Glückszeiten

Was ich bei der #spätlese14 lese.

Zeitlos

Meine Zeit hat sich umgestellt. Ich wusste es zunächst nicht, aber sie hat. Sie hat mich verlassen, die Zeit, meine liebe, alte Zeit. Sie ist weniger jetzt, und mehr. Eine neue Zeit, die so alt ist wie sie selbst. Ich laufe an ihrer Hand die alten Wege neu, die nie ein Ziel waren, denn mein Ziel ist ein Ziel, mein Weg die Zeit dorthin, auch wenn sie sich stellt, mich mit sich umstellt von der Dünkelhell zur Schunkelschwarz. Meine Dunkelheiten strömen jetzt viel früher in die Sterne, funkeln dort, torkeln dem Winter entgegen, wenn die Kerzen wieder flirrend Träume wachsen werden und die Kälte uns die Betten wärmen wird, wie dieses Uns das eitel wuchernde Wir. Selbst unter den Hellen, an diesen kleinen, kurzen Tagen aus Warten und Sehnen, schwebt die samtschmutzschwarze Nacht stets am Horizont aus Leichtsandmehl, direkt unterhalb des Zentralgestirns, das ich in diesen Zeiten den Titel Sonne neu durchschreiben lasse. Unter diesen graunachtschwarzen Himmeln, den Regentropfen, die sich nach dem Gipfelschnee der Sommer sehnen, diesen Firmamenten, die mich sanft umhüllen, tanz ich mit der Kälte und den Krähen Salsa auf vermatschten Wegen und sing‘ Lieder aus fernen Zeiten, so nah. Ich spüre Arme pulldownover, zum Tango, auf raureifen Wiesen im Zwischenschlaf, den die Träume lieben. Meine Zeit hat sich verloren in mir und schwebt sanft , an diesen kleinen, nassen Tagen, als sie sich umstellte, lang nach Mitternacht. All ihre Stunden ringelreihen mit den Sekunden, vergraben sich zu Gedanken in Tage und Äonen, fließen in Kaskaden in mein Hirn, bauen Bilder aus Nebelzärte und Schwarzkonkon zu verschwommener Klargewissheit in alle Zeit der Welt, wenn sie den Atem anhalten wird für uns. Meine Zeit hat sich umgestellt, sie behauptet, wie jedes Jahr.

Drohnenglück et cetera

Ich fliege nicht. Ich schwebe mich. Ich sitze auf einem Melkschemel im Welschkornfeld und lese. Cummings. My sweet all etcetera. Auf dem Feldweg landet eine Drohne und aus ihrem Lautsprecher erschallt die Stimme ihres Herrn. „Bis du glücklich?“ „Ich glücke, das sieht man doch“, schreie ich zurück. Ich glückste. „Und du?“ „Eine Drohne ist immer glücklich, wenn sie fliegen darf und spionieren.“ „Darf ich auf dir reiten?“, fragte ich. „Nein, du glückst.“ Die Drohne startete stinkend und entschwand, weiter spionieren. Mein Melkschemel kicherte einbeinig und tanzte Salsa mit mir. Es war schließlich ein Welschkornfeld. Ich verpackte mein Glück in einer dieser Kunststoffdosen, die auf Parties verscheuert werden und pfiff. Noch eine Drohne kam und ließ mich reiten. Wir stoben durch die Lüfte, glotzten in Akten, ritten durch USB-Schächte in Festplatten, glotzten in Schlafzimmer in denen kopuliert wurde, wanzten in die Beichtstühle der Finanzverbrecher, loopten in die Seelen der gottlosen Geistlichkeit. Wir sahen, hörten, ahnten, sammelten und wussten doch nichts. „An der Seelendrohne arbeiten wir noch“, sagte sie und gefror zu Machtschnee, geschlagen aus dem Eiweiß der Froschgesänge, im Nimmerland des toten Gottes. Ich holte mein Glück aus der Dose und las weiter. Cummings. Et cetera. Ich fliege nicht, ich schwebe mich.

