Freitags auf einem Ring des Saturn

Ich tanze in meinen Erinnerungen, die ich noch nicht machte. Wellen kreischen auf den Fügeln der Möven. Dreiundzwanzig Segel am Horizont schwingen ihre Flatrates um die Ruderbänke der 3D-Drucker. Aus meinem Smartphone quellen Raupen, die ich einst im Stick als Schmetter lingte. Blätter streicheln Käfer aus Mai, zeugen Hypriden für des Königs Kaiserin. Ich tapete Kapellchen mit Sixtinchen, ach Hagia, Sofista. Kleine Flieger kriechen in den Rock und rollen. Dome singen, tertzen Quinten zu sieben Achteln mit Salat. Über allem küsst ein Mond die Schatten der Planeten. Die Sonnen haben Wochenend.

Sie kann nicht reiten (Der Tag nach Walpurgis)

(Wiedervorlage vom 1.5.2011)
Sie kann nicht reiten. Doch. Eigentlich nicht zu glauben. Seit Tagen erzählt sie mir im Bett nach den abendlichen Turnübungen, in allen esoterisch einwandfreien Positionen, sie sei überlebende Hexe in 6. Generation, soweit ich das in dem Geschmatze richtig mithörte, als ich mir dann aber in ihrer Abstellkammer den Besen holte und mit ihr noch zum Italiener fliegen wollte, kreischte sie etwas von folkloristischem männlichen Dummfug, Hexen wären nie geflogen, das wäre eine sexistische Lüge der Inquisition. Es wäre schade um die Körperlichkeit zwischen uns, aber es reichte. Als ob etwas dabei wäre auf Besenstielen zu fliegen. Ich meine Staubsauger ist schwierig oder dieses moderne Plastikzeug zum Wischen, aber Besen? Hallo, das kann schon mein kleiner Bruder, ohne Zusatzbeharzung. Ich schwang mich also auf den Besen und flog ein wenig durch die Wohnung, landete im Klo und erleichtert mich aus der Luft, ein Kunststück, das mich einst die große Lucretia lehrte, sie wissen schon, die Borgia. Nicht DIE, ihre nachgeborene Cousine Jahrgang 67. Um mich aufzuwärmen sprach ich noch drei Libellen selig, luftig leicht, schwerelos. Ihr wisst schon, die light-Variante, die keine Zaubereien extra verlangt, einfach nur um schöne Flugbahnen zu benedeien. Und dann kam meine Landung auf’s Bett, sie hatte die ganze Zeit nur gestarrt. Punktlandung, genau dorthin, ich meine ich muss das jetzt nicht erläutern, wo vielleicht alte Leute mitlesen und sich schämen, die Kinder wissen eh Bescheid, zu was haben wir Internet. Total baff. Das hatte sie noch nicht, diese Art Reitunterricht. Sie kann halt nicht reiten, sowas nennt sich Hexe. Und dann kam er der Schrei: „Verbrennen sollte man Dich“. Hexerich. Ich schlug sie hart, ins Gesicht. Das einzige Mittel, das wirklich hilft wenn man überleben will, seit Jahrhunderten bewährt. Nein ich mache das nicht gerne, aber es hilft wirklich nichts anderes wenn die Auto da Fes einberufen werden. „Hexenkannibalin“ schrie ich und verschwand in der Nacht nach Walpurgis, wenn wir fliegen dürfen. Reiten, in die Wolken der Ignoranz und darüber, dort wo auch für uns Männer Sonnen scheinen auf Besenstiele. Sie kann nicht reiten, ich fasse es nicht.

Entstanden gerade auf dem Marktplatz in Ladenburg, wo wahrscheinlich, trotzt des Alters der Stadt nie Hexen brannten, das war in der Kurpfalz verpönt. Auf den Ohren dabei: Miles Davis, Bitches brew….

