Bock, Bock, Bockenheim

Update aus 2011. Das doppelte Bockenheim. Dialektdichter-Wettstreit und Frankfurter Buchmesse. In einer Woche, hatte ich seit dem nicht mehr…. Bei beiden Events bin ich immer noch unsicher, ob ich 2017 teilnehmen soll. Entscheidungen, Entscheidungen. Bin ich denn Unternehmer?

Wer mit der U-Bahn zur Frankfurter Buchmesse fährt und das sind sehr, sehr viele, weiß sofort, dass die Messe im Frankfurter Stadtteil Bockenheim liegt, einmal im Jahr, der Nabel der literarischen Welt in Deutschland. Dass immer zur gleichen Zeit in Bockenheim/Pfalz, dort, wo das andere Tor zur Weinstraße steht (Teil der Verbandsgemeinde Grünstadt, im Kreis Bad Dürkheim / Weinstraße, dem Ort des größten Weinfestes der Welt) die Endausscheidung des Pfälzer Mundart-Dichterwettstreits ist, das wissen nur sehr, sehr wenige. In der gerade untergehenden Woche war ich dreimal in Bockenheim/Frankfurt (dank einer Eintrittskarte, gesponsert aus Ochsenfurt/Main, merciundkratzfussnochmal an @TurmbuchOch und einmal in Bockenheim an der Weinstraße, der Literatur wegen. Immer mit der Bahn. Einmal nord-süd, mit dem IC in die Metropole, das andere Mal mit der S-Bahn und Bimmel-Einspurbahn den Reben entlang durch die Metropolregion Rhein-Neckar ins Leininger Land, dort wo die Weingräfin regiert. In Frankfurt traf ich als wohl Ältester oder so einer Rasselbande aus Bloggern, Twitterern ein munteres Völkchen, in Grünstadt war ich unter die besten Zehn des Wettbewerbs gekommen und las im Festzelt des Winzerfestes vor zahlendem Publikum und der Jury. Und obwohl nur 100 km dazwischen liegen, scheinen Welten dazwischen zu liegen.

Natürlich hatten wir fast alle die Messe App geladen in Frankfurt, man fotografierte mit dem Handy und postete gleich via Twitter, Verleger, Autoren, Verlagsmitarbeiter, Berater, Tweeties, Blogger, Antiquare, Buchhändler (alles m/w ich habe keine Lust zu gendern jetzt) die Retweets schwankten und eigentlich wollte ich nach Bockenheim / Weinstraße den Schwung von Bockenheim / Frankfurt übertragen. Natürlich wusste ich, dass dort nichts, aber gar nichts Internet-affin ist, aber immerhin konnte ich dieses Mal die Gedichte via Web-Formular einreichen. Und ich wollte den Kollegen dort Twitter zeigen und vielleicht fragen, ob man nicht einen Twitter-Wettbewerb, nicht wahr und dazu hätte ich Twitter erklären müssen und ich konnte nicht.

Ich hatte kein Netz. Einfach kein 3G. Das Land. Unterversorgt, nicht mit Wein, nein, da gibt es quadratkilometerweise nur Reben, aber keine Funkmasten. Was nicht an den Leiningern liegt, oder doch?

Hinzu kam, dass der Gewinner des Wettwerbs die 80 weit überschritten hatte, der Publikumspreisträger 89 ist und über das Alter der Damen, die mitgewannen spekuliere ich nicht. Mit meinen fast 60 war ich auf jeden Fall einer der jüngsten Teilnehmer, sehr im Gegensatz zu Frankfurt. Es kommen bei diesem Wettbewerb keine Jungen mehr nach und mich trieb nachts die Wehmut um, die Wehwut. Unsere Gespräche dort drehten sich tatsächlich darum, dass der Dialekt stirbt. Epochen bald enden. Nein, ich habe kein Problem den Tod (hier des pfälzer Dialektes) nicht als Normalität hinzunehmen und ich gönne den alten Herrschaften die Preise von Herzen und Umberto Eco, der in Ffm las, ist ja auch in dem Alter, aber irgendwie hatte ich Mühe dieses 2 Welten der verschiedenen Bockenheims zusammen zubringen. Es rumorte im Hirn.