Das kleine Glück

hatte Ausgang, trieb sich wohl wieder in den Gedankengossen herum, wühlte hier in Erinnerungen, stachelt dort lodernde Gier, puschte Erfüllung. Wie füllt man Glück? Mit der Spicknadel der fetten Jahre läuft der Saft der Behäbigkeit die inneren Narben hinab, schließt die Krater, streichelt die Ängste hinunter, dort wo die Wahrnehmung mit der Scham schläft und Alpe zeugt. Eine Fülle abgelutschter Theorien trudelt im Rausch der Bedeutung durch die Alleen und bedeckt die Böden mit geknackten Nüssen. Die Nussknacker seufzen im Entspannungsbad, spielen mit zuckenden Muskeln ihre Arbeit in den Schlund der Zeit. Große Sekunden tanzen um die Tentakel des kleinen Glücks, trudeln die haarigen Zustände zu Zöpfen, brezeln sie auf blanker Haut. Da hast Du großes Glück gehabt dröhnt eben jenes und frisst auch dieses kleine Glückchen, wie all seine Geschwister von Anbeginn seiner Geburt. Dürr und ausgelaugt legte sich das große Glück darnieder zu all den anderen Katastrophen, Niederlagen, Unzulänglichkeiten und seufzte laut, gierte nach Nahrung und gebar eine neues Glückchen, säugte es mit den Spitzen abgekauter Gedankenblitze und schon bald hatte es Ausgang, das kleine Glück. Komm her bleib bei mir, hei kleines, Baby, stay with me, Montag ist erst morgen, hei Du, ja Du, komm, komm, komm mit mir.

Als ob es Theater wäre

Als ob es Theater wäre
in den gleichen Kulissen
Muskelspiele und Grimassen
nur blöder inszeniert
Wo hatten sie sich vergraben
Speichel läuft beim
Schuhe küssen
Ja natürlich wären wir
natürlich gerne Sklaven
natürlich First, First
und diverse Prophten
Volksverdreher inklusive
Ich stehe auf der Bühne
drehe mich und lache
Ich weiß ich werde büßen
Es herrscht, sie herrscht, er herrscht
Was tun als Lachen
über euch Idioten
Küsst die Schühchen
und hasst
Also ob es Theater wäre
so postmodern
ohne vierte Wand
Wer mich wohl
holen wird

Kunst, Museen, Geschlechter und Verein

tl;dr

Ich war im Städel, Frankfurter Kunstverein, Heylsmuseum und dann noch im Wilhelm-Hack-Museum. An drei Tagen hintereinander weg. Ich hatte Museumsstau. Es war zu kalt vorher, ich verschnupfte die Husten und die ersten lieblichen Pollen durchzogen das Land, aber jetzt! Eigentlich eher eine Notiz an mich, aber vielleicht interessiert das auch. Irgendwie sitzt auch noch San Francisco mit im Boot, ganze ohne Blumen im Haar! Erkenntnis #hashtags und Tweetups wirken, nachhaltig und auch im Kleinen

Mission Statement!
Die Museumspädagogik wird immer besser! Online gibt es sogar Tipps, wann ein Besuch lohnt! 🙂

Werbeplakat für die Ausstellung „Kampf der Geschlechter“ des Städelmuseums über dem Holbeinsteg in Frankfurt

Ich hatte im März immer noch das Early-Bird-Ticket für „Kampf der Gechlechter“ des Städelmuseums im Ticket-Ordner, trotz des Hinweises oben. Ich wartete auf einen milden Tag, ohne Verpflichtungen, aber dieser März schien das nicht zu wollen. Also trotzte ich den Wettern, zog unter extremen Mühen das Ticket zu Weiterfahrt zu meiner Karte ab 60. Ich benutze die DB-Automaten ja nur zu diesem Zwecke und Behufe, das geht nämlich nicht online oder via Handy. Man könnte meinen, es sollten das nicht zu viele Menschen wirklich nutzen. Diese Ticketautomaten der DB sind eine Katastrophe. Seufz. Aber ich obsiegte! 14,60 € FFM Hin und zurück. Ich bemühte dabei 5 Automaten, brauchte fast 15 Minuten. Alles für die Kunst. Und mich natürlich! 🙂
Ich war vorbereitet. Seit Dezember verfolge ich die Artikel im Blog, durchforste das Digitorial. Das Städel in all seiner digitalen Pracht!

