Joy

Mein erster Beitrag zur Neumond Streetview stand nie hier im Netz, nur als SoundCloud-Datei, die in den Hallen der Clouds verloren ging, aber letzten Freitag in der Altstadt von Bonn kam er gut an, also poste ich ihn zu Ehren des Beethoven-Festes in Bonn eben heute :)) Schön gedruckt zu lesen in der Wortschau 19
BAD Wuthöhle Maska Vianden Casablanca Netcologne. Die Namen der verschlüsselten wLans im Café Kaffeeklatsch, PINK gestrichen, theoretisch erreichbar. Bonn Altstadt. Ich checke die Altstadt. Auditor, ISO. Check: Keine Butzenscheiben, kein Fachwerk, Gründerzeit-Wüste an Gründerzeit-Wüste. Sogar Gründerzeit-Wein und – Kunstgeschäft. Check. Stuck. Check. Die ortsübliche Altstadtmoschee mit getrennten Eingängen für Damen und Herren. Check. Die örtliche Frauenbewegung im Frauenmuseum vertreten. Check. Kneipen, Kioske, Nationalitäten, na ja, vorhanden, aber was bedeutet dies für eine Stadt, die Bonna hieß und als Patrone zwei römische Legionäre hat, die Märtyrer wurden, vor deren Knochen in einem künstlerisch wertvollen Schrein eine Kerze des Rates der Stadt Bonn brennt?
Die Migrationshintergründe sitzen am Samstag bei ihrem Friseur und stylen. Der örtliche
Punk handyphoniert. Check. Köln dominiert die Altstadt, wie seit Jahrhunderten, immer noch, versteckt, in Form seiner obergärigen Brauereien. Kunst fläzt sich in ihren Ateliers, die Galerien pfeifen harmlos an anderen Orten. Kein Optiker, nirgends ein Optiker. Bei uns gibt es fast nur noch Optiker und hier nicht einer? Was hier ist Bonn? Die Fahrräder, die Studenten. Check. Um die Ecke drohen die Stahl – und Beton-Monstrositäten, wie von überall bekannt, des Bundesstadthauses.
Über den Kiosken flattert das „open“, wie es Joe McKenzie als Standard zuerst in Santa Monica, Kalifornien institutionalisierte. So gut wie keine Verwahrlosung, keine Bombenlöcher des letzten Krieges mehr sichtbar, kaum Graffiti. Von durchschnittlicher Qualität, im Augenblick ist man gegen Banken und das Militär, seltsam für eine Stadt, die immer noch die Generalfeldmarschälle beherbergt, oder wie sie heute heißen.
Graffiti Workshops zur Verbesserung der textlichen Qualität wären dringend von Nöten. Ich höre den Singsang, Bönnsch. Als ob Kölner sängen. Die bönnsche Abart des gesamtdeutschen Kanak, klingt gut, wohlgemundet, passt. Ich suche die Seele der Altstadt. Quatsch, Städte haben keine Seele, nur Menschen, vielleicht. Wer weiß schon genau, was eine Seele ist. Aber das besondere, das eigentümliche. Nun, rheinische Fröhlichkeit, äh ja, wie soll man sie auch messen? Die berufsfröhlichen Menschen sitzen alle in den Sky-Kneipen Füßeballer sehen und immer die bohrende Frage, was soll es bedeuten, nein das war ein Kölner, was soll es bedeuten, dass es da eine Heer- und eine Adolfstraße gibt. Bohrend. Gerade heute. Die politische Korrektheit knabbert Salzstangen auf den Symbolen der Fluchtwege in den Hotels des Feuers wegen. Aber da:

„Freude. Joy. Joie. Bonn“

Auf einem städtischen Auto, das warum auch immer, die Straßen durchmisst. Die Dachmarke der Stadt erklärt dero Website, nein ich habe immer noch kein wLan. Der Hammer. Der Taube vom Rhein, der bei den Kaisers an der Donau Karriere machte. TäTäTÄTä. Die 9. Wird auch gerne in Japan zu Silvester gespielt. Nur das mit der Freude ist vom Friedrich aus Stuttgart, der erst in Mannheim, dann in Weimar Karriere machte. Joy. Bonn. Götterfunke. Was ist das? Götterfunke. Welcher Gott funkt was? wLan?
Freude schöner Götterfunke. Was zum Diabolo (wtf für die Jungen geschrieben) hat der Friedrich damit eigentlich gemeint. Ich weiß Elysium. Ist hier etwa dieses Elysium? Hier? Bonn, Altstadt auf einem Kleintransporter der Stadtreinigung?
Mir beginnt die Idee zu gefallen. Ich denke mir Götter aus, Flussgötter vielleicht, die vorn Wasser des Rheins checken, immerhin ist da Schweizer Wasser dabei, tellgecheckt, schon wieder vom Friedrich. Ich mag ihn, wie den Ludwig auch, wenn auch die 3. mir lieber ist.
Kein Mensch weiß genau, wo dieses Elysium ist, folglich bestimme ich, dass dieses Elysium heute von 20:20 bis äh, 22:20 in der Bonner Altstadt zu Hause ist, auf der Ladefläche eines städtischen Wägelchns. Götter sitzen in den Kneipen und Kiosken, ergötzen ihre Gene mit Kölsch und sprühen Funken. Keine Funkenmariechen, NEIN. wLan Funken, von mir aus, UMTS-Funken notfalls. Götterfunken über Bonns Altstadt. Umschlungen, nein, Millionen wohnen hier keine. Es wäre also noch Platz, für all die Leute, draußen an ihren Netzen. Ein neuer Spruch quillt aus den lachenden Gewieher der wanstigsten Gottheit, nach 12 Kölsch, Freude trunken, in das All geworfen, das Sein.
Alle Brüder werden Menschen. Joy, brother. Joy. Gimme five, Elysium.