#erwinwurm


Es ist mir immer eine Freude im Städel zu sein. Nicht nur bei einem Tweetup. Es herrscht dort eine angenehme Atmosphäre. Große Werke in der Sammlung, gut in Szene gesetzt. Gestern nun das Tweetup „Zum zwitschernden Kunstwerk werden beim Tweetup im Städel“. (Die Beschreibung im Städelblog.)
Zwanzig Leute von der Kuratorin Franziska Leuthäußer klug, kenntnisreich und nie langweilig durch die „Ausstellung“ „One Minute Sculpture“ von Erwin Wurm geführt. Wohl organisiert, mit einem Abschluss an der Bar. Ich bedanke mich sehr beim Team und dem Städelmuseum. Es ist ein Privileg sich in einem leeren Museum bewegen zu dürfen, auch der geplagten Security, die da eine extra Aufgabe zu meistern hat.
Es war schön Twitterer vom #duerer Tweetup wiederzusehen, andere Tweeties endlich persönlich kennenzulernen. Hinterher noch mit allen und auch den nicht-twitternden Machern zu plaudern. (Gruppenbild hier)
Unsere Tweets sind alle in einer Storify des Städelmuseums nachzulesen. Ich hoffe, wir konnten dem Museum dadurch etwas zurückgeben.
So weit war alles gut. Nur: Mir fehlte etwas bei den Arbeiten von Erwin Wurm. Inmitten der Sammlung stehen verstreut Plattformen mit Gegenständen darauf und einer exakten Anweisung etwas zu tun um selbst zu einer „One Minute Sculpture“ zu werden. Bei der ersten „Übung“ „Organisation der Liebe“ dachte ich noch „Wow“ das stehen Alltagsgegenstände im Kontext zu der nackten Dame im Hintergrund, fand das lustig und wurde belehrt, dass diese „Skulpturen“ durchaus auch „ernst“ zu nehmen seien. Hhhm. Natürlich gibt es auch kunsthistorischwissenschaftliche Deutungen etcetera. Aber die muss man vorgetragen bekommen, oder im Blog lesen. Sie sind nicht selbst erklärend. @therealstief hat das sehr schön getwittert: „Ein Problem, das ich mit Kunst wie der von #erwinwurm habe: dass sie vorgeblich direkt funktioniert, aber immer einen Vortrag braucht.“
Mir hat sich dann nie mehr wirklich erschlossen, warum eine „Skulpturvorgabe“ wo befand.
Die Idee „selbst“ zur Skulptur werden zu können, dass Kunst nur vorhanden ist, wenn man sich selbst einbringt, hatte mir gut gefallen. Nur @herrlarbig hat es vortrefflich getwittert: „Die Versuchung, Wurms Anweisungen zu ignorieren und was ganz anderes zu machen, ist groß. #erwinwurm #tweetup“.. „#erwinwurm hat so was naja eigentlich schulkompatibles. oder (Theorie der Malerei) #tweetup #meinfrankfurt„.
Ich selbst twitterte: „Dieser #erwinwurm ist schlimmer als meine Mutter. Dauernd: „Mach dies, mach das. Aufs Podest mit dir!“ (man verzeihe mir meine Wurstfingerhaftigkeit, ich schickte den Tweet ungeprüft aus Schusseligkeit, wie so oft).
Eine Skulptur versuchte ich selbst „Astronomisches Vorhaben“ Das Bild freundlich von @cadann zur Verfügung gestellt. Auch von @herrlarbig getweetet . Das war schwierig. Ich fühlte mich benutzt. Normalerweise ist Kunst interaktiv, wenn sie mich berührt. Ich gucke, sehe, höre und es entsteht etwas Neues in meinem Kopf im Kontext, der Umgebung. Gedanken, spontan, die ich manchmal sogar zu #twly verarbeite oder später zu Gedichten, aufmerksame Leser dieses Blogs kennen das ja. Nicht so bei Erwin Wurm. Im Augenblick des „Kunstseins“ bin ich ausschließlich damit beschäftigt das „Ding“ zu schaukeln. Skulptur bin ich nur für andere. Erst im Bildchen kann ich mich sehen, assoziieren. Aber nicht während des „Kunstseins“. O. k., dies war ein Tweetup. Sekunden später hatte ich mein Ich als Skulptur bereits meiner Timeline retweetet und andere Tweeties ihrer. Aber das ist twitterspezifisch, hat nicht originär mit Erwin Wurm zu tun. Auf einmal stellte ich mir die Quasi-Nicht-Skulpturen in einer Turnhalle und auf einem militärischen Ausbildungsplatz vor, gar beim Biathlon. Und ich wusste, was mich stört. Ich sollte wieder einmal „erzogen“ werden, funktionieren, meinen Körper „spüren“, „ertüchtigen“, wie im Circle-Training oder beim Staionsspiel funktionieren, im Zeltlager. Ich durfte eigentlich nur das machen, was vorgegeben war, sonst war es nicht die Kunst des Herrn Wurm. Sorry, war so. Ich habe mich eingelassen, aber es hat nur bedingt funktioniert. Zu dem „Gefühl Kunst“ kam es nicht. Auch nicht, als ich die anderen Tweeties beobachtete, knipste, twitterte. Als Gag wäre es großartig. Wenn ich selbst Interpretationen der „Skulpturen“ darstellen dürfte, vor Ort andere entwickeln. Wenn es ein Happening wäre. Eine Art demokratischer Fluxus. Wie gehabt fehlte mir eine Dimension, welche auch immer. Man sollte es vielleicht entmystifizieren.

Schade, dass es so kalt war und regnete, sonst hätte ich meine Hose ausgezogen , ich hatte ja frische, hübsche Unterhosen an und sie über den Kopf gezogen, bei dieser Skulptur. Dunkelalleine mit mir in meiner Hose wäre es final vielleicht doch zur Kunst für mich geworden, abgeschnitten von der Welt…

Aber es war trotzdem ein sehr interessantes Tweetup. Das Tweetup selbst, als Form der künstlerischen Teilnahme, im Interaktiven sozusagen, dominierte die Kunst. Oh je, was schreib ich denn da…. -:)