Ein bißchen Kriegen

[ursprünglich gepostet am 18.1.2013]
Wir spielen wieder Krieg, schon lange. Hier und da und dort. Väterchen Krieg ist jetzt auch ein Mütterchen. Da ein Bömbchen, dort ein Bömblein. Ein Blitz für die Magazine und Gazetten. Panzer rollen neben Hochglanztitten, Jets im Sixpack wüsten Mach, 2, 3 noch ein Ei. Schnell, sauber, gedrohnt. Bald, so bald werden die Roboter ihre Kriege führen, klonen mit Bildern nanosekündlich auf Finstagram. Für uns. Social, ye know media. Social Media von der Front. Transparent, direkt, schnell. Die Wehrmacht #ilike.
Aber uns in der Heimat (dot.de) treibt die Frage: Nutzt das wem in welchem Landtagskrampf, werden die Erbsen in Utah deshalb teurer und: Die Gattinnen der Lanzen schwingenden Priamosen im Dschungel dort, werden sie campen? Ein bisschen Kriegen? Aber ja, doch. Am Hindukusch und in Schwarz-Afrika. Hey, die Kolonialwarenläden huschen, kuschen. So krieg, krieg, krieg ich. All die teuren Waffen gehenschelt und geheckelt-gekocht, endlich nützlich in der Community. Die Kirche stehen leer, neben unseren Freitags-Moscheen. Kirchen brauchen Tränen für Gebete. Sie stehen leer, die Dome, Münster, Kathedralen. Lasst uns dort drei Schichten feiern und endlich wieder beten. Wir kriegen wieder Schatz! Und die alten Kämpen singen wieder Frieden, für die nächste Tour, die CD. Keine illegale downloads, ihr Räuber, bitte!
#hach der Krieg spielt kleine Klötzchen in die Laserschwerter. Wir brauchen keine Ego-Shooter mehr.

ANGETRETEN! Rechts um! Es herrscht Krieg! Da und dörtchen, erschrecket nicht! Sie schießen nur und bomben.

Heul nicht! Deine Frau war Soldat!

Böll, böll, böllern die Geister

Seit Stunden böllern sie, schießen, raketen. Als ob sie sich freien könnten. Seit Jahrtausenden. Sie böllern und schlagen, schießen, klappern. Um uns zu vertreiben! UNS! Geister nennen sie uns. Gimme five. Geister. Auf Friedhöfen wollen sie uns gesehen haben, in Hainen, am Himmel, in Kellern. GESEHEN.
Uns gesehen haben. Entschuldigung.
Es gibt uns nicht.
Wirklich nicht.
Nur in Euren Hirnen, aber dort reichlich. In euren Hintern, noch reichlicher. Den primären uind sekundären Geschlechtlichkeiten noch mehr. Priap und Vulva, wenn ihr es denn vorsichtig und ka-ka-klassich wollt. Im Blut, den Eierstöcken, der Eichel, den Hoden, den Brüsten.
Mein Gott, ihr kennt das doch, warum muss man immer die technische Seite besprechen. Also wir sind dort und dort und sogar in Euren Haaren, auch wenn ihr sie schamhaft abschneidet, als ob sie nie nachwüchsen. Überall dort sind wir, die wir nicht existieren.
Im Bauchnabel? Nein, dort nicht. Dort wurdet ihr entbunden, abgenabelt. Dort nicht.
Wir wuchsen in Eurem Gehirn, wo denn sonst, jetzt kommt mir nicht mit Herz. Dieser Pumpe.
Wir sind. Wir existieren nicht. Wir teilen Euch. Wir sind ein Teil von Euch.

Ihr könnt ballern. Ballert ruhig, wenn es denn hilft. Kommt an Mamas Busen. Ballern hilft Euch zu befreien. Aber doch nicht von uns.

Wir geistern in den hellsten Feuern. Wir geistern, geistern geistern.

Und es gibt uns nicht.

Und die Böller feiern Raketen. Im Silvester stadeld der verletzte Dreierkönig, Mick Jagger gröhlt im DreierSat. Mir spielt Horowitz.

Geister, die wir meinen.

Es gibt uns nicht.

Des Himmels Dronen

Eine Klausiade am Vorabend des 6.12.

