Karlsruhe, Alda

Klei-Mikel mit gebrochenem Arm und Maigret.
Klein-Mikel mit gebrochenem Arm, Radio und Maigret.

Meine frühen Beziehungen zu Karlsruhe waren gebrochen. Von 1961-66 lebte ich in Bretten, Kreis Karlsruhe. Zur Schule ging ich in die Johann-Peter-Hebel-Schule, Bretten. Unser Lehrer war ein Herr Greulich, der uns regelrecht drillte. Aus der Schulbank, raustreten, wieder rein und es gab Stockschläge auf die Hand.
Bei Herrn Greulich wurde Heimatkunde täglich gelehrt. Natürlich zu förderst die glorreiche Vergangenheit Brettens, seines Hundles und Melanchtons.
In Bretten war alles blau-weiß, weil es einmal kurpälzische Amtsstadt war.
Aber wir lernten auch alles über den Kreis Karlsruhe, und die Stadt, die dereinst badische Hauptstadt war. Hhmm. Es dauerte sehr lange, bis ich begriff, dass Landesgrenzen vom Adel gemacht wurden und sich änderten, mit Gewalt! Wir lernten auch, wie toll Herr Tulla den Rhein begradigte, auf dass er schneller floss, um die Kölner Altstadt dann und wann zu füllen. Ich konnte alle Gemeinden des Kreises Karlsruhe, samt gerade eingeführten Postleitzahlen auswendig, die waren ja noch 4-stellig und der Kreis kleiner. Irgendwann gab es einen Ausflug in die Kreisstadt. Ich war im Schloss beeindruckt vom Türken-Louis. Es freute mich, dass diese Ritter in ihren Rüstungen auch so klein waren wie ich.
Sieht heute noch fast genauso aus.

Zum Teil 2 „Prassen, huren, trinken, rauchen – „Carpe Diem“ geht es hier!

Dann freute ich mich auf den Zoo, der auch ein Stadtgarten ist. Dort gab es einen See. Mit Bootchen d’rauf. Durfte man aber erst mit 12 befahren und ich war immer noch erst 11. Das wusste Herr Greulich natürlich und eiskalt lies er mich zuschauen. Ich war nie mehr in diesem Zoo, Karlsruhe begann ein schlechtes Karma zu verströmen.
Jetzt zum Bild. Weil wir 3 Kinder waren, galten wir als kinderreiche Familie, ich hatte also einen Karnickelpass, eine sehr frühe Bahncard 50 für Kinder. In Karlsruhe, in der Durlacher Allee, gab es den Wertkauf. Ein „gigantischer“ Supermarkt, gab es sonst noch nirgends und der hatte Sonderangebote. Wir hatten kein Auto und ich durfte für die Hälfte fahren. Also ging es mit der Bundesbahn nach Durlach, das kostete weniger, Stadtbahnen fuhren da noch nicht in alle Welt. Ich bekam auch Geld für die Straßenbahn (Achtung jetzt kommt das Klischee, ist aber wahr), aber das setzte ich lieber in Softeis um. Das gab es sonst auch noch nirgends und lief, schleppte, unter anderem den Liegestuhl auf dem Bild, alles wieder zurück zum Bahnhof, die Rückfahrkarte an der Sperre vorweisend, die dort geknipst wurde. Alles voll retro heute, gell. Des weiteren war ich Mitglied des TV Bretten. Da war ich gerne. Überhaupt hat mir Bretten Spaß gemacht, nachdem ich den Fängen des Herrn Greulich entfleucht war und die Aufnahmeprüfung (schon wieder so retro) für das Melanchton(SIC!)-Gymnasium bestanden hatte.
Mit dem TV Bretten nahm ich an einem „Deutschen Sechskampf“ teil. Das mochte ich auch sehr, 3 x Leichtathletik, 3 x Geräteturnen. Beim TV Hagsfeld. Hagsfeld ist ein Vorort von Karlsruhe. Den Hechtsprung über das Langpferd stand ich aber nicht, rutschte aus und brach mir übel den linken Arm. Den Linken, was bedeutete, dass ich nach 2 Wochen schon wieder für die Schule Hausarbeiten machen musste. Mein Bruder konnte daraufhin auch nicht mehr teilnehmen, ihm war übel, als er den Bruch sah, samt Magen entleerenden Maßnahmen. Das war sehr sensationell, wie das aussah. Leider gab mir der Sanitäter in Hagsfeld kein Schmerzmittel, sondern irgendetwas anderes, was zusammen mit mit der Narkose in einer Karlsruher Klinik 3 Tage lang kotzelend machte. Aber wenigstens hatte ich den Liegestuhl für die Rekonvaleszenz.
Ich hatte die Nase voll von Karlsruhe, nahm es nur noch als „Haltepunkt Kaloderma“ bei Reisen in Schwarzwald und München wahr. Nur zwischenzeitlich gab es Berührungspunkte nach Durlach. Zu den Baden Greifs in Durlach, weil unsere Tochter Football spielen wollte. Aber dort ging das Auto zuschande und aus war es wieder mit meiner Beziehung zu Karlsruhe..
Irgendwann surfte ich zu einer meiner Lieblings-Webseiten. Wanderungen durch die Länder Badens. Über die Jahr hin gepflegt von Siddhartha Finner, Dipl.Ing. Architektur, einem Liebhaber Badens, Karlsruhes und Weinbrenners. Seine Sprache imitiert allerliebst tatsächlich Fontanes Sprache, z.B. im Beitrag über Bretten. Karlsruhe hat sogar zwei Seiten…. 🙂
Ich war versucht, aber noch nicht überzeugt!
Auf der zweiten Seite bezeichnet er die Kunsthalle Karlsruhe als Vorzeigewerk des deutschen Romantizismus… Womit wir langsam zum Sinn dieses Blogposts kommen.
Irgendwann lud diese Kunsthalle zum Tweetup und dem kann ich selten widerstehen.

