Bürgerbeteiligung und Kommunikation

Tanzschulen für das Medienparkett?

(Gedankenwinden, einer Konversation auf Twitter geschuldet, an diesem Artikel aufgehängt)

So viel davon gehört, Stuttgart inspiriert, in Arabien demonstriert, in tausend Wahlprogrammen verkündet. Basisdemokratie. Und eigentlich weiß keiner so genau, wie das funktionieren soll. Ich auch nicht. Wie viele Menschen können direkt miteinander kommunizieren? Der Tanz der Alpha-Männchen mit den Alpha-Weibchen auf dem Parkett der Medien.
Schwierig. Wie beteiligt man Bürger an diesen Tänzen? Bürgerreporter, Bürgerjournalisten. Hhhm. Was ist da anders, letztendlich? Noch ein weiterer Tanz auf einem neuen Parkett und wer bezahlt das? Ja, ja, das Internet, die Blogs. Auch die kosten Geld. UND: Auch Bürger sind nicht unabhängig, sogar gefährdet, wenn es um brisante Dinge geht, wenn viel Geld mitspielt, bräuchte man auch Bürgeranwälte dann. Klar, die Quasi-Monopolisten in den lokalen Gazetten ärgern immer wieder. Schlampig recherchiert, einseitig geschrieben, uninspiriert. UND: Der Investor, das Verlagshaus bestimmt den Kurs. Das sind Unternehmen, die Geld verdienen müssen, wollen, sollen.
Gerade verklagen ein Paar Medienzare die ARD wegen der Tagesschau-App, eine Bürgerbeteiligung via GEZ, öffentliches Geld quasi. Wir leisten uns öffentlich-rechtliche Monster, doch, aber sind sie nicht notwendig? Über die Wahlen können wir wenigstens indirekt über den Kurs dieser Giganten bestimmen. Wie beteiligt sind wir bei Springer oder der Haas-Gruppe in Mannheim, dem Verlag Martin&Söhne in Viernheim, wer bestimmt die Richtung in den lokalen Internet-Dingern?
Öffentlich-rechtliche Lokal-Medien? Nur ein weiterer Tanzplatz für das alte Spiel. PR und Gegen-PR. Information und Desinformation. Und dann die Journalisten: die lokalen nebenberuflichen Berichterstatter, die für ein paar Euro zu den seltsamsten Veranstaltungen geschickt werden, die Redakteure, unterbezahlt, desillusioniert, die Nebenzimmer-Politik hassend, zwischen 2 Apfelschorle gepresst oder Weizen. Immer das gleiche Spiel. Beleidigte Politik (und oft zu recht), von den Eitelkeiten der Subprominenz (oft zu Recht) genervte Journalisten, Medienhäuser, denen die Einnahmequellen wegbrechen. UND: Genervte, gelangweilte Leser/Hörer/Zuschauer, die genau wissen, dass da noch nicht einmal die Hälfte steht, weil das nicht geht. Weil der Verlag das anordnet, weil man dem Größt-Grundbesitzer nicht ungestraft in die Seele schaut, weil nur die Oberfläche abgebildet wird.
Bürgerkommunikation. Hhhm. Beteiligung ohne öffentliche Kommunikation? Ich weiß nicht, wie das geht. Den meisten Menschen ist das sowieso egal. Sie fühlen, sie werden beschissen, egal ob sie das wirklich werden. Sie wissen sehr genau, dass sie manipuliert werden, aber sie wollen das auch gar nicht ändern. Sie wüssten auch gar nicht wie. Hhm. Eine Frage der Kompetenz. Sollte man vielleicht damit anfangen? Medienkompetenz aufbauen? Schulen? Wie entstehen Meldungen, warum steht was wo, wird gesendet, gestreamt und warum wird etwas weggelassen.
Warum bleiben wir selbst nicht am Ball, nach 14 Tagen können wir ein Thema nicht mehr hören, sehen, lesen, es nervt uns? Nein, die Blogsphäre, die es einheitlich ja auch gar nicht gibt, ist keine allmächtliche Lösung. Was weiß ich. Ich weiß nur, dass ich durch das Bloglesen, durch die RSS-Feeds der Zeitungen, der Sender, seit neuestem auch der Twitter-Ticker noch kritischer geworden bin, ich suche immer nach einer zweiten Meinung, versuche übergreifender zu denken, begreife nichts mehr als “ schwarz auf weiß“ als „wie gedruckt“, verstehe, ahne den Tanz. Ich bin medienkompetenter geworden. Doch.
Und vielleicht könnte das jemand pädagogisieren ohne über Bratwurstjournalismus zu polemisieren, ohne den großen Zeigefinger des Oberlehrers zu bezwinkeln, ohne Sonntagsreden über die 4. Gewalt, ohne die Beschwörung von Revalutionen, ohne Altäre für das eigene Ego zu beweihräuchern, ohne Verlegerverbände, ohne Journalistenverbände, ohne sonstiges Gelobbe?

Wenn das nur jemand machen würde. Ich kann das nicht, bin nicht die Persönlichkeit dafür, politisch gebunden. Ein BarCamp für (lokale) Medienkompetenz, eine UnKonferenz als Anfang? Eine Entmystifizierung?

Tanzschulen für das Medienparkett!

#hach