Dronen. Wie er das hasste. Aber SEIN Wille geschehe und ER wollte sich nicht von Amasan übertrumpfen lassen. Nicht von Amasan. Er hatte vorgeschlagen Engel einzusetzen, wenn es denn schon ein Luftkrieg werden sollte, notfalls könne man ja auf die gefallenen Engel zurückgreifen, die nicht ganz so schlimm waren, die Erzengel würden das schon deichslen, die Laserschwerter waren ja noch da. Was hatte er zu hören bekommen. Ob er denn in Zukunft das Fegefeuer lauwarm halten wolle. ER donnerte und blitzte.

Dronen. Alle hatte sie jetzt Dronen. Keine direkte Zustellung mehr. Kein Erdenurlaub mit Riesling und Hausbrauereien. Ach was Weiber. Das Kapitel war schon Jahrhunderte gegessen. Er wüsst gar nicht mehr, was er da machen sollte.

Geschenkedronen. Der Luftkrampf gegen Amasan. ER ordnete eine absolute und unbegrenzte Geschenkeflatrate an. Hunderttausende Gebete hatten IHN erbost. Amasan unterdrückte sein mühsam wieder entkriegtes Abendland, machte die Kultur und den Einzelhandel kaputt. Die Speditörie und motorisierten Postreiter wurden immer fetter. Der Kuckel erfrechte sich immer mehr und bald würde es sogar iDronen geben. Denn ER wusste tatsächlich alles, diese Blasphemiker von der NSA & Co würde er sich als nächstes vornehmen.

Dronen. Also hatte er jetzt eine Armada von Himmelsdronen und sein inneres, unendlich skalierbares Fenestros schickte Miriaden von Geschenken zum Erstschlag am 6.12.2016 in alle Welt.

(Eine Klausiade am Vorabend des 6.12.)

ER war zufrieden, wartete auf den Zusammenbruch der Internet-Mavvia von Amasan, Kuckel & cO. Damit wieder Friede wäre auf Erden! Und die Menschheit jubilierte, schrie Hosianna in allen Rap-Tonarten in allen Orten der Erde.

Allen Orten? Nein, in Waidelbörg an der Wummi gab es einen Literatürwiesenschaftler, der nach Amasan und Kuckel jetzt IHN hasste. Wurden doch jetzt sogar gedruckte Bücher umsonst verschenkt. DAS war das Zeichen. Der Widerstand schlug zu. Alte, ehemals gehasste Weggefährten, die in den barabischen Wiesten zum Dörrer ausgebildet worden waren, bastelten aus alten Dosenwürstchen und glühweindurchtränktem Sand von den Neckarwiesen Geschosse für eine uralte 8,8.Flak.

Und als die Dronen kamen war das „militante Oberseminar zur Erröttung der wabendländlichen Guldur“ bereit. Mit 30 Feuerstößen wurden die Himmelsdrohnen über dem Weinachtsmarket abgeschossen, die innere heilige Software von ihm ging kaputt. Weltweit stoppte die Himmelsarmada, und alle anderen Dronen dieser Welt. Kein Amasan, kein Kuckel lieferte Geschenke aus. Traurig hieben die Kinder in ihre Smartphones und erbingten für ihre Eltern die Adressen der letzten Einzelhändler, die noch im Untergrund gelebt hatten.

ER wandte sich anderen Dingen zu, noch war Zeit bis zur Weinacht. Würde diesen Blagen einmal gut tun wieder ordentlich um Geschenke beten zu lernen.

Er hatte gewarnt! Dronen. Wie er das hasste.

Die Froschkönige, ein Mutationsmärchen, gepresst aus gelben Quellen.

