Meine Sehnsüchte spielen miteinander

(Listening to: Daves’s true Story. „Sex without bodies.“ von CD)

Meine Sehnsüchte spielen miteinander, sie brauchen mich nicht. In Goldpapier verpackt fliegen sie komplizierte Muster in den beginnenden Spätherbst. Grauweißschwarz die Wolken mit einem Hauch hell über den Hügeln des beginnenden Mittelgebirges. Kahle Äste träumen die Blätter des fernen Frühlings. Goldpapiere zischen leise Gebete nach Erfüllung.

Dort hinten, wo einzeln Braunblätter in Pfützen baden. Ich gebäre. Neues Sehnen. Hauche Sucht in ihre Nichthaut. Die Brüderschwestern entgolden sich für sie, streicheln, küssen sie ins Sein, weben neue Fäden aus Goldstaub, aus erfüllten Süchten, kleinen Seufzern, Schreien befreit von Lust. Sie saugen Buchstaben aus den Papiertonnen längst vergessener Nachrichtenberge. Sie vögeln, saugen, ach doch kein Sex, körperlos, füllen mich. Quatsch, doch nicht mein Herz, die alte Pumpe. Was weiß ich, wo dieses Seelchen icht. Nein, nicht im Hirn, dort hab ich keinen Platz für so was. Ich suchte das Sehnen rings um mich. Komm mir keiner mit Astral & Co. Keine Eso für die Terik. Schlichte Sucht. Sehnsüchte ohne Ziel, ohne Weg. Nur die Tanz in dem Grau der Wolken, Stücke aus Bruch. Nichts wird, es ist. Die große Sehnsucht, die keine Erfüllung braucht. Abfüllung in Tassen, Flaschen, Container, Tanks. Die Sehnsucht, die Sehnsucht bleibt. An einem Sonntag Morgen, als die Nacht sich wieder der Sonne auslieferte, die Träume versenkte, die Erfüllung lebten. Dumpf das Grau des Lieblingsmorgen, der Hunger bringt, Durst und diese neuen Sehnen, die Zeit der Sucht. Eine Tasse Kaffee pfeift. Ohne Seufzer, lautlos flattert das Goldpapier, wird wieder zu gelben Blättern. Die Älteste der Süchte, fast nicht mehr Existent führt alle Sehnen in das Nichts der Wolken.
Das Grauen hat ein Ende.
Mein Ich giert Nachrichten.
Das Wetter.

Rabimmel, Rabammel, Helau und Alaaf

Die Traditionen um den 11.11 verstörten mich schon als Heranwachsender. Warum bitte ziehen Kinder mit Laternen umher, um einen Mann zu ehren, der mehr als 1600 Jahre tot ist, nur weil er kein Arianer war und mit dem Schwert Mäntel teilte . Ähnlich alt, wie später der Nikolaus. Die Karnevalisten wissen noch weniger, warum sie ihre Kampagnen am 11.11 beginnen lassen. Es wird halt so gemacht. Zwei Traditionen, uralt, archaisch, die ohne Sinn und Verstand weiter existieren, egal ob gerade Barock, Romantik oder die Postmoderne herrschen. Diese Feste sind nirgends niedergelegt, eigentlich nur mündlich weitergegeben und Generation nach Generation feiern. Selbst im Jahre des Herrn, was ja dann auch nicht so genau stimmt nach all dieser Zeit, 2012. In einem Jahr, in dem sich wieder und wieder Religionskrieger betätigen. Sich massakrieren. Wegen einer Religion, die vergleichsweise jünger ist. Ein römischer Offizier, der nicht desertierte, sondern wartete, bis sein Militärdienst beendet war, vom Kaiser, dann Bischof wurde und Mäntel teilte. Dreigestirne in Colognia, die mit einer männlichen Jungfrau werben. Was sind wir alle so aufgeklärt und modern. Jedes Jahr wieder. Mit den Apps dafür und social media dazu. Livestream aus dem Kindergarten und Sessions im Fernsehen.

