Kein Netz, mein Schiller, für Vereinte Nationen.

tl;dr
Ich war in Vereinte Nationen (UA) von Clemens J. Setz Premiere: So, 15. Januar 2017 im Nationaltheater Mannheim. Ich hätte besser etwas anderes gemacht. Nun denn.

„Das Netz wird zur Bühne, in der sich die Grenzen zwischen Fiktion und realem Geschehen vermischen.“
Schreiben sie da auf der Website der Schillerbühne am Goetheplatz. Hhhm, ein Thema hier ist ja  #theaterimnetz immer ‚mal wieder. Der Autor ist ein Buchpreisträger und auch Lyriker? Ja, Clemens J. Setz.
Also denn:

Eintrittskarte NTM

Eigentlich hätte mein Tweet gereicht, aber ich wollte doch näher darauf eingehen.


Schnell erzählt: Ein Elternpaar filmt ihre Erziehungsmaßnahmen an ihrer Tochter mit und verscherbelt die Clips auf einer Website im Netz. Wie auch immer, das macht Oskar heimlich, irgendwie.
Das Publikum bekommt aber vom Netz nichts zu sehen.

Kennen sie die Räuber von Schiller, die an diesem Hause uraufgeführt wurde, wie auch dieses Werk? Hier zu lesen. „Graf Maximilian von Moor erhält von seinem Sohn Karl einen Brief aus Leipzig,….“ Dieser Brief wird zumeist von dessen Bruder Franz vorgelesen. So hält das Tim Egloff in seiner Inszenierung der „Vereinten Nationen“ immer noch, hat halt Tradition. Manager und Freund Oskar wischt während des ganzen Stückes auf einem iPad herum, das Apple-Logo stolz präsentierend und liest vor, was da steht.

Da gibt es dann Rezensionen statt Kommentare und keine Bestellungen, sondern Subskriptionen, schließlich ist das ja bei Suhrkamp erschienen. Doch, Video gab es schon. Niemand kam auf die Idee den Screen des Tablets zu projizieren, eigentlich auch nicht aufwendiger als das Hummelvideo, das niemand verstand.
Also im Netz dort gibt es böse Menschen, die per „Regieanweisung“ (SIC) arme Leute im Theater verführen, ihre Tochter zu zwingen den Teller mit Kartoffelbrei UND Fleisch aufzuessen. Das kommt also von Außen. Im Innen zucken zwar Skrupel, aber Omas Balkon muss repariert werden, also braucht man das Geld. (Das Stück gestern dauerte nur 85 min, statt 120, wie angekündigt, vielleicht gibt es sonst noch weitere Szenen?)
Da wird dann besprochen wie man denn marketingtechnisch weiter vorgeht, ob man denn nicht mit härteren Kategorien mehr Geld verdienen könne. (Die Anspielungen auf Misshandlungen sind unzählig, ohne wirklich thematisiert zu werden). Oder auch regietechnisch ob eher „natural“, also authentisch oder gespielt besser wäre. So äh, Performance vs. Schauspiel, als ob das Einladungstheater in Berlin postdramatisch diskutierte. Content hat Setz hier nicht im Wortschatz, aber Strorytelling lässt er Oskar sagen, schließlich twittert er ja und kennt sich aus.

Aber Netz? Nä. Ah, doch, einmal fummelte Vater Anton mit einem Handy herum um zu ergründen, welche TV-Dinger er gerade der Tochter verbieten könne.
Trotzdem ist das Stück ein Beispiel, wie das #netzundtheater vorankommen kann. Es muss auf die Bühne, das Netz, als Teil dieser Welt, auch wenn es hier nicht sonders gelungen ist. Es käme dann noch die Interaktion dazu. Hätte man hier auch einbauen können, nur den Screen des Tablets einsetzen müssen, anonym gefakt aus dem Netz. Hätte ich so gemacht, aber wer bin ich schon? 🙂
Das Geld aber wert, wie so oft: Anne-Marie Lux als Karin. (Was kann die Frau Kälte lachend ausstrahlen) und David Müller als Anton (Welche Facetten der Mann hat) brillieren im Schweiße ihrer Angesichter, in Unterhose und BH, mit intensiv geführten Dialogen, ohne sich jemals ansehen zu dürfen. Muss ein Horror sein, so zu spielen. Aber die können das. Das mitspielende Kind bedauerte ich, was so ein Stück mit ihm macht? (SIC!)

Nun ja, gucken wir demnächst in diesem Haus, was Sybille Berg kann. 🙂

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