Am Teich, der von den nicht immer gut geklärten Rinnsalen gespeist wird, die der schön bepflanzte Abfallberg des örtlichen Brötchengebers entläßt, sitzen des Nachts die Frösche und quaken. Jeder von ihnen war schon einmal König und mutierte wieder ins Off, ins Froschsein als solches. Sie wurden einfach an die Wand geklatscht und wurden so wieder zu sich selbst. Traurig sitzen sie im stinkenden Wasser, rauchen Seerosenstengel und trinken direkt aus dem Rinnsal, wenn es anfängt nach Isopropanol zu riechen. So gegen Mitternacht, wenn die aktiven Könige schlafen wollen, weil sie zur Frühschicht müssen und vorher noch des lebenserhaltenden Kuss ihrer Königin bedürfen, beginnen sie ihr Leid zu klagen, wie sehr das Klatschen weh tat, wie sehr sie sich nach einer Prinzessin sehnen und ihrem Kuss. Nur Joe, der Platzfrosch quakt im tiefen Bass: Ich bin ein Frosch und bin es gerne, will gar kein König mehr sein. Jede Nacht kommt eine Prinzessin und küsst Joe, der genießt es, zieht die Prinzessin ins Wasser, niemand kann genau sehen, was er da macht und bleibt doch ganz Frosch. Weinend geht die Prinzessin, begleitet vom melancholischen Quak der anderen Frösche zu ihren Schwestern, die auch weinen, weil ihr Frosch sie zwar küsst, aber kein König mehr wird. Langsam schwimmen sie auf ihren Tränen in den Schlaf und träumen von mächtigen Königen im Ober- wie im Unterleib. Am Teich stummen die Frösche im Laub und träumen von willigen Prinzessinnen und weichen Mündern und Sonstigem. Nachts dann wieder beginnen die Frösche zu quaken und eine Prinzessin macht sich auf ihren Weg zu ihrem Joe.

Ursprünglich für das Blog99 konzipiert, stelle ich es nun hier ein, weil es so gut zu MAF Räderscheidt’s daily painting passt, einfach so. Also hier klicken um ihr Bild zu sehen und dann weiterlesen und nichts hatte miteinader zu tun…. lol

eBook

Mein nicht nominierter Beitrag zum Mannheimer Literaturpreis der Räuber 77 zum Thema „Ohne Netz“

Kein Netz, seit Kilometern schon nicht. Kein GPS. Kein Telefon, keine SMS, keine Mail, kein Facebook, nur die Vögelein twittern und seit dem letzten Hof hatte ich auch keinen Menschen mehr gesehen. Ich war alleine. Im Wald, keine 20 km von der nächsten großen Stadt entfernt. Kein Kopfhörer, keine mp3, kein Radio.

Nur das Rauschen. Bäche, Bäume, Sträucher. Ich entfaltete meine Einsamkeit aus dem Rucksack und trug sie vor mir her, darauf vertrauend, dass sie sich auflösen würde, wie immer, im Alleinsein.

Und dann kam sie. Dort. Wartete auf dem untersten Ast des Baumes. War es eine Eiche? Wen interessierte das. Sie war da. Dort. Verharrte, negierte mich, wie immer. Wartete. Ich spinne nicht. Ich nicht. Bebaumt und ich ohne Netz. Mein letzter Tweet tanzte um meine Füße, netzlos, 140 Zeichen, buchten, stabten, fingen Worthälse im Staub des Waldweges, weg, weg, weg, ich will. Doch nicht weg.
Sie war da, wie immer. Das Ziel, der Weg, weg weg weg. Dort. Ich musste, muste. Sie war da und stieg, ohne Eisen, vom Boden, oh und wieder nicht. Kein Boden, doppelt schon gar nicht,. Nachsteigen. Mein ich, ohne Netz, seit Kilometern. Da Sie. Dort SIE. Und stieg, kein Netz, nein, jetzt kein Netz. Und die Magie zog, sie zog des Weges, mich, dort.

Ein Buch, eine Buche vielleicht und ich stieg auch aus diesem Netz. Netnet. Netzlos. Und stieg, wie das Kind, das ich nie war. Kindisch kindisch. Stieg dem Buch oder war es doch eine Buche, dort hinauf, hin. Auf, auf, auf. Hinauf. Ich stieg aus dem Boden, dem doppelten des Buches, pssst, der Buche, dem Stabe entronnen, dem Stab. Ihre Augen fixierten mich, fix, mach, fix. Und ich folgte ihr. Folgsam, folgsam, ein liebes Kind. Die Folgen, die Folgen. Follower, die Folgen. Hinauf, hinauf dort, an den selbstgesägten vorbei, den Ästen, den Astlöchern des Buches, pssst, der Buche, BuchBuchBuch.

