Jahreszeiten, neue

Ich sah ein Jahr, in freier Wildbahn. Es huschte und wuschte, lies sich nicht fangen, sprang über Mülltonnen, krabbelte auf SAT-Scheiben, sprang über meinen Schatten, küsste mein Ohrläppchen, zwickte meinen linken kleinen Zeh. Da waren es zwei, in freier Wildbahn, zwei Jahr kopulierte ein drittes Sie flogen zur Sonne, bräunten sich im Mondlicht, gebaren Worte aus Sonnenkorn, beglüht zwischen Alpha Centauri und den Ringen des Saturn. Sie ergaben sich mir, schliefen die Nächte zu Tage, verschwanden wieder in den Tiefen meiner Schwärze. Ich verstecke sie für Euch, falls ihr welche braucht. Sie leben und leben und leben. Morgen zieh ich ein neues aus den Löchern, die ich erschreiben werde. Ein Neues Jahr, für dich ganz allein. Es wird dich küssen und mit dir leben. Füll es doch selbst, es müssen keine Worte sein.

Was interessiert mich die Tarifverhandlung der Kandesbunzler

Meine Achsel zuckt
kleine Nachrichten
ruckeln meinen Buckel
Meldungen fressen sich
Kandidaten schmieren
meine Himmel
parolieren mich
Meine Achsel zuckt

zuck and a ruck
ruck zuck zuck
Achtel um Achtel
zuckzuckzuck

Listening to: Santana: All that I am

Neumond Street View IV zu Silvester

Aus einer Mail von Eva Wal:

Zum vierten Mal trifft sich die Autorengruppe mit

Wolfgang Allinger, Mikel Bower, Adrienne Brehmer, Georg Raab, Chrizz B.Reuer, MoNika Stolzenberg und Eva Wal

im Atelier Neumond in der Bonner Altstadt, um durch Bonn zu streifen und dabei Sinnliches, Lustiges oder Nachdenkliches aus der Wahrnehmung zu Papier zu bringen oder in den Laptop zu tippern.

Am Abend des 31. Dezember senden wir unsere frisch geschriebenen und live gesprochenen Texte sozusagen taufrisch in die Soundcloud.

Zuhören können Sie/ könnt Ihr ab 23:00 h auf www.evawal.blogspot.com oder auf http://www.facebook.com/atelierneumond

Idee und Konzept: Eva Wal

Siehe auch Streetview III

Märchen? Gerne! Eine öffentliche Entgrimmung.

(200 Jahre sind ehrbar, aber jetzt ist genug!)
Es war einmal. Es gab eine Zeit, in der ich Old Shatterhand und Donald Duck fand, um endlich Schneewittchen zu entrinnen. Diesen seltsamen Prinzessinnen, den Hänsels und anderen Jungen-bratenden Hexen. Die Märchenwelt verstörte mich. Nein, nicht wegen der Grausamkeit, sondern ob der transportierten Inhalte. Frau Holle, jo. Der bescheuerte Hans im Glück. Die versteckten Drohungen alá Rotkäppchen. Und immer das war einmal. Und wenn sie nicht gestorben sind. Welch krasser Unfug, natürlich sterben alle. Immer. Ich war ja Messdiener und durfte als 10-jähriger unzählige Beerdigungen begleiten. Hey, da draußen tobten die Beatles. Und es gab Bücher, Bücher, Bücher. Endlich. Niemand quälte mich mehr mit Froschkönigen, diesem ganzen Adelskäse. Knechten, Rittern und was weiß ich. Und irgendwann entdeckte ich die Fantasy & SF. Märchen, Märchen, Märchen. Bis heute. Aber tut mir Leid, bleibt mir weg mit den grimmschen Märchen. Die hatten ihre Bedeutung, global und für die Literatürwüssenschaft. Oui. Nicht für mich. Meinen Kindern las ich nie Märchen vor. Ich erfand sie. Neu. Geschichten. Solche. Z.B. Tut mir Leid, ihr Grimms, ihr seid gestorben und lebt bei mir nicht immer noch. Zurück in die angeschlossenen Märchenhäuser.
Äh, ja und Pipi Langstrumpf war meine Heldin, neben Winnetou… :))

Ach, der Untergang

erklärt, ein faketives Fragment
..sagt es ihnen endlich? Du kannst es nicht aufhalten, sie werden es irgendwann erfahren. Hör auf mit dem Gegrinse, Michael. Wenn ich in diesem Raum noch einmal das Wort Erzengel höre war das Armageddon eine Milchparty. Es ist seit Jahrhunderttausenden vorbei. Und jetzt wieder dieses Maya-Geschwafel. Angst und Schrecken, auch für die Guten! Wie immer von den himmlischen Mächten verbreitet. Was seid ihr Helden! Es macht mich fertig. Ich bemühe mich um ein wenig Menschlichkeit in dieser unserer Hölle und dann kommt ihr immer und lacht uns noch auf ewig aus. Dieses dämliche Ewigkeit-Ihr-Sünder-Lächeln. Ich will gar keine zweite Chance, die mir Heilige immer verwehren werden, keine Sorge. Ich will nur, dass ihr Euch aus der Hölle heraus haltet mit Euren Heiligenscheinen. Hier kann niemand heilig werden, nie mehr, seit damals. Hier ist die Hölle, hier gibt es nichts zu heiligen. Bleibt endlich weg und sagt es meinen Leuten: Der Weltuntergang fand schon statt. Irreversibel. Das Paradies ist exklusiv, hat mit Euch nichts zu tun. Ich sage es ja dauernd, aber wer hört schon auf Luzifer? Ich will doch nur, dass sie menschlich sind, zueinander. Heilig geht doch gar nicht, wie ihr wisst. Warum sagt ihr es ihnen nicht? Was quält ihr mich mit Studien, die doch nur………

Klein Schiff wird kommen, Nikolaus

Listening to: Nicole Jo „need to be funky“

Zweitausend Papierschiffchen segeln auf den Pfützen des Opernplatzes, ich ziehe keine Karte mehr. Kein Los. Schiffchen aus Geld. Die Bank ist nicht pleite, sie existiert nicht mehr. Das Geld segelt über die Pfützen, ein gütiger Wind pfeift Samba. Wir essen die Monopole an ausgelassenem Parteienspeck zu einer Suppe aus broschierten Multimedias. Wir falten, falten, falten. Schiffchen 10000er 2000er. Und morgen die Milliarden der Welt, für die Pfützen der zwanzig Kontinente. Unser Hunger ist groß, wir falten und falten. Billionen, Trillionen. Schiffchen aus Hüttenfeld und Sezuan, grüß dich Bert. All unser Geld gefaltet zu Schiffchen für das Korn aus Ägypten. Jeder Tollar zu Schiff mit einem Korn für dich. Am Ufer der Wehmut, im Sicilium aus enthaupteten Smartphones stehen die Kinder und beten mit Nikolaus. Der Chor der Ratings taktet im Bass. Klein Schiff wird kommen und das bringt uns Korn. Heissa, hopp sa sa. Korn, Korn, Korn. Klein Schiff und keine Buddl voll Rum. Korn, Korn, Korn. Zweitausend Papierschiffchen für den Hunger der Welt. Gefaltet, wie die Hände. Milliarden Hände. Schiffchen voll Geld. Klein Schiff wird kommen, heissa, bald ist Nikolaus Abend da. Schiffchen aus Tollars auf den Pfützen des Opernplatzes. Zweitausend Geiger sind umschlungen, ach ihr Millionen. Korn, Korn, Korn, heissa, hopp sa sa. Klein Schiff wird kommen, Nikolaus.