Am 11.11. und es funktioniert. Mehr als 1600 Jahre. Die Scheiße im ersten Weltkrieg kennt fast keiner mehr, Verdun & co, oder die Schlacht, kurz vor Worms, die dem Römer Martinus so sehr zusetzte, dass er den Dienst quittieren wollte.
Manchmal verstehe ich uns nicht.

Ein dreifach donnerndes Rabimmel, rabimmel, ra……

Ich bin ein Amateur Frau @SibylleBerg, jawoll.

Ich bin Amateur, jawoll. Und morgen um 04:03 ist die Nacht um, wie so oft.

Siehe Sybille Berg: „Selbstbestimmung im Netz und die Lüge von der großen Freiheit“ auf SpOn

Stellen Sie sich vor Mesut Özil schriebe eine Kolumne für SpOn und er titelte: „Die Lüge von der großen Freiheit“. Für diese Kolumnen, die ja dem Gott, den es vielleicht nicht gibt sei Dank, nicht Blog heißen, wohl bewusst nicht, wenn man die Protagonisten betrachtet. Und in meinem fiktiven Beitrag des Özil dorten erzählte er allen Kickern im Lande, sie können aufhören Fußball zu spielen, weil zu Real Madrid schaffen sie es nie, nach dem Kick am Sonntag müssten sie trotzdem am Montag wieder arbeiten gehen.

Hat irgend jemand schon einmal einen Gerneralmusikdirektor eines deutschen Staatstheaters klagen hören, dass zu viele junge Geigerinnen den Besuch der Oper zurückgehen ließen und diese Deppen nach dem Gig mit dem Kirchenchor Rippenweiher Montags wieder arbeiten müssten?

Klagt etwa Xavier Naidoo über Coverbands, die Freitags und Samstags ihre Gigs spielen, um am Montag wieder am Band zu stehen oder im Büro am PC zu sitzen?

Warum gibt es solche herablassenden Reaktionen Amateuren gegenüber aus meiner Sicht nur in der Buchbranche oder im Zeitungs/Radio-Umfeld?

Dieser Hass auf Amateure, die ihr Leben gestalten, wie sie es für richtig erachten, die ihre Arbeit UND ihr Hobby lieben, die das Netz als Distributionskanal für sich mit Wonne benutzen und Schreiber/Musiker/Dichter/Maler/Steinmetz sind, ohne von den Bergs dieser Welt als Nicht-Satisfaktionsfähig angenommen zu werden, ist unverständlich. Wir wären der perfekte Unterbau für eine Branche.

Aber diese Branche pienst lieber, verachtet und verlacht uns, ob unserer Tätigkeiten, reitet den Bundeskulturphilister Neumann zu neuen Gesetzen und lacht,

weil wir montags wieder arbeiten müssen.

Ich rede ja nicht davon, dass wir potentielle Kunden sind. Autoren und Verlage haben keine Kunden, nur Leser. Aber die sind eher nicht wichtig. Man schreibt und verlegt für das Umfeld, die Kritik und das wissende Volk, könnte man meinen.

Irgend jemand von Hanser gerade am lesen? Seid ihr auch so elende Montags-Arbeiter, aufpassen die Berg verachtet Euch deswegen. Nein fragt nicht den Chef, der ist gerade das Netz am hassen, oder so.

Ich verstehe es nicht wirklich. Es wäre so einfach.

So deutsch das alles.

Ach so ja: Ich bin kein Follower von @SibylleBerg

Ach so ja (2), die Abhängigkeit von Konzernen. Frau Berg baut ihre Autos selbst? Baut ihr Getreide selbst an?
Abstrus. Jetzt: Der Abend, das Wetter und meine Heiterkeit.

Rheinkilometer 565

Wolken aus Zornwatte
schieben Tränen aus Rheinweiß
durch die Schiefer
Schifflein blöken
Touristen wie Kohle
Gepökelte Burgen
klappern im Takt
flach gepinselter Niesel
Zerherbstetes Grün
blättert rot in das
Gelblaub der Herren
aus Beton und
sattsamen Dieseln

Rheinkilometer 565 ist Bad Salzig/Boppard im Mittelrheintal. Geschrieben im IC auf der Fahrt nach Bonn am 21.10.