Der schonungslose Herr Tom Liehr

analysiert.
(eine Antwort auf eine Serie im Literaturcafé von Tom Liehr mit dem Titel: Warum werde ich nicht veröffentlicht? Oder: Die Große Manuskriptverschickung)

Aha. Der Großschriftsteller disst all die kleinen dummen Schreiberlein, die zu Hause etwas schreiben und träumen. Das geht ja gar nicht. Ich gehöre Gott sei Dank nicht zu der Gruppe von Leuten, die er meint. Ich schreibe weder auf Schreibmaschine, noch auf dem Laptop, auch nicht im Wohnzimmer. Wenn, dann am Schreibtisch und Desktoprechner, auf dem Smartphone oder mit Füller auf Papier. Aber natürlich weiß der Herr Liehr ansonsten alles.

„Er hat zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, darunter im »Playboy« und in der »c’t«, außerdem Prominentenportraits im österreichischen Magazin »DATUM „

(Zitat aus der Autorenvita im Literaturcafé)

Sehr gut. Playboy, c’t… Kennt sich aus der Mann.

Natürlich hat er Recht, dass man sich professionalisieren muss, wenn man vom Schreiben leben will (tut er das eigentlich?), wenn man reich und berühmt sein will, sich selbst hinterfragen, arbeiten, recherchieren, lesen.
Aber WILL das denn jeder, der schreibt? Kann es sein, dass es Leute gibt, denen eine Telefonzelle als Ort ihrer Lesung ausreicht? Kann es sein, dass Leute tatsächlich Schreiben als Therapie betreiben und froh damit sind? Ist das alles so negativ? Sich selbst zu verwirklichen? Was stört den Herrn Obergroßschriftsteller daran?

Wie gesagt, in der Sache hat Herr Liehr recht, das voll-professionelle Schriftsller werden und sein bedarf mehr, als das vorsich-hintippen und der Selbstüberschätzung. Aber gibt es keine Zwischenstufen heutzutage? Kein Platz für Halb-professionelle, gar für Amateure?

Was mich ärgert ist dieser herablassende Ton, diese Ignoranz des „Erfolgreichen“ gegenüber den armen Würmern da draußen an ihren Schreibmaschinen, diese dreiste Arroganz zwischen den Zeilen. Das klingt alles wie Angstbeißen gegen potentielle Konkurrenz. Das wäre genauso, als ob Herr Schweinsteiger all den jungen Amateueren, die Sonntag für Sonntag in der zweiten Mannschaft der Kreisklasse den Spaß am Fußballspielen nehmen wollte, nach dem Motto: „Du kommst noch nicht einmal in die Oberliga mit deinem Gekicke, vergleiche Dich ja nicht mit mir, höre auf zu träumen, am besten Du hörst auf und kaufst dir einen Fanschal und kommst zu unseren Heimspielen, auf jeden Fall beklotze mich im Pay-TV.“ So klingt das Herr Liehr.

Natürlich kenne ich auch die Möchte-Gern Großautoren, die in Foren nerven und die Haifisch-Verlage füttern, aber anstatt allen armen Menschlein das Schreiben zu vermiesen, die noch nicht das Glück hatten ihre Stories dem Playboy verkaufen zu können, Alternativen jenseits des Literaturbetriebes aufzuzeigen…. aber soweit denkt er wohl nicht, warum auch, er der Große……

Ob all diese Überheblichen vielleicht daran denken, dass genau die beschriebene Gruppe an „Möchtegerns“ die eigene Zielgruppe für die „Aufbau“-Romane ist? Sollte einem Profi eigentlich ‚mal in den Sinn kommen, oder wenigstens dem PR-Manager des Verlages. Wie klug ist es für die Eigen-PR in einem Internet-Forum Amateure zu dissen, wenn auch in einem bekannten wie dem Literatur-Café?

Ach so ja, hört nur nicht auf zu schreiben, zu träumen. Es ist Euer Leben. Denn auch er hat einmal in Foren angefangen, aber scheinbar ist das alles vergessen…