Heute bin ich dann nochmals zur Messe gefahren. Eigentlich wollte ich nur die Island-Gastland-Räumlichkeiten betrachten (die übrigens fantastisch waren) und in der Schirn die Installation von Gabríela Friðriksdóttir ansehen (die noch fantastischer war) aber da las ich auf Twitter (doch, es gibt Netz zwischen Weinheim und Frankfurt) dass Manuela Jungmann (ich kenne sie als @emju) in einem Podium als eBook-Autorin sitzt. Indie-Autorin nennt sich das, wenn man sich selbst auf Amazon & Co eVerlegt (so ganz verlagslos). Wir hatten uns ja schon Mittwochs und Freitags getroffen, gesprochen, gelacht, getwittert. Eine witzige Runde war das, kompetent, unterhaltsam. eBooks mit Blut an der richtigen Stelle, Musik im eBook. Und genau das hätte ich den Bockenheimern vorschlagen wollen, also eBook mit Audio-Teil und Twitter-Wettbewerb, weil das bei MundArt doch so entscheidend wäre, aber ich hatte ja kein Netz an der Weinstraße.

Genau da löste sich die Spannung im Hirn. Ein inneres Lachen. Die drei Autoren haben einfach eBooks gemacht! MACHEN. Und ein Online-Game-Programmierer hat ein Print-Buch geschrieben. Yepp! Habe ich nicht Print On Demand 2001 schon ausprobiert? Multimedia Flash-Online-Lesungen 2002? Digitale Literatur zu DTV und T-Online getragen? Was an der Spannung zwischen den Welten ist neu für mich?

Also werde ich weiter zwischen den Welten tanzen, MundArt schreiben und vom Blatt lesen, wie hier der Wettbewerbsbeitrag und lyrische Spontan-Intermezzi zu Twitter-Installationen im OpenSpace wie hier. Ich bin kein MundArt-Dichter, ich schreibe nur in verschieden Sprachen und deren Variationen und Varianten, ich weiß, liebe Germanisten das ist keine echte Diglossie. 😉

Ach so ja, der pfälzer Dialekt stirbt? Und warum füllt dann Bülent Ceylan grosse Hallen deutschlandweit mit den Texten des „Blassen Bertram“ aus Mörlenbach, tanzt Chako Habekost über die Kabaretts des Neckar-Deltas? Quatsch das alles. Die Jungen sind nur irgendwo ganz anders zu Gange und das ist gut so!

Bliebe noch den Web 2.0 und Social-Media-Piratern (ist das nicht ein hübsches Wort für die @Wortweide von @sinnundverstand ? ;-), gerade erfunden, fast so schön wie Kokolores) und mir zur Erinnerung mitzuteilen, dass der Wettbewerb in Bockenheim / Weinstraße diese oder die nächste Woche (es eilt ja nix) der Rheinpfalz ( einer Schwesterzeitung der Süddeutschen in Ludwigshafen) dem Wettbewerb in Bockenheim / Weinstraße eine Doppelseite widmen wird, wie jedes Jahr, siehe hier, als ich dritter war. Mit 6-Stelligen Verkaufszahlen…und den Gedichten komplett im Print, solche Zahlen muss man im Netz erst mal haben, diese Reichweite…

Und die Sachen mit den eBooks wird so gehen: Manche lesen gedruckte Bücher und manche auf dem eReader und die Weisen, wie @emju wissen: Wir lesen was wir unter die Griffel bekommen, eagl wie.

Und Zweitens: Ich habe mir vorgenommen, nach all den langen Jahren, die Züge aus Frankfurt nach Heidelberg immer zuerst in Langen halten, einml auszusteigen und zu gucken, was es da gibt. Ich war noch nie in Langen/Hessen außer an dessen Bahnhof.

Und drittens wie ich das gerade schreibe, lobt mich @fraukewatson, einem deutschen Nordlicht, auf der Isle of Man lebend, am Freitag in Bockenheim/Frankfurt weilend mein pfälzer Gedicht via Twitter.

Alles wird gut. 😉 Ich geh jetzt gucken, ob doch jemand der Weinstraßen-Bockenheimer twittert oder bloggt, ok, eine Homepage hat.

[update] Und da ist die Zeile, die ein Redakteur des Mannheimer Morgen in das gesamte Verbreitungsgebiet der Metropolregion hinaus schrieb. „Brauchtum: Landauer Gerd Runck siegt in Bockenheim“. Hei ihr Redakteure, haut ihr das Bülent Ceylan, dem Schwöbel oder Chako Habekost auch in die Rezension? Wir schreiben in unserer Mutter-Vatersprache, was zum Teufel daran ist Brauchtum? Ihr solltet ‚mal Euer Weltbild zurechtrücken. Aber was soll’s…….sie kapieren das mit dem Online ja auch nicht so recht…Aber sagen musste ich es. Brauchtum pfffff… In der Wormser Zeitung geht es doch auch….