Screenshot des Beitrags zu #degasSKK der Staatlichen Kunsthalle Mannheim.
Screenshot des Beitrags zu #degasSKK der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.

Ich hatte und habe wieder eine Beziehung zu Karlsruhe, der Kunst und dem Netz sei Dank.
Um Gottes Willen, die Berufsmuseums-Internet-Menschen stöhnen laut. Ich korrigiere, es sind Blogger-Relations.
Jetzt sind da gerade Kopfstand-Wochen in der Kunsthalle, siehe meine Blogparadie im Besucherblog, mit noch mehr Infos zu Karlsruhe.


Tja und wegen dieses Kunsthallensommers mailte mich die Online-Redaktion an, ob ich denn nicht irgendwas zu ihren Themen bloggen wolle, oh Gott das Stöhnen der Museums-Online-Berater wird lauter. Der nächste Post ist ein Angefragter. So sagt man das in diesen unseren Kreisen, es ist ja nicht so, dass man von sich aus..:) Ich hätte auch so, doch.
So. Also werde ich am 24.8. im Jahre des , öh… (DamenHerren?) nach Karlsruhe eilen um den Barock zu haschen und darüber zu twittern und/oder live zu bloggen. Also wer will kann gerne dazukommen..

Screenshot zu Carpe Diem
Screenshot zu Carpe Diem

Aber ehrlich, passt all das Geschreibsel zu einem Beitrag über den Barock? Und ich musste doch eimal was über meine Vor-Relation-Beziehung zu Karlsruhe bloggen.
Eigentlich hätte ich ein Solchiges liebend gerne zum Thema „Die wilden Fünfziger“ gebloggt. Aber diesesmal war ich zu alt. :)) Es waren die Sechziger. Es war „Yeah, yeah, yeah“, das aus dem Röhrenradio oben in der „Schlagerskala“ (Mach die Musigg leiser!) und die „Mittwochsparty“ aus Karlsruhe lies die Trommelfelle rauschen. Wir lesen uns demnächst.
I’m a Yesterday Man….:))