Besprochen: Unfug Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern



Ute Weber

Unfug

Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern

Frohmann, Berlin 2012
Elektrobuch, 186 Seiten (sagt mein Reader) 3,99 €
Twitteratur

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Was man braucht, um eBooks auch ohne eReader auf PC/Mac oder Smartphone zu lesen steht hier im Blog

Ein Twitterbuch. Hhmm. Warum sollte ich ein Twitterbuch lesen? Ok, ich bin auch in dreien vertreten, sintemals als KurzdieLyrik. Aber das waren eher lyrische Anthologien. Es gibt dieses seltsame Projekt von Pons, in dem ein Sammelsurium von Tweets steht, mit denen die Herausgeber dann umherziehen und fremder Leute Tweets vorlesen, als Comedie getarnt. Nicht mein Ding.
Aber jetzt gibt Frohmann als Verlagserstling Ute Webers gesammelte Tweets heraus. Es war für mich gar keine Frage, dass man das lesen kann, sogar soll. Ich folge Ute Weber auf Twitter schon seit Jahren. (Wer Verlegerin und Autorin hören will, der komme zum BuchmessenTwittwoch) Einen Großteil dieser Tweets las ich bereits in meiner Timeline. Ute kann in 140 Zeichen einen ganzen Roman abbilden, kann, muss nicht, verfällt manchmal in eine fast lyrische Sprache, die Worte in einem Fluss, dass man meint, sie wolle ein Haiku schreiben. Die Tweets literarisieren den Alltag, die Timeline, das allgemeine Twitter & online-Geschehen. Sie funkeln Humor und vor allem einen hellen Verstand, kokettieren mit den eigenen Jahren, dem Nerd-doch-nicht-sein, treffen im Extremen genau den Punkt. Kann man nachlesen. http://twitter.com/uteweber. Zu was zitieren, wenn man linken kann.
Aber ich will ja ein Buch rezensieren und keine Timeline.
Also zum Rezensionsexmplar. Freudig auf den Reader gepackt, geladen und wütend geworden. Erst ein paar Empfehlungen von Tweeties, dann drei Vorworte von bedeutenden Twitterern und ich dachte sofort an Utes Tweet: „Elite ist eine Marke von Penny….“ Irgendwie hatten wir das in der Timeline ausbaldowert. Es dauerte Minuten, bis ich den ersten Tweet lesen konnte. Natürlich interessiert mich, was Happy Schnitzel, Frau Ziefle, Anke Fitz oder Peter Breuer zu sagen weiß, aber das kann an den Schluss, eigentlich. Und die Erklärung, was Twitter ist, nun ja. Die Tweets sprechen für sich, bedürfen keiner Erläuterung. (Und es kam, wie es kommen musste. Die ersten Shops sind mit der Vorschau online und dort kann man alles lesen, nur nicht Ute Weber, schade.)
Endlich die Tweets. Ah der, gleich mal notieren. Guck mal der da und ach so ja. Ein Glucksen und jetzt bin ich auf Seite 15 und habe schon 20 Stück zum zitieren angemerkt. Das geht ja gar nicht. Also las ich weiter, mal da, mal dort, zuletzt am Samstag Morgen am Rhein, auf einer Bank in Ludwigshafen. Das ist nichts zum atemlos durchlesen, ins Gehirn fressen. Diese Tweets brauchen Luft, Zeit, um im Kopf entpackt zu werden und das Kino dort anzuwerfen und den eigenen Senf zu retweeten, weiterzudenken, zu sinnieren, zu lachen, grinsen, zumeist aber nur zu lächeln. Immer nur ein Paar auf einmal. Als ob es ein Brunch wäre (und auch das Wort Brunch hat Ute im Buch gedisst, wir saßen schon früher ewig in der Küche…. 😉 ), ein immerwährender Brunch, an dem man sich Häppchen für Häppchen nehmen kann, immer wieder. Es ist ein eBook, das ist ein richtiges Buch, doch. Aber man kann damit seine Lieblingsstellen suchen lassen. Ein eBook ist die wahre und angemessenste Form des TweetBooks. Es ist der Backup einer Lieblings-Timeline, genau, sollte jeder auf der SD-Karte haben. Nach dem drölfsten Tweet im Buch fehlte mir auch nicht mehr das Avatarbildchen. Die Tweets sind schön geordnet in kategorische Kapitel, die ein wenig nach dem rheinische Hausfreund klingen, aber das ist vielleicht für die Nicht-Tweeties hilfreich, schließlich ist dies ein deutsches Tweetbuch, nicht wahr. Dabei entziehen sich Utes Tweets jeder Schublade, aber so grob… Den Tweets schadet es nicht, sie wirken, wie gesagt, jeder für sich.
Und dann, und dann, beim Suchen und untersuchen des Inhaltsverzeichnisses entdeckte ich die Goldgrube: Die Originaltweets. Einfach alle Tweets noch einmal, ohne Tippfehlerkorrektur und in der zeitlichen Reihenfolge. Also: Die Timeline. Ich las nicht mehr katalogisiert weiter, ich hatte die Timeline gefunden. Und las und las und las, nein, ich wollte das nicht wissenschaftlich und so, just for fun.

Dieses Buch ist ein interessantes Experiment. Der Versuch Twitteratur in den Markt zu bringen, hoffentlich auch für Nicht-Twitterer, denen ich dieses Buch wärmstens empfehlen kann, als Beispiel, was Twitter sein kann, jenseits des Hype und der Shitstorms, ein Vehikel komprimierter Literatur nämlich, von einer der besten Tweeties in Deutschland. Nicht-Tweetie lernt dabei, dass man dazu nicht unbedingt auf Podien Vorträge und BarCampismus ertragen muss. :))
Für Twitterer ein absolutes Muss, dieses Buch. Und wer Ute noch nicht folgt: @UteWeber #ff.