Noch ein Ast, ich lachte. AstAst. Ein Lachen. Zwei. Ich buchte. Hinauf, Und da war sie. Auf der Buche, in der Buche, um die Buche herum, tausend Stabe. Millionen Stabe. Ich spinne keine Geschichten, ich spinne nicht.
Und sie spann. Aus dem Tablet. Stab für Stab im Buch, pssst der Buche. Kein Netz, weit und breit. Sie spann und ich war gefangen. Für immer. Im Buch, psst auf der Buche, kein Netz weit und breit. Nur die Staben und ich und sie begann. Webte die Staben um mich, fester, fester schrie ich. Ein Fest. Fester, fester, ein Fest. Und sie spann,
Kein Fenster blieb offen, keines der Fenster, window, window, ohne Netz spann sie ein Fest, buchte, buchte Staben. Still und starr ruht mein See. Am Baum, der Buche, im Konkon. Dichter, fester, dichter Dichter, Dichter, Dichter. Gewebt, gewebbt. Der Weg ist das Web. Netzlos, ohne. Ich konnte nicht fallen, was brauchte ich Netz im Gewobensein. Sie wob, wob, wob. Ich war und blieb. Bleib, bleib, bleib. Und las. Aufgelesen, ausgelesen. Seiten rauschen, Worte tauchen, mein Ich in den Tiefen der Datei, zwischen den Sätzen, an Kommata geklammert. Da war sie tief in mir, ich auf ihr in ihr, im Reader, die Semikolons zwischen den Zeilen erklommen.
Und das Netz blies, meldete Fern, entwebte mich. Staben rissen. Ich hatte wieder Netz, umfangen, strahlend. Die Tweets lachten. Und doch an diesem Buch, psst der Buche hing eine Teil von mir, verwoben, bestabt. Für immer. Und das Netz wob mich wieder den Weg entlang. Sag nicht Ziel zu mir.

Drohnenglück et cetera

Ich fliege nicht. Ich schwebe mich. Ich sitze auf einem Melkschemel im Welschkornfeld und lese. Cummings. My sweet all etcetera. Auf dem Feldweg landet eine Drohne und aus ihrem Lautsprecher erschallt die Stimme ihres Herrn. „Bis du glücklich?“ „Ich glücke, das sieht man doch“, schreie ich zurück. Ich glückste. „Und du?“ „Eine Drohne ist immerglücklich, wenn sie fliegen darf und spionieren.“ „Darf ich auf dir reiten?“, fragte ich. „Nein, du glückst.“ Die Drohne startete stinkend und entschwand, weiterspionieren. Mein Melkschemel kicherte einbeinig und tanzte Salsa mit mir. Es war schließlich ein Welschkornfeld. Ich verpackte mein Glück in einer dieser Kunststoffdosen, die auf Parties verscheuert werden und pfiff. Noch eine Drohne kam und ließ mich reiten. Wir stoben durch die Lüfte, glotzten in Akten, ritten durch USB-Schächte in Festplatten, glotzten in Schlafzimmer in denen kopuliert wurde, wanzten in die Beichtstühle der Finanzverbrecher, loopten in die Seelen der gottlosen Geistlichkeit. Wir sahen, hörten, ahnten, sammelten und wussten doch nichts. „An der Seelendrohne arbeiten wir noch“, sagte sie und gefror zu Machtschnee, geschlagen aus dem Eiweiß der Froschgesänge, im Nimmerland des toten Gottes. Ich holte mein Glück aus der Dose und las weiter. Cummings. Et cetera. Ich fliege nicht, ich schwebe mich.

