Vliese und chemische Erotik

(Achtung! Alter Mann und Rentner erzählt vom Krieg!)
(Eine minimalistische Poetik der Arbeitswelt, oder so und das ist jetzt schon ein Beitrag einer Blogparade, die es noch gar nicht gibt #kultdef von Tanja Praske. Yodeli! :))
Das SWR-Fernsehen hat eine Sendung über meinen fast ehemaligen Arbeitgeber gedreht mit Kollege Holger Drexler als Hauptdarsteller. Er hat es oft in Nachtschichten erzählt, dass seine komplette Familie mit der Familie Freudenberg irgendwie patriarchalisch verknüpft ist, wie fast der ganze Ort, samt angeschlossener Odenwaldhölle, außer den SAPs, den Wursthäutlern, der Nudel, den Verlagen et und cetera PP. Und doch, da gibt es durchaus rebellischere Betriebsräte und die sammeln nicht nur Geld, nein, nein, da herrscht nicht nur Harmonie. Sehenswert auch mein Lieblingsort, der Hermannshof. Ihr kennt das ja! Aber trotz alle dem…..Endlich eine Sendung, die klar und deutlich erarbeitet, was denn da Vliesstoffe sind.
Und das mit dem Helia verschweigen wir gerne auch weiterhin, gell?
vlies_swr
Aber! Irgendwie hat das Unternehmen was. Oder kennt ihr noch eine Firmenzeitung, die Gedichte zu ihren Produkten veröffentlicht? Mit meiner chemischen Erotik? Die auch schon mal animiert bei T-Online hing.. Da waren nicht alle amused. (Winkt den ehemaligen Cheffes…) Glaubt mir das! :))
Aber man tat es. Man tat es wirklich!
vliese
Samt einem Portät von mir. Nein, es ist mir nicht peinlich. „Der Wortmischer…Michael Bauer, Poet“ war eine geile Headline.
wortmischer

Ich hör‘ ja schon auf! 🙂

#Nachtrichten15

idyll
Draußen vor der Welt singen die Pausen Arbeitslieder aus knutschendem Tann. Nur leicht wiegelt der Schweig. Die Ruhekonferenz über den Wipfeln tänzelt umwölkt von Ammoniakdrinks. #ruko25 Prozent! Die künstlerische Leiter steht verlassen in der Ecke und lutscht an den #hashtags der Wochenwende. Fenster klirren sich nicht mehr ein. Wuthaucher küssen Pilse aus feuchtem Gebot. Taler wandern zwischen den Gullis zwischenstaatlicher Beschränken. Ein Filter blubbert sein dreisames Wicht!

Frühsommer

Eisbeutel tanzen im Schnee
Ein T-Shirt sprüht Schweiß
zwischen die Deodrants
in den Regalen
nur mein Kuss
flieht vor den Rosen

Die Ewigkeit der diesjährigen
Geranien hängt vom Balkon
in die Biotonnen des Herbstes
meine Hormone tanzen
auf Deinen Lippen

Noch mehr dialektisches

monika
Lesung hoch über dem Millstätter See in drei Dialekten (bairisch, kärntnerisch, pfläzisch) aus den Lyrologien.

Barbara hat auf meinen Blogpost geantwortet. Auf Twitter redeten wir dann grandios aneinander vorbei. Darum jetzt hier ein Statement, hoffentlich Erklärung. Kurz und knackig.

Warum ich Dialekt spreche? Ganz einfach! Es ist ein Teil von mir, meiner Idendität. Natürlich spreche ich nicht immer Dialekt. Das kommt auf das Gegenüber an. Auf das Verstehen. Hochgestochen: Ich lebe das Dialekt-Standard-Kontinuum. (Einfach hier klicken zu Erklärung, das muss ich hier nicht breitwalzen, es lebe die Redundanz.) Das ist zumindest bei uns Standard. Ich weiß, dass dies nicht überall der Fall ist. Die Schweizer z.B. trennen da strikt.
In meiner Ursprungsfamilie wird Dialekt gesprochen, an meinem alten Arbeitsplatz auch, aber eben auch dort im Kontinuum. In meiner Familie sprechen wir auch Konitnuum, schon alleine, weil da mindestens zwei Dialekte zusammen kommen. Ich liebe Dialekte, weil sie Diversität vorleben, weil sie Varianten des Lebens darstellen. Weil sie Teil unserer kulturellen Vergangenheit sind, unserer Vielfalt. Natürlich verändert sich das. Im Augenblick sogar dramatisch. Einfach ‚mal auf einen Schulhof gehen und zuhören. Wir Deutschen verändern uns, wir sind ein Einwandererland gewesen und sind es immer noch. Was ich ausdrücklich begrüße, wir werden noch Vielfältiger! Damit verändert sich die Sprache natürlich mit. Wie sich die Umgangssprache verändern wird? Was geschieht dabei mit der Schriftsprache? Ich weiß es nicht. Und all die selbsternannten Sprachhüter werden nichts daran ändern.

Für mich ist Dialekt sprechen also einfach etwas ganz normales. Muss nicht diskutiert werden, da liegt alles einträchtig nebeneinander, aufeinander. Eine Sprache mehr. Mit unseren amerikanischen Nachbarn früher sprach ich halt englisch, denn die können halt nix anderes und auch dort gibt es Dialekte und Pidgins. Könnte ich besser italienisch (und was haben die für Dialekte!) würde ich auch das sprechen. Mit Italienern natürlich.

Etwas ganz anderes ist Dialekt zu schreiben, gar Liedtexte. Großer Mutmacher war dabei Zuckmayer. Ich kann mir bis heute nicht vorstellen, wie „Der fröhliche Weinberg“ in Berlin am Schiffbauerdamm ankam. Aber es war der „Hit“ der Saison 1925. Begleitend die Österreicher. Von Heller bis Hubert von Goisern. BAP nicht zu vergessen. Dialekt schreiben ist Rebellion und Wohlfühl-Oase zugleich. In meinem Dialekt gibt es keinen Imperfekt, keinen Imperativ und anderer „Kram“. Präsens und Perfekt reichen aus. Es gibt keinen Duden, der mir vorschreibt, wie ich ein Wort zu schreiben habe und all das, was uns die Preußen ausgetreiben haben kann ich da ausleben. „Die wo“ ist solch ein schöner Ausdruck, zum Beispiel. Immer wenn ich anfange „abzuheben“, zu viel Dada zu schreiben, gehe ich zum Dialekt, mich erden. Im Dialekt geht so manches nicht. Dafür habe ich dann wieder die Hochsprache. Ich mache daraus auch keinen Bohai. Ich mache es einfach. Natürlich schränkt das ein, es wird nicht von allen verstanden. Und? Wird es halt nicht. Wem es nicht gefällt, der liest es nicht. So einfach.

Ich habe übrigens auch schon Gedichte in basic und php geschrieben. Doch, geht. 🙂

Ländliches Idyll

idy
Sanft poussiert die Sonne
rotstichig schon die Strahlen
mit dem Grüngephyl der Gräser
von fern weht Glockengeläut
die Wiederkäuer malmen
in elysischem Gleichklang
gurrende Tauben kiffen im Tann
der Landmann händelt die Landfrau haltend
und frohgemut der Kinder Geschrei
plätschert dröhnend das Blut
aus den Kettensägen der Videos
zur Entspannung des Feierabends
des ländlichen Idylls