Manchmal rollt sich die Welt



Ein „daily painting“ eingefügt mit freundlicher Genehmigung von Maf Räderscheidt. Original hier!
Manchmal rollt sich die Welt wie Bälle über Kriege und den ganzen Mist, fühlt einfach und wenn es nur Sekunden sind… Lyrische Texte zu Fußballweltmeisterschaften 2014, 2010, 2006…


Sahne (2014)

Mit dem Döschen
im Abseits
dieser Richter
würde ich gerne
der Fifa und Konsorten
auf den Rasen spritzen
Dummheit und Geldgeilchen
zerschwadronieren
aber besser wäre
doch für die Welt
und uns und dich
Gedichte aus aller
Welt soviele Nationen
und die Poesie
passend zu uns Toren
die wir trotz allem
schreien
Toooor
weil wir Menschen
sind und trotz alledem

Ballwirtschaft NullZehn I (2010)

Kleine Bälle
spielen mit
den Füßen
kitzeln
auf den Rasen
Seelchen grinsen
frisches Bier
über dreißig
Silberlinge
fauchen spitze
Schreie mit
den Elfen
meter mich

Nationalbälle (2006)

zwiebelgehüllte bälle
plärren türhüter
zu bundesadlern als kroko
rollen den rasen rasend
löcher in netze
den ballermännern zum frasse

hupgebrülllust
stellvertritt mein sieg
jagt auf gelb-rot-grünen halmen
trostgeschmierte ecken
von außen nach innen
zum letzten mann

hurragedünstet
von elfen-männern beschossen
watscheln stolze nationen
vom sudden death
zu ungeahntem höheren orts
bierschaumgeboren

starke recken staksen
knietief watend in interviews
schnattern chatten stammeln
bälle in tausend zeiten
zu millionen toren
toren die
Ball der Füße

Sterne hauchen Fußballfelder
Elfen treten Meter
Bälle vögeln Grünparkett
Ein Tanz schwebt hinter
bleichgegrölten Netzen
Dicke Stollen treten nach

Dikulturell

(Ein Heidelberger Workshop suchte mit der SAP und Jagoda Marinic -was schon einmal sehr bemerkenswert ist, das mit der SAP- nach einem Begriff, den das albern-hölzerne Wort „Migrationshintergrund“ ersetzen könnte und mir gefällt „Dikulturell“ sehr gut und stampfe es versuchsweise ins Blog)


Als diese Franken
hierher migrierten
entschuldigung
Land nahmen
und zum Beispiel in
Worms
die keltisch-romanische
Dikultur mit schwieligen
Schwertern zerbröselte
wo waren die
Legionäre einst nicht
überall her vom mare nostrum
et cetera ihr kennt das ja
erinnert ihr Euch
noch an die Skalven
in Ladenburg und die
Hilfstruppen der Legionen
und seit wir Nationen
in Weltkriege stürzten
und international die
Genfer Konventionen
nicht wahr als letzten
Anker in die Blutmeere
und Wosinddieflowers warfen
Reden wir nicht von den
grünen Bannern der Propheten
in deren mare fast nostrum
ist ja schon lange her oder wie
und heute so unsere Dikultur
aus Spargeldöner und
Maultaschenlasagne
und den immer gleichen Krämpfen
zum Beispiel der Kulturkämpfen
der TAZ-Berliner gegen die Schwaben
wo sie doch Hohenzollern sind
So der tägliche deutsche
Alltagsrassismus
Gott sei Dank können wir im Elsass
wieder im Dialekt den Euro beschimpfen
gemeinsam hiwwe wie driwwe
und die Ossis und die Wessis
dikulturell von Russen oder Amis
besetzt gewesen Nastrowje Woodstock
Dikulturell welch geiles Wort
Mein Gott schon ewig sind wir das
und ja das mit Luther und dem Papst
dikulturell.. Wisst ihr noch
die Trennwand zwischen
den Konfessionen in der
Heidelberger Heilig Geist
gekichert..
dikulturell
Willkommen Schwestern und Brüder
und alle dazwischen
gegendert
oder so
dikulturell