Die Kürbisreformation am Weltspartag, hallo, halle Ween

Also, das mit den Kirchen ist heute nicht mehr so der Reißer, längst sind die Banken unsere Kathetralen und die sind im Augenblick sehr der Reformen bedürftigt. Also heute ist Weltspartag und morgen Halloween und Reformationstag. Wäre es in einem MassenSynergieCorporateDingsBums nicht sinnvoll 95 Thesen auf BuzzWordDenglish in Kürbisse zu schnitzen und an die Banktüren, hhm nageln wird nicht gehen, kleben, dübeln, tackern? Und dann machen wir Reichstägchen in Speyer und Worms und protestantieren und reformatieren, nein wir occupyen. Wir hämmern den Bankstern 95 Thesen in die Kürbisse, meintewegen auch in Melonen oder Zuckerrüben und dann suppen wir das fair. Wir sind nämlich auch die Ablässe leid, die uns die Tetzels der Aufsichtsräte aus den öffentlichen Haushalten leiern. Was übrigens auch für VersicherungsAllianzen gilt, die sich gebärden, wie einst die Päpste, gell. Aber das wird hart mit den Thesen. 95 Stück. Schnitzen. Meine Fresse. 95 Kürbisse. Wir werden die Geister rufen müssen, uns verkleiden, uns zu begleiten. 95 Thesen zur Occupy-Reformation der Ablass-Bankster. Im Püssness-Gewande werden wir umherkreischen: „Trick or Treat “ und reform-bankologische Diskurse führen, bis der Taler wieder wandert. Möge die Nacht mit uns sein. Hallo, halle Ween.

Bürgertheater

„Hoffnung auf größeres Wohlbehagen“ hieß das Stück der Bürgerbühne Mannheim, das wir gestern besuchten. Ich meine damit den „Club der Mouseclicker- und Face-to-Face-Blicker“. Klingt verwirrend? War es für mich auch. Zunächst. Inzwischen verstehe ich ein Stückchen mehr, was diese Bürgerbühne eigentlich soll. Über den Club werde ich noch berichten, wenn er wirklich Fahrt aufgenommen hat, noch tasten wir. Aber auch hier wird deutlich, dass Theater das ernst meint, mit der Partizipation. Gerade entwickeln wir zusammen ein „Mission Statement“ mit der Marketing-Abteilung des NTM und werden die Kampagne für das zweite Bürgerbühnenfestival zusammen mit einer Kommunikationsdesignerin entwickeln. (Off topic: O. k., die Welt ist klein, im März, als einer meiner ersten Rentneraktivitäten war ich zur Vernissage ihres Buches im Zeitraum Exit). Auch hier das Prinzip: Laien zusammen mit Profis. Alleine das Unterfangen finde ich erstaunlich. Das ist also nicht irgendwelcher VHS-Kram. Das Theater begreift das als ernsthafte Produktion. Spartenübergreifend. Für mich brechen Vorurteile gegen die „Arroganz“ des Regietheaters (unverbindliches Beispiel) auf. Welch ein Elend, ich muss mir neue suchen, ganz ohne geht es ja nicht, gell. 🙂
Das ist eine kluge Idee, die Bürgerbühne. Ich weiß nicht wer sich das, warum, ausgedacht hat, aber ich werde das noch herausfinden! Ich habe sehr den Verdacht, dass da die Idee der Sozialen Skulptur von Joseph Beuys zumindest unterbewusst Pate stand.
Wie gesagt, ich werde davon berichten, oder ihr werdet von dem Club hören, wenn er in der Öffentlichkeit angelangt ist.

Und nun zu dem Stück!
[update] Es gibt jetzt einen Kurztrailer des Nationaltheater Mannheims dazu, der muss natürlich eingebunden werden.[/update]

