3 Punkt

Texte zu einem Kunstbuch von Désirée Wickler. Vernissage am 14.10.2012 im Künstlerforum Bonn. „Arbeitstitel_ fading memories“. Bücher kann man bei Désirée Wickler bestellen.

…Nur die kleinen Nebel

aus der Maschine dürfen mit mir wabern. Es ist Sonntag, die Glocken seufzen unter den brutalen Schlägen der Hämmer. Es regnet Schafe auf die bräunenden Wiesen. Kontoauszüge blühen an den Straßenfegern der Staumelder, vergessene Spinnennetze stöhnen beim Versuch der Zeugung. Die Last, ein Mensch zu sein, schwebt über den Kondensstreifen der Maikäfer aus gebackenem Kerosin, zieht ihre Schwänze durch die Furchen in den Scharen der Pflügerinnen. Die Pusteln längst verjährter Pubertäten rauschen unter den Winden der seligen Erbsenastromaten. Büstenhalter streiken unter den Lastern der Hormone, weiser Wein fließt durch die Betten der Rheine zu den Vätern der Schmanden. Nobellen sprengen ihre Preise, preußen Propheten in das Ejakulat ihrer Träume. Gepolsterte Iche schwören Meine in das Blau der Himmelschäumer. Gemeine heiten lose Häute in den Skalp. Das Loch aus Unterschichten stülpt sich über Pfähle in das Ozon der frühen Jahre. Bomber aus schwarzer Milch sprühen tiefgekühlte Kunst durch die Quer deiner Wüste. Eine Brust melkt Gedanken unter Filme, Augenbrauen rüsten auf. Ein lustiges Heer aufgezäumter Zeigefinger reitet über die Sättel der Erde. Das dreigeplärrte Refugium zerknisterter Särge quillt in das Adagio des letzten Schwermetalls. Gegrillte Hoffnung tanzt in heißer Luft. Die Ahnen swingen Stille in die Splitter der Gedankennacht.

…mich geliebt.

Ich weine nicht. Interessant, nichts mehr. Liebe und Hoffnung sind in diesen rosarosten Nebeln verschwunden. Niemand konnte von Anfang an genau sagen, woher sie kamen. Manche behaupten, sie entstanden, als die Server von Google implodierten, aber das war eine Hoax, als das Internet noch klebte. Und dann begann die Sahara zu blühen, der Sand mutierte zu Silicon-Blumen in Vasen aus rostigen Floppies. Sie hatte mich geliebt. Ich stelle mir vor, wie sich unsere Körper verrenken, versenken, flechten, schweißen, ob wir Kinder hätten? Tief inhaliere ich die rosarosten Nebel, die nach Suchanfragen schmecken. 20 Millionen Porno-Anfragen, wie lächerlich wir doch sind und frei. Noch ein Zug und ich übersetzte das nach spätbabylonisch. Sie liebte mich.Ein post-it Zettel auf einem geplatzten Monitor. Sie liebte mich. Die Schatten triefen aus den leeren Schächten der Computer-Racks, von Elben gelenkt. Es gab keine Elben, keine Zwerge, keine Drachen. Es gibt immer noch keine außerhalb der rosarosten Nebel. Die Schatten elben und in der verschollenen Cloud tanzen die Drachen Flamengo und fressen die Milliarden Playlists. Sie liebte mich. Ich hatte mein Laserschwert verloren. Es gibt keine Laserschwerter und damit bekämpfte ich die Augenaufschläge der Megabits. Sie hatte mich geliebt. Sie liebte mich. Am Rande eines Monitors, was mag er einst angezeigt haben? Mein Zwischengeist küsst ausgeglühte Festplatten im Stammland der katholischen Seligen. Sie liebte mich.

Dreißig tausend Illusionen / fegen über Rasthausplätze / singen das Lied der Sterne / dem Mond entrissen / lichterloh regenklatsch / übermoost / weiche / Flaumen schütteln mich.

Ein Spielzeugpanzer glüht Atome über Salsafeuern. Saugt gierig rosa Nebel. Liebt sich mit einem Flugzeugträger, zeugt sich neu aus zuckertrögen Kolaschrägen. Eine Zeitung schüttelt Buchstaben in das lächerliche Meer, die dort Bücher drucken. Sie liebte mich, hatte mich geliebt. Pausen dieseln Werbeschaum aus ungelösten Spots, das Kokain der Agenturen klebt noch an den Sat-Schüsseln, die im Nebel rotieren. Sie liebte mich. Lie-lie-lie liebte mich.

… 2012 / Protokoll / Vergnügungswart-Notenwart: Personalunion

Dreißig Sterne taumeln in Geldbeuteln unter den Mänteln. Wir reiten auf toten Motoren. Elfen rosten. Drachen singen im Kirchenchor. Dünste frieren in den Tiefkühltruhen ohne Strom. Den Kuss, den ich dir 1968 schenkte, in Gold verpackt, nobelpreis. Schwiegern, wir zwei. Vätermütter. Im Bauch der Schmetterlinge drei Menschen. Gestöpselt. Durch und durch. Lass mich lecken, briefen, Sondermarken. Stempelschutt. Kanzeln bunzeln. Die Minysterien der Zeit vertreten durch das Saatsekretariat. Gestrichen, das Voll. Morgen: Abwrackprämie für Facebookreste.