Aber dieses Schild, wie ich es liebe..

Ford gekährt kähda, hinnenaus

Uf alle Kanäl
kreische se
blose sisch uf
gucke wä de greischde hot
Wolle ma oiredde
isch heed Engschd
vo neie Sache
un Mensche vun
iwweral un
dass die ned haian
däfde und sich vakisse
Grinse misch oa
fresch als
ob se dabbed wän
alleweil
in moinere guude Schdubb
Schaffd eisch enaus
rudschd ma de Buggl nunna
hald eia Gosche
isch loss misch doch net
vun Eisch Pack
vabiesdan
Vapisst Eisch
no not do ins Eck
net unnas Konapee
häde bal uff
Isch hol glei de Bessem
ford gekährt kähda
Naus nix wie naus
Awwer net vonnerum
Äh olwe Krischa
Äh geid do hinnenaus
Alla guud
dschuldigung
bin jo schun dusmo
awwa sell reigd misch
hald uf

(Vorgelesen:)

(Was ich nicht in Bockenheim einreiche…)

Als der Sommer 17 wurde.

Titelbild: Screenshot der Blogparade „Mein Sommer: Zwischen Brotjob, Kultur und Ferien“ Wenn Clia lädt… mache ich sogar als Rentner mit. Tweetups verbinden, gell!🙂 Auch wenn mein Geblogge dann nicht auf das feine PDF passen wird. Den Sommer begrüßte ich natürlich auch unterwegs lyrisch! Ob das denn kulturbloggerisch ist? Wer weiß das schon…


Der Sommer dehnte sich dieses Jahr, das nach 2000 17 wurde, das junge Jahrhundert als Teenager, als uns um alles um die Ohren zu fliegen schien und ich meinen Trotz hier blogge, das Leben ist zu kurz um die Irren zu hofieren! Er begann im Mai und hört bis jetzt nicht auf, er ist heiß und verregnet, es wird extremer.

Als Rentner hat man ja unendliche Ferien, keinen Brotjob mehr, aber dafür ein schmaleres Budget. Der Sommer entfaltete sich daher Tag für Tag. Ich rang ihm ab, was ging und ließ doch so manches aus. Ich beginne Menschenmassen zu meiden. Nur ein Weinfest besuchte ich…..

Was ich denn dieses Jahr sommerte? Einiges steht in meinem #burger Blog, anderes hier, Instagram ist dazu gekommen. Ich mache euch ein Storify dazu! Dynamisch, wenn es noch Dinge zu berichten gibt werde ich sie dort nachtragen. Schlau. :))
Unterwegs mit dem Rad, zu Fuß, der Bahn und das alles in Kombi. Die Karte ab 60 des VRN sei gepriesen, samt der Karte zur Weiterfahrt, die heilige Bahncard nicht zu vergessen. Also frisch dynamisch frei zum Storify!

Storify „Als der Sommer 17 wurde“

Als der Sommer 17 wurde. weiterlesen

Museum, Aura, Algorithmen, Update, Fußball und ein Vorfall.

(Beitragbild oben: Screenshot aus dem Wikipedia Artikel „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, nach Walter Benjamin.)

(Achtung Fakenews! Diskurs mit üblem Ausgang in einer Museumskneipe, mit Rouge, Rieslingschorle ohne Cocktail und Perlenkette.)

„Rouge!“
„Hei, was ist?“
„Rouge!“
„Na ist die KI wieder einmal übergelaufen?“
„Aura.“
„Anna wieder? Esoterisch?“
„Nee C++ KI, Auftrag.“
„Cool, bringt Kohle!“
„Aber Aura.“
„Was für eine Aura?“
„Kunst Aura, Benjamin, Adorno. – Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“
„Ist doch eh nur philosophisch.“
„Rouge.“
„Sauf nicht so viel.“
„Ich soll einen Aura-Algorithmus programmieren. Für die Bildchen in den Datenbanken. Verstehst du? Für die Oggs und Mp3s, die jpgs und mp4s. Damit sie wieder Aura haben. Also irgendwie. Das ist doch Quatsch, reproduzierbar bleibt das doch immer, kannste machen, was du willst. Rouge.“
„Wer will denn so was? Rieslingschorle.“
„Staatssekretär, Kulturstaatssekretär. Man wirft ihm vor, dass durch die Digitalisierung seiner Museen die Aura der Kunst noch mehr schwinden würde. Das Thema wurde ihm dann vom Chef aus der Hand genommen und jetzt hat die Kultusministerkonferenz eine Arbeitsgruppe eingesetzt und die mich engagiert. Jede Menge Kohle. Problemlösung durch Softwareupdate. Das geht wohl nie mehr weg. Rouge! Was soll denn diese Scheißaura sein und wie bring ich das in eine Datenbank? Auch noch so eine beschissene Datenbank, warum nicht gleich MySQL? Rouge.“