Elf Mannheimer Migranten erzählen Geschichten und lesen aus Büchern mit Briefen und Berichten von deutschen Migranten in den USA zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Klingt banal, ist es aber nicht.
Da wurde kein Zeigefinger erhoben, keine politischen Sonntagsreden gehalten, kein schlechtes Gewissen erzeugt, keine Ideologie verbreitet oder verteufelt. Ganz langsam, sacht wird die Migration selbst dargestellt, mit überblasenen Bügelflaschen die See erzeugt, die Länge der Fahrt simuliert. Sparsame Requisiten, langsame, bedächtige Laufwege und Bewegungen, effektiv minimalistisches Licht, die Umbauten von den Schauspielern selbst erledigt, aber offensichtlich nicht um zu sparen. Wer in die Texte gucken will, kann im Theatermagazin des NTM (ja, das Theater nimmt das wirklich ernst) mehr dazu lesen, etwas nach unten scrollen, das ist hier online. Es wurde und wird eine melancholische, anrührende Atmosphäre erzeugt, jenseits von Kitsch und Effekthascherei.
Und doch wird eindeutig Hoffnung gezeichnet, ganz vorsichtig, ohne präsidiales Pathos, ohne es genau auszusprechen.
Das war jetzt die zweite Regiearbeit von Dominic Friedel, die ich sah, ich berichtete. Er fand Formen, die passten, verknüpfte richtig, lies die Schauspieler sich selbst sein und brachte ihnen doch die nötige Distanz bei, die für die Bühne notwendig ist. Da wurde nicht vorgetäuscht, dass Schauspieler agierten. Die oft bei Laien zu beobachteten Seltsamkeiten des Schauspiels kamen nicht auf. Und doch, das war Kunst! Ich sagte ja schon, dass mich da vieles an Beuys erinnert, obwohl das alles KEIN Fluxus ist. Das werde ich anderenorts einmal machen. 🙂
Ich lernte jetzt auch die Arbeit einer zweiten Dramaturgin kennen. Und ich habe das Gefühl, dass da sauber und bis an den Anschlag gearbeitet wird. Mit Herz und Verstand, ich berichtete wie gesagt. Die Geschichten der Migranten aus Mitschnitten zu deskribieren und umzusetzen, in immer wieder andere Formen zu gießen, künstlerisch aufzuarbeiten, in doch recht kurzer Zeit, Respekt!
Und wirklich, diese angedeuteten Bilder der Regie! Den Bericht über die Nativisten mit echten Folien und einem Overheadprojektor als historische Powerpointpräsentation augenzuzwinkern, hatte etwas als Form. Die Sachlichkeit des Vortrags karikiert unser heutiges OpenData, die Balkendiagramme des Todes, aus Excel geboren, die Grausamkeiten versachtlichen. Doch, es war Kunst. Und der Regisseur war sich nicht zu schade einen der verhinderten Akteure zu vertreten. Die Laufwege darstellend. Doch.

Ich glaube das Theater bietet auch mir wieder Dinge. Jenseits der Klassiker und dem Geschrei ob dero Aufführungsformen. Da tut sich etwas. Danke.
Den Akteuren geht es wohl genauso. Das war auch ein richtig gutes Nachgespräch. Doch.

Ach und das Casino im Werkhaus hatte ich jahrzehntelang vergessen. Warum eigentlich? Da hingen wir doch früher auch immer ab. Und das Outfit ist geblieben. 🙂

Zeitlos

Meine Zeit hat sich umgestellt. Ich wußte es zunächst nicht, aber sie hat. Sie hat mich verlassen, die Zeit, meine liebe, alte Zeit. Sie ist weniger jetzt, und mehr. Eine neue Zeit, die so alt ist wie sie selbst. Ich laufe an ihrer Hand die alten Wege neu, die nie ein Ziel waren, denn mein Ziel ist ein Ziel, mein Weg die Zeit dorthin, auch wenn sie sich stellt, mich mit sich umstellt von der Dünkelhell zur Schunkelschwarz. Meine Dunkelheiten strömen jetzt viel früher in die Sterne, funkeln dort, torkeln dem Winter entgegen, wenn die Kerzen wieder flirrend Träume wachsen werden und die Kälte uns die Betten wärmen wird, wie dieses Uns das eitel wuchernde Wir. Selbst unter den Hellen, an diesen kleinen, kurzen Tagen aus Warten und Sehnen, schwebt die samtschmutzschwarze Nacht stets am Horizont aus Leichtsandmehl, direkt unterhalb des Zentralgestirns, das ich in diesen Zeiten den Titel Sonne neu durchschreiben lasse. Unter diesen graunachtschwarzen Himmeln, den Regentropfen, die sich nach dem Gipfelschnee der Sommer sehnen, diesen Firmamenten, die mich sanft umhüllen, tanz ich mit der Kälte und den Krähen Salsa auf vermatschten Wegen und sing‘ Lieder aus fernen Zeiten, so nah. Ich spüre Arme pulldownover, zum Tango, auf rauhreifen Wiesen im Zwischenschlaf, den die Träume lieben. Meine Zeit hat sich verloren in mir und schwebt sanft , an diesen kleinen, nassen Tagen, als sie sich umstellte, lang nach Mitternacht. All ihre Stunden ringelreihen mit den Sekunden, vergraben sich zu Gedanken in Tage und Äonen, fliessen in Kaskaden in mein Hirn, bauen Bilder aus Nebelzärte und Schwarzkonkon zu verschwommener Klargewissheit in alle Zeit der Welt, wenn sie den Atem anhalten wird für uns. Meine Zeit hat sich umgestellt, sie behauptet, wie jedes Jahr.