Kola Krabamba

(Den Kölnern, denen es gerade nach Liebstöckel stinkt gewidmet, aus einer länsgt vergriffenen Anthologie..)
Gehacktes. Wiederzusammengefügt. Geformt. Gebunden. Gewürzt. Gebraten, scharf, medium. Kräutlein, frisch. Edles Backwerk. „Linke und rechte Hand formt einen Kreis mit Daumen und Zeigefinger“. Unzentatzen Knoblauch samt Ringen von Zwiebeln, kross. Senfpulver und 2 Cornichons. Und dann, dann drehte er durch, zerriss seine Seele, platzte im Kragen, den ich ihm täglich nähte. Ich tröpfelte diese Sauce darüber, rot wie die Sonne im Osten, als wir uns das letzte Mal liebten, vor dem Morgenschlaf.
„Ketchup !“, schrie er und schlug mich das erste Mal, hart und widerspruchslos. „Ketchup !“, schrie er, rannte in die Küche, riss die Türen der Schränke und Schubladen auf, und dann, dann fand er meine Schande. Gaggi, Fnorr. Tüten. Fläschlein von Meinz. Dosen. Meine Augen schwollen und als die Sonne unterging, bat ich um Verzeihung, aber er ritt davon, auf seiner BMW. Gehacktes. Ich sah ihn nie wieder, und den Tag, als wir im Mäcks Gedichte fraßen. Nur Gedichte, Salsa, Country und sonst nix.
Kola Krabamba.

Der kleine Rasenmäher hasst das Internet

[Danach war mir gerade, mal sehen, ob die Stories vom kleinen Rasenäher noch weitere Fortsetzungen finden werden, klick hier ]
Es war einmal ein kleiner Rasenmäher und der hatte Kummer. Seine Kumpelin war umgebaut worden. Er traute sich immer noch nicht, sie Freundin zu nennen, obwohl er zu gerne ihren Tank mit seinem Diesel gefüllt hätte, aber das wusste sie ja nicht. Sie hatte jetzt bluetooth und wLan, Linux und Android, die Apples in Kalifornien wollten ja nix mit Rasenmähern zu tun haben.
Der kleine Rasenmäher fragte seinen Papa erst gar nicht, ob er denn auch umgebaut werden könnte. Der schnitt glatt durch die Rosenbeete, wenn er das Wort „Internet“ nur hörte. Er fand, dass nackte Tanks von Rasenmähern und offenen Kabel nichts für ordentliche Geräte wären und außerdem die gedruckten Kataloge von Rasensamen von amerikanischen Gangsterkonzerne in Dateien verwunschen würden, von diesen bösen Zauberern, die sich in BarCamps ihren Hexenmessen hingäben und eine neue re : publica errichten wollten, wo es keine Arbeit für Rasenmäher mehr gäbe. „Die“ wollten wieder alles mit der Hand sicheln.
Und so stellte sich der kleine Rasenmäher vor, wie er zusammen mit ihr virtuell den Vorplatz des Touch-Mahalls mähen könnten, oder Präriegras in Texas durchdieseln, fast schämte er sich seiner oktuellen Gedanken.
Da hörte er laute Hilferufe,

SIE!

Und er war ungetankt! Seine Zündkerzen standen senkrecht, er konnte sich nicht beherrschen.

SIE!

Und dort drüben standen die jungen Rotzer mit ihren Smartphones, mit bluetooth und wLan und lenkten SIE im ZickZack durch den verwunschen Vorgarten von Tante Angela, den seit Jahren niemand pflegte, dort wo wir einmal unseren eigen Rasen in die Wildnis mähen wollten. So dachte er sich die Sache in seinen gedieselten Träumen. Und hätte er jetzt auch wLan könnte er diese Typen zurücktrollen, in ihren Twitterhöhlen bekämpfen ihr Fatzebuch zerstören.

Er begriff, dass dies gar keine Hilferufe waren, sondern Juchzer. Und dann fuhr SIE ‚rüber zu diesen Typen und retweete sie, likte den Anführer und er hatte kein Diesel.

Ich respektiere meinen Vater, den Mähdrescher und meine Mutter die Elektrosense. Sie haben Recht. Die wLan-Welten sind nichts für anständige Rasenmäher. Es fehlt noch, dass es Piraten gäbe im Reich der grünen Rasen und wir Anker entmoosen müssten…..