Screenshot der Städelwebsite zur Ausstellung „Kampf der Geschlechter“

Ich will gar nicht zu viel zu den Bildern sagen. Ich wollte dieses mal einfach die Kunst in mich aufnehmen, einsaugen um es irgendwann zu verwerten, #hashtaglos.
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Meine #twlys 2016

Verspätet der Rückblick auf meine #twly, 2016 in die Timline getwittert, aus dem Twitterbackup gefiltert. Vielleicht gefällt ja das ein oder andere Werk.

Serpentinen / nach ’17 / Kurven / Hügel / Täler / Du / Kleine Lieder / murren / trampeln / kehlen / Sterne / blinzeln / im Web #twly

Dreißig Salamander / auf der Mauer / vor dem Flüchtlingslokal / in diesem Sommer / als Moses / die Meere zerteilte #twly

Ütütü lichteblau bummeknutsch apängbedäng Leichsalat kommkomm isar Kommkomm sechsemal Ütütü schelldiehand #dada #tatort #twly

Sonnen zwirbeln / naschen / Monde und dreizehen Kometen / / fressen schwarze Löchergalaxien / vernissagen / vegane Erbsen und Küsse #twly

Ein halber Scherz / aus Zweifeln dekantiert / küsst meine Nase / an der Spitze / Rieslinge sprudeln / Schmetterlinge / zur See #twly

Der Himmel flitzt / Dinkel zu Brot / ein Hunger lächelt / zur Sonne #twly

Schwäne aus Autoreifchen / in SUV geboren / tanzen Asphalt / vom Tann / ausgelutschter Adventskalender / ein Hase singt Opern zu Ei #twly

Unter der Sternen / der Tod / Mondlicht nagt bleich / jeden Morgen wieder / das Licht / der Sonne #twly

Als wäre der Tag / in Sommern geschwommen / aus Pressen & Konferenzen / Still still deine Lippen / und Veilchen / so blau #twly

Wind spielt leise / über den Gräbern aus Blechdosen / PU und ihr PVC / vögeln im Licht / dieser Laterne / Lilis Enkel / singt Plastic #twly

Diese Nacht trödelt / schwarz / unter 1000 Laternen / vögelt zwitschernde Monde / ungerührt / Langweilt Sterne / zu Samt und Morgen #twly

Wolken quietschen / über Gärten / singen Lieder / aus Panama / Champagner bläseln Sumatra / Infanten gammeln / im Pfuhl #twly

Noch einmal / in Buchstaben / wälzen / hier / bei Euch / und mich im Schlaf darin / frittieren / als wären 140 / Schamanen / Poesie #twly

Kein branding, nur Brandung / Wellen aus Gelächter / rollen / brechen sich./ Kein Snapchat / tickelt ins All / aus eingeborenen Ideen #twly

Maikäfer brummen / gen Mekka / Rom / Lutherstadt / Ganges / Hain / Maikäfer brummen / beim Teutates und der Macht / Maikäfer flieg #twly

Über den Waffeln / Saucen aus Pudding / und Dingen die da kommen / Erinnerungen essen Schokolade / Und dort da / Pralinen #twly

Zweifel fliegen / Zitronenfalter / durch den Regen / kichern albern / über den Gräbern / ungefallener / Engel / Tode lieben / sich #twly

Zum Frühstück Vulkane / ungegähnt / frisch befeuert / an Lavaeis im Turtelbeutel / in der Ferne / singt Goethe / Matschmusik / im Tor #twly

Plötzlich ist Sommer / und die Zirpen grillen / wieder den Duft / der Autobahnen / die sich bald / suhlen in den Staus / der Chromer #twly

Regen dämmert / als ob / Nacht bläut / den Sommer / im Regenmantel / Es wird regiert / wir lachen und schmiegen / als ob #twly

Nächte wie Balsam / auf Betten aus Balsa / tropfenleicht / Gedanken / Serpentinen zu ungeschöpften Atem / nur geschüttelt / ein Gin #twly

Kein Weg / kein Ziel / da / da #twlym Getöse des Nichts / ein schweigender Schrei / Stille flutet / saugt Mondlicht / in ein Glühen / Würmchen tanzen / Zauberflöten #twly