Spazieren

Weisse Mauern
starren in die Sonne
die Hitze klebt am Mond
scharfe Speisen
singen leise Lieder

Sonnenkerne spuk
ich Universum
Blätter rascheln
das Nest im Baum
bruncht dürre Äste

Krankheit jagt
durch Unterhölzer
treibt Menschen
Wild stiebt das
Leben unter Reben

Nebelhaare wuchern
im Tiefflug über Wiesen
in der Ferne spielt der Tod
Bossa Nova in die Büsche
Karren ziehen sich zu Bahn

Steile Hänge
ebnen sich durchwaldet
pfeifen harschen Atem
über sieben Hügel
rauschen Feste

Weiße Sonnen
starren auf die Mauern
hitzig klebt der Mond
an Deinem Mund
ein Kuss flieht unter Decken

Drachrhein, was das wohl gibt?

(Sag nicht „making of“! Und ja das ist ein Arbeitstitel, aber verratet es nicht!)
Ich schrieb gerade den 3. Artikel zu Drachrhein (da muss ich morgen vor „Erscheinung auf Blog“, nochmal zuarbeiten) und erkannte, was das jetzt wird! Eine Bloggerie! Eine Serie, wie ich sie früher mit den Weihnachtsdingern hinlegte. DMC, xmas, Weihnachtsmann. Die Blogs dazu gibt es nicht mehr, nur noch die eBooks dazu. Einfach (fast) jeden Tag einen Blogpost hingeknallt. Ohne Plot, ohne Ziel, einfach sich treiben lassen. Da eine Idee, den Zeitgeist mit einfließen lassen, spitze Bemerkungen zu Tagesthemen, die Lust zu erzählen, ganz kurze Posts, lange Posts. Maf würde „Daily Writing“ dazu sagen. Und ich habe das doch schon 3 mal gemacht. Das wird eine Sause. Ich muss mich ja auch nicht #burgenbloggerlichstaatstragend schreiben, nur mikelig. Und falls der Lauf klappt, wird es ein Büchlein mehr geben. Vielleicht. Und wenn es mir zu blöd wird? Dann höre ich einfach auf. Ich bin ja passiv. Altersteilzeitler. Ja, das Ding wird drüben unter #burger abgehen. Damit hier Platz für die Lyrik und so bleibt. Ich freue mich darauf. Und dann werde ich auch endlich meinen Minneburg-Post los. Minnegesänge von Drachen…. Live aus der Minneburg…..(sagte ich schon einmal, dass ich dort mein erstes Liebesgedicht schrieb? Mit 12? Für ein Mädchen, das heute, aber das gehört nicht hierher. 🙂 Das mit der Minneburg hat Frau LandlebenBlog bei mir wieder angeregt und ich frage mich ob sie da auch als #burgenblogger kandidierte? … Minnegesänge von Drachen, live aus Neunkirchen, wo einst die Zeltlager…. das wird wohl dann, eagl. Das wird!

Dauungen

(es könnte auch Dienstmitte gewesen sein)

Riesenpupillen streicheln meine Nase
spucken Strahlen auf meine Zunge
beben mich im Rückgrat
Mein Objekt haart um die Ohren
Ich grase durch alle Gassen
dampfe Rosen zu Honigwein

Auf einem Berg tragen Waffen
Wortgefechte aus Atomen
spielen mit frischen Castoren
Gesänge muntern Kerzen in die Hänge
Rote Telefone baden im Wasser
das sich selbst mit ungesalzten
Tränen weiht

Kein Volk wählt Prozente
Kurze Hosen pusten Seifenbalzen
durch Hemisphären
hier füttert ein leicht
geschminktes Menschenrecht
die Müllberge mit
Paragraphen die keiner misst

Im Garten sprüht die Lust
unzerkaute Spasmen
Am Rand der Welt fallen
die Schuppen in Tonnen
aus ungestiefelter Schokolade
die Kater braten Sperma
auf offener Musik
mit Noten