Jazz in den Hütten

Doch. Ich war auch überrascht. Auf meinem sonntäglich-rituellem Besuch des Welterbes in Lorsch, dort wo das erste „deutsche“ Gedicht…ihr wisst schon, also auf dem Weg dorthin, vor Schloss Rennhof, das jetzt zu Lampertheim-Hüttenfeld gehört ein Schild: Jazz. Heute. In Hüttenfeld!!!! Nachgesehen im Netz, tatsächlich. Warum nicht? Um 18hundert, nicht wie sonst mitten zur Nacht. Gehn wir hin. Und was war das für eine Freude. Zuerst der örtliche Musiklehrer, dachte ich, aber das war eine superbe Komposition. Ein litauisches Volkslied eine halbe Stunde durch 10 Instrumente von archaisch über Barock zu Deep Purple gejagt. Elektrobass umgehängt am Spinett… Nix mit örtlich und so, das war Weltmusik der Extra-Klasse (von der Zitter zu Blas-Instrumenten, die ich noch nie gehört hatte) von Gintaras Ručys und Vaidas Bruder, sollte man sich merken die Namen! (Äh, warum litauisch? Hier lesen! )Und dann der Oberhammer: http://www.threefall.de/. Das war körperlich wuchtiger Jazz, vorgetragen mit einer Intensität, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt hatte. Junge Musiker, ausgefuchst, ausgebildet, tough, intellektuell mit großem Bauchgefühl, mit einer fast überschäumenden Kreativität gesegnet. Unwahrscheinlich, was da alles aus so alltäglichen Instrumenten heraus geholt wird, ohne Zirkusnummer zu sein. Was kann man alles mit einem Saxo-Mundstück machen. Vogelgezwitscher, Zwiesprachen, Geschichten und doch klingend, stimmend. Eine Posaune, die tönt, als ob jemand in ein Didgeridoo singt, die quietschen, brummen, tönen, schallen kann. Ein minimalistisches Schlagzeug, das trotzdem Rhythmus in Odins Wald hämmert, ohne verstärkt zu sein, dass es wackelt in den Hütten, Percussion, die als drittes Instument vollwertig in das musikalische Geschehen eingearbeitet ist, nicht nur Klangteppich damit der Rest swingen kann. Keine Soli, die jetzt eben mal sich von der Melodie verabschieden und zum Geschrammel der Restgruppe endlich Leben in die Bude bringen. Da lebt IMMER alles, voll durchkomponiert, in dreifaltiger Zwiesprache oder so. Das liest sich bescheuert jetzt, aber so hatte ich es erlebt. Mein Gott, wenn ihr mir nicht glaubt dann hört sie Euch doch selbst an. Termin und Beispiel gibt es hier: http://www.threefall.de/.
Ich brauch das nicht, hab die CD. Die sollen in Hüttenfeld ruhig öfter Jazz veranstalten, die Litauer dort. Doch. Sagte ich schon, dass dies ein ganz bezaubernder Ort ist, eigentlich? Mit Riesenpark dabei, man muss ja nicht gleich wieder zur Schule dort wollen… 😉
Aber ein Wermut, äh Wehmut fiel auf mein Gemüt bei der nächtlichen Heimfahrt mit dem Rad: Einmal will ich erleben, dass zusätzlich zum CD-Verkauf jemand neben eim Rechner steht und fragt, ob er die Titel gleich auf meinen Player spielen soll, es muss ja kein ogg sein, mp3 nehmen wir ausnahmsweise auch… Dann könnte ich auf Wald und Flur gleich alles nochmal hören… seufz, aber das werde ich wohl nicht mehr erleben….