Waldfriedhof transzendenter Kunstwerke nach dem Verfall.

„Hhhm, lass die OpenSource in Ruhe. Also die Wiki sagt, dass hätte was mit der Einmaligkeit zu tun.“
„Wiki ist Scheiße, jede Menge Erbsenzähler und Faker, versauen die Datenbanken auf den Servern.“
„Nur weil sie deinen Personeneintrag blockieren.“
„Ich bin halt der beste KI-Programmierer im Wahlkreis Süd! Muss gesagt werden, Rouge.“
„Eitler Narziss.“
„Schaf, Pr-Kasper.“
„Einmalig? Hhm, kennste Götze? Eigentlich alles ganz banal!“
„Banalisierung ist auch verboten, Götz George hatte so eine Aura?“
„Mario Götze, Fußballer.“
„Fußball ist scheiße, Gewaltkram, Millionärskacker. Rouge.“
„Aber poulär und mit Aura.“
„Hä, wie, wo, was, warum von for i =10 to 100 go. Heilger BillGates hilf“
„Dieser Mario Götze schoss bei der letzten Fußballweltmeisterschaft im Endspiel das entscheidende Tor, Millionen, Milliarden schauten zu. Das kannst du sooft reproduzieren, wie du willst, schon die Wiederholung war nicht das Original, der magische Augenblick, als der Ball ins Tor ging… das ist, das bildet die Aura. Wie im Theater, wie bei jedem Liveact, kannste reproduzieren wie du willst, das hier und jetzt, das macht die Aura. Rieslingschorle!“
„Rouge! Und wie bekomme ich das in die Datenbank? Hä?“
„Selfies, Kommentare, Erstlingslikes“
„Was?“
„Dein PR-Kasper macht Dir das Storytelling, die Community-Scheiße, das Likes sammeln, alles. Social Media. Mit #hashtag zu den Daten. Das fängst du mit KI ein und speicherst es in der Datenbank als Community-Co-Data. DAS macht dann die Aura, die KI Data.“
„Hä, warte, wir sind hier ja im Museum, da ein Rembrandt. Momentchen. Komm gleich wieder. Mache mal Beispiel. Danny Liebes, mach doch mal ein Selfie mit dem Typ hinter Dir. Danke.“
„Papa, guck mal ich hab in deinem Museum ein Selfie gemacht, vor einem Selbstbildnis, cool, oder? Was ist Papa? Welche Aura? Papa? PAPA! Mario hilf, Herr Minister! So helfen Sie doch.“
„Haste das im Kasten? Gleich ab zur Redaktion, ich texte. Achtung Headline!
Berühmter Kunsthistoriker erstickt an Rembrandts Aura. Tochter wird zu Selfie verführt. Teaser: Programmierer missbraucht Aura von Mario Götze! Minister spricht von KI-Terror. Werden Auren zu wenig geschützt? CR7 lässt seine Aura patentieren.“
„Rouge!“
„Rieslingschorle!!“
„Benjamin, Benjamin…“

Das Paradies, Susa, Mentales Gelb und die App


Ich war einmal mehr in Bonn, wo die Helena ruht. Die Bundeskunsthalle lockte schon lange mit der Ausstellung „Iran – Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste.“

Bundeskunsthalle: Screenshot der Website zu der Ausstellung „Iran – Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste.

Eine fantastische Ausstellung mit zum Teil wahnsinnig gut erhaltenen Exponaten, da funkelt das Gold aus Jahrtausenden, Specksteinskulpturen brillieren, Jahrtausende alte Trinkgefäße aus Bitumen, Glasartefakte fast genauso alt. Von den alten Städten Susa und Uruk ist die Rede, den Widersachern von Babylon, von den Kleinstaaten bis hin zum persischen Weltreich. Das Paradies, Susa, Mentales Gelb und die App weiterlesen