Ohren geklont / aus dem Gebrüll der Autobahnen / schreien Mondlicht / auf Laternen / Zwei Igel / strippen / zweierdrei / Literatur #twly

Glucksende Konsonanten / sprudeln im Meer / aus adverbialen Pronomen / Nackte Verben / deklinieren Substantive / in Sonnen gebrannt / #twly

Tage aus Gips / tränken Schnecken / schleimen Spuren / zu Opern aus / tanzendem Asphalt / Wir pfeifen / drehen den Wind #twly

Tropfen auf fast schon / braunen Blättern / singen / Sehnsucht nach Nebeln / im Wind / Graue Sonnen / tanzen Wolken / zu Adagio & Roll #twly

Wir sammeln Laub / diese Nacht / wir wehen / und / nichts wird ihnen fehlen / Morgen im Wind / das Laub zu blasen #twly

Als sie uns / Silversurfer / nannten / und / die Server / polsterten / jagten wir / zwei Salven / Javascript / Schwester Uschi lachte #twly

Der Kirchturm / zeigt die nackte/ Uhr / läutet zum Angelus / niemand weiß mehr / warum / Die Altstadt rockt / Am Himmel / rosa Drohnen #twly

In den Wolken/ wringen Nebel/ ihre Klamotten/ über wüsten Hageln/ und/ meinem Narziss/ Oh Gottchen/ #twly

Mit dem Mond / durch rostige Wolken / tänzeln / Das Geschmiere / der Jets / kicken wie Laub / Ich fliege / ohne Kerosin / nur wohin #twly

Es war einmal..das..es wird..sein…das Jetzt nudelt…was für ein Glück… Zwei Fuffizig… am Stück #twly

Herbst laubt / Bläser / saugt Farben / aus welkem Blues / am Bodennass / für / Blüten im März / Mein Oktober / tanzt / Hänge & Blues #twly

Zwischen Wolken der Platz / wo Nebel kopulieren / und graue Schürzen / jägern / Niemand greint laue Regen / Heißa der Herbst ist da / #twly

Morgen wieder die Nebel / die uns hoffen lassen / alles wäre wieder / / Träume aus Lachperlenmus / warten / vielleicht / und gut #twly

Wir ernten / rote / Laubbläser / aus dem / Kürbis / des Hausmeisters / den wir einst / fluchten / samt dem Laub / späterer / Jahre #twly

Als ob es Content / wäre / dem Sponsor / (sächlich) / vor die Füße gekotzt / Hüpft / die Poesie / über / Kreide / zu Deppenapostrophen #twly

In der Nacht / wenn auch der Herbst / ihre / Blätter / fällt / schenkt ein Käfig / zweifünfzig / Blätter / Zum kehren / vor die Tür #twly

Kein Hauch / unter brütenden Wolken / im Grau aus Grau / wächst / das Bunt / des fernen / Sommers / zärtlich von Sonnen / gebadet #twly

Die Nacht / mariniert / in blattlosen Bäumen / unter faden / Laternen / Fern röhrt / ein Auto / auf Bahn / Kerzen im Auto / zünden #twly

Es war der Buchstabe in der Suppe / den auch Goethe benutzte / und der Teufel / das ß und / das ü / Dein Blick / und die Frage / Du? #twly

Annäherungen an ein Theater

Fast ein Beitrag zum Thema #theaterimnetz

#tl;dr:
Ich war am 3.3. in „Wovon wir träumten“ im Theater Felina-Areal und es gefiel mir gut. Dazu eine Gedankenkette, wie es dazu kam und die Welt doch klein ist. Zum Schluss noch ein Ceterum Censeo, das hier wohl noch öfter erschallen wird!

Die Musik zur Lese- und Schreibebegleitung: „Felina by Night“ von Alexandra Lehmler. Auf Spotify nachhörbar. (Ich hörte von CD)

Eingangstür des Theaters im Felina-Areal, Mannheim. (Klick zur Website)

Die Saxofonistin Alexandra Lehmler wohnt und arbeitet hier auf dem Gelände des Felina-Komplexes und hat diesen Titel dort auch komponiert, sagte sie beim Realese-Konzert, was passte also besser. :)) Annäherungen an ein Theater weiterlesen