedekel

(bei Durchsicht alter Ordner wieder gefunden, das hab‘ ich mal für den Jüngsten vor langer, langer Zeit geschrieben und zu schade zum vergammeln in den alten Ordner, falls es jemand seinem Kinde vorlesen wil….)

Bruno hätte nicht gedacht, dass es ihm passieren könnte. Seine Eltern waren Einkaufen, es war tiefer Samstag morgen, er war alleine und nichts, aber auch gar nichts kam in der Glotze. Und jetzt das. Sowas passiert nur im Film, nicht ihm, aber doch, es ließ sich nicht länger ignorieren. Er ging nochmals nachsehn, nein Angst hatte er keine. Er konnte machen, was er wollte, aber im Badezimmer stand ( stand !! ) ein junges Krokodil oder sowas (so genau hatte er nie aufgepasst bei den Tiersendungen ) und putzte sich mit der Klobürste die Zähne, pfiff unmelodisch den neuesten Hit von Emninem, wie auch immer Krokodile denn pfeifen sollen, bei geöffnetem Rachen. Jetzt blinzelte es auch noch und drehte sich um. „Klotz nicht so Alter“, sagte ( sagte !!! ) das Krokodil, „is was, soll ich Dir konkret glotzen helfen“ ,und zwinkerte mit den beschuppten Lidern, „mein Name ist KrokoKakedekel“. Bruno gluckste cool, ging auf den Klo zu , hielt die Klappe hoch (Mama war ja nicht da) und sagte nur „ab“, den Zeigefinger Richtung Schüssel richtend, „ab“. „Ab mit Dir ins Wasser“. Gehorsam verschwand das Krokodil in den Tiefen unserer unterirdischen Flüsse. Jetzt an allen Gliedern zitternd säuberte Bruno die Klobürste, wischte das Bad trocken und versuchte seine Nerven wieder unter Kontrolle zu bringen. „KrokoKakedekel, das glaubt mir kein Mensch“, meuterte sein eingebauter Angebersinn. Er seufzte, schob sich den Rest Freitagskuchen in den Mund, spülte mit Milch und Cola nach (schließlich war Papa auch nicht zu Hause ) und zappte gemütlich die Kanäle ‚rauf und runter. Beim Kinderkanal, den er schon lange nicht mehr ansah (wenigstens am heiligen Samstag morgen nicht) zuckten seine Finger zurück. Auf dem Schirm entstand das Bild eines jungen Krokodils und der Eingangstitel flimmerte von unten nach oben. „KrokoKakedekel, der aus der Schüssel kam“. „Was glotzt ihr so konkret“, hörte er gerade noch sagen und tschak ging der Fernseher aus. Für lange Zeit aus.
Seine Eltern wundern sich jetzt schon 3 Wochen die Augen wund, wieso Bruno nur noch ein Buch nach dem anderen las, nur „Lars das Krokodil“ nicht, von Opa zu Weihnachten geschickt. Und kein Gramm Glotze mehr. Sein Vater hatte ihn sogar Winnetou lesen sehen, ganz konkret, voll krass, woisch.